TEST: Onkyo 7.2 AV-Receiver TX-NR656 mit Dolby Atmos und AccuEQ-Einmessung – Champion der Mittelklasse?

Onkyo TX-NR656 Front Seitlich2

Gerade frisch auf dem Markt ist der Onkyo 7.2-Kanal-Netzwerk-Receiver TX-NR656. Kostenpunkt für den AV-Receiver mit Decoder für Dolby Atmos: 649 EUR. Dafür bekommt man ordentliche Leistungsreserven von 160 Watt pro Kanal, wobei das mit Vorsicht zu genießen ist, da nicht alle Kanäle gleichzeitig ausgesteuert sind. Trotzdem dürfte das, was in der Praxis übrig bleibt, für einen standesgemäßen Betrieb ausreichen. Leider ist der TX-NR656 aktuell noch nicht in der Lage, DTS:X zu decodieren. Die Voraussetzungen sind gegeben, aber das dazugehörige Update fehlt noch und soll nach derzeitiger Planung im Sommer kommen. 

Overview

Selbstverständlich sind Bluetooth (Version 2.1 + EDR) und WiFi an Bord, genauso wie acht 4K/60 Hz/HDR-fähige HDMI-Eingänge, die 4:4:4 Farbabtastung und HDCP 2.2 unterstützen. Auch zwei HDMI-Ausgänge sind vorhanden. Allerdings schleift der TX-NR656 Video-Signale nur durch. Eine interne Video-Signalverarbeitung fehlt komplett. Daher ist es nicht möglich, z.B. Full HD-Signale vom AVR auf 4K hochskalieren zu lassen.

Das Lautsprechersystem wird mittels AccuEQ eingemessen, integriert ist AccuReflex für nahtlose Übergänge zu entsprechend kompatiblen Top Firing Lautsprechern. Die Phase der nach oben gerichteten Top Firing Module wird hierbei auf den Klang der übrigen Lautsprecher angepasst. In unseren Testreihen überzeugte der Onkyo mit immer stimmigen, nahtlosen Übergängen von Front L/R zu den Top Firing Modulen und mit einer den Zuhörer nahezu komplett einschließenden Klangcharakteristik, obwohl es „nur“ ein Set-Up mit zwei Top Firing Modulen ist. 

Schon beinahe revolutionär mutet „FireConnect“ an, denn hier lassen sich beliebige Audioquellen vom TX-NR656 in einen zweiten Raum zu einem entsprechend geeigneten Wireless-Lautsprecher leiten. Auch diese Funktion ist allerdings noch nicht verfügbar, sondern wird ebenfalls per Firmware-Update nachgereicht. Auch onlinebasierte Dienst wie Tidal oder Deezer sind ebenfalls erst nach einem Firmware-Update zu verwenden. Auch die bereits geplante Unterstützung für Google Cast wird später nachgereicht. Derzeit wird Apple AirPlay unterstützt, ebenso wie Spotify und Tune In. Pandora, ebenfalls vorhanden, lässt sich hierzulande nicht verwenden.  

Der Onkyo ist multimedial durchaus talentiert und ist natürlich auch voll HiRes-kompatibel. Er unterstützt FLAC, WAV, DSD (2,8 und 5,6 MHz), AAC, Apple Lossless, MP3, WMA, WMA Lossless und Dolby TrueHD, wenn diese Formate von Dateien stammen, die übers Netzwerk z.B. von einem NAS-System  oder einem Home Server zur Verfügung gestellt werden. Um niedriger auflösende Dateiformate (z.B. die klassische MP3-Datei) akustisch aufzupolieren, ist der sehr gut arbeitende Advanced Music Enhancer an Bord. Des Weiteren offeriert der Onkyo auch vier DSP-Modi für Rock, Sport, Action sowie Rollenspiele.

Der CinemaFILTER für eine akustisch angenehme Darstellung von Filmtonspuren, der Direct/Pure Direct Audio-Modus sowie die Doppelbass-Funktion sind weitere Ausstattungsmerkmale. Stellt man das Lautsprecher-Setup manuell ein, kann man für jeden Kanal individuell die Übernahme-Frequenz per OSD festlegen (40/50/60/70/80/90/100/120/150/180/200 Hz). Merkmal ist auch die AV-Synchronisation (bis zu 500 ms in 5 ms Schritten bei 48 kHz). Nicht ganz vergessen sollte man den analogen Radio-Tuner mit 40 UKW/MW-Speichern. Ein digitaler DAB/DAB+ Tuner befindet sich nicht im Ausstattungsumfang. 

Onkyo TX-NR656 Fernbedienung

Fernbedienung

Dafür aber eine recht kompakte, bewusst einfach gehaltene Fernbedienung. Sie erweist sich im Betrieb als sehr praktisch und ist von befriedigender Qualität. Alternativ kann man den TX-NR656 natürlich auch per App steuern (mit Tablet oder Smartphone, für iOS und Android). 

Verarbeitung

Onkyo TX-NR656 Bedienelemente Front2

Großer Lautstärke-Drehregler. Vorn befinden sich ein HDMI-Input, ein 3,5 mm Audioeingang sowie der Anschluss fürs Mikrofon (AccuEQ-Einmessung)

Onkyo TX-NR656 Mikro

AcuEQ-Einmessmikrofon

Onkyo TX-NR656 Bedienelemente Front1

Kleinere Drehregler für Hör-Modus und Klangeinstellung

Onkyo TX-NR656 Display

Display

Onkyo TX-NR656 Rueckseite Seitlich1

Rückseite mit den beiden Antennen für die Drahtloseinbindung

Der Onkyo sieht sehr elegant aus und ist ausgezeichnet verarbeitet. Leider befürchten wir aber, dass die akkurat eingepasste Frontblende nur aus Kunststoff besteht. Optisch und haptisch hinterlässt der große, rechts auf der Frontblende untergebrachte Lautstärke-Drehregler einen tadellosen Eindruck. Er eiert ein wenig, aber nur verhalten. In Anbetracht der Preisklasse üben wir hier keine ernsthafte Kritik.

Auf der linken Seite unten sind zwei weitere Drehregler, die sich um den Hör-Modus und um die Klangeinstellung (Tone) kümmern. Die einzelnen Quellen werden mittels einzelner Tasten, die unterhalb des Displays montiert sind, aufgerufen. Das Display ist bei der schwarzen Variante, wie bei Onkyo üblich, in Grün gehalten und löst voll befriedigend auf. Der Onkyo bringt solide Gerätestandfüße mit. Die Rückseite ist ebenfalls gut verarbeitet, alle Anschlüsse sitzen fest. Der TX-NR656 wiegt 10 kg und ist 435 mm breit, 173,5 mm hoch und 378 mm tief. Laut Hersteller ist er für Boxen von 6 bis 16 Ohm geeignet, er hatte im Testbetrieb aber auch mit 4 Ohm-Lautsprechern keine Probleme. 

Onkyo TX-NR656 Innenleben Gesamt

Sauberer Aufbau innen. Kühlkörper aus einfachem Blech, das hat sich mittlerweile eingebürgert

Onkyo TX-NR656 Innenleben1

Onkyo TX-NR656 Innenleben2

Detailansicht des Kühlkörpers

Onkyo TX-NR656 Innenleben3

Transformator

Das Innenleben des TX-NR656 ist gut aufgebaut.  Keine losen Kabel stören, der Aufbau wirkt durchdacht. Das Platinenlayout ist sauber, der Transformator ist solide mit dem Gehäuseboden verschraubt. Leider ist der Kühlkörper nur aus Blech. Blech leitet Wärme nicht so effektiv ab wie ein Aluminium-Kühlkörper. Einen solchen setzt in der 600 bis 700 EUR-Liga aber kaum noch ein Hersteller ein.

Im Inneren des Onkyos sind 384 kHz/32-Bit D/A-Wandler verbaut, dieses Ausstattungsmerkmal hat Onkyo bereits 2015 eingeführt. Leistungsstarke 32 Bit-Signalprozessoren kümmern sich intern um die Verarbeitung. Aufgrund der Tatsache, dass der AV-Receiver im Zeitalter der objektbasierten Audio-Tonformate DTS:X und Dolby Atmos die einzelnen Audio-Objekte in Echtzeit den Lautsprechern zuweist, ist deutlich mehr Rechenleistung erforderlich, als dies früher bei den rein kanalbasierten Tonformaten der Fall war. 

Anschlüsse

Der Onkyo offeriert eine reichhaltige Anschlussbestückung, die neben 8 HDMI-Eingängen, zwei HDMI-Ausgängen, einem koaxialen sowie zwei optischen Digitaleingängen auch einen Phono-Eingang umfasst. Zwei Vorverstärkerausgänge zum Anschluss eines aktiven Subwoofer fehlen ebenfalls nicht. Der TX-NR656 hat zum Anschluss von älterenn Zuspielern auch noch zwei Komponenten-Video-Analog-Eingänge. Auch vorhanden sind Ethernetbuchse und USB-Slot (5V/1A).

Onkyo TX-NR656 Anschluesse Rueckseite1

Gute Anschlussbestückung

Onkyo TX-NR656 Anschluesse Rueckseite3

Sieben der acht HDMI-Eingänge befinden sich hinten

Onkyo TX-NR656 Anschluesse Rueckseite2

Lautsprecherkabel-Anschlussterminals

OSD-Screenshots: Einstellungen

Onkyo TX-NR656 Screenshot 1

Einstellungen in der Übersicht. Grafisch wurde das OSD überarbeitet und sieht nun etwas moderner aus

Onkyo TX-NR656 Screenshot 2

Submenü „TV-Ausgang/OSD“

Onkyo TX-NR656 Screenshot 3

HDMI-Eingangsübersicht

Onkyo TX-NR656 Screenshot 4

Einstellungen: Lautsprecher

Onkyo TX-NR656 Screenshot 5

Recht praktisches, praxisgerechtes Lautsprecher-Setup mit netten Grafiken

Onkyo TX-NR656 Screenshot 6

Time Alignment

Onkyo TX-NR656 Screenshot 7

Pegelkalibrierung

Onkyo TX-NR656 Screenshot 8

Hier kann man nicht nur den Abstand der Top Firing-Module zur Decke angeben, sondern auch AccuReflex aktivieren

Onkyo TX-NR656 Screenshot 9

Der TX-NR656 verfügt auch über einen eingebauten EQ mit drei programmierbaren Voreinstellungen

Onkyo TX-NR656 Screenshot 10

Klangeinstellungen

Onkyo TX-NR656 Screenshot 11

Einstellungen: Hardware

Onkyo TX-NR656 Screenshot 12

Einstellungen: Diverses

OSD-Screenshots: Einrichtungsassistent

Onkyo TX-NR656 Screenshot 13

Der Einrichtungsassistent mit erklärenden Texten. Hier werden die einzelnen, nun folgenden Schritte erörtert

Onkyo TX-NR656 Screenshot 14

AccuEQ als Lautsprechereinmess-/Room EQ-System ist mit in den Einrichtungsassistenten integriert

Onkyo TX-NR656 Screenshot 15

Angabe des verwendeten Lautsprecher-Setups

Onkyo TX-NR656 Screenshot 16

Vorbereitungen zum Einmessen 

Onkyo TX-NR656 Screenshot 17

Nun beginnt der Einmessvorgang

Onkyo TX-NR656 Screenshot 18

Die Lautsprechererkennung arbeitete korrekt

Onkyo TX-NR656 Screenshot 19

Gut erkannt – die Übergangsfrequenzen

Onkyo TX-NR656 Screenshot 20

AccuEQ mit den beiden Betriebsarten: A) für alle Kanäle, B) Mit Front L/R-Bypass

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Nette Grafiken bei der Verbindungs-Überprüfung

Onkyo TX-NR656 Screenshot 22

Wahl der zu überprüfenden Quelle

Onkyo TX-NR656 Screenshot 23

Netzwerkverbindung: Einführung

Onkyo TX-NR656 Screenshot 24

Kabelgebundene oder drahtlose Verbindung?

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Nun befindet sich der TX-NR656 im Heimnetzwerk

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Multizonen-Funktion verwenden oder nicht?

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Freundlicher Gruß zum Abschluss, eine nette Geste

OSD-Screenshots Multimedia

Onkyo TX-NR656 Screenshot 28

Dienste-Übersicht – Pandora kann in Deutschland nicht verwendet werden

Onkyo TX-NR656 Screenshot 29

Musik-Server: Übersicht der im Heimnetzwerk vorhandenen potentiellen Quellen. Sehr gut: Die kurzen Ladezeiten

Onkyo TX-NR656 Screenshot 30

48 kHz-Wiedergabe

Die OSDs sind grafisch allesamt ordentlich gemacht, nur bei der Anwahl der Netzwerk-Multimedia-Features sind die Menüs recht schmucklos. Gut gefällt uns der 2016er Einrichtungsassistent, der mit hilfreichen, verständlichen Texten sowie mit adrett gemachten Grafiken positiv auffällt. Zu erwähnen wäre noch die mit einem „Q“ gekenzeichnete Quick Menü-Taste auf der Fernbedienung. Mittels dieser lassen sich elementare Funktionen (z.B. AccuEQ aktiv oder nicht) direkt per Shortcut einstellen. Ein kleines OSD taucht unten auf dem Bildschirm auf, und die entsprechenden Einstellungen können aus dem laufenden Betrieb heraus komfortabel getroffen werden. 

Pro & Contra Ausstattung/Handhabung

+ Dolby Atmos-Decoder
+ Kompletter HiRes-Support
+ 8 HDMI-Terminals mit 4K/60 Hz/4:4:4/HDR/HDCP 2.2
+ Leistungsstarke Endstufen und dynamische Audioverstärkung
+ 384 kHz/32-Bit D/A-Wandler
+ WLAN plus Bluetooth
+ AccuReflex-Technologie für perfekte Einbindung von Height-Lautsprechern
+ Phono-Eingang
+ Einrichtungsassistent

– Keine Video-Signalverarbeitung, nur reines Pass-Through
– erst ab Sommer DTS:X-Support
– Interessante Features wie FireConnect erst per späterem Firmware-Update

Klang

Blu-ray „Mission Impossible – Rogue Nation“, englisch Dolby Atmos, Filmbeginn:

Wir haben es dem TX-NR656 nicht leicht gemacht, denn zum Einsatz kommt unser 5.0.1-Lautsprecherensemble von Nubert und Elac. Das 5.0-System aus dem Hause Nubert, bestehend aus nuVero 140 (Front L+R) und 3 x nuVero 70 (Center, Surround L+R) wird ergänzt von zwei Top-Firing-Modulen des Typs TS-3000 von Elac. Also ist kein aktiver Subwoofer in Sicht, der den Onkyo AV-Receiver im leistungsintensiven Bassbereich unterstützt. Wir sind gespannt und legen los. Schon beim Menü der BD, als wir die Atmos-Tonspur auswählen, fällt die sehr kraftvolle Wiedergabe auf.

Dann startet der Film, und der Music Score wird mit sehr guter Räumlichkeit und einem nachdrücklichen Bass wiedergegeben. Dann hört man sehr präzise die Windgeräusche auf der Wiese, auf der sich Benji getarnt hat. Auch bei subtilen Effekten stellt der TX-NR656 eine tadellos gestaffelte Räumlichkeit zur Verfügung. Begeisterung wecken auch tiefe Bassschläge: Satt und klar kommen sie aus den nuVero 140. Der leistungsstarke TX-NR656 hat keine Probleme, hier ordentlich Energie anzuliefern. Als der Airbus A-400 dann beginnt, zu starten, und die Triebwerke aufheulen, setzt der Onkyo noch eines drauf: Hier wird für kleines Geld ein richtiges Heimkino-Feeling geboten, das den Zuhörer auch durch die sehr gute Einbindung der Top Firing-Module, bedingt durch die AccuReflex-Technologie. Hier klingt alles wie aus einem Guss.

Das Flugzeug rast über die Landebahn, und erst bei sehr hoher Lauttärke („71“ im Display des TX-NR656) weicht der Bass in seiner Härte leicht auf. Hier merkt man dann doch, dass die nuVero 140 einiges an Energie benötigen. Was der Onkyo aber an Pegelfestigkeit bietet, ist erstklassig für 649 EUR. Die Warngeräusche im Inneren des Militärflugzeugs werden sehr überzeugend wiedergegeben, das helle Geräusch kann sehr gut von den Fluggeräuschen von den Triebwerken unterschieden werden. Als dann der eigentliche Vorspann kommt, überzeugt uns der TX-NR656 mit einer druckvollen Wiedergabe des Music Scores.

Wir wechseln in die Sequenz, in der sich Hunt auf Kuba befindet und sich dort versteckt hält. Sein Ein- und Ausatmen während der Liegestützen kommt sehr gut heraus – der Onkyo kann nicht nur zupacken, sondern auch kleine Effekte, wie wir bereits zuvor schon erwähnt haben, einarbeiten. Als die Tür zur falschen Wohnung plötzlich mit Wucht aufgebrochen wird – eigentlich wurde Ethan dahinter vermutet -, stellt der TX-NR656 diesen plötzlichen Dynamiksprung impulstreu und mit der nötigen Kraft dar.

Wir schalten uns bei Laufzeit 31 Minuten nun in die schon legendäre Szene in der Wiener Staatsoper, als die Wiener Philharmoniker und talentierte Opernsänger mit Teilen aus Puccinis „Turandot“ ihr Bestes geben. Die klassische Opernmusik gibt der Onkyo mit sehr angenehmer Tonalität und einer erneut ausgezeichneten räumlichen Wirkung wieder. Kleine Geräusche wie das Durchladen der Waffe vernachlässigt der TX-NR656 dabei nicht, sondern arbeitet sie glaubwürdig in die Gesamtakustik ein.

Noch ein Wort zum AccuEQ Einmesssystem: War dieses zu Beginn seiner Karriere nicht überzeugend und hinkte der Konkurrenz von Audyssey (D+M), YPAO (Yamaha) und erst recht MCACC (Pioneer) deutlich hinterher, gefällt uns die 2016er Version sehr gut: Klarerer Klang, bessere Front-Surround-Balance und insgesamt sehr gleichmäßiges Klangbild sind sehr zu loben. Es stechen daher zahlreiche akustische Trümpfe des 656: Pegelfestigkeit, Grob- und Feindynamik, Tonalität, Räumlichkeit – alles passt. Verglichen mit den letzten Generationen, stellt der 656 demnach einen echten Schritt nach vorn dar. Auch das „Nessun Dorma“ auf der Bühne präsentiert wird und sich Hunt hinter den Kulissen wilde Gefechte liefert, stellt der Onkyo die heftigen Faustschläge sehr nachdrücklich dar, Effekte werden über den gesamten Frequenzbereich mit feiner Auflösung und einer hohen Präzision wiedergegeben. 

Blu-ray „Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels“, Tonspur englisch Dolby TrueHD, aufpoliert mit Dolby Surround, Top-Firing-Module werden in die Wiedergabe mit einbezogen. Ab Filmbeginn

Hier beginnt der Film mit einer kleinen Verfolgungsfahrt zwischen ausgelassenen Jugendlichen im Hot Rod und einer Armeelimousine aus dem Konvoi der sowjetischen Agenten unter Leitung von Oberst Dovchenko und Irina Spalko. Hier werden die Fahrgeräusche und auch der Music Score sehr gut wiedergegeben. Dann erledigen die Agenten das Wachpersonal der Area 51, die Schüsse aus den automatischen Waffen wirken sehr direkt und sind mit der nötigen Durchschlagskraft versehen. Selbst beim Music Score fällt auf, wie gut erneut, auch wenn aufpoliert wird, die Top Firing Module vom TX-NR656 eingearbeitet werden. Hier kann man die Wiedergabe über alle sieben Kanäle inklusive 2 x Front Height wirklich facettenreich erleben. Der Zuhörer wähnt sich inmitten einer sehr lebendigen 360 Grad Surroundkulisse. Die Stimmen von Indy und Mac kommen überdies charismatisch heraus. Man sollte daher dem TX-NR656 ein leistungsfähiges Lautsprecherset zur Seite stellen, damit der Onkyo seine überdurchschnittlich deutlich ausgeprägten Talente auch entsprechend entfalten kann.

Die Dialogszenen haben aufgrund der tadellosen Detailtreue, die der Onkyo offeriert, auch ihren Reiz. Als dann die große Hangartür geöffnet wird, stellt der AV-Receiver wieder viel Kraft für die passende Versorgung des tieffrequenten Bereiches zur Verfügung. Die Stimmen werden mit genau der richtigen Charakteristik im weitläufigen Hangar wiedergegeben: Der Hall ist in realistischer Art und Weise zu vernehmen. Nie vergisst der Onkyo den Music Score, dieser wird immer frisch und räumlich dicht eingearbeitet.

Im nächsten Kapitel geht es dann turbulent zu. Nicht nur, dass sich Mac als Doppelagent „outet“, auch finden nun zahlreiche Effekte statt, die den TX-NR656 fordern. Harte Faustschläge, das Zusammenprallen verschiedener Armeefahrzeuge, Schüsse, Schreie – kurz gesagt: Indy bahnt sich seinen Weg durch den Hangar. Schon, als er seine Waffe auf den Boden wirft und sich ein Schuss löst, wird dieser Effekt ausgezeichnet wiedergegeben. Das Gefecht im Cockpit des Armeefahrzeugs mit kräftigen Fausthieben kommt ebenso gut zum Ausdruck wie die zahlreichen Unfälle: Kraft und Präzision treffen hier auf eine sehr ausgeprägte Weitläufigkeit. 

Blu-ray „Lichtmond 3 – Days Of Eternity“, Tonspur DTS-HD, Titel: Nightflight To Chronos Part 1 + 2, Feel The Spirit

Die Klarheit und das Auflösungsvermögen – beides große Pluspunkte des TX-NR656. Schon in den ersten Sekunden von „Nightflight To Chronos“ wird dies deutlich. Mit Wucht wird das akustische Geschehen über alle Kanäle wiedergegeben. Für ein 649 EUR-Gerät werden hier Maßstäbe hinsichtlich der Pegelfestigkeit gesetzt. Nicht nur, dass der 656 lauter spielt als die meisten Konkurrenten – es ist ferner erstaunlich, wie differenziert er selbst bei großer Lautstärke noch die verschiedenen klanglichen Ebenen wiedergibt. Die einzelnen Instrumente, vor allem die Streicher-Parts, werden sehr feinfühlig wiedergegeben, im Gegensatz dazu steht der wuchtig antretende Bassbereich. Diese unterschiedlichen akustischen Linien vereint der Onkyo hervorragend zu einem einheitlichen, atmosphärisch dichten Klangbild.

Die Vielschichtigkeit der Effekte und musikalischen Elemente beeindruckt auf allen Kanälen. Kleine Effekte im Hochtonbereich beweisen, was wir schon aus den Testreihen zuvor wissen: Der Onkyo ist in seiner Klasse führend beim Auflösungsvermögen. Die männliche Stimme, die durch alle Kanäle wandert, wird ebenfalls mit klaren Konturen ausgezeichnet wiedergegeben. Auch die weibliche Gesangsstimme bei „Feel The Spirit“ erfreut durch eine charismatische Auslegung und eine sehr gute Nivellierung der vokalen Konturen. Schwächen beim 656? Kaum auszumachen. Nachdem wir deutliche Kritik an der Ausstattung üben mussten, führt sich der 7.2 Netzwerk-Receiver akustisch glänzend ein. Dabei spielt es keine Rolle, ob eine Filmtonspur oder ob musikalisches Material wiedergegeben wird. 

Blu-ray“a-ha – The Final Concert at Oslo Spektrum, 04. Dezember 2010″, DTS-HD Master Audio. Titel: „The Sun Always Shines Onn TV“, „Stay On This Roads“.

Mal schnell und kraftvoll, mal emotional-tiefgreifend: a-ha  kann beides. Daher legen wir mit dem Chart-Stürmer „The Sun Always Shines On TV“ aus den 80er Jahren durch. Hier stellt der Onkyo den Aufbau des Tracks sehr gut dar, jede neue Nuance wird berücksichtigt. Die heftigen Beifallsbekundungen der Fans kommen ebenfalls nicht zu kurz. Der Synthesizer wird sauber eingearbeitet, ebenso die E-Gitarre. Noch etwas mehr Prägnanz könnte beim Schlagzeug (Hi-Hats) walten. Dieses ist minimal zu weit vom Kerngeschehen entfernt. Dafür widmet sich der 656 der Stimme des Frontmanns Morten Harket mit der nötigen Akribie. Hier werden auch kleine dynamische Differenzen, während er singt, impulstreu erkannt. Der Rhythmus des Songs kommt zu jeder Zeit ohne Einschränkungen heraus, der Bassbereich, recht schlank auf der BD, wird überragend wiedergegeben: Wer hier am Lautstärkeregler dreht, stellt fest, dass doch einiges geht. Das in anderen Test-Beispielen sehr gelobte feindynamische Differenzierungsvermögen des TX-NR656 kommt auch hier wieder sehr schön zum Tragen.

Wie sieht es bei „Stay On This Roads“ aus? Der Onkyo klingt weniger metallisch und hart als mancher Vorgänger. In den 90er Jahren und zu Beginn dieses Jahrtausends stand Onkyo stets für einen musikalischen, angenehmen Sound. Dann fand offensichtlich ein firmeninterner Paradigmenwechsel statt, damals, als die optisch wenig attraktiven AVRs mit im oberen Bereich nach vorn geneigter Front aufkamen. Härter, analytischer, metallischer klangen die Onkyos. Vereinzelt gab es immer wieder Modelle, welche die alten Tugenden wiederaufleben ließen. Nun scheint sich Onkyo wieder zu besinnen, was 2015 schon der damals neue TX-RZ900 verdeutlichte. Auch der TX-NR656 fühlt sich, zumindest in Ansätzen, der alten Tradition des Hauses verpflichtet. Zwar ist bei „Stay On This Roads“ immer noch ein minimal metallischer Einschlag zu vernehmen, dieser fällt aber deutlich geringer aus als bei anderen Onkyo-Modellen aus der letzten Zeit. Insgesamt klingt der TX-NR656 schon deutlich verbindlicher, homogener. 

Klang Stereo, verschiedene Hires-FLAC-Files mit Auflösungen zwischen 48 kHz/24-Bit und 192 kHz/24-Bit

Diana Kralls Adaption von „California Dreaming“ liegt uns in 48/24 vor. Wir versetzen den 656 in die „Pure Audio“ Betriebsart und staunen nicht schlecht. Die Streicher, der Rhythmus, die Stimme Dianas: Wie ungefiltert und lebendig der Onkyo dies alles darstellt, und das noch in Verbindung mit den anspruchsvollen nuVero 140 Frontlautsprechern – das hätten wir nicht gedacht. Etwas Differenzierungsvermögen geht allerdings beim Piano verloren, wenn man lauter hört. Dreht man den Lautstärkeregler nicht ganz so weit auf, sind sogar Ansätze der Anschlagdynamik zu vernehmen. 

Der Onkyo TX-NR656 überzeugt durch die sehr kurzen Ladezeiten auch bei Hires-Listen/Titeln. Nicht überzeugt hat uns, dass er die Auflösung des aktuell laufenden Materials nicht auf dem OSD mit anzeigt. Wir setzen fort mit „Flowers Of Sendai“ vom Jan Lundgren Trio (88,2/24). Das Klavierstück wird mit sehr guter Gesamtdynamik und einer ansprechenden Feindynamik umgesetzt. Allerdings notieren wir eine minimale Überbetonung des oberen Mitteltonbereiches. Für seine Preisklasse allerdings liefert der TX-NR656 eine wirklich tadellose Vorstellung ab. Auch die Loslösung des Klangs von den Lautsprechern gelingt gut, wobei hier die enorm hochwertigen Nubert nuVero 140 auch eine große Hilfe darstellen.

„Heart Of Oak“ von Mark Knopfler (192/24) beweist uns, was wir schon vom Mehrkanal-Betrieb her wissen: Auch, wenn der Onkyo natürlich aufgrund seiner Preisklasse und der damit verbundenen Auswahl der verwendeten Bauteile nicht jedes musikalische Detail beleuchten kann, ist sein Auflösungsvermögen doch recht beeindruckend. Hier ist er den meisten Konkurrenten überlegen. Marks Stimme kommt sehr glaubwürdig, mit erneut gelungener Loslösung von den Lautsprechern, heraus. Die Trennung der Stimme von den Instrumenten erledigt der TX-NR656 ohne Fehl und Tadel. Der Rhythmus von „Laughs And Jokes And Drinks And Smokes“, ebenfalls von Mark Knopfler und mit 192 kHz/24-Bit Auflösung, wird mit kräftigem Bass, der genau den richtigen Punkt trifft und nicht unangenehm nachschwingt, sehr überzeugend präsentiert. Marks Stimme hat eine allzeit klar definierte Charakteristik – das liegt daran, dass der AVR vokale Konturen sehr sorgfältig behandelt. 

Pro & Contra: Klang

+ Enorme Pegelfestigkeit
+ Für die Preisklasse hervorragendes Auflösungsvermögen
+ Sehr gute Räumlichkeit
+ Ausgezeichnete Stimmwiedergabe

– Trotz sonst guter akustischer Gesamtharmonie ab und zu leicht metallischer Einschlag

Fazit

Onkyo TX-NR656 Front Seitlich1

Der Onkyo TX-NR656 überzeugt hinsichtlich seiner akustischen Auslegung praktisch gänzlich. Die eingebauten Endstufen erwiesen sich in allen Testreihen als sehr pegelfest, hier kann der Onkyo die meisten Konkurrenten souverän hinter sich lassen. Es ist kein Problem für den potenten AV-Receiver, auch mit großen Lautsprechersystemen ohne den zusätzlichen Support eines aktiven Subwoofers zusammenzuarbeiten. Der tadellos verarbeitete TX-NR656 kommt auch mit einem deutlich verbesserten AccuEQ-Lautsprechereinmess- und Room EQ-System. AccuReflex sorgt für eine nahtlose Einbindung der Height-Channels. Mit weitläufiger Räumlichkeit sowie einer außerordentlich gelungenen Grob- und Feindynamik kann der Onkyo ebenfalls aufwarten. Die ausgezeichneten Stereoqualitäten passen genau ins klangliche Bild, welches der AV-Receiver abgibt. Kritik erntet der TX-NR656 für die teilweise lückenhafte Ausstattung. Dass bei einen nagelneuen 2016er AVR DTS:X nicht sofort an Bord ist, sondern erst im Sommer per Update nachgereicht wird, ist nicht nachvollziehbar. Auch andere interessante Features wie Fire Connect oder Tidal werden erst später per entsprechendem Firmware-Update realisiert. Dass der TX-NR656 Videosignale lediglich durchschleift und noch nicht einmal ein rudimentäres Video-Processing, z.B. ein Upscaling von Full-HD auf 4K, angeboten wird, verwundert ebenfalls. Bilanzierend stellt sich der Onkyo TX-NR656 als akustisch exzellenter AV-Receiver mit solider Verarbeitungsqualität und eleganter Optik dar, bei der Ausstattung finden sich jedoch trotz der verbauten 384 kHz/32-Bit D/A-Wandler und der Anschlussbestückung mit 8 HDMI-Terminals einige Lücken.

Der Onkyo TX-NR656 begeistert mit exzellentem Klang und eleganter Optik
ueberragend
AV-Receiver Mittelklasse
Datum 06. April 2016

Test: Carsten Rampacher
Fotos: Sven Wunderlich
Datum: 06. April 2016 




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