TEST: Nubert 2-Wege-Stand-LS nuBox 683 – gelungene Überarbeitung für noch besseren Klang?

Nubert nuBox 683 Gruppenbild4

Frisch renoviert: Nubert nuBox 683 für 549 EUR/Stück

Nubert nuBox 683 Gruppenbild2

Hier mit Stoff-Abdeckgitter

Frisch überarbeitet präsentiert sich Nuberts erfolgreiche nuBox-Lautsprecherserie. Besonders hat uns interessiert, wie es um die akustischen Fähigkeiten des Top-Lautsprechers nuBox 683, lieferbar in Schwarz (mit Front in Schwarz oder in Alusilber) und in Ebenholz (mit schwarzer Front, wie unser Testmodell) steht. Nubert selber verspricht auf der Website hohe Performance: „…ein handwerklich sehr solide verarbeitetes Gehäuse, vier hochwertige Chassis und eine sorgfältig abgestimmte Frequenzweiche“ – und das für einen Stückpreis von fairen 549 EUR. 450 Watt Spitzenbelastbarkeit ist eine Ansage, der Wirkungsgrad fällt mit 86 dB (1W/1m) ordentlich, aber nicht überdurchschnittlich aus. Die Impedanz beträgt 4 Ohm.

Um der Box ideale Bedingungen zu bieten, haben wir den Pioneer A-70 Stereo-Vollverstärker und den Pioneer N-50 Netzwerkplayer als zuspielende Elemente verwendet. Dann kann man auch den großartigen Tiefgang ausreizen, der für Nubert auch absolut erwähnenswert ist: Bis auf 35 Hz spielt der 2-Wege-Bassreflex-Standlautsprecher hinunter, meist benötigt man für so tiefe Bässe einen aktiven Subwoofer. Natürlich hat Nubert auch hier vorgesorgt, der aktive Bass nuBox AW-993 kommt noch einige Hz tiefer hinunter und stellt für sehr anspruchsvolle Kunden eine sehr gute Ergänzung dar, gerade, wenn man die nuBox 683 als Frontlautsprecher in einem Mehrkanal-Setup einsetzt.

Nubert nuBox 683 Tieftoener

3 x 220 mm Bässe

Nubert nuBox 683 Hochtoener2

Neu entwickelter 25 mm Hochtöner

Wenden wir uns wieder der nuBox 683 zu. Zwei Subbass-Chassis, auf deren Fahnen eine hohe Impulstreue geschrieben steht, sichern zusammen mit dem großvolumigen Gehäuse diese hervorragenden Bassqualitäten. Insgesamt gibt es einen neu entwickelten Hochtöner mit 25 mm Seidenkalotte und ferrofluidgekühlter Schwingspule sowie drei 220 mm Tieftöner mit Polypropylenmembran. Im Bassbetrieb arbeiten alle drei Tieftöner parallel, der obere strahlt auch den Mitteltonbereich mit ab. Die Tieftöner verfügen über einen Aluminiumdruckgusskorb und weisen eine üppig bemessene Hinterlüftung der Zentrierspinne – alles Merkmale, die eine enorme Klangtreue und eine hohe Belastbarkeit garantieren.

Nubert nuBox 683 Verarbeitung1

Saubere Folierung

Nubert nuBox 683 Halter LS Abdeckung

Stoffgitter im Detail

Mit 37,5 kg Gewicht, 115 cm Höhe, 24,5 cm Breite und 40 cm Tiefe (ohne Gitter) ist die nuBox 683 ein echter „Männerlautsprecher“ klassischer Bauart. Bei allen Design-Variationen (die es natürlich auch im Hause Nubert gibt, siehe nuLine AW-264 oder nuLine AW-284), gibt es demnach bei der konventionell auftretenden nuBox 683 besonders viel Lautsprecher fürs Geld. Die Verarbeitung ist im Übrigen für die Preisliga wirklich tadellos, die Folierung sieht sehr gut aus und ist akkurat auf dem stabilen, verwindungssteifen MDF-Gehäuse mit Wandstärken von 19 bis 38 mm untergebracht.

Im Inneren der nuBox 683 sorgen umfangreiche Versteifungs- und Dämpfungsmaßnahmen für beste akustische Voraussetzungen. Dröhnfrequenzen, die die Klangqualität negativ beeinflussen, werden dadurch zu einem beträchtlichen Teil reduziert.

Nubert nuBox 683 Rueckseite Seitlich1

nuBox 683 von hinten

Nubert nuBox 683 Bassreflexrohre2

3 Bassreflexöffnungen hinten

Nubert nuBox 683 Anschluesse Rueckseite

Bi-Wiring-Terminals, Kippschalter für die Anpassung von Hoch- und Tieftonbereich

Die Schallwand ist mit geringem Spaltmaß am Gehäuse angebracht, das mitgelieferte Stoffgitter sitzt korrekt und ist faltenfrei bezogen. Die hinteren Gehäuseecken sind etwas spitz, aber auch an diesen kritischen Stellen ist die Folierung ordentlich aufgebracht. Auf der Rückseite des Lautsprechers mit einem kompletten Frequenzgang von 35 Hz bis 22 kHz sind gleich drei Bassreflexöffungen, recht weit unten, untergebracht.  Nubert empfiehlt aus diesem Grunde, einen Mindestabstand zur Wand von 3 cm einzuhalten. Unter der nuBox 683 finden sich vier M8 Gewindebuchsen. Vier Metalltellerfüße mit Filzbesatz werden mitgeliefert – alternativ können in die Gewindebuchsen aber auch nuSpikes oder Rollen eingelassen werden. Hinten findet sich noch das sauber verarbeitete Bi-Wiring-Anschlussterminal mit vergoldeten Schraubanschlüssen. Doch damit nicht genug, eine Spezialität von Nubert sind spezielle Klang-Anpassungsmöglichkeiten, die auch bei der nuBox 681 nicht fehlen dürfen. Zwei Kippschalter erlauben eine Beeinflussung der Bass- und Hochtonwiedergabe, kann kann im Bassbereich zwischen einer etwas schlankeren, einer neutralen oder einer besonders substanzreichen Wiedergabe wählen. Der für den Hochtonbereich zuständige Kippschalter offeriert neben der neutralen Mittelposition noch die beiden Möglichkeiten „brillant“ (für etwas mehr Prägnanz) und „sanft“ (für etwas weniger Prägnanz).

Nubert nuBox 683 Innenleben1

Nubert-typisch aufwändig fällt das Layout der Frequenzweiche aus. Hochwertige, selektierte Bauteile sind auf drei Platinen verteilt, anstelle von preislich sehr günstigen Elektrolytkondensatoren verwendet Nubert für den Hoch- und Mitteltonbereich hochwertige, langzeitstabile Folienkondensatoren. Neben den Schaltungen zur Aufteilung der Frequenzen auf die jeweiligen Chassis bietet die NuBox 683 auch noch Schaltkreise zur Impuls- und Phasenoptimierung, das erhöht die Präzision des Klangbildes und verbessert das Abstrahlverhalten. Hinzu kommt eine durchdachte Schutzschaltung, die bei drohender Überlastung den Verstärkerstrom zu Chassis und Weiche unterbricht und sich nach getaner Arbeit wieder selbstständig in den Normalbetrieb zurücksetzt.

Das Wichtigste aber natürlich ist: Wie klingt die nuBox 683? Unsere Erwartungen sind hoch, denn schließlich war es schon in der Vergangenheit so: Wer Spitzen-Klang für wenig Geld suchte, war mit nuBoxen stets bestens bedient. Wir führten den nuBox 683 Hires Material (FLAC/96 kHz) zu und begannen mit Diana Kralls „Gentle Rain“. Hier fokussierten die beiden großen schwäbischen Klangmeister gleich eine fein aufgebaute, klare Stimmwiedergabe, die auch Details nicht unberücksichtigt lässt. Die Instrumente werden durch Dianas Stimmpräsenz aber nicht zu sehr in den Hintergrund gedrängt, sondern bauen sich ebenfalls feinfühlig auf. Das Klavier glänzt durch gute Durchhörbarkeit, zugleich schaffen es die beiden nuBoxen, die Anschlagdynamik ordentlich herauszuarbeiten.

Insgesamt kann man bei der Güte, welche die nuBox 683 bietet, schon nicht mehr von Erstaunen oder Überraschung sprechen – zu gut bekannt sind Günther Nuberts akustische Großtaten auch im preislich eher bürgerlichen Rahmen. Trotzdem macht es zum einen immer wieder Freude, zu wissen, wie man sein Geld gut anlegen kann, und zum anderen ist es interessant, genau hinzuhören, um herauszufinden, was die überarbeitete nuBox 683 nun noch besser kann.  Bei „Lost Mind“, wiederum von Diana Krall, bestätigt sich der Eindruck, dass das Abstrahlverhalten im Hochtonbereich durch den neu entwickelten Hochtöner verbessert wurde: Eine tolle Räumlichkeit, die sich homogen ausbreitet, und eine untadelige Präzision sorgen für volle Zufriedenheit. Im normalen Raum, der weder akustisch besonders lebendig noch akustisch stark bedämpft ist, raten wir, die Kippschalter hinten in neutraler Position zu belassen.

Jazziges lieben die nuBox 683, so auch „Alone For You“ vom Jan Lundgren Trio. Das Schlagwerk kommt akkurat ausbalanciert zur Geltung, das Klavier begeistert aufs Neue durch die tadellose Auflösung und die gelungene räumliche Ausbreitung. Die Modern Jazz Interpretationen des Schweden am Piano mit seinen Gefolgsleuten am Bass und Schlagzeug beweisen eindringlich, dass auch preiswerte Schallwandler durchaus für die Wiedergabe von differenziertem und hochauflösendem Audiomaterial geeignet sind.

„Diamante“ von Sandra und Tony Alessi stellt ebenfalls den hohen Reifegrad der nuBox 683 zur Schau. Besitzer der älteren nuBox-Baureihe müssen sich nicht grämen – so gravierend fallen die Unterschiede zur überarbeiteten Baureihe nicht auf. Wer allerdings ohnehin schon an einen Lautsprecher-Neukauf dachte, kann nun mit noch besserem Gewissen zuschlagen, gerade wegen dem noch etwas besseren Tiefgang, der gesteigerten Räumlichkeit im Hochtonbereich und der besseren Detaillierung über den gesamten Frequenzbereich. Stimmen, ganz gleich, ob weiblich oder männlich, kommen klar und facettenreich heraus. Erst bei sehr hoher Lautstärke verliert die Detaillierung der vokalen Konturen etwas an Güte.

Wenden wir uns nun dem Können der nuBox 683 bei Musik in normaler CD-Auflösung zu. „You Win Again“ – dieser Hit von den BeeGees ist auch symptomatisch für die nuBox-Serie – ein weiterer großer Erfolg steht mit Beendigung dieses Tests unmittelbar bevor. Und den BeeGees Song gibt der große Standlautsprecher mit Verve und Nachdruck wieder, überdies aber keinesfalls unpräzise – hier kommt ein echter Allrounder, überdies noch preiswert und pegeltechnisch hoch belastbar.

Möchte man mit aktueller Trance-/House/Electro-Musik durchstarten, empfiehlt sich die nuBox 683 ebenfalls – beim 2014er Remix der Italo Brothers des 1994er Eurodance-Hits „Up’N’Away“ von Mr.President beweist uns die Box, wie sich enorme Dynamik mit für die Preisliga grandioser Pegelfestigkeit paart. Die elektronischen Klänge schleudert der Standlautsprecher dabei mit Präzision und Nachdruck durch den Hörraum. Bei „Awakening“ von Skyfreak legt sich die nuBox 683 ebenfalls enorm ins Zeug und überzeugt uns ein weiteres Mal mit überbordender Dynamik und massivem Basseinsatz, der aber stets strukturiert und präzise erfolgt. Der Aufbau und der unterschwellige Tiefbass werden exzellent präsentiert – und dann, Dynamiksprüngen, marschiert die nuBox ansatzlos ab – und wie: Der Bass drückt, dass es empfindsamen Zeitgenossen Angst und Bange wird. Die elektronischen Effekte und die Grundmelodie werden mit dichter Räumlichkeit übertragen. Bezüglich der Abstimmung fühlt sich die nuBox 683 der tonalen Neutralität verpflichtet – sie lässt sich weder zu einem leicht warmen, noch zu einem unterkühlten Klangbild hinreißen. Weiterer Klangcheck – „Save My Night“ des niederländischen Star-DJs Armin van Buuren. Wie trocken, hart und präzise die nuBox 683 hier den Bass in den Hörraum – der gern auch rund 30 Quadratmeter messen darf – transportiert, ist immer wieder eine Freude. Hohe Pegel machen der Zweiwege-Konstruktion nichts aus, die drei 220 mm Bässe sind auch enormen Belastungen souverän gewachsen.

Natürlich trifft die nuBox 683 auch auf schlagkräftige Konkurrenz. Vor über drei Jahren konnte sich schon die nuBox 681 bei uns sehr gut in Szene setzen, und immer noch ist dieser nuBox-Standlautsprecher eine ausgezeichnete Wahl. Die nuBox 683 aber bietet mit noch mehr Räumlichkeit und Brillanz im Hochtonbereich und noch präziserem Bass genau das Bisschen an Leistungsfähigkeit mehr, das man von einer Überarbeitung erwartet.

Es geht auch noch günstiger – für 800 EUR Paarpreis rückt aus Berlin die schlanke Teufel T500 Mk2 mit zurückversetztem Hochtöner für beste Gruppenlaufzeiten an. In ihrer Preisliga ist sie mit sauberem und angenehmem Klang nach wie vor exzellent, und das ändert auch die nuBox 683 nicht – aber: Sie bietet für den Mehrpreis gegenüber der T500 auch von allem mehr: Mehr Pegelfestigkeit, mehr Detailtreue, mehr Kraft im Bassbereich. Bilanzierend kann man bei T500 und bei nuBox 683 sagen – in ihren jeweiligen Preisklassen dürfte es schwer sein, noch  mehr Box fürs Geld zu bekommen.

Die Magnat Quantum 755 schließlich besticht durch kultivierten Klang und sehr hochwertige Verarbeitung. Im Hochtonbereich spielt sie sehr brillant auf, manchem dürfte das etwas zu prägnant sein, andere sehen genau das als Vorzug an. Im Kickbassbereich trifft die Quantum 755 genau den richtigen Punkt und offeriert überdies eine sehr gute Feindynamik übers ganze Frequenzspektrum.

Fazit

Nubert nuBox 683 Front Seitlich1

Manch einem Leser wird es langweilig vorkommen. Wieder eine Nubert-Box, wieder ein erstklassiger Test. Warum wird nicht mal ernsthaft Kritik geäußert? So gut können die Produkte doch nicht sein. Wer so denkt, mag ja oberflächlich durchaus richtig liegen, aber wenn man die nuBox 683 betrachtet – und den Kaufpreis mit in die Folgerungen einbezieht -, so muss man sich die berechtige Frage stellen, was man fürs investierte Geld noch mehr erwarten kann beziehungsweise wo Schwächen liegen, die ein exzellentes Testergebnis verhindern. Wir sind keine Redakteure von irgendeinem angesagten Hochglanzmagazin für selbsternannte Schönlinge, die kunstwerkähnliche Gebilde, die auf den dritten Blick an Lautsprecher erinnern, in den Fokus ihrer Berichterstattung stellen. Wir haben nichts dagegen, wenn ein Lautsprecher auch wie ein Lautsprecher aussieht und durchaus optisch konservativ gehalten ist. Außerdem liegt optische Schönheit im Auge des Betrachters. Und an Akustik und Technik der nuBox 683 gibt es nicht nur nichts auszusetzen, sondern es regnet Bestnoten – pegelfest, neutral abgestimmt, dynamisch, räumlich dicht – die Zweiwege-Standbox ist ein echter Allrounder und kommt mit allen Arten von Quellmaterial exzellent zurecht. Überdies bietet sie dank der beiden Kippschalter hinten sogar noch klangliche Anpassungsmöglichkeiten.

Neuauflage eines Klassikers – die nuBox 683 begeistert mit maximaler Klangqualität und aufwändiger Technik zum günstigen Preis
referenz
Standlautsprecher Mittelklasse
Test 12. Mai 2014

+ Enorme akustische Souveränität
+ Pegelfest
+ Tiefgang ausgezeichnet
+ Räumlichkeit im Hochtonbereich
+ Für alle Musikrichtungen geeignet
+ Aufwändige Technik
+ Solide Verarbeitung
+ Günstiger Kaufpreis

– Ausladend

Test: Carsten Rampacher
Fotos: Sven Wunderlich
Datum: 12. Mai 2014




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