XXL-TEST mit Update und Erweiterung: HEOS by Denon AVR – Leistungsstarker HEOS-basierter 5.1-AV-Multiroom-Audio-Receiver im progressiven Gewand?

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Nachdem es für den Heos AVR nochmals eine verbesserte Firmware-Version gegeben hat, haben wir den Test des futuristisch anmutenden 5.1 AV-Receivers nun aufgefrischt und können versichern, dass die neue Version in vielen kleinen Details noch besser geworden ist – gelaufen ist der Heos AVR zuvor schon problemlos, nur selten gab es Grund zu Beanstandungen. 

Akustisch wurde einiges feingetunt. So ist die Synchronität nun perfekt, wenn der Heos Subwoofer (für 699 EUR einzeln erhältlich) im Setup enthalten ist. Der Bass ist jetzt enorm präzise und „hinkt“ dem Rest des Klangbildes in keinster Weise hinterher. 

Auch für die drahtlose Einbindung z.B. des Heos 1 Aktivlautsprechers gibt es Verbesserungen. Früher war es so, dass, wenn eine andere Abtastrate als 44,1 kHz vorhanden war, es zu kleinen Verzögerungen hinsichtlich des Abkommens des Signals gegeben hat. Nun läuft alles perfekt synchron bei jeder Abtastrate.

Erleichtert wurde auch das Hinzufügen und das Paaren von Lautsprechern. So ist es zum Beispiel komfortabler geworden, wenn man noch einen Heos Sub hinzufügen möchte.

Wir haben die Testreihen deutlich erweitert, mehr Beispiele für die Wiedergabe von Filmton und Musik sorgen dafür, dass der Test vom Umfang her gegenüber der Version, die wenige Tage online war und dann auf Wunsch des Herstellers wieder von der Seite genommen wurde (wegen der neuen Firmware, die noch nicht ganz fertig war), merklich zugenommen hat. Nun wünschen wir viel Freude beim Lesen.

899 EUR kostet der HEOS by Denon AVR, der im klassischen 5.1 Layout gehalten ist und sich vom Design her nahtlos in die Heos Multiroom-Audio-Linie einfügt. Decoder für dts-HD und Dolby True HD sind ebenso vorhanden wie dts Neo:6 und Dolby Pro Logic 2. Auch in Mehrkanal-Stereo kann man Musik hören, sie wird dann über alle Boxen des Setups in Stereo wiedergegeben. Des Weiteren ist der Heos AVR auch HiRes-Audio-kompatibel, FLAC HD in bis zu 192 kHz/24-Bit,  ALAC bis 192 kHz/24-Bit, AIFF und WAV (bis 192 kHz/24-Bit) sowie DSD (2,8/5,6 MHz) werden wiedergegeben. Die Gapless-Wiedergabe ist bei Flac, WAV, AIFF, ALAC und DSD gegeben. An verlustbehafteten Formaten nimmt der Heos AVR MP3, WMA und AAC entgegen. 

Was zeichnet den Heos AVR aus? Wenn man bedenkt, dass es für weniger Geld den „herkömmlichen“ 7.2 Kanal AV-Receiver AVR-X2400H, ebenfalls mit Heos-Modul, gibt, muss der Heos AVR doch klare Differenzierungsmerkmale mitbringen. Denon sieht im neuen Vorzeige-AV-Receiver ein Produktkonzept, das sich von bisherigen Devices aus verschiedenen Gründen abhebt. Zum einen wäre hier der Faktor „Flexibilität“ zu nennen. Man kann alle 5 Endstufen des HEOS AVR nutzen und dann ein klassisches kabelgebundenes Lautsprecher-Setup zu bedienen. Alternativ wird es aber auch möglich sein, hinten zum Beispiel zwei HEOS 1 mit Akkupack zu verwenden. Dann ist man auf den Surround-Kanälen wahrhaftig „wireless“ unterwegs, da sie HEOS 1 dank des Akkupacks noch nicht einmal ein Kabel zur Steckdose benötigen. Nachdem nun die neueste Firmware verfügbar ist, funktioniert, wie schon eingangs erwähnt, die Ansteuerung der Rears auch optimal bei jedem Signal.

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Hochwertig gestalteter Gehäusedeckel

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Großer Lautstärkedrehregler mit beleuchtetem Ring – sehr elegant

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Betriebs-LED

Heos-AVR-Oberseite

Schickes Design von oben

Zweiter Haupt-Gesichtspunkt ist das extravagant-elegant auftretende Design mit Alu-Chassis. Sehr hochwertig erscheint der Gehäusedeckel, der auch einen hohen Wiedererkennungswert generiert. Typische HEOS Stilelemente finden sich z.B. in Form der Front mit dem asymmetrischen „Knick“ und in der blauen Betriebs-LED. Sehr edel wird die ebenfalls für HEOS Devices typische Farbgebung in Titan.

Der große Lautstärkedrehregler, der leider nicht gerastert ist, stellt das einzige Bedienelement auf der Front dar. Es gibt kein Display, es finden sich keine Tasten. Wer keine großen Einrichtungs-Klimmzüge durchführen möchte, liegt beim HEOS AVR goldrichtig. „Plug & Play“ lautet hier die Devise. Es gibt kein automatisches Lautsprechereinmesssystem, und es gibt auch kein OSD. Die paar Einstellungen, die man treffen kann, werden mittels App justiert.

Heos-AVR-Fernbedienung

Im Lieferumfang enthalten, das ist neu bei HEOS Devices, ist eine kleine, ebenfalls in Titan gehaltene Fernbedienung. Mute-Taste, Standby-Taste, 6 Favoritentasten, Lautstärkeregelung und Play/Pause sowie Titelsprung umfasst das Layout. 

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Anschlusssortiment. Nur ein Subwoofer-Pre-Out, dafür gute Schraubanschlüsse für die Lautsprecher.

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USB und Netzwerkanschluss

Technisch gesehen ist vieles, was wesentlich ist, mit an Bord. Der eingebaute Class D Digitalverstärker mobilisiert pro Kanal 100 Watt (4 Ohm, 20 Hz bis 20 kHz, 0,1 % Klirfaktor, 2 Kanäle ausgesteuert), das reicht auch locker für größere Speaker-Konfigurationen und größere Lokalitäten. An 6 Ohm verbleiben unter gleichen Bedingungen 65, und an 8 Ohm 50 Watt. Class D-Endstufen arbeiten sehr effizient und produzieren beim Verstärkungsprozess nur ein geringes Maß an Verlustwärme. Wir konnten uns davon überzeugen, dass genug Kraft vorhanden ist, um sogar ein komplett kabelgebundenes Lautsprecher-Setup (also alle 5 Endstufen des Heos AVR laufen) zu betreiben – und zwar in 5.0 Konfiguration ohne zusätzlichen aktiven Subwoofer. Das ist bemerkenswert.

Vier HDMI-Eingänge und ein HDMI-Ausgang sind vorhanden. Wie wir es auch von den Denon AV-Receivern her kennen, entsprechen die HDMI-Terminals neuesten Spezifikationen, das heißt, 4K-Signale können durchgeschliffen werden. Dies funktioniert auch in der Praxis ohne Schwierigkeiten. 

Wie sieht nun die Inbetriebnahme aus und was kann man mit der App steuern? Wir haben entsprechende Screenshots eingefügt, möchten aber zuerst den Start der Inbetriebnahme kommentieren. Nachdem der Heos AVR am Stromnetz angeschlossen ist und die App auf dem Smartphone installiert wurde, kann es losgehen. Wichtiges Detail in diesem Zusammenhang ist das 3,5 mm Miniklinken-Kabel, das im Lieferumfang des Heos AVR enthalten ist. Dieses wird hinten an den Heos AVR angeschlossen, die andere Seite landet im Kopfhöreranschluss des Smartphones.

Wer ein iPhone 7 verwendet, sollte sich vergewissern, einen Lightning auf 3,5 mm Adapter zur Verfügung zu haben. Sind Smartphone und Heos AVR miteinander verbunden, beginnt die Installation. Sein WLAN-Passwort sollte man auch vorliegen haben, denn dieses wird während des Installationsprozesses eingegeben. Das Ganze dauert kaum 2 Minuten, und man wird, bevor die Installation final abgeschlossen wird, gefragt, ob man weitere Heos Komponenten einbinden möchte. Verneint man dies, kann das Kabel abgenommen werden. 

Alternativ, wenn man einen Router mit WPS einsetzt, kann man Heos Komponenten auch anders ins Netzwerk einbinden: Den WPS-Knopf am Router drücken, innerhalb von 2 Minuten in schneller Folge die Verbindungstaste (Connect) 3 mal im Abstand von jeweils 2 Sekunden drücken – anschließend blinkt die LED an der Vorderseite für ein paar Sekunden grün,während der Aufbau der Verbindung zum Router erfolgt. Ist die Verbindung final hergestellt, leuchtet die LED auf der Vorderseite der Heos-Komponente durchgängig blau. 

Heos App 1

Nun kann es losgehen

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Der Heos AVR wurde gleich erkannt

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Nach kurzer Zeit ist der Heos AVR verbunden

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Verbindung mit dem TV

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Schritt für Schritt – so versteht es auch der Einsteiger

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Zur Verfügung stehende Dienste und Quellen

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6 Quick Select-Tasten finden sich auch auf der Fernbedienung

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Sound-Modus

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Auch von Spotify Connect wird der Heos AVR erkannt

Heos App 10

Spotify Wiedergabe

Heos App 11

Playlists auf dem Smartphone – sehr gut: Die Heos App übernimmt die Playlists vom iPhone

Heos App 12

Wiedergabeliste

Der Heos AVR sieht schick aus, bringt wesentliche Ausstattungsdetails wie z.B. HDMI oder das Decoding von dts-HD Master Audio und Dolby True HD mit, und verfügt über kräftige digitale Endstufen – zumindest auf dem Papier. Die Einbindung ins Heimnetzwerk geht schnell vonstatten, die App agiert zuverlässig und bietet eine tadellose Funktionsvielfalt.  

Klang

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Immer im Einsatz: Unser Nubert nuLine-Ensemble, diesmal aber „nur“ in 5.1 und nicht in 5.1.4

Wir haben den Heos AVR an einem klassischen 5.1 Lautsprecher-Setup betrieben und auch an einem 5.0 Setup ohne Subwoofer verwendet. Auch wenn es sicherlich für verschiedene „Use Cases“ ein nicht zu unterschätzender Vorteil ist, dass man zwei Heos 1 für den Surroundbereich anschließen kann, so kauft der Kunde trotzdem eine Endstufen-Einheit im Fünfkanal-Layout ein – daher war uns wichtig, wie sich der Heos AVR im klassischen 5.1-Betrieb schlägt. Kurz noch zum reinen 5.0 Betrieb ohne aktiven Subwoofer: Klar muss man leichte Abstriche beim Pegel hinnehmen, da der aktive Subwoofer den Heos AVR im leistungsintensiven Bassbereich nachhaltig unterstützt. Aber die Class D Endstufe des Heos AVR liefert genug Leistung, um noch bei Pegeln oberhalb der Zimmerlautstärke Standlautsprecher vorne souverän zu versorgen. 

Blu-ray „G.I Joe – Tag der Abrechnung“

Wir starten mit der englischen Dolby True HD Tonspur der BD „G.I. Joe – Die Abrechnung“, direkt ab Filmbeginn. Die eingebauten 5 Endstufen sind zwar kräftig, wer es aber wirklich „krachen“ lassen möchte, sollte einen zusätzlichen aktiven Subwoofer verwenden.

Der Heos AVR schafft eine ordentliche atmosphärische Dichte bei der verdeckten Operation der Spezialeinheit gleich am Anfang des Films. Als der Zaun durchschnitten wird, kommt auch dieser eher kleine Effekt gut heraus. Umgebungsgeräusche werden auf allen Kanälen tadellos eingearbeitet. Der Heos AVR überzeugt uns auch mit der nachdrücklichen Präsentation des Music Score. Faustschläge und Schüsse werden mit solider Dynamik wiedergegeben. Als die Einheit unter dem Zaun durchrobbt und einer der Männer leicht hängen bleibt, wird auch dieses Geräusch sehr gut dargestellt. Die „wilde Party“ im nun folgenden Kapitel bringt der Heos AVR ebenfalls ohne Fehler zur Geltung. Mit unserem Nubert nuLine-Ensemble funktioniert die Zusammenarbeit gut, die klanglich neutralen Nubert-Lautsprecher geben dem Heos AVR praktisch alle akustischen Entfaltungsmöglichkeiten. 

Nach der ersten Szene beginnt der eigentliche Film, die Hauptdarsteller der G.I. Joe Einheit werden vorgestellt. Die Stimme ist sehr klar verständlich, der Spannungsbogen, der schon hier vom Music Score aufgebaut wird, kommt ausgezeichnet heraus. Nach enormer Dynamik urplötzlich eine ruhige Sequenz – Spannung liegt trotzdem in der Luft. Und es kommt rasch wieder einiges an Dynamik auf, die asiatischen Kampfsporteinlagen arbeitet der Heos AVR mit sehr gutem Nachdruck heraus. Wer auf einen separaten aktiven Subwoofer setzt, braucht sich über die Pegelfestigkeit nicht zu beklagen, für Hörräume um die 25 Quadratmeter reicht das gebotene locker aus.

Die Geräusche der scharfen Klingen der Schwerter zeigen: Auch der Hochtonbereich wird ansprechend wiedergegeben. Der Heos AVR klingt angenehm und nicht zu spitz, das heißt jedoch nicht, dass in den oberen Frequenzen zu wenig Emotion und Brillanz vorhanden ist. Die gesamte Klangliche Auslegung scheint „typisch Denon“ zu sein, so dass wir dem Heos AVR bescheinigen können, mit homogenem und dichtem Sound eine Vielzahl potentieller User anzusprechen. 

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Brandneuer „klassischer“ AV-Receiver mit Heos-Modul: Denon AVR-X2400H

Nun ist das Pentagon zu sehen, Helikopter sind zu hören. Anschließend Stimmen – also völlig verschiedene akustische Ebenen, die der Heos AVR in rascher Abfolge darstellen muss. Das wird souverän und impulstreu erledigt, der Heos AVR schlägt sich hier ebenso gut wie die Denon AV-Receiver normaler Größe. Als Vergleich kann man einen Denon AVR-X2300W von 2016 anführen, den wir im Gegensatz zum ganz neuen Modell AVR-X2400H bereits getestet haben. Hier werden nun Leser sagen, dass dieser AV-Receiver ja preislich deutlich unter dem Heos AVR liegt. Aber: Der Heos AVR setzt mit Optik und Ausstattung völlig andere Schwerpunkte, während der 2300W ein klassischer mehrkanaliger Receiver im 7.2 Layout ist. Er hat analoge Endstufen, der Heos AVR digitale. Trotzdem ist das klangliche Empfinden sehr ähnlich, was beweist, wie gut Denon beim Heos AVR die digitalen Endstufen abgestimmt hat.

Zurück zu G.I. Joe. Hier findet der nächste Einsatz statt, mit MP-Salven, Schreien, und natürlich auch gigantischen Explosionen. Diesen ganzen hochexplosiven Cocktail gibt der Heos AVR souverän wieder und lässt auch beim Hörer mit gewissem Anspruch kaum den „Wunsch nach mehr“ aufkommen. Trotzdem, so müssen wir erwähnen, ist ein „normaler“ AV-Receiver natürlich noch lange nicht „aus dem Rennen“. Da beim Heos AVR bewusst nur das Wesentliche mitgeliefert wird, sind mit einem konventionellen Denon AV-Receiver alle diejenigen Anwender besser bedient, die zum Beispiel auf Dolby Atmos oder dts:X Wert legen, auf ein Audyssey Mult EQ XT-Einmesssystem auf ein OSD oder auf noch mehr Anschlussmöglichkeiten. Wer hingegen einen möglichst schicken, leicht zu handhabenden AV-Receiver mit tadelloser akustischer Performance sucht, kann durchaus zum Heos AVR greifen. 

Blu-ray, James Bond 007, „Ein Quantum Trost“

Wie in vielen Testreihen hören wir die Eröffnungssequenz, mit dem Nubert Lautsprecher-Set in 5.1 Konfiguration. Als die Kamerafahrt das wilde Verfolgungsrennen erreicht, ist der Heos AVR sofort zur Stelle und übernimmt die akustische Darstellung der hoch drehenden Motoren sehr gelungen. Der 12-Zylinder im Aston Martin DBS von 007 kommt mit enormer klanglicher Präsent heraus. Der Music Score ist homogen eingebunden. Natürlich ermöglichen teure konventionelle AV-Receiver wie z.B. ein Denon AVR-X6300H bei den Crashs (eine der Alfa Romeo 159 Limousinen donnert in einen entgegenkommenden LKW) noch mehr Struktur und Dynamik, aber für ein „reines Wohnzimmer-Gerät“ wie den Heos AVR ist die Leistung ausgezeichnet. Die tadellose Gelassenheit zeichnet den Heos AVR auch hier wieder aus, man kann daher ohne Schwierigkeiten auch zwei Filme hintereinander ansehen. Bedingt durch den Einsatz digitaler Class D Endstufen, die sehr effizient arbeiten und praktisch keine Verlustwärme erzeugen (wie bei analogen Endstufen), erwärmt sich der Heos AVR kaum und braucht beileibe nicht so viel „Luft zum Atmen“ wie ein AV-Receiver mit analogen Endstufeneinheiten. Das Finale im Steinbruch, als 007 sich seines zweiten Verfolgers entledigt, kommt mit solider Dynamik und klarer Differenzierung tadellos heraus.

Wie gut sich der Heos AVR schlägt, bemerkt man auch an der nun folgenden ruhigeren Sequenz, als 007 mit dem komplett demolierten Aston Martin in Siena einfährt. Der Music Score ist wieder fließend und mit angenehmer Tonalität eingearbeitet. Das Gespräch mit dem gefassten Mitglied der terroristischen Organisation im Gewölbe wird ausgesprochen authentisch präsentiert. Der durch die Lokalität  bedingte leichte Hall wird vom Heos AVR berücksichtigt. Wir finden gerade auch den Umgang mit kleinen Details ausgesprochen gut gelungen. Hier sollte man dem Heos AVR eigentlich ein entsprechend leistungsfähiges Lautsprechersystem zur Seite stellen, damit die klanglichen Qualitäten, die der extravagant gestaltete AVR mitbringt, auch voll zur Geltung kommen. 

In der anschließend startenden Sequenz, als James Bond den flüchtenden Mitchell jagt, der für die Terrororganisation gearbeitet hat, beweist uns der Heos AVR wieder, wie gut der Action-Szenen aus akustischer Perspektive wiedergibt. Das Pferderennen „Palio“, das gerade in Siena genau über dem Verhörort in den unterirdischen Katakomben stattfindet, mit dem schnellen Hufschlag der Pferde und den Zurufen der begeisterten Menge, wird mit einem hohen Maß an Räumlichkeit wiedergegeben. Die Verfolgung zwischen James und dem korrupten Leibwächter zeigt, wie akkurat und impulstreu der Heos AVR arbeitet. Denon hat es somit wirklich geschafft, einen waschechten klangstarken AVR ins „Designer-Gewand“ zu stecken. 

Blu-ray, „Farewell Tour“, Eagles

Musikalisches Mehrkanal-Material kann man sich ebenfalls zu Gemüte führen. Wir haben uns von der „Farewell Tour“ Blu-ray zwei Titel in dts-HD der Eagles angehört: Tequila Sunrise sowie Desperado. Beide Stücke überzeugen durch die gute Räumlichkeit, die gelungene Einarbeitung der Stimme und durch die insgesamt frische, schwungvolle Darbietung. Der Heos AVR gibt sich demnach auch hier keine Blöße und empfiehlt sich auch für Mehrkanal-Musikliebhaber. Wer sehr hohe Ansprüche stellt, wird natürlich trotzdem lieber auf einen großen Denon oder Marantz AV-Receiver zurückgreifen. Trotz der glaubwürdigen Einbindung der Beifallsbekundungen der Fans zu Beginn von „Desperado“ – bezüglich Plastizität und Staffelung der Ebenen geht noch mehr. Aber gut, der Heos AVR ist auch keinesfalls die preisliche Speerspitze im D&M Portfolio, für seinen Anspruch, ein Multiroom Audio-Netzwerk AVR im modernen Design zu sein, verkauft er sich richtig gut. Selbst die Ausarbeitung der Vocals gelingt sehr ansprechend, und die einzelnen Instrumente werden in vielen (wenn auch nicht in allen) Einzelheiten herausgearbeitet. Prima klappt die Zusammenarbeit mit dem sehr starken und enorm präzise spielenden Nubert nuLine-Subwoofer. 

Blu-ray „Tiesto – Elements of Life“ Tour

Wie üblich haben wir die zweite Blu-ray verwendet und hören uns mittels des Heos AVRs die Tracks „Back In Your Head“ und „He’s A Pirate“ an. Wer hier einen sehr kraftvollen tieffrequenten Eindruck bevorzugt und gleichzeitig mit hoher Lautstärke hören möchte, sollte dem Heos AVR einen entsprechend geeigneten aktiven Subwoofer zur Seite stellen – besonders dann, wenn der Hörraum mehr als 20 Quadratmeter groß ist. Wie schon erwähnt, zwingend ist die Verwendung eines zusätzlichen aktiven Subwoofers auch hier nicht. Die Endstufen des Heos AVR erweisen sich als sehr dynamisch und leistungsfreudig. Zusammen mit einem aktiven Subwoofer aber kommt dann das gesamte Bass-Gefüge noch akkurater zur Geltung. Die Differenzierung nimmt weiter zu. Sehr gut managt der Heos AVR das Verteilen der elektronischen Effekte im Hörraum, dieses Merkmal verbindet er mit tadelloser Räumlichkeit. Die weibliche Stimme bei „Back In Your Head“ kommt klar und fokussiert heraus, die bewusste Aggressivität wird vom Heos AVR zwar herausgearbeitet, er legt aber mehr Wert auf ein homogenes sowie angenehmes Klangbild als  manch anderer Kontrahent, der diesen aggressiven Faktor deutlicher hervorhebt. Der Rhythmus bei „He’s A Pirate“ wird mit sehr gutem Timing und tadelloser Dynamik herausgearbeitet. Der Klang „driftet“ auch bei hohem Pegel nicht ab und bleibt harmonisch, so wie man es von Denon-Komponenten kennt. 

Spotify-Tracks in dts Neo:6

In dts Neo hören wir nun, zugespielt von Spotify, „Take It Slow“ von Monogem. Und der Heos AVR kann auch hier überzeugen. Ohne störenden Hall oder ohne nervende Verluste bei der Präzision macht sich der Neo:6 Algorithmus ans Werk, das Zweikanal-Signal für eine 5.1 Konfiguration aufzubereiten. Lebendig, kraftvoll, impulstreu – der Heos AVR gibt keinen Anlass zur Klage. „What Is Love 2016“ von Lost Frequencies bringt auch viel Ausdruckskraft mit – der Heos AVR legt sich erneut mit „klassischen“ Mehrkanal-Receivern an und übertrifft sogar manches Modell dank der sehr harmonischen und lebendigen dts Neo:6 Integration. Obwohl dieser Algorithmus schon ziemlich alt ist und bestimmt nicht mehr im Fokus aller akustischen Betrachtungen, so hat er nach wie vor seine Berechtigung, wenn er so überzeugend funktioniert wie beim Heos AVR. 

Betrieb mit Heos 1 als Rears

Echter drahtloser Betrieb für den Surroundbereich wird möglich, wenn man zwei Heos 1 mit Akkupack für die Rear-Beschallung verwendet. Nicht mal ein Stromkabel wird dann benötigt. Wenn man also drei Lautsprecher (Front links/rechts, Center) konventionell anschließt und drei der Endstufen des Heos AVR einsetzt, kann man mit den beiden Heos 1 im Surroundbereich ein recht räumliches und vom Timing her homogenes Klangbild erzielen. Bei der Wiedergabe von mehrkanaliger Musik wird der anspruchsvolle Hörer natürlich bemerken, dass aufgrund anderer Chassis in den Heos 1 keine so homogene und gleichmäßige Klangcharakteristik geboten wird. Bei hochwertigen abgewischten Filmtonspuren ist dies auch zu bemerken. Aber wer oft bei Zimmerlautstärke und mit normalem bis leicht gehobenen Anspruch hört, macht nichts falsch, wenn er zwei Heos 1 für den Rear-Bereich verwendet. Die Leistung der kleinen aktiven Heos-Boxen reicht auch für höhere Pegel aus, gerade wenn der Hörraum maximal gut 20 Quadratmeter groß ist. 

Stereo 2.1

XTZ-Spirit-11-Gruppenbild

Fürs Geld exzellent: XTZ Spirit 11

Wie sieht es akustisch  im 2.1-Betrieb aus? Als Lautsprecher kamen hier die XTZ Spirit 11 (Frontboxen) und der Spirit Sub 12 zum Einsatz. 

Nun schildern wir unsere Klangeindrücke mittels Bluetooth-Zuspielung im 2.1 Layout. „I Like“ von Keri Hilson kommt gut heraus. Der HEOS AVR fokussiert eine angenehme, nicht zu prägnante Wiedergabe. Die Ansteuerung des aktiven Subwoofers erfolgt stimmig, in Verbindung mit den beiden XTZ Spirit 11 Standboxen wird eine homogene sowie kraftvolle Front-Klangkulisse geboten. Nun lauschen wir dem Duran Duran Hit von 1986 „A View To A Kill“ aus dem gleichnamigen James Bond-Film. Die leichten Mängel des Quellmaterials – ein etwas blecherner Einschlag – kann auch der HEOS AVR nicht völlig vergessen machen.

Er gleicht aber einen großen Teil durch seine homogene akustische Gesamtauslegung aus und sorgt für einen recht sauberen Mittel- und Hochtonbereich. Im Bassbereich gefallen die erneut gute Ansteuerung des aktiven Subwoofers und die damit verbundene Präzision. „Fo Your Eyes Only“ von Sheena Easton, ebenfalls Titelmelodie eines 007-Movies, fördert zu Tage, dass der HEOS AVR auch mit langsameren, emotionaleren Stücken gut zurecht kommt. Die Stimme Sheenas löst sich ordentlich von den Lautsprechern, und die Trennung zwischen Stimme und Instrumenten gelingt auf lobenswertem Niveau.  

Der HEOS AVR fokussiert sich auch im 2.1 Betrieb gekonnt darauf, nie akustisch zu stören, gleichzeitig aber eine dichte und weitläufige Räumlichkeit zu offerieren. Das hören wir auch sehr treffend bei Sheryl Crows „Tomorrow Never Dies“. Kraftvolles Fundament, präzise lokalisierbare Stimme und eine ausgezeichnete Räumlichkeit kennzeichnen den HEOS AVR. 

Fazit

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Neues Konzept, extravagante Optik, kräftiger und lebendiger Klang: Der Heos AVR gefiel uns sehr gut im Testbetrieb. Er empfiehlt sich als akustisch überzeugender Mittelpunkt eines Heos Setups in der Wohnung oder im Haus und fügt sich schon aus optischen Erwägungen heraus bestens in das Gesamtbild einer Heos-Multiroom-Installation ein. Denon hat es geschafft, die digitalen Endstufen so gut abzustimmen, dass klanglich praktisch kein Unterschied zwischen dem Heos AVR und entsprechenden klassischen D&M AV-Receivern besteht. Leistungsstark und pegelfest agieren die Endstufen, wer aber den richtigen Nachdruck im Bassbereich sucht, sollte dem Heos AVR einen aktiven Subwoofer zur Seite stellen. Dann bleibt kaum ein Wunsch offen, und man kann auch durchaus große Standboxen für die Front-Beschallung einsetzen.

Die Ausstattung des Heos AVR hat Denon bewusst auf ein Minimum beschränkt – was wirklich wichtig ist, wurde jedoch nicht vergessen. So finden sich vier 4K-taugliche HDMI-Eingänge mit HDCP 2.2, eine kleine Fernbedienung fürs Handling der Grundfunktionen und auch dts Neo:6 und Dolby Pro Logic 2 bei den Features. Wirklich vermisst wird, für die schnelle Information, ein Geräte-Display, auch wenn ein solches natürlich gegen die Konventionen des sehr speziellen Heos-Designs verstoßen würde. Gut ist die schnelle und komfortable Installation, die wir bereits seit geraumer Zeit von anderen Heos-Komponenten kennen. 

Zu den zahlreichen Vorzügen des Heos AVR zählt auch, dass man zwei Heos 1 als Rear-Speaker wirklich drahtlos betreiben kann, da diese kleinen Multiroom Audio-Lautsprecher mit Akku verwendet werden können und somit kein Kabel mehr nötig ist, auch kein Stromkabel. Günstig ist der Heos AVR allerdings nicht. Mit 899 EUR kostet er (bezogen auf die UVPs) 200 EUR mehr als ein Denon AVR-X2300W im 7.2-Layout, der noch ein vollwertiges Audyssey-Einmesssystem, 7 Endstufen, eine komplette Videosektion und 8 HDMI-Eingänge mitbringt. Diesen lässigen Chic wie der Heos AVR, der eher nach dem „Reduce To The Max“-Prinzip verfährt, bietet der klassische AV-Receiver natürlich nicht, und auch kein Heos-Modul. 

Kraftvoll aufspielender, eleganter AV-Receiver, der perfekt als Mittelpunkt eines Heos Multiroom Audio-Setups dienen kann
ausgezeichnet
AV-Receiver bis 1.000 EUR
Test 27. Mai 2017

Test: Carsten Rampacher
Fotos: Sven Wunderlich
Datum: 27. Mai 2017




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