TEST: Sony MDR-1ADAC – Kopfhörer mit integriertem USB-DAC

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Kopfhörer haben sich schon seit Jahren vom Audio-Zubehör zum Trendartikel entwickelt. Daher sind nahezu alle namhaften Hersteller auf den Zug aufgesprungen und haben Headphones in ihr Produktprogramm aufgenommen. Für Sony ist der Bau von Kopfhörern nichts Neues. Die Japaner waren schon immer mit einem reichhaltigen Portfolio ganz vorn an der Front vertreten. Sony mischt nun den Markt weiter auf, und zwar mit dem MDR-1ADAC. Das ist keine Sonderedition für die arg in Verruf geratenen „Gelben Engel“, sondern es handelt sich schlicht um eine erweiterte Variante des bereits von uns getesteten MDR-1A. Die drei Buchstaben „DAC“ deuten es bereits an: Im Kopfhörer eingebaut ist ein leistungsfähiger USB-D/A-Konverter.

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Sortiment an mitgelieferten Anschluss- und Ladekabeln

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Anschlüsse. Unter dem Deckel „Input“ verbirgt sich der Miniklinkenanschluss. Die Power-Taste muss man etwas länger drücken

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 Tragetasche

Sony liefert entsprechende Anschlusskabel mit, und zwar zum einen für die hauseigenen Walkman-Modelle mit speziellem Systemstecker, dann ein Kabel mit Lightning-Stecker für Apple-Devices und ein drittes mit Micro-USB-Stecker für Android-/Windows/-Blackberry-Mobiles. Haben wir nicht etwas vergessen? Doch, haben wir, denn natürlich kann man nach Download des entsprechenden Treibers den Sony-Hörer auch am PC/Mac betreiben. Allerdings ist für diesen Zweck das mitgelieferte USB-Kabel viel zu kurz. Man kann den Kopfhörer dann gar nicht aufsetzen, weil das Kabel so extrem kurz ist.

Am Computer oder Notebook kann man, wenn der Ladestrom der jeweiligen US-Buchse ausreicht, den Hörer auch aufladen, ebenso an jedem handelsüblichen Smartphone-Ladegerät. Ist der eingebaute Akku voll geladen, hält er acht Stunden – nicht allzu berauschend. Mittels dem Klinkenanschluss kann man den Hörer allerdings auch als normalen Kopfhörer ohne den USB-DAC verwenden.

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 Für HiRes ausgelegt

Sony verspricht volle Eignung für die Wiedergabe hochauflösender Audiodateien (High Resolution Audio, kurz HiRes). Kennzeichen dieser Dateien, die meist in den Formaten WAV, FLAC oder DSD (Direct Stream Digital) vorliegen, sind ein erweiterter Dynamikumfang. Es wird der sogenannte Oberwellenbereich voll erfasst, den das menschliche Gehör nicht direkt wahrnimmt, sondern „indirekt“. Durch eine komplette Integration des Oberwellenbereiches wird z.B. die spezielle Charakteristik einer Stradivari-Violine oder eines Steinway-Flügels wahrnehmbar. Sony gibt einen Frequenzgang von 4 Hz bis 40 kHz digital (bei Wandler-Nutzung) und von 4 Hz bis 100 kHz bei analoger Verwendung an. 102 dB/mW lautet die Empfindlichkeit, der ohrumschließende dynamische Kopfhörer weist 40 Ohm Impedanz auf und bringt 40 mm Treiber-Einheiten mit.

Die Flüssigkristall-Poylmer-Treiber sorgen für Klarheit und Detailreichtum bei der Wiedergabe und zeichnen sich durch eine hohe Impulstreue aus. Die Membran selber ist Aluminium-beschichtet, daher, so der Hersteller, liegt die Präzision bei der Präsentation auch komplexer Musikstücke höher als bei konventionellen Membranen. Schallenergie, die bei der Übertragung auf das Kopfhörergehäuse verloren geht, ist immer auf gleichbleibendem Niveau, dadurch ist die Akustik besonders realistisch. Präzise Aussparungen steigern den Luftstrom innerhalb der Treibereinheiten, dadurch kommt mehr Luft an die Membran – eine satte, kräftige und fundierte Basswiedergabe ist die Folge dieser Maßnahme. 

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Lautstärkeregelung, recht griffgünstig untergebracht

Wenden wir uns dem USB-DAC zu. Der MDR-1ADAC unterstützt auch DSD128 und 192 kHz/24-Bit PCM. Eingebaut ist ein S-Master HX Digitalverstärker, der Signale vollständig digital verarbeitet. Audiosignale werden bereits verstärkt, ohne dass eine Umwandlung in analoge Signale stattfindet. „Beat Response Control“ soll starke Bass-Verzerrungen verringern. Das hat im Testbetrieb gut funktioniert, der Bass war auch bei hohem Pegel satt und kraftvoll, störende akustische Disharmonien waren kaum festzustellen. 

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Ohrmuscheln außen aus Alu

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Elegantes, zeitloses Design

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Gut gepolstertes Kopfband

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 Verstellmechanismus

300 Gramm wiegt der MRD-1ADAC, und die Verarbeitung ist tadellos. Schon optisch, beim ersten Sichtkontakt, erfreut uns der Kopfhörer mit einer edlen, geschmackvollen und zeitlosen Optik. Kein rebellisches Trendprodukt, kein Philipp-Plein-Edel-Rocker ist hier entstanden, sondern ein Modell, das eher nach Armani und Baldessarini aussieht. Die Materialqualität ist insgesamt gut, aber keine Oberklasse. Kein Hermes oder Louis Vuitton, dazu wirkt das schwarze Kunststoffband, mit dem man den Kopfhörer auf die jeweilige Kopfgröße einstellt, zu einfach. Und das, was nach Leder aussieht, ist sehr gut gemachtes Kunstleder – was man am fehlenden Aroma stärker als aufgrund der Haptik bemerkt. Die Ohrmuscheln außen sind aus Aluminium, was sehr hochwertig erscheint. Der Kopfhörer lässt sich kompakt zusammenfalten – die Ohrmuscheln sind schwenk- und faltbar.

Klang

Für knapp 350 EUR  mit eingebautem USB-DAC bietet der MDR-1ADAC einen exzellenten Klang gerade auch bei HiRes-Audio-Dateien. Bevor man den Sony in Verbindung mit dem PC einsetzen kann, braucht man zum einen aber ein längeres Micro USB- auf USB-A Kabel, denn das mitgelieferte eignet sich wirklich nur zum Laden des Kopfhörers. Zum zweiten braucht man einen Treiber für den PC den man (Windows) bei Sony hier herunterladen kann: Treiber für Sony MDR-1ADAC. Der Treiber ist flott installiert und dann kann es losgehen – kann man fürs investierte Geld schon erwarten, dass der MDR-1ADAC bei HiRes-Dateien einen akustischen Benefit darstellen kann?

Wir starten mit etwas Melancholischem: „Dronning Fjellrose“ (192 kHz/24-Bit) vom Hoff Ensemble. Die Stimme der Sängerin kommt sehr präzise heraus, sie wird exakt im virtuellen Raum platziert, den der Hörer generiert. Das Piano klingt hervorragend, selbst die Anschlagdynamik arbeitet der Sony-Hörer mit eingebautem DAC sehr gut heraus. Bei „Tufsa Danser“, wiederum vom Hoff Ensemble, das gleiche akustische Bild: Nuanciert, mit schöner Weiten- und Tiefenwirkung, agiert der Sony-Hörer. Er holt viele Details heraus, wie man z.B, am Abklingen der Frauenstimme hört. Auch das Piano kommt ein weiteres Mal exzellent heraus. Es spielt frei und klar auf. Und gleichzeitig erweist sich der MDR-1ADAC als tonal überaus angenehm.  

Da er mit 300 Gramm Gesamtgewicht trotz eingebautem DAC nicht zu schwer geraten ist, sitzt er angenehm und entwickelt nie einen zu hohen Anpressdruck. Er lässt sich gut auf die Kopfgröße einstellen, und sitzt auch bei längerem Tragen sehr bequem. Die Ohrpolster sind nicht zu schweißtreibend, wobei bei der gerade herrschenden Hitze eigentlich alles, was sich auf dem Ohr befindet, als eher störend angesehen wird. 

Erstklassig, mit sensationellem Tiefgang und feiner Stimm-Akzentuierung, macht sich der Sony über Diana Kralls „All Or Nothing At All“ her (96 kHz/24-Bit) her. Wir sind zutiefst beeindruckt, wie komplett und authentisch der Sony klingt, er realisiert den Aufbau einer sehr präzise dimensionierten virtuellen Bühne.  Die E-Gitarre kommt ausgezeichnet heraus, das Anzupfen der Saiten wirkt ungemein echt.  „I Miss You So“, der zweite Track von Diana Krall (FLAC, 96 kHz/24-Bit), wird vom MDR-1ADAC mit viel Sorgfalt präsentiert. Das Klavier, die E-Gitarre und Dianas Stimme gehen eine harmonische Verbindung ein, der Kontrabass wird überragend wiedergegeben, er geht wirklich hinunter bis tief in den Frequenzkeller. Die gesamte Atmosphäre ist dicht, vielschichtig und würde auch sehr deutlich teureren Kopfhörern gut stehen, die noch nicht einmal einen DAC an Bord haben. 

Nun wenden wir uns Wolfgang Amadeus Mozarts „Violinkonzert  r. 4 in D-Dur, dem 1. Allegro, zu. Diesen wunderschönen Satz hören wir wieder in 96/24 und wundern uns, wie fein der MDR-1ADAC die Violine durchzeichnet. Sicherlich geht hier ein noch höheres Maß an kontrollierter Feindynamik, aber nicht für diesen Kaufpreis. Hier realisiert der Sony-Hörer eine Klanggüte, an der einfach alles passt: Die orchestralen Einsätze kommen rund und geschmeidig heraus, die Platzierung der einzelnen Instrumente innerhalb des Orchesters gelingt dem MDR-1ADAC überragend. Der straffe, zupackende, aber nie übertriebe Bassbereich ist ebenfalls sehr zu loben. Der Hochtonbereich überzeugt durch freies, filigranes Spiel und eine ausgezeichnete räumliche Ausleuchtung, Musik ist Kultur – der Sony-Kopfhörer verdeutlicht dies durch seine stimmige, geschliffene und akkurate Arbeitsweise.  

Aus ganz anderem Holz geschnitzt ist „Crisis Time“ von Bad Religion (88 kHz). Sehr schwungvoll, mit aggressivem Einschlag, die Post geht ab, könnte man in aller Kürze sagen. Hier macht der Sony auch einen guten Job, allerdings könnte alles noch etwas aggressiver, fetziger, mitreißender klingen. Die anderen Jazz- und Klassik-Stücke lagen dem Hörer mehr. Hier fehlt es etwas an Würze, wenngleich der Bassbereich auch hier wieder hervorragend gelungen ist. 

Wie sieht es mit einem italienischen Sommermärchen aus? „Diamante“ von Sandra und Tony Alessi tritt hier im Format 96/24 an. Und hier setzt der MDR-1ADAC wieder genau am richtigen Punkt an: Tolle vokale Präsenz, sowohl bei der weiblichen als auch bei der männlichen Stimme, überragende Gesamtharmonie, runder, gleichzeitig aber präziser Bassbereich, und eine sehr gute Detaillierung im Hochtonbereich. Das Flair dieses Songs kommt so gut heraus, dass man sich inmitten eines Sommerabends am Gardasee fühlt. Viele Wiedergabegeräte präsentieren diesen Song als zu schneidend im Hochtonbereich – ganz anders der Sony-Hörer, der die hohen Frequenzen sauber ausbalanciert und gleichzeitig sehr detailreich erfasst. 

Verbinden wir den MDR-1ADAC mit unserem iPhone 6 Plus und versuchen, herauszufinden, ob sich der hervorragende USB-DAC auch dann bemerkbar macht, wenn wir verlustbehaftete Audiodateien wiedergeben. Wir beginnen mit „I Belong To You (Il Ritmo Della Passione) von Eros Ramazzotti und Anastacia. Fundiert, klar, kraftvoll – überragend meistert der Sony-Kopfhörer diese Hürde. Klar besser als bei Nutzung des eher einfachen DACs im iPhone, der einen deutlich müderen, detailärmeren und weniger substanzreichen Sound erzeugt. Die sehr gute Stimmwiedergabe spricht für Sonys MDR-1ADAC ebenso wie die sehr gut gestaffelte, authentische Räumlichkeit. Facetten kommen sauber heraus, der Kopfhörer detailliert besser als manches deutlich teurere Konkurrenzprodukt. Bedenkt man, dass der MDR-1A, also das Modell ohne DAC, nur 200 EUR kostet, ist es erstaunlich, was die Sony-Techniker hier für wenig Geld auf die Beine gestellt haben. 

Bei „Don’t Let The Sun Go Down On Me“ (George Michael im Duett im Eltonn John) brilliert der MDR-1ADAC erneut. Wieder ist es die überdurchschnittlich gute Detailarbeit, die für große Freude sorgt. Die Trennung von Stimmen und Instrumenten ist sehr gut gelungen, nur Musikliebhaber, die viel Hörerfahrung besitzen und daher in der Lage sind, auf das letzte Detail zu achten, werden in den hinteren akustischen Ebenen vielleicht den ein oder anderen Feinschliff bei der Einarbeitung kleiner Klangereignisse wie dem Abklingen von Instrumenten vermissen. 

Bei „Riva“ (Klingande featuring Broken Back) spielt sich der Sony-Kopfhörer mit dem herausragenden Bass nach vorn. Ohne Verzerrungen, mit grandiosem Tiefgang und exzellentem Volumen, werden hier Top-Werte erzielt. Der Rhythmus wird impulstreu herausgearbeitet, die Räumlichkeit ist realistisch. Tempowechsel innerhalb des Stücks werden sehr schnell vom MDR-1ADAC umgesetzt. Die 2015er Version des Techno-Klassikers „Don’t You Want Me“ von Felix liegt dem MDR-1ADAC auch enorm: Wieder ist es der füllige, gleichzeitig präzise, standfeste Bass, der uns begeistert. Der Aufbau der zahlreichen elektronischen Effekte gelingt dem Sony-Headphone vortrefflich. Die Atmosphäre, die geschaffen wird, ist sehr lebendig, umfassend und zieht den Zuhörer voll in ihren Bann. 

Konkurrenzvergleich
  • Magnat LZR 980: Mit rund 300 EUR ist der sehr edel gestaltete Magnat-Kopfhörer preiswerter, aber er verfügt nicht über einen eingebauten USB-DAC. Optisch gibt sich der Magnat-Hörer extrovertierter, aber nicht im flippigen Sinne, sondern er macht es auf eine edle, noble Art – für uns ist der LZR 980 einer der schönsten Headphones zur Zeit. Bis ins Detail ist die Verarbeitung überzeugend. Akustisch liefert der Magnat LZR 980 eine sehr gediegene, angenehme Vorstellung ab und punktet mit überragender Feindynamik. Insgesamt bietet der Sony MDR-1ADAC gerade bei aktiviertem USB-DAC grobdynamisch mehr, und die sensationelle Kontrolle im kraftvollen Bassbereich spricht ebenfalls für deu nur maßvoll teureren Sony. 
  • Beyerdynamic A 200 p portabler Kopfhörerverstärker plus T 51 p Tesla-Headphone: 550 EUR, also satte 200 EUR mehr als für den Sony MDR-1ADAC, werden für die beyerdynamic-Kombination aus kompaktem Kopfhörerverstärker/USB-DAC und dem hochwertigen Tesla-Kopfhörer T 51 p fällig. Mit feiner Detaillierungsarbeit und solider Räumlichkeit spielt sich die Heilbronner Kombination stark nach vorn, muss sich letzten Endes aber überraschend deutlich dem  Sony MDR-1ADAC geschlagen geben. Mit mehr Grobdynamik bei gleichzeitig nicht schlechtere Feindynamik geht der Sony in Front, mehr Tiefgang und Substanz und eine noch weitläufigere Räumlichkeit bauen den Vorsprung weiter aus. 
  • Sony HiRes-Duo MDR-1A und Walkman NWZ-A15 für zusammen 400 EUR: Für nur 50 EUR mehr kann man sich bei Sony auch den MDR-1A ohne USB-DAC und gleich den Einsteiger-HiRes-Walkman NWZ-A15 mit 16 GB internem Speicher kaufen – eine komplette, leistungsstarke und preiswerte HiRes-Lösung für den mobilen Einsatz. Wir würden trotzdem den MDR-1ADAC vorziehen, dessen USB-DAC arbeitet deutlich besser als der im NWZ-A15 und überdies kann man die Güte des Wandlers auch an jedem Smartphone oder Tablet, auch bei komprimierten Dateien, genießen. 
Fazit

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Gut gemacht, Sony! Der MDR-1ADAC ist ein erstklassiges Produkt und brilliert bei Verwendung des integrierten USB-DACs mit einem fürs investierte Geld sensationellen Klang. Fundiert, klar, detailreich und enorm dynamisch – all das verpackt der MDR-1ADAC in einem angenehmen, homogenen Klangbild. Bis auf minimale Abstriche bei der Materialwahl gefällt uns auch die Verarbeitung. Die Optik ist edel und zeitlos. 

Herausragender Kopfhörer mit integriertem USB-DAC, der akustisch glänzt und überdies preislich sehr fair kalkuliert ist
preisklassenreferenz
Kopfhörer bis 500 EUR
Test 22. Juli 2015

+ Exzellente Akustik bei Einsatz des USB-DACs
+ Grob- und feindynamisch hervorragend
+ Erstklassige Basswiedergabe auch bei größeren Pegeln
+ Weitläufige, homogene räumliche Darstellung
+ Sehr bequem und nicht zu schwer
+ Passgenaue Verarbeitung
+ Günstiger Kaufpreis

– Mitgeliefertes USB-Kabel für PC-Einsatz zu kurz
– Akkulaufzeit könnte länger ausfallen

Test: Carsten Rampacher
Fotos: Sven Wunderlich
Datum: 22. Juli 2015




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