TEST: Magnat 2,5 Wege-Standlautsprecher Quantum 755 - Premium-Performance zum Sonderpreis?
05.10.2012 (cr/sw)
Elegante Erscheinung für 699 EUR/Stück - die Magnat Quantum
755
Rückseite
2,5 Wege-Lautsprecher
Einführung
Die brandneue Magnat Quantum 755 kommt zu Stückpreisen (je nach Farbvariante) zwischen 699 und 799 EUR zum versierten Musikliebhaber. Due 2,5 Wege-Box mit Doppelbass weist eine Belastbarkeit (nach RMS) von 190 Watt auf. Die kurzfristige Dauerbelastbarkeit liegt bei 300 Watt. Die Bestückung umfasst zwei 170 mm Tief/Mitteltöner und einen 25 mm Hochtöner. Mit Abmessungen von 190 mm (Breite) x 992 mm (Höhe) und 370 mm (Tiefe) ist der Lautsprecher noch gut zu stellen.
Übersicht lieferbare Farben:
Front: Piano Schwarz; Korpus: Schwarz seidenmatt 699 EUR/Stck.
Front: Piano Weiß; Korpus: Weiß seidenmatt 699 EUR/Stck.
Front: Piano Schwarz; Korpus: Mocca Furnier 799 EUR/Stck.
Video
Verarbeitung und Technik
Anschlussfeld
Bassreflexöffnung
Solider, eleganter Metallring rund um die Chassis
Tieftöner
Hochtöner
Aufnahmeöffnung fürs Lautsprecher-Schutzgitter
Lautsprecher-Schutzgitter
Frequenzweiche
Innenverkabelung
Hochtöner ausgebaut
Tieftöner ausgebaut
Tieftöner/Mitteltöner beweisen durch strömungsoptimierte, nichtmagnetische Körbe aus Aluminium-Druckguss konstruktive Finesse: Luftverwirbelungen und Resonanzen, die die akustische Reinheit stören können, werden effektiv verringert. Die verzerrungsoptimierten, kraftvollen Doppelmagnetsysteme sowie die ventilierten Hochleistungsschwingspulen sind weitere technische Merkmale, die Belastbarkeit und Klang-Performance steigern. Die Membranen bestehen aus Keramik-/Aluminium-Verbundwerkstoff, der sogenannte „fmax“ Hochtöner sichert enorme Brillanz am oberen Ende des Frequenzspektrums. Die Chassis sind exzellent in die Schallwand eingepasst und weisen zudem einen eleganten Metallring ringsum auf.
Die Frequenzweiche besteht aus hochwertigen Bauteilen, die über dem sonst in dieser Preisklasse gängigen Niveau liegen. Die Innenverkabelung, nicht immer Aushängeschild selbst bei relativ kostspieligen Lautsprechern, macht bei der Quantum 755 einen guten Eindruck, es kommt ein angemessener Kabelquerschnitt zum Einsatz und kein besserer „Telefondraht“.
Hinten befindet sich die große, sauber gearbeitete Bassreflexöffnung, was dafür sorgt, dass man den Lautsprecher nicht direkt an der Hörraumwand unterbringen sollte. Minimal 30 cm Distanz sollten es schon sein. Auch auf der Rückseite ist das Anschlussfeld mit hochwertigen Bi-Amping-Schraubterminals untergebracht. Allerdings ist das Anschlussfeld selber nicht aus Aluminium, sondern aus Kunststoff.
Das Gehäuse besteht MDF-Platten, für hohe Steifigkeit gibt es spezielle Verstrebungen. Die Schallwand ist zweischichtig ausgeführt und 45 mm stark, die Bodenplatte weist 35 mm Dicke auf. Sowohl Schallwand als auch Bodenplatte sind hochglanzlackiert.Der Korpus ist mit Seidenmattlack beziehungsweise mit Echtholzfurnier überzogen. Die Verarbeitung erscheint für die recht günstige Preisklasse hervorragend, unsere Test-Lautsprecher komplett in schwarz begeistern mit ausgezeichneter Oberflächenqualität und gleich bleibenden Spaltmaßen.
Die Schallwand steht bewusst etwas vor, das heißt, zwischen Schallwand und Korpus ist ein breiterer, gleichmäßiger Spalt, dies sorgt für eine unverwechselbare Optik. Die kantige Optik im schlichten Bauhaus-Stil gefällt uns sehr gut, der Lautsprecher ruht auf einem stabilen Sockel, der auch optisch für den letzten Schliff sorgt. Die etwas dünn wirkenden Lautsprecherschutzgitter sind faltenfrei mit Stoff bezogen. Die Gummifüße dämpfen Resonanzen, alternativ werden auch Metallspikes mitgeliefert.
Insgesamt hinterlässt die Verarbeitung gerade für die Preisklasse einen erstklassigen Eindruck. Wir können uns kaum noch weitere Steigerungen vorstellen – die Sorgfalt ist enorm und beweist nachdrücklich den Wandel von Magnat vom Hersteller billiger „Krachboxen“ zum Anbieter überaus nobler, kultiviert auftretender und bestens verarbeiteter Premium-Produkte – und dieser Premium-Anspruch geht einher mit einem ausgezeichneten Preis-/Leistungsverhältnis.
Klang
Bei der 2.0 LPCM-Tonspur der BD-Audio "2L - The Nordic Sound" macht
sich die Quantum 755 bei Wolfgang Amadeus Mozarts Violinenkonzert in D-Dur beim
ersten Allegro mit viel Schwung ans Werk. Die Streicher werden frisch und
prägnant, aber nicht zu schneidend herausgearbeitet. Der Hochtöner entwickelt
eine sehr gute Durchhörbarkeit, im Vergleich z.B. zu einem Bändchen spielt er
aber nicht so seidig, sonder setzt mehr auf eine Auslegung, die in Richtung
"glasklar" weist. Was wir sehr schön finden - wie die Quantum 755
verschiedene musikalische Ebenen unterscheiden, letzten Endes aber doch zu einem
schlüssigen Ganzen zusammen führen kann. Beim 2. Stück auf der BD-Audio,
einer Klaviersonate von Wolfgang Amadeus Mozart für 2 Klaviere in D-Dur,
stellen die Magnat-Lautsprecher die Anschlagdynamik des Klaviers ausgezeichnet
heraus. Das virtuose Spiel auf den Tasten erscheint sehr realistisch, kleinere
Dynamik-Differenzen werden auch räumlich gut herausgearbeitet. Sicherlich -
gerade dieses Allegro bietet teuren Schallwandlern immense
Entfaltungsmöglichkeiten, gerade bei Strukturierung und Gesamt-Räumlichkeit,
aber die Quantum 755 schlagen sich tatsächlich hervorragend, so dass der
preis-/leistungsbewusste Klassik-Hörer hier einen tollen Stereolautsprecher mit
frischer, schwungvoller Auslegung zum kleinen Preis findet.
Den Auftakt zu Antonio Vivaldis "Vier Jahreszeiten" bildet der
Frühling. Das Allegro zu Beginn ertönt strahlend und mit Verve. Sehr schön
arbeiten die Quantum 755 die Dynamiksprünge beim Einsatz des kompletten
Orchesters heraus. Die Streicher bieten eine tadellose Brillanz, der gesamte
Hochtonbereich überzeugt durch sehr gute Durchhörbarkeit. Die Übergänge
zwischen den einzelnen Frequenzbereichen gelingen fließend, was für ein klar
definitiertes, homogenes Gesamtklangbild sorgt. Die Quantum 755 spielt mit sehr
gutem Tiefgang und stimmiger Struktur im Bassbereich auf - sie wendet sich an
den klassischen HiFi-Hörer, der ein stets natürliches Volumen bevorzugt. Es
gibt durchaus Lautsprecher, die im Bass- und unteren Mitteltonbereich mehr
Volumen einschenken.
Bei "L'Attesa" von Andrea Bocelli muss die Quantum 755 nun
beweisen, dass sie auch mit Stimmen umgehen kann. Und hier fällt uns auf, wie
gut die Stimme Andreas vom Lautsprecher gelöst wird. Sie scheint sich vor dem
Hörer aufzubauen, in realistischer Ausprägung bezüglich Weite und Tiefe der
virtuellen Bühne. Die charismatische Wiedergabe erfreut auch den Liebhaber mit
gewissem akustischem Anspruch, der manchmal erst in Preisklassen ab 1000 EUR/Stück
von einem Lautsprecher entsprechend zufrieden gestellt wird. Der Aufbau des
Liedes gelingt dem Lautsprecher sehr gut - wenn man in sehr hohe Pegelregionen
vordringt, wird der Hochtonbereich allerdings sehr prägnant, was letzten Endes
Geschmackssache ist. Aufpassen muss man mit Verstärkern/Receivern, die nicht
genug Leistung bringen - Clipping ist gefürchtete und kann bleibende Schäden
verursachen. Der Wirkungsgrad des Lautsprechers ist ordentlich, auch bedingt
durch das Bassreflex-Arbeitsprinzip. Man sollte im Sinne klanglicher Reinheit
aber schon einen guten Stereoverstärker wie z.B. den preislich sehr fairen
Denon PMA-720AE einsetzen. Dient die Quantum 755 als vordere Beschallung
einer vom AV-Receiver befeuerten Surroundanlage, soll aber auch häufiger in
Stereo verwendet werden, raten wir z.B. zum Denon AVR-3313
oder dem Onkyo TX-NR1010, wobei der
Onkyo bezüglich der Hochtonauslegung schon grenzwertig ist. Der sehr
harmonische Denon eignet sich ideal, der ebenfalls erstklassige Yamaha 9.2 Aventage-Receiver RX-A3020
gehört an eine Box mit etwas weniger ausgeprägtem Hochtonbereich, sonst wird
das Gesamtergebnis bezüglich der Klangcharakteristik zu metallisch. Bei "Un
Nuovo Giorno" erfreuen uns die Quantim 755 mit sehr gut vorgetragener
Grobdynamik und einer frischen Räumlichkeit, das Ergebnis wirkt nie zu
"dick aufgetragen", sondern immer authentisch.
Welcome back in the 80thies - a-Ha grüßt mit der Extended Version von
"The Sun Always Shine on T.V.". Das Intro gelingt prima, mit sauberem,
präzisem Beat, sehr schöner vokaler Präsenz und lebendigem Aufbau. Der
Rhythmus des Songs kommt auf direkte Art zum Zuhörer, wirkt mitreißend,
ungefiltert. Die Synthesizer-Sounds strahlen eine gekonnt ausbalancierte
räumliche Präsenz aus, die Trennung vokaler und instrumentaler Elemente ist
ausgezeichnet. Hintere klangliche Ebenen und Tempowechsel arbeitet die Quantum
755 richtig gut heraus - die Impulstreue ist ausgezeichnet. Mit Dynamik und
Ausdruckskraft startet auch "Self Control" von Laura Branigan durch.
Allerdings kann die Quantum 755 dem Song nicht die von der nicht perfekten
Aufnahme her kommenden Schärfe nehmen. Hier ist es ratsam, unter Umständen den
AV-Receiver oder Stereo-Verstärker im Hochtonbereich etwas zurück zu regeln.
Der Bassbereich ist exzellent, mit Kraft, Lebendigkeit und ohne störendes
Nachschwingen. Übertriebenes Volumen wird nicht geboten - die Magnat bleibt
sich treu.
Richtig "Gas geben" darf die Quantum bei "Feeli It/My
Passion" vom Pulsemaster DJ Team. Hier schlägt der Pulheimer Schallwandler
vor allem mit seiner überragenden Grobdynamik und exzellenter
Kickbassdarstellung gnadenlos zu. Wir kennen kaum eine andere Box dieser
Preisklasse, die einen so genau auf den Punkt treffsicheren, knallharten
Kickbass offeriert. Das ist Club-verdächtig, anstatt zu
"verweichlichen", donnert die Quantum 755 die Bässe erbarmungslos in
den Hörraum. Selbst wenn dieser 25 bis 30 Quadratmeter misst, benötigt die
Quantum 755 nicht die Hilfe eines zusätzlichen aktiven Subwoofers. Bei
"For Real" (Bailey&Blumenkraft, Rene Ablaze Radio Edit) legt sich
die Magnat erneut mit Nachdruck ins Zeug und bietet auch einen tollen
Effektaufbau, der den Zuhörer glaubwürdig einschließt.
Konkurrenzvergleich
Magnat Vector 208 Tower (349 EUR/Stück):
Magnat hat auch im Einstiegsbereich verheißungsvolle Angebote - und da
sticht ganz besonders der Vector 308 Tower ins Auge. Fürs Geld ist die
Verarbeitung gut, der Klang recht frisch. Die praktisch doppelt so teure
Quantum 755 aber macht ihren Mehrpreis nicht nur in der opulenten
Verarbeitung, sondern auch akustisch durch mehr Brillanz, erhöhten
Detailreichtum, präziseren Bassbereich und authentischere Bühnenabbildung
deutlich.
Quadral Chromium Style 100
(899 EUR/Stück): Die teurere Qiadral-Box wurde gerade durch den auf der IFA
vorgestellten Nachfolger ersetzt. Trotzdem bleibt sie ein ausgezeichneter
Lautsprecher - besonders der Bändchen-Hochtöner macht Laune, spielt er
doch harmonisch-seidig und bietet ein tlles Raumgefühl. Für den schmalen
Aufbau ist der Bassbereich der Style 100 überraschend gut
ausgeprägt.
Canton Chrono 508.2 DC (599
EUR/Stück): Die Chrono 508.DC ist pegelfest, klar klingend und
basskräftig. Der Preis ist absolut angemessen. Die Verarbeitung ist weniger
detailverliebt als bei der kaum teureren Quantum 755.
Fazit
Magnats Quantum 755 beeindruckt durch tolle Verarbeitung und
dynamische akustische Qualitäten: Grobdynamik, aber auch Feindynamik sind
hervorragend. Hinzu kommt ein exzellenter Bassbereich mit erstklassiger
Kickbasswiedergabe und klar definierter Struktur. Extremes Volumen wird nicht
geboten, dafür ein sehr guter Tiefgang. Im Hochtonbereich agiert die Quantum
755 mit hoher Klarheit und lebendiger Prägnanz. Bei hohem Pegel kann die
Hochtonwiedergabe daher schon einmal etwas zu forsch werden. Die Mitten zeigen
sich ausgezeichnet eingearbeitet, die Stimmdarstellung ist charismatisch und
räumlich sauber.
Exzellent verarbeiteter Standlautsprecher mit erfrischend
dynamischem Klang
Standlautsprecher Mittelklasse
Test 05. Oktober 2012
+ Grobdynamik und Feindynamik sehr gut
+ Exzellente Kickbasswiedergabe und viel Struktur im gesamten Bassbereich
+ Lebendig und frisch aufspielend
+ Natürliche räumliche Wiedergabe
+ Pegelfest
+ Erstklassige Verarbeitung
- Für empfindsame Naturen etwas prägnant im Hochtonbereich
Test: Carsten Rampacher, Sven Wunderlich
Datum: 05.10.2012