TEST: Sony “Phablet” Xperia Z Ultra mit 6,4 Zoll FullHD Display

Einführung

Lang, länger, Ultra! Mit einem extragroßen 6,4-Zoll-HD-Display streckt sich ein weiterer Ableger von Sonys renommierter Z-Serie nochmals ordentlich, was vor allem mobile Multimedia-Nutzer erfreuen dürfte.

Sub-Tablet, Phablets oder auch sperrig ausgedrückt Smartphone/Tablet-Hybrid – einen richtig griffigen Namen gibt es für die Smartphones im XXL-Format zwar nicht, doch das scheint dem Interesse an dieser Sonderkategorie keinen Abbruch zu tun.

Derzeit tummeln sich bereits eine Menge Android-Smartphones, bei denen man nicht gerade von einem Hosentaschen-Format sprechen kann. Kleine Innovation: Das Sony Xperia Z Ultra ist dabei das erste Phablet mit Full-HD-Display, auf dem sich mit einem Bleistift schreiben lässt. Doch dazu später mehr…

Design & Display

„Wer hat das Längste?“ Diese freche Frage kann man als Besitzer des Sony Xperia Z Ultra selbstbewusst mit einem „Ich!“ beantworten, denn das XXL-Smartphone ist knapp 18 Zentimeter lang, sodass es in der Regel aus einer Hosentasche deutlich hervorragt. Dafür ist es aber nur 6,5 mm dick, was typisch ist für die fragil wirkende Z-Modellreihe. Im Zusammenspiel mit dem mattsilbernen Aluminiumrahmen und einer Glasschicht, die sowohl die Vorder- als auch die Rückseite ziert, ist dieser Phablet ein absoluter Hingucker, das trotz der großen Maße noch sehr elegant wirkt. Apropos Glasschicht: Es handelt sich dabei um kratzfestes Mineralglas mit einer speziellen Bruchschutzfolie, die vor Splittern bei leichter Belastung schützen soll – auf diese Leistungsprobe wollten wir das schöne Smartphone aber nicht stellen, wobei das Display aber auf stärkerem Druck mit schwarzen Flecken reagiert – das gehärtete Glas vom kleinen Z hat es nämlich aus Kostengründen nicht bekommen.

Dafür war aber ein kurzer Tauchgang angesagt, denn wie schon beim kleinen Schwestermodell sorgen versiegelte Slots dafür, dass es nach den Industrienormen IP55/IP58 wasser- und staubgeschützt ist. Dadurch gerät die Suche nach der micro-SIM-Karte allerdings zu einem kleinen Suchspiel, da die Slots nicht beschriftet sind. Tipp: Er liegt direkt neben der microSD-Karte.

Sony weiß, wie man hochwertige Displays in Szene setzt, und so auch beim Sony Xperia Z Ultra. Dank des langjährigen Know Hows wurde eine Mobile BRAVIA Engine 2 mit den Marketing-Begriffen „Triluminos“ und „X-Reality“ verbaut, um eine bessere Farbdarstellung und knackigeren Kontrast herauszukitzeln. Beide Begriffe kennt man auch von Sonys BRAVIA TVs. Triluminos sorgt für eine Erweiterung des Farbraums – bei den TV-Baureihen X9 (UHD) und W9 (FullHD) haben wir die Displaytechnologie schon ausführlich vorgestellt.

Die 1.920 x 1080 Pixel sorgen zudem für ein FullHD-Erlebnis, wobei die enorme Länge des TFT-Touchscreens sogar eine Videowiedergabe im Widescreen-Format zulässt – gut für Cineasten. Qualitativ gibt es nichts zu meckern: Leuchtstark, hohe Brillanz (Bildschärfe 342 Pixel pro Zoll) und eine satte Farbwiedergabe – nur noch AMOLED-Kollegen liefern vereinzelt mehr Plastizität. Allerdings haben die Macher beim Display viel Platz verschenkt, denn im Gegensatz zum Galaxy S4 streckt sich der Touchscreen nicht bis zum Gehäuserand. Außerdem sind Teile des Displays für Onscreen-Tasten reserviert. Geradezu vorbildlich dafür: Der Ausschalter befindet sich erneut als griffiger, rund eingefasster Knopf auf der rechten Seite, der sich gut erreichen lässt.

Ausstattung

Um es vorweg zu nehmen: Größere Überraschungsmomente bietet das Ausstattungspaket nicht, wobei aber alles heutzutage Relevante an Bord ist. Dazu gehört auch Sony-Multimedia-Palette inklusive PlayStation mobile, bei der aber vor allem die Walkman-App positiv hervorsticht, da Aufbau und Einstellungsmöglichkeiten vorbildlich gelöst wurden und zudem auch die Klangqualität stimmt. Man merkt schon, dass hier eine sorgfältige Abstimmung auf die Sony Xpiera Z-Baureihe vorgenommen wurde. Dank Sony Select ist man zudem nach eigenen Vorgaben stets auf dem neuesten Infostand.

Die Kamera liefert keine optimalen Ergebnisse

Bis zu 8 Megapixel Auflösung und Videos in FullHD-Auflösung – die Eckdaten der Kamera scheinen in Ordnung. Doch in der Praxis enttäuscht der Knipser dann doch ein wenig und kann an die Kameraergebnisse des Xperia Z mit 13 MP Kamera nicht heranreichen. Selbst bei optimalen Lichtverhältnissen sehen die Schnappschüsse blass und auffällig nebelig aus. Da es keine Fotolicht-Unterstützung gibt, ist der spontane Einsatz bei Kneipenlicht recht sinnlos, da hier die Fotos in der Regel relativ verrauscht und unscharf sind. Kurzum: Ein weiteres Phablet, bei dem kein Gewicht auf die Kamera gelegt wurde. Wir freuen uns an dieser Stelle lieber auf die 20 MP-Kamera des Sony Xperia Z1, welches wir in Kürze einem Test unterziehen werden.

Dafür ist das vorinstallierte App-Angebot stimmig, inklusive einem QR Reader und einem UKW Radio – wer der Störungs-Resistenz von Internet Radio-Verbindungen bei mobilem Einsatz unterwegs noch nicht ganz traut. Mit der App „Skizze“ lassen sich außerdem schnell Notizen und Grafiken erstellen.

Im Bereich Datenübertragung ist ebenfalls alles Wichtige vorhanden: LTE, sehr schnelles HSPA+ (bis zu 42 MBit/s im Downstream) und Bluetooth 4.0. Einzig ein Einsatz als Universal-Fernbedienung ist durch das Fehlen der Infrarotschnittstelle unwahrscheinlich. Schade, denn gerade der geräumige Touchscreen ist geradezu prädestiniert für diese praktische Spielerei.

Dafür sind aber gleich tolle Games vorinstalliert: Der Tetris Blitz, der Racer Fast & Furios 6 sowie das grafisch aufwändige 3D-Reaktionsspiel Temple Run 2. Gerade das schnelle Geschicklichkeitsspiel nutzt die Displaylänge optimal aus und eignet sich daher bestens, Mitmenschen vom Nutzwert dieses Phablets zu überzeugen.

Der Speicherplatz ist den Ansprüchen und Preisklasse angemessen. Abzüglich des Betriebssystems bleiben von den 16 GB immerhin noch rund 12 GB übrig. Flankiert wird das Speicherangebot von DropBox und einer microSD-Karte, die bis zu 64 GB verdauen kann – das passt.

Handhabung

Screenshot

Dank der speziellen Mineralglasschicht lässt sich der Touchscreen unter anderem auch mit einem Bleistift oder Kugelschreiber bedienen. Allerdings eignet sich nicht jeder Stift dafür, sodass man es vorher ausprobieren muss. Als Option ist der schnörkellose Stylus-Einsatz aber durchaus eine prima Sache.

Ansonsten eignen sich Android 4.2.2 und die Sony-Oberfläche natürlich bestens für den Fingereinsatz, denn Platz gibt es ja reichlich. Alles wirkt vertraut, sortiert und dank Sonys bewährtem User Interface auch angenehm elegant. Die Startbildschirme lassen schnell mit Apps und Widgets nach eigenem Gusto füllen, sodass das Sony Xperia Z Ultra schon bald personalisiert ist. Das Arbeitstempo ist dabei durchgehend flott.

Bei einem Phablet fast schon ein Muss: Der Landscape-Modus wird in allen Bereichen unterstützt, wenn man das Smartphone um 90 Grad kippt. Das macht absolut Sinn und erhöht den Bedienungskomfort nochmals. Einziger kleiner Nachteil der großen Displaylänge: Im Querformat erreicht man nicht alle Tasten der digitalen Qwertz-Tastatur schnell mit den Fingern, zumindest bei kleineren Frauenhänden. Gut daher, dass die Tastatur auch im Hochformat recht geräumig ist. Weiterer kleiner Haken: Eine physische Tasten zur Aktivierung der Kamera gibt es leider nicht, sodass es deutlich schwieriger ist, mit ruhiger Hand Schnappschüsse einzufangen. Schade daher, dass dieser Knopf immer mehr auszusterben scheint.

Technik

Bitte anschnallen, denn die CPU verspricht – zumindest auf dem Papier – eine rasante Performance. Der Quad-Core-Prozessor Snapdragon 800 taktet mit einer Frequenz von 2,2 GHz und lagert laufende Aktivitäten in den 2 GB großen Arbeitsspeicher – mehr bietet derzeit kaum ein anderes Smartphone/Phablet. Sony allerdings hat mit dem Xperia Z1 ein weiteres Gerät mit dem gleichen Prozessor im Angebot, das aber andere Schwerpunkte setzt (20 MP-Kamera, 5 Zoll Triluminos FullHD-Display, erstaunlicherweise dicker als das Z Ultra).

Entsprechend flott arbeitet das Gerät. Während der Testphase kam das Xperia Z Ultra nie ins Schwitzen: das kinetische Scrolling ist auf höchstem Niveau, Apps öffnen sich sofort, Zoomen per Fingerspreizen gelingt 1A und der Japaner beherrscht jedes 3D-Games aus dem Effeff – so muss es in der Preisklasse auch sein!

Auch der Akku ist ein guter Energie-Lieferant. Dank 3.000 mAh ist eine Rufbereitschaft von fünf Tage plus X keine Utopie. Und wer das Strompedal voll durchtritt, sorgt erst nach rund sieben Stunden Nonstop-Einsatz für einen schwarzen Bildschirm – auch da kann man nicht meckern, zumal in der jüngeren Vergangenheit einige Sony-Smartphones in punkto Akkuleistung echte Sorgenkinder waren. Einziger Schönheitsfehler: Wenn der Akku defekt ist, heißt es ab zur Werkstatt, denn der Block ist fest verbaut.

Bei Telefonaten schlägt sich der Japaner wacker, ohne aber Begeisterungstürme auszulösen. Nebengeräusche werden optimal unterdrückt und die Stimmübertragung ist gut verständlich und ausreichend laut. Allerdings klingt es vor allem in Senderichtung recht nuschelig, so als wäre ein Tuch über den Hörer gespannt. Kurios ist die Option „Langsam Sprechen“ durch die die Sprechgeschwindigkeit des Anrufers abgebremst werden soll. Im Test konnten wir allerdings keinen nennenswerten Unterschied feststellen.

Obwohl Preis und Multimedia-Ansprüche es eigentlich vorgeben, ist im Sony Xperia Z Ultra leider nur ein breiter Mono-Lautsprecher verbaut, der immerhin unten herausragt und nicht wie bei viele Smartphones auf der Rückseite liegt. Dennoch ist der Sound nicht berauschend und könnte vor allem viel lauter sein. Hier hat Sony eine große Chance verpasst, denn intelligent platzierte Stereo-Lautsprecher hätte das Gesamtbild perfekt abgerundet. Wie das selbst bei kompakteren Smartphones funktionieren kann, beweist eindrucksvoll das HTC One.

Fazit

Dünn und sehr leistungsfähig, gerade was die CPU-Power angeht

Wenn schon, denn schon! Das Sony Xperia Z Ultra brennt geradezu ein Feuerwerk an Features und Leistungsmerkmalen ab. Exzellentes FullHD-Display im XXL-Format, tolle Optik, Leistung satt und Ausstattung, bis die Platinen glühen. Hinzukommen noch gute Messwerte im Bereich Akustik und Akkulaufzeit. Sony knüpft somit nahtlos an das bisherige Flaggschiff Sony Xperia Z und hat dessen sehr guten Allrounder-Qualitäten direkt auf dieses Phablet übertragen. Für uns daher das beste Produkt in diesem noch jungen Genre. Die Kehrseite der Medaille: Das Sony Xperia Z Ultra ist ziemlich preisintensiv (Online-Preis ab 600 Euro) und alles andere als ein „Ich-steck-Dich-mal-schnell-in-die-Hosentasche“-Gerät. Doch dieses Problem „zeichnen“ Phablets ja im Allgemeinen aus.

Sehr leistungsfähiges Phablet mit Premium-Ausstattung

Smartphone/Tablet-Hybridgeräte Oberklasse
Test 04. Oktober 2013

 

+ Exzellentes Display
+ Sehr leistungsstarker Prozessor
+ Hochwertige Verarbeitung
+ Staubgeschützt und wasserfest
+ Gute vorinstallierte Apps
+ Recht kräftiger Akku

- Kameraergebnisse entsprechen nicht der Preisklasse
– Qualität des eingebauten Lautsprechers
– Kostspielig

Text: Ulf Schneider
Redaktion: Carsten Rampacher
Test: 04. Oktober 2013



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