TEST: AperionAudio Bravus II 12D - "Kompakter" Neuzugang aus den USA mit innovativer Konstruktion und überragenden Klangeigenschaften

Trotz der großen Auswahl und enorm hohen Leistungsdichte bei Subwoofern haben die neuen Bravus II Subwoofer von AperionAudio, die wir bereits in einem separaten Special näher betrachtet haben, unser Interesse geweckt. Wir haben also nicht lange gezögert und uns einen der bei HiFiPilot erhältlichen US-Amerikanischen Tieffrequenz-Emitter in die Redaktion kommen lassen. Klassisch sollte es sein, also die schwarze Variante, und natürlich das große Modell, also der Bravus II 12D mit 12" Chassis. Momentan gibt es diesen noch für knapp über 799 Euro bei HiFiPilot, der Normalpreis beträgt 999 Euro.

Der aktive Woofer strahlt nach unten ab

Einer der Passivtreiber seitlich

Akustikstoff-Abdeckung

Die aufwändige Konstruktion erfordert einiges an Innenelektronik

Elkos im Detail

In insgesamt vier Varianten gibt es den neuen Bravus II 12D Woofer, darunter Schwarz und Weiß Seidenmatt, Schwarz Hochglanz und Kirsche Furnier. Zum Furnier und der hochglänzenden Oberfläche konnten wir uns leider noch keinen eigenen Eindruck verschaffen, die seidenmatte Variante aber kann mit einer sehr schicken und sauber ausgeführten Oberfläche aufwarten, die an allen Seiten - also vorne, oben und hinten - eine identisch hohe Qualität aufweist. Die übrigen Seiten des Basswürfels werden von den insgesamt drei 12 Zoll großen Chassis eingenommen.

Seitlich strahlen zwei Passivembranen ab und kombinieren das eigentlich geschlossene Gehäuse mit dem Bassreflex-Prinzip - hohe Kraftentfaltung bei gleichzeitig hoher Präzision ist hier das Ziel der Entwickler. Das aktiv angetriebene Chassis strahlt nach unten hin ab, es handelt sich bei allen dreien um identische Komponenten mit einer Aluminium-Membran mit großem Hub. Die Besonderheit des Bravus II 12D ist, dass trotz der aufwändigen Konstruktion mit 3 Chassis eine derart kompakte Formensprache realisiert werden konnte. Kommen jetzt die akustischen Vorteile noch zum Tragen, sehen wir im neuen AperionAudio Woofer einen klaren Gewinner.

Leistung steckt satt im Bravus II 12D-Sub, die Class D-Endstufe realisiert bis zu 850 Watt. Ausgestattet mit einem Hochstrom-Schaltnetzteil soll die benötigte Leistung sofort und kontrolliert zur Verfügung stehen, mit enormer Abwärme ist aufgrund der Digital-Technologie nicht zu rechnen.

Hier werden die Befestigungsstifte der Abdeckungen eingesetzt

Blick ins Innere mit montierten Treibern

Rückseite des Bravus II 12D

Regler und Anschlüsse

Die seitlichen Treiber werden von Akustikstoff-Abdeckungen geschützt, die per konventionellen Befestigungsstiften am 25 mm starken HDF-Gehäuse angebracht sind. Die Chassis sind sichtbar und sauber verschraubt, unten sorgen großzügig dimensionierte Gummi-Füße für ausreichend Abstand zum Boden. Die Rückseite ist von Hi-Level-Inputs sowie Cinch-Anschlüssen und drei Reglern für Phase, Übergangsfrequenz und Lautstärke gekennzeichnet. Die Cinch-Anschlüsse sind vergoldet. Außerdem kann man zwischen Auto-On und einem dauerhaften Betrieb hin- und herschalten. Auch ein Netzschalter, der den Sub komplett vom Strom trennt, ist vorhanden. Auf zusätzliche Schaltungen, wie z.B. ein DSP mit vorgefertigten Presets oder eine Raumkalibrierung wird bei den Bravus II Woofern verzichtet.

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Der Woofer überzeugt mit einer überaus soliden Verarbeitungsqualität, die sich besonders in der sauberen seidenmatten Lackierung sowie den elegant geschwungenen Kanten äußert, sowie einem attraktiven Design. Optisch auffallend sind hier neben den Gehäusekanten die leicht nach innen versetzten Stoffabdeckungen, die mit konventionellen Befestigungsstiften montiert werden. Das gestehen wir dem AperionAudio als gebürtigen US-Amerikaner zwar zu, müssen aber gleichzeitig erwähnen, dass man in dieser Preisklasse (Normalpreis des Bravus II 12D ist 999 Euro) auch magnetisch befestigte Stoffgitter sowie eine plane Schallwand ohne sichtbare Verschraubungen erhalten kann. Gut gefallen uns auch die passgenau integrierten Anschlüsse und Regler sowie die zuverlässig funktionierende Auto-On Funktion.

Klang

Wir lassen es auch mit dem AperionAudio Bravus II 12D zunächst langsam angehen, legen die 2L - The Nordic Sound Blu-ray ein und lauschen klassischen Mozart-Klängen, darunter ein Violinkonzert sowie eine Sonate für zwei Klaviere. Es dauert einige Sekunden, bis der Sub hier in Aktion treten muss - und als er es tut, passiert genau das, was wir uns erhoffen: er fällt nicht auf. Nur die sanfte Unterstützung im tiefsten Bereich, die sonst fehlen würde, fällt dem Zuhörer, der das Stück innig kennt, auf. Dies setzt sich auch in den nächsten Minuten des Stückes fort, als der Bravus II 12D stets mit chirurgischer Präzision eingreift, aber sich nie in den Vordergrund drängt. Die Kraftentfaltung ist sofort da, zieht sich aber genau so schnell wieder zurück und lässt den darüber liegenden Frequenzbereichen ein freies Feld. Das gilt auch beim "Dena Piano Duo". Hier gefällt uns, dass der Unterschied zum Violin-Stück deutlich spürbar ist. Der Bravus II 12D agiert ebenso impulstreu und flink, die Unterstützung im Bassbereich ist aber etwas weicher, samtiger und ergänzt den vollen Klavier-Sound erstklassig.

Direkt im Anschluss hat der Sub schon mehr zu tun. Die experimentellen Sounds von Cikada Duo von Arne Nordheim erklingen. Doch auch hier gefällt es uns, wie "unscheinbar" sich die AperionAudio-Komponente verhält. Unscheinbar keinesfalls deshalb, weil er zu wenig explosiv agiert, ganz und gar nicht. Denn der Bravus II 12D ist explosionsartig mit enormer Kraftentfaltung und einem extrem harten Punch zur Stelle. Unscheinbar deshalb, weil seine massiven Klänge nicht wie ein externes Element in der Kulisse wirken, sondern perfekt damit verschmelzen. Auch voluminös kann er und präsentiert das Gewittergrollen im Hintergrund mit einer fundamentalen Substanz, die auch bei moderater Lautstärke bis ins Mark des Zuhörers dringt.

Doch zurück zu ein wenig mehr "Massenkompatibilität". Beim Konzert der Eagles kann sich der AperionAudio Bravus II 12D mit Don Henley am Schlagzeug verlustieren und setzt auch hier punktgenau und explosiv Akzente. Auch hier fügt sich der US-Amerikaner bravourös ins Gesamtgeschehen ein und präsentiert sich als Teil des Ganzen. Besonders tut er sich durch die hohe Geschwindigkeit und damit einhergehend hohe Präzision hervor. Doch ebenso keine Kritik bezüglich des gebotenen Tiefgangs und der Kraft, hier wird bis nach tief unten voluminös und stark agiert. Dies gilt sogar in unserem großen Hör-Wohnzimmer mit über 35 qm. Der Bravus II 12D wirkt nie überfordert sondern scheint sogar noch mehr Reserven zu haben.

Diese wollen wir ihm mit dem elektronischen Genre und unserer immer noch häufig verwendeten Elements of Life Tour Blu-ray mit Dj Tiesto entlocken. Dies gelingt uns - der Bravus II 12D legt einen explosionsartigen Start hin und schleudert uns die Kickbässe in "Traffic" förmlich entgegen. Dabei spielt er trotz einem überdurchschnittlich stark ausgeprägten Volumen auch sehr präzise und sauber auf. Genau auf den Punkt kommen die satten Kicks, während ein darunter liegendes Fundament für die entsprechende Einbettung des Zuhörers in die Club-Atmosphäre sorgt. Noch eine Schippe drauf legt der Woofer in unserem Ensemble bei "Back in Your Head", dem dritten Track auf der Blu-ray. Hier liefert er in den ersten Sekunden ein beeindruckendes Fundament, dass einen Tiefgang aufweist, den wir aus dieser Gehäusegröße niemals erwartet hätten. Gleichzeitig bleibt er blitzschnell und feuert die folgenden Kickbässe souverän und unbeeinflusst ab. Enorm nachdrücklich tritt er auf und lässt zu keinem Zeitpunkt einen Abriss der kontinuierlich hohen Performance durchscheinen. Der Woofer wird auch nicht besonders warm und bei dem kurzen Besuch direkt an der Komponente fällt auch auf, dass sich die Gehäuse-Vibrationen stark in Grenzen halten, die Konstruktion der US-Amerikaner ist also absolut solide. Diese sehr positiven Eigenschaften bleiben auch bei extremen Lautstärken erhalten, absolut souverän meistert der Bravus II 12D unsere Pegel-Tiraden und bleibt dabei extrem präzise und voluminös. Insgesamt gesehen haben wir eine derartige Performance schon häufiger erlebt, eine derartige Souveränität trotz der kompakten Abmessungen ist aber äußerst selten.

Es bleibt explosiv, allerdings wechseln wir das Genre: Filmton ist an der Reihe und mit Mad Max: Fury Road haben wir uns den Score von Junkie XL entschieden, der die Explosionen und Geschosse während der Verfolgungsjagd des zweiten und der folgenden Kapitel mit harten Industrial- und Steampunk-Sounds verbindet. Zunächst einmal präsentiert der Woofer die Fahrgeräusche des ungewöhnlichen Konvoys extrem authentisch und mit brachialer Gewalt. Man spürt förmlich den tonnenschwere Autozug über einen hinwegwalzen, dennoch werden auch die anderen Fahrzeuggeräusche der leichteren Begleitwägen sehr gut eingearbeitet. Die rhythmischen Trommeln nehmen den Zuhörer komplett ein, erneut stellt der Bravus II 12D sein enormes Volumen und seine Kraftentfaltung trotz seiner Kompaktheit unter Beweis. Als im dritten Kapitel die Schlacht beginnt, kommen wir aus dem Staunen kaum heraus: die vielen unterschiedlichen Ebenen werden vom vergleichsweise klein dimensionierten Woofer exakt herausdifferenziert. Dabei bleibt er stets präzise und liefert punktgenau ab. Die Kombination aus explosiver Kraftentfaltung, dem beeindruckenden Tiefgang und der absolut trockenen, hochpräzisen Ansteuerung sind in dieser Größe und dem aufgerufenen Preis quasi einzigartig.

Prinzipiell haben wir bereits alles gehört, um den Bravus II 12D in dem stark umkämpften Subwoofer-Markt einordnen zu können, es folgt mit "Der Hobbit - Smaugs Einöde" lediglich die Kür, bei der wir nochmals die immense Kraft, die vereinnehmende Räumlichkeit und die extrem akkurate Darstellung des AperionAudio-Woofers genießen dürfen. Während wir bei Mad Max: Fury Road auf die ersten beiden Kapitel setzten, wartet Peter Jackson hier mit den letzten beiden Chaptern auf uns. Der Drache setzt mit seinem Feuer die alten Hochöfen der Zwerge in Brand. Der Bravus II 12D quittiert dies und die Schlacht darum mit intensiven, satten Bass-Schlägen und stellt zudem das passend und stark voluminöse Fundament für das Schauspiel zur Verfügung. Das eigentliche Entzünden gelingt durch die Erfassung der unterschiedlichen Tieffrequenzebenen enorm authentisch. Man meint, man stehe neben dem hasserfüllten Drachen, der seinem Zorn durch das Speien von Lava freien Lauf lässt. Auch bei der Sprachwiedergabe der von Benedict Cumberbatch vertonten Stimme des Drachens leistet der Woofer natürlich hervorragende Arbeit und kann hier wieder die Vorteile der ausgezeichneten Präzision, die wir bereits in den ersten Klangtestreihen beobachtet haben, ausspielen. Hier kann man schon bei relativ moderatem Pegel die subsonischen Elemente der Vocals fühlen, die sich als Kribbeln in der Magengrube des Zuschauers manifestieren.

Fazit

Wir haben die hohe Leistungsdichte bei Subwoofern, gerade was den Preisbereich bis 1.000 Euro betrifft, bereits angesprochen. Dennoch sticht der Bravus II 12D, trotz keiner allzu offensichtlichen Alleinstellungsmerkmale, wie z.B. einer umfangreichen und tief gehenden DSP-Sektion inklusive PC-Software im Saxx DS 120 DSP oder die 1.045 Watt ICEPower-Endstufen eines ebenfalls bei HiFiPilot erhältlichen XTZ SUB 12.17 EDGE, der auch mit einem parametrischen EQ ausgestattet ist, aus dem sonstigen Konkurrenzumfeld klar heraus. "Offensichtlich" auch deshalb nicht, da der AperionAudio-Woofer durchaus Merkmale bietet, mit denen kaum ein anderer am Markt aufwarten kann. Zum einen ist das natürlich die Konstruktion mit drei Chassis, die in ein extrem kompaktes Gehäuse transferiert wurde. Doch was der Bravus II 12D daraus akustisch macht, das ist das eigentliche Phänomen. Einen derartigen Tiefgang, gepaart mit explosiver Kraftentfaltung und chirurgischer Präzision aus einem solch kompakten Gehäuse zu realisieren, ist das Meisterstück. Daher verzeihen wir dem AperionAudio Bravus II 12D das Verzichten auf einen EQ und sonstige zusätzliche Features und verleihen ihm unsere höchste Auszeichnung. Man muss bedenken, dass das Umfeld, in dem der Subwoofer aufspielen darf, stimmen muss. Wer lieber mit DSP-Schaltungen in der Komponente selbst das akustische Potential herauskitzelt, ist mit anderen Vertretern im Genre besser bedient. Bei passender Räumlichkeit aber, findet man kaum einen besseren, schnörkellosen Subwoofer, der brachial kraftvoll, enorm tief und derart präzise aufspielt - definitiv nicht in dieser Größe.

Die Begrifflichkeiten Tiefgang, Volumen und Kraftentfaltung müssen nach dem AperionAudio Bravus II 12D innerhalb der kompakten Subwoofer neu definiert werden

07.02.2020

 

Test: Philipp Kind
Bilder: Sven Wunderlich
Datum: 07.02.2020

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