TEST: Nubert nuBox 681 - große Box, große Klasse, kleiner Preis ?

18. November 2010 (cr)

Einführung

Für schmale 489 EUR pro Stück können versierte und gleichzeitig preisbewusste Anwender die nuBox 681 als Flaggschiff der beliebten Lautsprecher-Serie erwerben. Von Geschmack zeugt die Auswahl der lieferbaren Farben: Black&Black (Gehäuse schwarz, Frontgitter schwarz), Nußbaum (Front Graphit), klassischer Nubert Style mit schwarzem Korpus und silberner Schallwand sowie Ahorn mit silberner Schallwand stehen zur Auswahl. Mit perfekt sitzender Stoffabdeckung macht der Lautsprecher optisch viel her, hinzu kommt eindrucksvolle Technik: Eine aufwändige Frequenzweiche, Schutzsicherungen gegen drohende Überlastung sowie eine Musikbelastbarkeit von 450 und eine Nennbelastbarkeit von 310 Watt (nach DIN) zeichnen den schwäbischen Schallwandler aus. Wir haben uns die nuBox 681 genau angehört. 

Video-Overview

 

Technik und Verarbeitung 

2 Bassreflexöffnungen

25 mm Hochtöner

3 parallel laufende Basschassis - das oberste gibt noch den Mittenbereich mit wieder

Standfuß mit Filz für guten Stand auch auf kratzempfindlichen Böden

Sauber gearbeitet: Lautsprecherschutzgitter, hier die Rückseite

Anschlussterminal plus Kippschalter

Frequenzweiche aus seitlicher Perspektive

Frequenzweiche von oben

Basschassis

Dicker Magnet

Chassis - Anschluss

Solide wirkender Hochtöner von hinten

Hochtöner aus seitlicher Perspektive

Nubert-typisch ist der Lautsprecher sehr aufwändig aufgebaut. Im Interesse perfekter Gruppenlaufzeiten führt Günther Nubert viele Lautsprecher bis auf die extrem aufwändige nuVero-Serie in 2-Wege-Konstruktion aus, so auch die 32 kg pro Stück wiegende 681. Durch die zusätzliche Bestückung mit 2 impulsorientierten Subbässen ist der Tiefgang ausgezeichnet. So sorgen dann insgesamt drei 22 cm Tieftöner für Wucht und Macht, aber auch für Struktur und Präzision im Bassbereich. Im Bassbereich laufen alle drei Tieftöner parallel, das oberste Chassis überträgt zusätzlich noch den Mitteltonbereich. Mit der Membran aus leichtem und steifem Polypropylen sorgt für eine enorme Impulstreue. Die 25 mm Gewebekalotte überträgt den Hochtonbereich. 
Auf der Rückseite mit Bi-Amping-Terminals finden sich Nubert-Spezialitäten in Form von zwei Metall-Kippschaltern, die die Klangcharakteristik von Bass- und Hochtonbereich beeinflussen. Man kann zwischen einer schlanken, einer linearen und einer angehobenen Basswiedergabe wählen. Der Hochtonbereich bietet die Schalterpositionen sanft, linear und brillant. 
Die verbaute Frequenzweiche besteht aus 37 Bauteilen besteht und mit hochwertigen Folienkondensatoren für Hoch- und Mitteltonbereich bestückt ist. Eine Schutzschaltung passt auf, dass Chassis und Weiche nicht durch Überlastung zerstört werden. Sie kappt in einem solchen Fall den Verstärkerstrom und setzt sich anschließend wieder selbständig in den Normalbetrieb zurück. 

Die rückseitigen Bassreflexöffnungen sind dafür verantwortlich, dass der Wirkungsgrad weiter steigt. Allerdings sollte man es vermeiden, die 681 direkt an eine Wand zu stellen. Das 96 Liter große Lautsprechergehäuse besteht aus MDF in Wandstärken zwischen 19 und 38 mm. Am Gehäuseboden sind vier M 8 Gewindebuchsen eingelassen. Diese dienen zur Aufnahme der mitgelieferten Metall-Tellerfüße mit Filzbesatz. Alternativ können auch andere Zubehörteile mit M 8 Gewindestift verwendet werden wie Spikes oder Rollen. 

Grunddaten:

• Standlautsprecher / 2-Wege-Bassreflexsystem mit Sub-Bass
• Nennbelastbarkeit: 310 Watt (nach DIN EN 60268-5, 300 Std.-Test)
• Musikbelastbarkeit: 450 Watt
• Absicherung: Hoch-, Tieftöner und Weiche gegen Überlastung geschützt(selbstrückstellende Sicherungen)
• Impedanz: 4 Ohm
• Frequenzgang: 44-20.000 Hz +/- 3 dB, mit ABL 29-20.000 Hz
• Wirkungsbereich der Schalter: Bass 50-100 Hz max +3 dB, Höhen 5-12 kHz max +3 dB
• Wirkungsgrad: 88,5 dB (1 Watt / 1 m)
• Abmessungen: 115 x 24,5 x 34/35,4 cm H x B x T (ohne/mit Stoffrahmen)
• Brutto-Volumen Korpus: 96 Liter (ohne Stoffrahmen)
• Gewicht: 32 kg

Die Verarbeitung ist routiniert und hochwertig, für den Kaufpreis kann man kaum mehr erwarten. Alle Chassis sind fest eingepasst, die Folierung des MDF-Korpus ist hervorragend. Die Folie liegt sehr gut an, auch an den Ecken. Die Oberflächengüte ist hoch. Keine Kritik gibt es auch an den Bi-Amping-Terminals, die für Kabel-Querschnitte bis 6 mm2 ausgelegt sind. Die Bassreflexöffnungen sind ebenfalls akkurat eingepasst. Das Innere der nuBox 681 punktet mit sorgfältiger Auskleidung mit Dämmwolle sowie sauberer Innenverkabelung. Erwartungsgemäß können wir auch der Frequenzweiche hinsichtlich des aufwändigen sowie durchdachten Aufbaus sehr gute Zensuren ausstellen. Gesamtnote in Relation zur Preisklasse: Hervorragend. 

Testequipment
Klang

Material:

  • Unheilig – Geboren Um zu Leben
    Marusha – Go Ahead
    Koala – Australia
    Blank&Jones – Flying to the Moon
    Real Booty Babys – Meet her at the Loveparade
    Zatox - Storm
    Discotronic - Tricky Disco 2K10
    Lady Gaga – Bad Romance
    Nightwish – Over the Hills and Far Away
    Nightwish – Master Passion Greed
    Andrea Bocelli, Dell’Amore Non Si sa
    Andrea Bocelli, Attesa
    Andrea Bocelli, Un Nuovo Giorno
    Adoro, Halt mich fest
    Hurts, Wonderful Life
    Stella Starlight Trio, Tainted Love

Klangeindrücke:

Die nuBox 681 macht Laune

Aufgrund der bisherigen Erfahrungen sind wir mit durchaus hohen Erwartungen in diesen Test gegangen – diese wurden von den Schwäbisch-Gmünder Schallwandlern aber souverän übertroffen. Aber der Reihe nach – zunächst müssen wir gestehen, die sehr gut verarbeiteten Boxen nach einer gewissen Einlaufphase direkt mit hohem Pegel „gefüttert“ haben – und wir können nach wie vor kaum glauben, dass es einen ausgewachsenen Standlautsprecher für nicht einmal 500 EUR/Stück gibt, der so locker und leicht mit Pegeln umgeht, die der normal orientierte User höchstens im Club oder bei der Party eines mit Unterhaltungselektronik reichhaltig und hochwertig ausgestatteten Freundes hört. 

Wer das Pech hat, in einer Mietswohnung zu leben und wenig tolerante Nachbarn zu haben, kann die exzellenten Pegelreserven nur dann auskosten, wenn sich die werte Nachbarschaft zum Pauschalurlaub auf die Balearen verabschiedet hat. Mit effekt- und beat-gewaltiger Musik springt die durchdachte Konstruktion so leichtfüßig um, als gäbe es nichts einfacheres. Bei „Meet her at the Loveparade“ sprüht der Lautsprecher vor Dynamik, und für noch mehr Punch unten herum bei gleichzeitig nicht nachlassender Präzision sorgt die schaltbare Bassanhebung. Auch wenn diese deaktiviert ist, tut sich bei der nuBox 681 im Bassbereich aber deutlich mehr als selbst bei vielen teureren Konkurrenten. So werden sich Liebhaber der 90er Jahre Rave-Musik sehr über die gekonnte Darstellung des Klassikers „Go Ahead“ von Marusha freuen. Impulstreu und mit enormer Räumlichkeit macht sich die 681 hier an die Wiedergabe. Souverän kann in hoher Lautstärke gehört werden, die nuBox 681 neigt auch dann nicht zum Komprimieren. 

Etwas Leistung sollte der angeschlossene Verstärker aber schon mitbringen, denn der Wirkungsgrad ist trotz doppelter Bassreflexrohre zwar ordentlich, aber keinesfalls sensationell. Daher kann man mit preiswerten Einsteiger-AVRs oder Stereo-Amps nicht allzu viel anfangen. Ist dann aber entsprechend Leistung im Spiel, entfalten sich die nuBoxen in einer Art und Weise, die selbst mancher doppelt so teurer Konkurrent nicht schafft. Bei „Fyling to the Moon“ besticht die 681 mit ihrem enormen Tiefgang und der Struktur im Bassbereich: Verschiedene Basselemente können einwandfrei unterschieden werden. Nubert-gewohnt ist die Trennung von Stimmen und Instrumenten sowie Effekten ausgezeichnet. 

Der Klang löst sich auch hervorragend vom Lautsprecher, dies ist man in günstigen Preisklassen sonst nicht gewohnt. Das perfekte Group Delay zeigt sich auch bei „Tricky Disco 2K10“ – hier kommen alle akustischen Anteile exakt zum gleichen Zeitpunkt an. Der Bass ist ultraschnell, trocken und drückt bis in die Magengrube. Das macht auch „Australia“ zu einem echten Erlebnis. Die Bass-/Beat-Wechsel sind enorm schnell am Start und paaren sich mit hoher Klarheit. Hardstyle-Tracks wie „Storm“ von Zatox brettern mit Härte und ohne Kompressionsartefakte unerbittlich durch den Testraum – auch, wenn solche Musik normalerweise nicht zu den Testmedien gehört: Mit der nuBox 681 macht es einfach ungeheuren Spaß, auch solche Stücke anzuhören, weil echte Großhallen-Disco-Atmosphäre verbreitet wird. 

Schön ausdrucksstark bewegt sich „Geboren um zu Leben“ mitten durch den Hörraum. Die Stimme des Sängers steht ungemein stabil, die Bühne ist klar definiert und die Loslösung des Klangs vom Lautsprecher gelingt tadellos. Das besondere Charisma der Stimme des Grafen wird durch die authentische Übertragung sehr deutlich gemacht. Dies gilt auch für „Wonderful Life“ von Hurts. Facettenreich und richtig ausbalanciert stehen die Klanganteile harmonisch im Hörraum. Auch bei hoher Lautstärke übrigens verursachen die beiden Bassreflexrohre praktisch keine Strömungsgeräusche. Lady Gagas „Bad Romance“ mit partiell leicht disharmonischem Touch betreffend der Führung der Melodie wird eindrucksvoll dicht und realistisch in den Hörraum getragen. 

Mit den fein nuancierten Andrea Bocelli-Titeln kommt die nuBox 681 ebenso exzellent zurecht wie mit „halt mich fest“ von Adoro. Die ausgeprägte, sehr gut durchstrukturierte Stimmwiedergabe ist ein herausragendes Kennzeichen des Schallwandlers von der Ostalb. Die vokalen Talente von Andrea und Adoro kommen gekonnt zum Ausdruck, da sich die nuBox 681 auch nicht drückt, enorme Stimmdynamik mitreißend zu übertragen. Bremse könnte hier eher ein zu Performance-schwacher Receiver oder Verstärker sein. Wer gleich auch noch Surround-technisch gerüstet sein möchte, fährt mit dem Onkyo TX-NR1008 oder dem Denon AVR-3311 exzellent, denn hier erhält man einen modernen AV-Receiver, der aber auch vor anspruchsvollen Stereoaufgaben nicht kapituliert. 

Das gilt auch dann, wenn der Heavy Metal Fan „Master Passion Greed“ oder „I wish i had an Angel“ von Nightwish in stark gehobener Lautstärke durchs Wohnzimmer donnern lässt: Die teils aggressive vokale Wiedergabe wird von der 681 in überragender Manier zum Ausdruck gebracht. Das Detaillierungsvermögen verliert sich erst in den hinteren akustischen Ebenen, die für die Preisliga aber nicht mehr von bewertungstechnischer Relevanz ist. Mehr kann man kaum erwarten – auch bei „Tainted Love“ in der Variante des „Stella Starlight Trios“ gefällt durch feine Pianoklänge, tolle vokale Präsenz und üppige Räumlichkeit.

Konkurrenzvergleich:

  • Teufel Ultima 30: Der Preis-/Leistungshammer aus Berlin - eine top Performance für den kleinen Geldbeutel. Akustisch erstaunlich neutral, kräftig aufspielend, gut detaillierend. Klar ist, dass die nuBox 681 den Mehrpreis durch eine deutlich bessere Feindynamik, mehr Pegelfestigkeit, mehr Brillanz und aufwändigere Konstruktion rechtfertigen kann. In ihren jeweiligen Preisklassen sind beide Boxen eine große Empfehlung.

  • Heco Metas XT-501: Mit 599 EUR Paarpreis sind die Metas sehr preiswert, dafür aber bestens verarbeitet. Die nuBox 681 setzt sich aber mit mehr Hochton-Transparenz, mehr Bassdruck und Pegelfestigkeit durch und rechtfertigt auch hier den Mehrpreis voll. 

  • Quadral Platinum M4: Preislich etwas über der nuBox 681 liegend, trumpft die Quadral mit extra-trockenem Bass und einer enormen Strahlkraft im Hochtonbereich auf. Zudem ist sie exzellent verarbeitet - die nuBox 681 allerdings auch. Sie schlägt mit noch mehr Pegelfestigkeit und einem nochmals angenehmeren Gesamtklang zurück und kann noch die beiden Kippschalter zur Wahl der Klangcharakteristik mit in die Waagschale werfen. 

  • Klipsch Classic RF-7: Dieser beeindruckende Standlautsprecher spielt in einer deutlich höheren Preisklasse. Grobdynamik und Pegelfestigkeit sind schier unglaublich - die 995 EUR pro Stück muten in Anbetracht dieser Qualitäten wie ein Schnäppchen an, und gegenüber der RF-7 muss selbst die nuBox 681 "die Waffen strecken". Aber: Für halb so viel Geld macht auch die nuBox 681 schon müden Menschen ordentlich Beine und beeindruckt zudem durch die enorme Authentizität. 

Fazit 

Nubert zeigt Flagge und verpackt in die nuBox 681 nahezu alle Tugenden, für die die schwäbische Speaker Factory Steht: Angefangen vom günstigen Preis, weiter gehend mit der geschmackvollen Farbauswahl und der extremen Pegelfestigkeit bis hin zur verblüffenden Räumlichkeit, der tonalen Neutralität und den cleveren Kippschaltern zaubern die Schwaben einen Trumpf nach dem anderen aus dem Ärmel. Der ordentliche, aber nicht exzellente Wirkungsgrad sorgt dafür, dass man sich schon einen leistungsstarken Receiver oder Verstärker gönnen sollte, um die hoch belastbare 681 richtig anzutreiben. Die Verarbeitung ist hervorragend, und zwar innen wie außen. Insgesamt stellt die Nubert nuBox 681 für sehr viele versierte Stereo-Hörer eine große Verlockung dar, die man sich auch noch leisten kann. Zugleich ist die nuBox 681 der ideale Startpunkt für eine hochwertige, aber preislich fair kalkulierte Mehrkanal-Anlage.

Schwäbischer Siegertyp: Mit enormer Pegelfestigkeit, authentischem Klang und außergewöhnlicher Dynamik spielt sich die nuBox 681 in die Herzen der preisbewussten Stereo-Fans

Stereo-Standlautsprecher untere Mittelklasse
Test 18. November 2010

+ Extrem pegelfest
+ Top-Tiefgang
+ Exzellente Grob- und Feindynamik
+ Wirksame Kippschalter zur Anpassung von Bass- und Hochtonwiedergabe
+ Ausgezeichnete Verarbeitung

- Nur durchschnittlicher Wirkungsgrad

Test: Carsten Rampacher
18.11.2010

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