TEST: Magnat LZR 980 – von Pininfarina designter Over Ear-Edel-Kopfhörer

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Magnats Top-Kopfhörer, von Pininfarina Industrie-Design gestaltet, hört auf den Namen LZR 980 und ist nun bei uns zum Test. Für rund 300 EUR kann man das optische Schmuckstück wahlweise in weißer oder schwarzer Variante erwerben. 

im Fokus beim LZR 980 steht Magnats Laser-Technologie. Die Treiber der Headphones der LZR Serie sind mittels Hightech-Laser-Messsystemen entwickelt worden. Bedingt durch die deutlich höhere Präzision beim Messen ergibt sich die Möglichkeit, das Verhalten der Treiber in Richtung des gewünschten akustischen Ideals zu bewegen. Das Messsystem von Klippel arbeitet per Laserstrahl, der in einem speziell zu diesem Zweck entwickelten Vakuumbehälter seiner Aufgabe nachgeht. Das Chassis kann so mit extrem genau analysiert werden, und bei Optimierungen wird als Folge exakt am richtigen Punkt angesetzt. Hohe Impulstreue, lebendige Gesamtwiedergabe und eine exzellente Feindynamik sind, so der Hersteller, die Folgen dieser neuen Mess- und Perfektionierungsmethodik. Kleine Unstimmigkeiten, die die Gesamtharmonie aus akustischer Sicht dennoch deutlich beeinträchtigen können, fallen bei Verwendung des Klippel-Messsystems gnadenlos auf. Sonst, bei konventionellen Messmethoden, könnten diese kleinen Fehler untergehen. Beim Verfahren, das Magnat anwendet, kommt im Übrigen ein hochmoderner „Eye&Cheek“ Simulator zum Einsatz, der präzise die Anatomie des menschlichen Ohrs nachbildet. 

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Pininfarina-Design – das sieht man sofort

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 Tadellose Material- und Fertigungsqualität, hier beim Polstermaterial für die Ohrmuscheln

Merkmale, die die hochwertigen HiFi-Lautsprecherbaureihen von Magnat auszeichnen, sollen sich auch bei den LZR-Kopfhörern und natürlich insbesondere beim Top-Modell LZR 980 finden. Ein zentral hinter der Membran angebrachtes Dämpfungselement aus Akustikschaum eliminiert unerwünschte Schallreflexionen innerhalb des Treibers. Die sogenannte „Metal Core“ Technologie ermöglicht eine besonders wirkungsvolle Stabilisierung der empfindlichen Membran. Eine in ringförmiger Ausprägung aufgebrachte Beschichtung aus Titan findet sich an der empfindlichsten Stelle der Membran. Die „Laser Tech Driver“ Technologie ist auch an Bord und soll eine präzise, volle Basswiedergabe und fein auflösende Höhen bei allen Headphones der LZR-Baureihe garantieren. 

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Verstellmechanismus

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 Hochwertigkeit bis ins Detail

Ebenso sind eine sehr hochwertige Verarbeitung und eine sorgfältig getroffene Materialauswahl Schwerpunkte der LZR-Kopfhörer, verspricht Magnat. Nehmen wir uns den LZR 980 zur Hand und prüfen nach: Für 300 EUR dürfte es derzeit schwer sein, einen besser verarbeiteten und edler wirkenden Kopfhörer zu finden.  Das beginnt schon beim hautsympathischen Bezug der Ohrpolster. An diesen sorgt Memory-Schaum für die perfekte Passform beim jeweiligen Träger. Das „Air Tech“ Belüftungssystem sichert einen hohen Langzeit-Tragekomfort. Der Hörer sitzt recht angenehm auf dem Kopf und eliminiert passiv einen guten Teil der Umgebungsgeräusche.

Das Gewicht ist nicht zu hoch, der Anpressdruck passt. Der Verstellmechanismus für den optimalen Sitz des Kopfbügels besteht aus Metall und ist robust, aber etwas schwergängig zu Beginn. Ohrmuscheln und Kopfband außen sind mit leicht gummiertem und haptisch sehr angenehmen Material überzogen. Der LZR 980 ist für die Verwendung mit Apple iOS-Devices vorgesehen. Von den zwei mitgelieferten Kabeln (aus hochreinem OFC-Kupfer plus vergoldete Stecker) guter Qualität ist eines mit einer Kabel-Fernbedienung versehen, die sehr gut funktioniert und neben Stopp/Pause, Play und Lautstärkeregelung auch den Titelsprung ermöglicht. Die Kabel weisen übrigens einen Knickschutz auf, um Kabelbrüchen vorzubeugen – an allen Übergängen. Dank speziellem Aufbau und entsprechend angepasster Oberfläche droht zudem kein nervender Kabelsalat. 

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Stilvolles Transport-Case

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Mitgeliefertes Zubehör, ein Kabel fehlt auf dem Bild. Es werden zwei Premium-Kabel mit und ohne Apple iOS Remote mitgeliefert

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 Robuster, effektiver Faltmechanismus

Der LZR 980 wiegt 268 Gramm,  ist 202 mm breit, 189 mm hoch und 86 mm tief. Er erzeugt bei 1 kHz/1 V RMS 120 dB und weist bei 1 kHz/106 dB einen Klirrfaktor von weniger als 0,10 Prozent auf. Der Kopfhörer hat eine Impedanz von 32 Ohm und ist als geschlossener Over-Ear-Hörer ausgelegt. Die Treiber messen 40 mm (MCT Laser Technology) und sind für beste Performance mit besonders kraftvollen Neodym-Magnetsystemen ausgestattet. Der angenehme Mesh-Stoff in den Ohrmuscheln ist akustisch optimiert. Der Frequenzbereich, der dargestellt wird, reicht von 12 Hz bis 28 kHz. 

Neben den schon erwähnten beiden Kabeln wird ein 6,25 mm Stecker-Adapter und ein für den Einsatz im Flugzeug vorgesehener Adapter mitgeliefert. Für diese beiden Adapter ist im gut verarbeiteten und ansehnlichen Transport-Case gleich ein Täschchen vorgesehen, das ist sehr praktisch und durchdacht. 

Klang

Bei „Hidden Treasures“ von Rex Mundi (Markus Schulz, Gloibal DJ Broadcast Top 20, Juni 2013) liefert der LZR 980 eine erste Kostprobe seines Könnens. Der Bass gefällt durch klare Kontur, der Tiefgang ist ausgezeichnet, und der Kopfhörer sitzt hervorragend auf dem Kopf des Trägers. All dies sorgt für ein ganzheitliches Gefühl einer fesselnden Wiedergabe, es fehlt an nichts: Aufbau des Tracks ist gelungen, kleinere dynamische Differenzen kommen extrem gut heraus. Nur grobdynamisch, als bei massiven dynamischen Differenzen, könnte der Hörer noch minimal nachdrücklicher agieren. Die gebotene Pegelfestigkeit ist gut, setzt aber keine Maßstäbe. Das ist aber nicht weiter schlimm, zu lautes Hören mittels Kopfhörer ist Gift für das menschliche Gehör und kann irreparable Schädigungen hervorrufen. 

Deutlich besser sind die akustischen Qualitäten des LZR 980 im Vergleich zum kleineren LZR 580, der weniger ausgewogen und weniger fein auflösend agiert. Der LZR 980 braucht keinen Vergleich zu scheuen, was wird gleich klar. Er agiert satt, aber nicht übertrieben im Bassbereich und bringt Effekte sehr gut zum Ausdruck, indem er sie präzise staffelt und räumlich akkurat abbildet. Beim 2014er Remix des Dune-Klassikers „Hardcore Vibes“ von Picco vs. DJs From Mars ergeben sich ähnliche Eindrücke – atmosphärisch dicht agiert der LZR 980, er spielt noch eine Idee intensiver und tiefgehender als der gerade getestete Beyerdynamic Custom Studio, der mit rund 200 EUR auch 100 EUR günstiger ist. Der Magnat LZR ist den höheren Kaufpreis durch die besonders edle Anmutung und den feiner auflösenden Klang aber auf jeden Fall Wert. 

Wie sieht die Performance des LZR 980 aus, wenn wir mit einem besonders günstigen Hörer vergleichen? Schließlich gibt es den Teufel Massive Kopfhörer in erstaunlich guter Fertigungsqualität schon für 100 EUR. Und gerade bei den hier gehörten Trance-/Techno-Tracks legt sich der Berliner Teufel mächtig und massiv – Nomen est Omen – ins Zeug. Kann das sein, dass ein 100 EUR Hörer hier so gut abgeht? Man muss genauer hinhören, dann fällt schon bei Trance-/Techno-Tracks auf, dass der LZR 980 in einer anderen Liga spielt. Er struktuiert den Bass besser durch, bringt eine bessere Impulstreue mit und bietet mehr Details und Auflösungsvermögen über den gesamten Frequenzbereich.

Gleichzeitig aber macht der Hörer Spaß und verbannt analytische Konkurrenz auf die Plätze: Schon vor Jahren war der AKG Q701 (damals rund 500 EUR kostend) in der „Quincy Jones“ Edition bei uns im Test. Bei Themen wie Feinauflösung und Neutralität liegt der schicke Hörer nach wie vor weit vorne, spielt aber etwas schlank und nüchtern. Hier erzielt der Magnat LZR 980 auch bei emotionalen Tracks wie „I Belong To You“ von Eros Ramazzotti&Anastacia bessere Ergebnisse, weil er emotionaler und mit mehr Ausdruckskraft auftritt.

Die Vocals kommen sehr schön heraus, mit tadelloser Kontur, und die Trennung von Stimme und Instrumenten gelingt sehr vorteilhaft. Alicia Keys „Fallin“ beweist auch die Güte des Magnat-Kopfhörers, der Bass ist trocken und klar, er tritt kräftig auf, trotzdem wird die Stimme nach wie vor klar fokussiert. Räumlich spielt der LZR 980 mit tadelloser Dichte, so dass sich der Hörer mitten im Song wähnt.

„For Your Eyes Only“ hießt der Titelsong des 007-Films, der hierzulande als „In Tödlicher Mission“ bekannt wurde. Gesungen von Sheena Easton, begeistert der Titel heute noch. Der LZR 980 beweist hier ein weiteres Mal seine Universalqualitäten, ganz gleich, welches Quellmaterial, er gibt alles lebendig und klar wieder. Die ausgezeichnete Stimmpräsentation ist ein Merkmal, welches sich auch bei diesem Klassiker bestens nachvollziehen lässt. Noch besser hinsichtlich der Feinauflösung gefällt uns Shirley Basseys „Moonraker“, ebenfalls aus dem gleichnamigen James Bond-Film bekannt. Hier trumpft der Magnat-Hörer mit einem frei aufspielenden, nie aggressiv-schrillen Hochtonbereich auf, der den Zuhörer räumlich präzise umgibt. Der Bass ist stets präsent, wird aber nicht unschön überrepräsentiert.

Direkt aus den 80er Jahren, ein paar Jährchen nach Moonraker, trifft der Wax-Charthit „Building A Bridge To Your Heart“ bei uns ein. Hier fehlt dem LZR 980 ein wenig die Ausdruckskraft, die wir anderen Orts schon vernehmen durften. Objektiv lässt sich der Kopfhörer nichts nachsagen, aber mit etwas mehr „Schmiss“ und Verve klingt der Song noch mitreißender. Klar, recht detailreich und räumlich zutreffend ist die Darstellung des LZR 980 aber auf jeden Fall.

Besser kommt in unseren Testreihen „China In Your Hand“ von T’Pau zur Geltung. Hier wirft der LZR 980 wieder seine tadellose Feindynamik in die Waagschale. Hinzu kommt der substanzreiche Bass, der genau den richtigen Punkt trifft. Überraschend ist, was der Kopfhörer bei diesem Track von durchschnittlicher Qualität aus dem Hochtonbereich herausholt. 

Der Auftakt zu Antonio Vivaldis „Vier Jahreszeiten“ erfolgt, wie passend gerade noch, im Frühling. Bevor nun in wenigen Tagen offiziell der Sommer durchstartet, präsentiert uns der LZR 980 noch transparente, luftige Streicher beim ersten Allegro. Kleine Kritik im Detail – die leisen Passagen könnten noch einen Hauch mehr Prägnanz und Ausdruckskraft vertragen.

Hier merkt man, dass noch oben hin bei einem 300 EUR-Kopfhörer noch einiges an Luft ist. Fürs investierte Geld aber offeriert der LZR 980 eine runde Leistung, er kann es eigentlich mit jeder Art von Quellmaterial und ist sehr gut für den Alltagsgebrauch geeignet. Das liegt auch am hohen Tragekomfort, der auch nach einigen Stunden in vollem Umfang erhalten bleibt.

Fazit

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Der Magnat LZR 980 weiß im Testbetrieb zu überzeugen. Dies beginnt bereits bei der sehr eleganten Optik und der hochwertigen Verarbeitungs- und Materialqualität. Der LZR 980 ist kein „Me Too“ Produkt ohne Ausstrahlung, sondern gefällt durch stilvollen Individualismus und gekonnte Abstimmung. Er spielt präzise, feindynamisch akkurat und räumlich authentisch auf. Grobdynamisch fehlt manchmal das letzte Bisschen „Schmiss“. Mit jeder Art von Quellmaterial kommt der noble Kopfhörer sehr gut zurecht, so dass man ihn flexibel verwenden kann – und dank des Faltmechanismus, der robust ausgeführt ist, führt man ihn problemlos mit und kann den ausgewogenen Sound praktisch überall uneingeschränkt genießen.

Hochwertiger, edel gestalteter Kopfhörer mit ausgewogenem, präzisem Klang
ueberragend
Kopfhörer bis 300 EUR
Test 16. Juni 2015

+ Edles, unverwechselbares Design
+ Hohe Materialqualität
+ Räumlich akkurater Klang
+ Feindynamik überzeugend
+ Angenehme, praxisgerechte Auslegung

– Ab und zu fehlt es etwas an Grobdynamik

Test: Carsten Rampacher
Fotos: Sven Wunderlich
Datum: 16. Juni 2015




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