TEST: Panasonic Open True Wireless-Headphones RB-F10 - höchst bequeme Allrounder mit vollem Sound

Der Panasonic RB-F10, der mit dem modernen Bluetooth 5.4 Standard arbeitet, betritt ein Marktsegment, das immer stärker und wichtiger wird: Das der Open Ear-True Wireless-Kopfhörersysteme. Während klassische TWS In-Ears darauf ausgelegt sind, direkt und möglichst gut abschließend im Gehörgang zu sitzen (darum liefern die Hersteller auch stets verschieden große Ohrpassstücke mit), setzen Open TWS-Kopfhörer andere Schwerpunkte.

Kompakt ist auch die Verpackung
Die Treibereinheiten befinden sich bei diesen Modellen vor dem Ohr, was dazu führt, dass Umgebungsgeräusche nach wie vor bewusst wahrgenommen werden können. Klassische TWS-Modelle bringen dafür zwar einen Transparenzmodus mit (als Alternative zur aktiven, meist mehrstufigen Geräuschunterdrückung), trotzdem sind bei einem Open TWS-Kopfhörer das Tragegefühl und die Interaktion mit der Umwelt anders gestaltet.

Case und Ladekabel
Panasonic veranschlagt fürs neue, wahlweise in schwarzer oder beiger Variante lieferbaren Modell einen fairen Kaufpreis von exakt 89,99 EUR. Eine App-Steuerung wurde bei diesem Produkt im Sinne einer maximal einfachen Handhabung nicht integriert. Dafür gibt eine IPX4-Zertifizierung (Schutz vor Spritzwasser) und ein extrem kompaktes Case. Durch dessen spezielle Konstruktion mit dem cleveren Aufbewahrungssystem für die Ohrstücke konnte ein oftmals nicht unerhebliches Problem vermieden werden: Nämlich das, dass das Case deutlich zu groß gerät. Aber auch akustisch, so verspricht es Panasonic, wird einiges geboten. Weil sich die Gehäuse mit den Treibereinheiten vor dem Gehörgang befinden, konnten die Japaner größere Treiber verwenden: 17 x 12 mm messen sie und haben genug Reserven, um über den gesamten Frequenzbereich eine ausgezeichnete Leistungsfähigkeit bieten zu können.

Hier die beiden Ohrstücke
Die Kopfhörer sind kompatibel zu Apple Siri und Google Assistant. Ferner ist Bluetooth Multi-Pairing an Bord. Zudem sind zwei Mikrofone in den Panasonic RB-F10 integriert, und mittels Beamforming-Technologie und ENC (Environmental Noise Cancelling) findet eine Mimimierung der Hintergrundgeräusche statt - sodass man unter nahezu allen Bedingungen Telefongespräche in tadelloser Qualität führen kann.

Sieben Stunden Akkulaufzeit mit einer Ladung, weitere 18 Stunden stecken im Case mit USB-C-Anschluss

Blick ins Case

Das Case von oben mit Panasonic-Logo
Mit einer Ladung halten die beiden Ohrteile des Panasonic RB-F10 sieben Stunden lang durch, im Case warten zusätzliche 18 Stunden. Durch die Schnellladefunktion werden nach 15 Minuten Ladezeit eine Stunde Laufzeit möglich. Das komplette Aufladen des Cases nimmt recht üppige 2,5 Stunden in Anspruch. Panasonic hat ein USC-C- auf USB-A-Kabel, wie meist üblich recht kurz, mitgeliefert. Das finden wir nicht ganz überzeugend, ein USB-C- auf USB-C-Kabel wäre hier unserer Meinung nach die bessere Option gewesen.

Bequemer Sitz

Berührungssensitive Flächen außen an den Ohrstücken
Wie sieht es mit den berührungssensitiven Flächen auf der linken und rechten Außenseite der Ohrstücke aus? Berührt man links oder rechts die Kontaktfläche einmal, wird ein eingehender Anruf angenommen, beziehungsweise man betätigt die Play-/Pause-Funktion. Zweimaliges Tippen auf der linken Seite senkt die Lautstärke, zweimaliges Tippen auf der rechten Seite bewerkstelligt einen Titelsprung vorwärts. Dreimaliges Tippen links erhöht die Lautstärke, dreimaliges Tippen rechts ermöglicht den Titelsprung rückwärts. Hält man die Touch-Fläche 2 Sekunden bei einem eingehenden Anruf, wird der Anruf abgewiesen, hält man die Touch-Fläche 2 Sekunden während eines Telefonats, wird der Anruf beendet. Hält man die Touch-Fläche während des sonstigen Betriebs für 2 Sekunden, wird der jeweilige Sprachassistent auf dem Smartphone aktiviert.
Die Verarbeitung ist insgesamt gut, wir hätten uns fürs kompakte Case noch eine aus haptischen Aspekten heraus angenehme leichte Gummierung der Oberfläche gewünscht. Dass der Mechanismus zum Aufklappen des Cases aus Kunststoff besteht, ist leider auch bei der Konkurrenz üblich. Die beiden Ohrstücke zeigen sich in guter Verarbeitungsqualität, zudem sind die Bügel hautsympathisch bezüglich der Oberfläche.
Freisprecheinrichtung und Klang Musik
Die eingebaute Freisprecheinrichtung hinterlässt einen hervorragenden Eindruck. Der Gesprächsteilnehmer versteht denjenigen, der über den Panasonic RB-F10 telefoniert, extrem gut, die Stimme, so wird nach entsprechender Nachfrage mitgeteilt, rauscht praktisch nicht und klingt natürlich. Man selbst als Nutzer des Panasonic RB-F10 kann ebenfalls nicht klagen: Ein authentischer Klang der Stimme der Person am anderen Ende der Leitung, und ebenfalls nahezu kein Rauschen. Das ist zweifelsfrei ohne Einschränkung erstklassig.
Wir starten durch, und das zugegebermaßen etwas unfair: Denn die Junge Cruise-Version des Metallica-Klassikers "Nothing Else Matters" ist durch den enormen Dynamikumfang und die vielen Details wie geschaffen, um das Können hochwertiger Kopfhörer, am besten aus dem Segment der klassischen HiFi-Headphones für den Hausgebrauch, auszuloten. Und was soll hier ein 90 EUR kostender Open TWS denn schon bieten können? Nun, wie sich zeigt, hat es sich gelohnt, dieses Stück dem Panasonic RB-F10 zuzuspielen. Denn er agiert mit einem überraschend soliden Fundament, hinzu kommt eine gut wahrnehmbare räumliche Tiefe sowie Weite. Klar, was die Fokussierung auf feine Einzelheiten angeht, darf man nicht so viel erwarten, aber das gilt ebenso für die Open TWS anderer Hersteller. Diese Art von Kopfhörersystemen ist auch definitiv nicht für Audio-Gourmets gedacht, die ohnehin in Ruhe hören möchten, sondern eher für diejenigen Anwender, die Inhalten lauschen, zugleich aber nicht den Alltag versäumen möchten.
Bei "Ain't No Sunshine (Eva Cassidy) wird erneut eine wirklich gute Gesamtleistung erzielt. Die Stimme Evas wird sogar recht facettenreich erfasst, und die Trennung der vokalen von den instrumentalen Elementen gelingt gut. Klar, man darf hier nicht erwarten, dass das letzte musikalische Detail zum Besten gegeben wird, aber kleinere dynamische Unterschiede werden mit tadelloser Impulstreue präsentiert. Die Gitarre sowie das Klavier haben ebenfalls genug Entfaltungsspielraum, und die charakteristischen Merkmale der einzelnen Instrumente kommen tadellos heraus.
Der Klassiker "Radio Gaga" von Queen wird von uns in einer 2011er Remaster-Version verwendet. Und ein weiteres Mal machen sich die zahlreichen Talente des Panasonic RB-F10 positiv bemerkbar. Zwar notieren wir keine überbordende Gesamtdynamik, dafür aber eine allzeit klare, von der Struktur her einwandfreie Stimmwiedergabe. Und auch das räumliche Gefühl ist während der gesamten Wiedergabe auf einem authentischen Niveau. der Bassbereich ist gut, wenngleich man hier natürlich keinen enormen Nachdruck erwarten darf. Das schaffen selbst zahlreiche konventionelle TWS In-Ears bei diesem Titel nicht.
"Wicked Game" von Chris Isaac ist der nächste Titel. Und wieder freuen wir uns über einen entspannten und erstaunlich natürlichen Klang. Chris' Stimme ertönt definitiv nicht langweilig oder monoton, sondern weist durchaus feindynamisch korrekt dargebotene Konturen auf. Die Gitarre klingt charismatisch, und der Rhythmus überzeugt uns durch die realistische Ausprägung. Auch hier wieder eine richtig gute Performance, die uns aufzeigt, dass der Panasonic RB-F10 für alle Bedürfnisse des Alltags, auch das tägliche Musikhören, bestens ausreicht.
"Land Of Confusion" in der Disturbed-Coverversion hat mehr Zunder, als wir spontan vermutet hätten, Keine dünne, hohle und in den oberen Mitten überbetonte Darstellung, sondern eine fetzige, klare Wiedergabe: Der Panasonic RB-F10 hat uns hier wirklich überrascht. Klar, ein leicht zischelnder, nicht ganz sauberer Einschlag am Übergang der Mitten zu den Höhen ist bei hohem Pegel wahrzunehmen, aber das war es dann auch. Dynamik, Räumlichkeit sowie die Trennung der Stimme von den Instrumenten gelingt auf einem Level, den wir dem Panasonic Open TWS-Kopfhörer nicht zugetraut hätten.
An seine Grenzen bringt den Open TWS-Kopfhörer der Club-/Techno-Track "Party Everyday" von AXMO. Hier merkt man schon, gerade bei höherem Pegel, dass im Bassbereich akustisch komprimiert wird. Allerdings muss man dem Panasonic für seine "Gattung" Respekt zollen. Andere Open TWS-Hörer bringen hier teilweise deutlich weniger zustande. Der Panasonic RB-F10 gefällt mit einer guten Dynamik und einem guten maximalen Pegel.
Klang Hörspiel
Hörspiel "Drei Leichen zum Frühstück" von Eva Reichl, gelesen von Catharina Ballan: Mit einer natürlichen und sehr angenehmen Darstellung der Stimme können uns die Panasonic RB-F10 Open TWS-Hörer auch hier überzeugen. Auch bedingt durch den enormen Tragekomfort - die Open TWS-Ohrstücke sind enorm leicht sowie kompakt - sind lange Hörsessions kein Problem. Erstaunt hat uns, wieviele spezielle vokale Details die relativ preisgünstigen Open TWS herausarbeiten können.
Klang Filmton
Kommen wir nun zur Wiedergabe von Filmton. Wir steigen bei Laufzeit 25 Minuten in den Action-Blockbuster "London Has Fallen" ein, kurz bevor gleich markerschütternde Explosionen die britische Hauptstadt erschüttern. Die in der Filmtonspur enthaltene Spannung sowie Details wie die Polizeisirene und Stimmengemurmel aus der Distanz werden erstaunlich gut einarbeitet, ebenso die Geräusche der starken Motoren der Limousinen, in denen die Regierungschefs sitzen. Dann kommt die erste Explosion, der es natürlich etwas an Durchschlagskraft und Volumen fehlt - aber die darauf folgenden Schusswechsel wirken recht präzise und durchaus nachdrücklich. Gut schafft es der Panasonic RB-F10 auch, verschiedene akustische Ebenen, zumindest die vorderen, zu diffenzieren. Der Music Score gerät zwar etwas zu weit in den Hintergrund, ist aber auch während des ganzen Action-Spektakels wahrnehmbar. Stimmen stellt der Open TWS-Härer prima dar - und die Explosion der Brücke ist recht detailliert. Problem ist hier eher, dass es an echtem Tiefgang etwas fehlt, was aber natürlich auch am Arbeitsprinzip der Panasonic RB-F10 liegt. Insgesamt notieren wir erfreut eine wirklich solide Darbietung ohne wirklich eklatante Schwächen.
Konkurrenzvergleich

Teufel Airy Open TWS: Der Preispunkt liegt hier aktuell (August 2025) bei 110 EUR, damit sind die Berliner Open TWS etwas teurer als der Panasonic RB-F10. Sofort fällt auf, dass die Airy Open TWS ein deutlich größeres Case mitbringen. Bei den Ohrstücken selbst sind die Bügel beim Airy Open TWS länger, in der Praxis sizen beide Modelle, von Teufel und von Panasonic, extrem bequem. Was die Verarbeitung angeht, gibt es ebenfalls keinen Verlierer, vielleicht wirken die teureren Airy Open TWS etwas hochwertiger im Detail. Die Freisprecheinrichtung, bei den Airy Open TWS schon wirklich gut, ist bei den Panasonic RB-F10 nochmals besser, da Stimme noch angenehmer sowie natürlicher klingen. Insgesamt können beide Modelle auch beim Thema Klang gefallen, die Teufel Airy TWS sind noch etwas dynamischer und bringen etwas höhere Pegel. Der Panasonic RB-F10 kontert mit einer anderen Stärke: Den etwas längeren Akkulaufzeiten. Insgesamt befinden sich beide Open TWS-Konkurrenten auf einem wirklich erstaunlichen Level und verdienen sich eine dicke Kaufempfehlung. Welches der beiden Konzepte es letzten Endes werden soll, hängt von den eigenen Präferenzen ab.

SHOKZ OpenFit: Mittlerweile schon älter (und es gibt eine aktuellere Generation), aber zu günstigen Marktpreisen um die 120 EUR noch erhältlich: Der chinesische Open Ear-TWS mimt die Hightech-Alternative, denn der Open TWS kommt mit einer kompletten App-Steuerung und ist zudem mit ANC ausgestattet. Was eine aktive Geräuschunterdrückung bei einem Open TWS-Konzept soll, haben wir uns schon gefragt. Dass man dadurch besonders störungsfrei Telefonate führen kann, ist aber tatsächlich ein Vorzug, auch wenn die Panasonic-Freisprecheinrichtung noch besser ist. Klanglich erweist er sich als tadellos, auch die Basswiedergabe ist recht kräftig, wirkt aber im Vergleich zu den neueren Konkurrenten synthetischer. Nur mit dem Pegel sollte man es beim SHOKZ Open Ear-Kopfhörer nicht übertreiben, dann treten im Bassbereich Verzerrungen auf, die beim Airy Open TWS praktisch gar nicht und beim Panasonic RB-F10 kaum zu bemerken sind. Die Touch-Bedienung außen an den Ohrstücken der SHOKZ Open Ear-TWS reagiert relativ sensibel, woran man sich aber nach kurzer Zeit gewöhnt. Die gute Verarbeitungs- und Mayterialqualität, das IP54-Zertifikat, die recht langen Akkkulaufzeiten und der extrem bequeme Sitz sind weitere Pluspunkte.
Fazit

Das kann man mal einen Erfolg nennen: Panasonics erste Open TWS-Kopfhörer überzeugen vollumfänglich. Natürlich sollte man die Stärken, aber auch die Schwächen des Open TWS-Konzepts kennen, das ist unabhängig vom Hersteller. Zudem ist die Ausstattung, auch das ist typisch für viele Open TWS-Kopfhörer, eher spartanisch - aber dieser Weg wurde bewusst gewählt. Keine App-Steuerung, die im Alltag für Verzögerungen aufgrund komplexerer Bedienprozesse sorgen könnte, ist an Bord, und natürlich auch keine aktive Geräuschunterdrückung, die bei einem TWS-System, das man vor dem Gehörgang trägt, auch keinen echten Nutzen bringen würde. Kennt man das Konzept, so wird der Panasonic RB-F10 vermutlich zum Lieblingsbegleiter im Alltag. Die beiden Ohrstücke sitzen extrem komfortabel und sind wirklich leicht. Oft ertappt man sich, wie man nachschaut, ob man sie überhaupt noch aufhat. Das hautsympathische Material der Ohrbügel ist ebenfalls zu loben. Die Freisprecheinrichtung ist schlichtweg grandios: Natürliche Stimmwiedergabe, kein Rauschen, tadelloses Unterdrücken von Umgebungsgeräuschen: Das geht für einen Open TWS kaum noch besser. Auch die Touch-Flächen außen an beiden Seiten der Ohrstücke arbeiten prima. Klanglich überzeugt uns der Panasonic RB-F10 durch einen harmonischen, runden Klang und einen tadellosen Bass. Ergänzt werden diese Pluspunkte durch die homogene Stimmwiedergabe.
Hervorragende Open TWS-Kopfhörer mit harmonischer Akustik und erstklassiger Freisprecheinrichtung

Open TWS-Kopfhörer bis 100 EUR
Test 11. August 2025
Test und Fotos: Carsten Rampacher
Datum: 11. August 2025
Tags: Kopfhörer • Open TWS • Panasonic













