SPECIAL: Besuch bei Hegel - Innovation trifft auf Flexibilität, Agilität und den Mut, anders zu sein
Fahren wir fort mit Hegels Mitarbeitern in anderen Ländern. Zusätzlich zu den Mitarbeitern in Oslo hat Hegel noch drei Mitarbeiter in den USA und einen Mitarbeiter in Kanada. Dass man mit einem so kleinen „harten Kern“ agiert, macht Hegel flexibel und leistungsfähig, jeder packt mit an und es gibt eine flache Hierarchie. Vieles, was andere Firmen als zusätzliche Abteilungen im Haus haben, hat Hegel outgesourct, so die Lagerhaltung oder die Buchhaltung. Hegel entwickelt das Meiste in-house, gefertigt werden die Produkte in China. Bereits seit dem Jahr 1999 arbeitet Hegel mit chinesischen Partnern zusammen, daher ist die Zusammenarbeit heute sehr gut, produktiv und professionell. Nachdem die Hegel-Devices in China zusammengebaut wurden, kommen sie nach Norwegen, genauer gesagt in ein Lager beim Flughafen der Hauptstadt. Auch wenn man über genaue Zahlen bewusst nicht genau spricht: Zwischen 5.000 und 10.000 Hegel-Produkte werde jährlich weltweit verkauft – und das ist ein durchaus beachtlich großer Erfolg, der zeigt, dass das immense Know-How und die große Sorgfalt bei der Entwicklung, kombiniert mit zeitgemäßen Features und dem Design mit hohem Wiedererkennungswert, eine Erfolgsgeschichte ist.

Dafür steht Hegel: Hochleistungsfähige Komponenten mit langer Haltbarkeit (oben: H400, unten: H600). Den H400 hatten wir auch im Test.
Zu einem größeren oder gar großen Unternehmen wachsen möchte Hegel gar nicht. Der Unternehmensphilosophie entspricht es eher, klein und agil zu bleiben. „Wir sind wie ein richtig guter Hot Dog-Stand“, erklärt uns Anders, „wir verkaufen beste Qualität, möchten aber keine zig weiteren Stände eröffnen“.

Hegel entwickelt das Meiste in den Komponenten des Hauses selbst
Hegel entwickelt, wie bereits erwähnt, vieles selbst, DAC-Chips werden aber, wie es auch bei nahezu allen anderen Herstellern ist, zugekauft, so auch beim brandneuen H150, den wir auch bald schon im Test haben. Hier gibt es schon jetzt alle Informationen zum Streaming-Vollverstärker mit dem Codenamen "Prodigy". Hegel setzt beispielsweise auf DAC-Chips an AKM, als vor einigen Jahren dessen Fertigungsstätte eine Großbrand zum Opfer viel, hatte Hegel noch viele AKM-DACs lagernd, zusätzlich aber haben die Norweger auch genügend Backups wenn es zu Schwierigkeiten bei den Lieferanten kommt. Rund um den eigentlichen DAC-Chip baut Hegel eine optimale Umgebung, Bent Holter selbst entwickelt hier wiederum selbst mit. Das DAC-Board ist im Übrigen komplett unabhängig vom Rest des Verstärkers. Generell gilt bei Hegel, dass jedes Bauteil wird mit maximaler Sorgfalt ausgewählt wird, um eine erstklassige Leistungsfähigkeit und eine enorme Langzeitstabilität gewährleisten zu können. Und zum Hegel Gesamtkonzept gehört auch eine aufwändige Stromversorgung, die nicht nur eine stets vorhandene Stromlieferfähigkeit auch unter hoher Beanspruchung sicherstellt, sondern zusätzlich nahezu kein Rauschen generiert.

H150 innen
Bereits der neue H150 zeigt sich innen als hochwertig & konsequent aufgebaut, die großen Vollverstärkermodelle H600 (2 x 303W/8 Ohm) und H400 (2 x 250W/8 Ohm) setzen hier aber noch zwei, drei Steps drauf und beeindrucken beispielsweise mit dem vollsymmetrischen Dual Mono-Aufbau im Inneren. Zudem sind die beiden Top-Verstärker enorm laststabil und fremdeln mit keinem Lautsprecher.

Hegel setzt auf klassische Class AB-Endstufen (analog), die aufwändig feingetunt sind. Praktisch alle Komponenten sind exklusiv nach Hegel -Spezifikationen gefertigt. Hegel kauft daher nicht einfach Baugruppen zu und lässt diese in einem Gehäuse montieren – vielmehr ist, wie schon eingangs erwähnt, die im Haus entwickelte und stetig verfeinerte Technologie das Maß aller Dinge.

Hegel D50 innen - den Highend-DAC hatten wir auch im großen Test
Der Besitzer zum Beispiel eines H400 oder auch eines DACs Hegel D50 "The Raven" weiß dann, dass er ein Gerät mit äußerst hochwertiger, durchdachter Technologie besitzt, in seiner Art einzigartig, und kein 08/15-Modell „von der Stange“.

DAC Loop Schaltung
Der Hegel D550 beeindruckt zudem mit seiner cleveren "DAC Loop Schaltung", die uns auch im Test absolut überzeugte: Hegel sieht den D50 als perfekte Option, um auch ältere Hegel Vollverstärker, aber auch die aktuellen Vollverstärker-Modelle auf den bestmöglichen Stand zu bringen, was die Qualität der D/A-Wandlung angeht. Viele der aktuellen Hegel Vollverstärker sind mit Streaming-Modul versehen, und, wenn auch nur in geringem Maße, gibt es bei derart integrierten Varianten stets klangliche Einschränkungen gegenüber reinen DAC-Signalprozessoren mit perfekter Signalreinheit. Zudem ist ein äußerst hochwertiger D/A-Wandler eine Anschaffung für eine vergleichsweise lange Zeit. Der Hegel DAC Loop kann klar als besonders wichtiges Ausstattungsmerkmal des "The Raven" gelten. Das Ausstattungsmerkmal ist praktisch die Grundvoraussetzung für eine perfekte Kombination mit den genannten Hegel Vollverstärkern. Man kann mittels der Loop-Schaltung den internen DAC des jeweiligen Hegel Vollverstärkers komplett umgehen und den D50 perfekt in die Signalkette einsetzen. Eingangswahl, Lautstärkeregelung, etc. wird alles über den Verstärker gesteuert, und auch die digitalen Eingänge des Amps können verwendet werden. Dadurch, dass der D50 aber die komplette D/A-Wandlung extern vornimmt, kann die Klangqualität, wie unsere Testreihen zeigen, deutlich gesteigert werden.
Insgesamt muss man ganz klar sagen: Der Aufwand, den das wendige norwegische Unternehmen betreibt, ist extrem groß und auch für Firmen, die sich gehobenen bis luxuriösen Preissegment aufhalten, alles andere als selbstverständlich. Übrigens: Der H600 und der H400 besitzen ein komplettes Aluminium Gehäuse und auch Aluminium-Gerätefüße.

H30A, mit 56 bipolaren Transistoren ausgestattet, von innen

Verstärkerzug eines Rack Mount-Verstärkers
Weitere Spezialitäten von Hegel konnten wir ebenfalls live in Augenschein nehmen, so den konsequent hochwertige aufgebauten Verstärkerzug eines Ci-Verstärkers des Hauses, und natürlich den ganzen Stolz der Norweger: Die Hegel H30A, Monoendstufe mit 1100W/8 Ohm, die auch als Stereoendstufe verwendet werden kann. Das werden manche durchaus tun, denn die H30A ist mit ihren rund 18.000 EUR Kaufpreis schon durchaus eine Anschaffung, die sich nicht jeder leisten kann, und wenn man diese 18.000 EUR x 2 rechnet, dann wird es schon ziemlich exklusiv.

Hegel SoundEngine
Ein Thema haben wir bislang ausgelassen, Hegel-Fans sind vermutlich schon erstaunt darüber: Und zwar die innerhalb der Branche schon legendäre Hegel SoundEngine, auch eine In-House-Entwicklung. Sie wird an verschiedenen Stellen genutzt, der wichtigste Punkt ist aber die Ausgangssstufe. Natürlich kann sie beispielsweise auch in der Vorstufe Verwendung finden. Oftmals kommt es die Funktionsweise der Sound Engine betreffend so rüber, dass die Verzerrungen der zweiten sowie der dritten Ordnung komplett eliminiert werden. Dem ist aber nicht so, erklärt uns Anders, denn in diesen Verzerrungen sind auch wichtige musikalische Informationen enthalten, die man nicht einfach ignorieren kann. Daher sorgt die SoundEngine dafür, dass diese Informationen selbstverständlich erhalten bleiben. Was aber bekämpft die SoundEngine am effektivsten? Hier stellt Hegel zunächst fest, dass die schlimmsten Verzerrungen die Crossover-Verzerrungen in der Ausgangsstufe sind.
Beginnen wir von vorn.
Jeder weiß es eigentlich: Wenn eine Geschichte von Person zu Person weitergegeben wird, verändern sich die Details. Es werden Einzelheiten ergänzt, während andere vergessen werden. Das führt dann dazu, dass sich irgendwann die Geschichte verlagert und verändert. Durchläuft ein Musiksignal einen Audioverstärker, stößt man auf einen ähnlichen Effekt. Während das Signal im Audioverstärker von Stufe zu Stufe weitergegeben wird, wird das Musiksignal durch jede einzelne Verstärkerstufe verändert, was für einen reinen, unverfälschten Klangeindruck nicht gut ist.
Denn: Wenn das Musiksignal schließlich die Lautsprecher als ausgebendes Organ der Kette erreicht, ist es nicht mehr identisch zum ursprünglichen Musiksignal der Quelle. Nun kommen wir zum Einsatzgebiet der Hegel SoundEngine. Deren lokales Fehlerauslöschungssystem eliminiert Verzerrungen in den Schaltkreisstufen des Audioverstärkers. Dadurch bleiben die ursprünglichen Details und der Dynamikbereich des ursprünglichen Musiksignals erhalten. Das Resultat zeigt sich in einem wesentlich reineren Musiksignal, das über einen größeren Dynamikbereich verfügt und geringere Verzerrungen produziert. Die patentierte Hegel SoundEngine-Audiotechnologie kombiniert durch ihr Wirken die Pluspunkte von Klasse-AB-Verstärkern mit den Vorzügen von Klasse-A-Verstärkern, ohne jedoch die Minuspunkte von Klasse-A- und Klasse-AB-Verstärkertechnologien zu besitzen.
Die SoundEngine-Technologie hebt die gefürchteten Crossover-Verzerrungen auf, die bei sämtlichen Arten von Klasse-AB-Verstärkern auftreten. Das menschliche Ohr ist äußerst sensibel gegenüber hochfrequenten Verzerrungsanteilen im Musiksignal. Die Hegel SoundEngine Technologie hebt daher hochfrequente Verzerrungsanteile auf, die in konventionellen Audio-Verstärkern vorkommen. Die SoundEngine Technologie setzt nicht auf eine Art von globaler Gegenkopplung, sondern verwendet eine lokale, adaptive Feedforward-Technologie, sollte einmal eine Auslöschung von Verzerrungen innerhalb der Audioverstärkerstufen notwendig sein.

Hegel - anders als alle anderen und dabei erfolgreich
Was kann man bilanzierend über Hegel schreiben? Überall herrschen die kürzestmöglichen Wege vor, Hegel ist und bleibt bewusst eine kleine Firma, die viel in House entwickelt.
Wie uns auch Andreas erklärt: Nicht der Profit ist die Passion, sondern das entwickeln exzellenter Produkte. In die selbe Kerbe schlägt auch anders Anders: „Wichtiger als Geld verdienen ist es, Spaß zu haben und immer menschlich zu bleiben.“
Typisch für Hegel sind Zusammentreffen der Mitarbeiter. Alle trinken bei solchen Meetings zusammen Bier und diskutieren miteinander rege über Hegel-Produkte und deren Anwendungen. Aus der speziellen Stimmung heraus entstehen teilweise auch richtig gute Produktideen, aber manchmal ebenso Dinge, die die Welt nicht braucht . Aber das ist eben Hegel: Unorthodox, anders, und einfach sympathisch. Alles andere als selbstverständlich in einer HiFi- und Audio-Welt, die sonst oft rein von Profit, vom maximalen Gewinn in der kürzestmöglichen Zeit getrieben ist.
Bericht und Fotos: Carsten Rampacher
Redaktion: Philipp Kind
Datum: 15. Oktober 2025
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