TEST: Kopfhörerverstärker mit USB-DAC Marantz HD-DAC1 – Exklusive Optik, überragender Klang?

Marantz HD-DAC1 Front Seitlich2

799 EUR (UVP) kostet der edle Kopfhörerverstärker mit USB-DAC aus dem Hause Marantz. Schon seit Ende 2014 ist das HD-DAC1 getaufte Gerät wahlweise in Schwarz oder Silber-Gold zu haben, nun hat es endlich auch den Weg in unsere Redaktion gefunden. Kernstück des edel auftretenden Gerätes mit Wangen in Holzoptik ist die Current Feedback-Technologie (Stromgegenkopplung), die auch in den Marantz High-End-Stereokomponenten der 11er Serie zum Einsatz kommt. Daher, so Marantz, soll der HD-DAC1 mit enormer Emotionalität und grandioser Dynamik bei gleichzeitig angenehmem Klang auftrumpfen. Wer den HD-DAC1 in Augenschein nimmt, ist sich sofort sicher: Dieses Gerät kann nur von Marantz stammen.

Marantz HD-DAC1 Display

„Bullaugen“-Display

Marantz HD-DAC1 Bedienelemente Front2

Lautstärkedrehregler

Marantz HD-DAC1 Bedienelemente Front1

Eingangswahlschalter

Das vorn zentral untergebrachte „Bullauge“ ist typisch für Marantz-Devices. Das Display zeigt zweizeilig in schöner Punktmatrixauflösung seine Informationen an. Links und rechts vom nobel eingerahmten „Bullaugen-Display“ befinden sich optisch attraktive Drehregler für Eingangswahl (links) und Lautstärke (rechts). Hier müssen wir gleich „meckern“: Eine gerasterte Führung des Lautstärkedrehreglers würde uns bedeutend besser gefallen. Sonst finden sich auf der gebürsteten, exzellent eingepassten Aluminium-Frontblende noch ein Standby-Knopf und eine Setup-Taste. Drückt man diese, kann man folgendes einstellen: „Amp Gain“ (Low/Mid/High) je nach Impedanz des angeschlossenen Kopfhörers (bis zu 600 Ohm sind möglich, dann verwendet man Amp Gain „High“), Dimmer (Off/Dim/Bright/Dark), sowie Auto-Standby (On/Off). Der Marantz HD-DAC1 zeigt die Samplingrate des aktuell laufenden Titels praktischerweise gleich im Display an. Mittels USB-B findet der Kopfhörer-Verstärker Anschluss an den PC. Unterstützt werden hochauflösendes 192 kHz/24-Bit-Audio und auch DSD 2,8 sowie 5,8 MHz. Wir haben den Verstärker an einem Apple MacBook Pro des Jahrgangs 2015 mit dem Audirvana Plus Software-Player betrieben. Hier muss nicht einmal ein spezifischer Treiber installiert werden, sobald der Marantz HD-DAC1 am USB-Slot des MacBooks hängt, kann man im Menüpunkt „Voreinstellungen“ des Audirvana Plus-Players den HD-DAC1 als Ausgabegerät festlegen. 

Marantz HD-DAC1 Rueckseite Seitlich

HD-DAC von schräg hinten. Hochwertige Gerätestandfüße

Marantz HD-DAC1 Anschluesse Rueckseite

Anschlusssektion

Hinsichtlich vorhandener Anschlüsse ist der HD-DAC sehr üppig bestückt. Auf der eleganten Gerätefront befinden sich 6,25 mm Kopfhörerausgang sowie eine USB-Schnittstelle. Hinten sind variable und fixe, vergoldete und edle Cinch-Stereo-Ausgangs-Terminals sorgfältig montiert. Ein USB-B-Terminal, ein 3,5 mm Audio-Analogeingang, ein koaxialer Digitaleingang, sowie zwei optische Digitaleingänge gehören des Weiteren zum Sortiment. Ein Remote Control In/Out-Anschluss ist ebenfalls vorhanden. 

Marantz HD-DAC1 Innenleben Gesamt

Perfekt: Hochwertiger innerer Aufbau

Marantz HD-DAC1 Innenleben1

Platinenlayout

Marantz HD-DAC1 Innenleben2

Geschirmter Transformator

Marantz HD-DAC1 Innenleben3

Verkabelung

Das Innenleben des HD-DAC1 hinterlässt einen gediegenen Eindruck. Der Transformator ist geschirmt, das Platinenlayout ist sauber, und die Verkabelung insgesamt übersichtlich. Passive Kühlelemente bestehen aus Aluminium und nicht aus Blech. 

Marantz HD-DAC1 Fernbedienung

Fernbedienung

Kein Ruhmesblatt für Marantz ist die mitgelieferte Fernbedienung. Her fällt es wahrhaft schwer, irgendetwas Vorteilhaftes zu entdecken. Vielleicht noch, dass nicht allzu viele Tasten recht übersichtlich angeordnet sind. Dann aber hört es schon auf. Die billige Anmutung mit Oberfläche in Pseudo-Aluminium-Optik und der praktisch nicht vorhandene Kontrast zwischen den schwarze Tasten und dem schwarzen Gehäuse sorgen für einen nicht eben überragenden Gesamteindruck. Wenigstens passen Arbeitswinkel und Reichweite.

Unsere Pro & Contra-Punkte in der Übersicht:

+ Gediegene Verarbeitung und elegante Erscheinung
+ Sehr reichhaltige sowie sinnvolle Anschlussauswahl
+ Zweizeiliges, schick integriertes Display im markentypischen Design
+ Verarbeitet nativ auch DSD
+ Front USB-Schnittstelle auch für Apple iDevices geeignet, lädt auch auf
+ Dreistufige „Amp Gain“ Schaltung für Kopfhörer mit bis zu 600 Ohm Impedanz

– Lautstärke-Drehregler nicht gerastert
– Billige Fernbedienung

Klang

Wie beschleunigt der HD-DAC1 nun hochwertige Kopfhörer aus akustischer Sicht? Wir haben unseren per TruNote kalibrierten AKG N90 angeschlossen, diesmal aber natürlich konventionell, so dass wir den USB-DAC des HD-DAC1 nutzen können. Wir starten, wie kann es anders sein, mit FLAC-Dateimaterial in verschiedenen HiRes-Samplingraten/Biettiefen. Den Anfang macht Wolfgang Amadeus Mozarts Violinenkonzert Nummer 4 in D-Dur, Köchelverzeichnis 218, in 96/24. Aus diesem Concerto hören wir das erste Allegro. Genau bei solchen, durchaus differenziert aufgebauten Musikstücken kann sich der HD-DAC1 in Szene setzen. Sehr klar durchzeichnet er die Streicher, filigran, lebendig, auch bei forciertem Pegel nicht aggressiv oder schrill. Die verschiedenen Ebenen beim orchestralen Einsatz modelliert er stimmig heraus. Auch in den Violinen-Soli enttäuscht der Kopfhörerverstärker mit USB-DAC nicht. Hier zeigt er eine hervorragende Detailtreue und kann sogar schon aus einfachen Kopfhörern eine Menge herausholen. Nicht nur aus dem knapp 1.500 EUR kostenden AKG N90 „Quincy Jones“, sondern sogar aus Modellen wie dem Onkyo ES-HF300 (Preisklasse ehemals um die 180 EUR holt der HD-DAC1 ein Optimum an Klangqualität. Dass der preiswerte Onyko beileibe nicht diese Feinarbeit in den Konturen und diesen Feinschliff bei kleinen dynamischen Differenzen bieten kann wie der N90, macht auch der Marantz-Kopfhörerverstärker nicht vergessen, aber so gut klang der ES-HF300 noch nie. Was uns so gut gefällt, ist die Tatsache, dass der HD-DAC1 enorm lebendig, gleichzeitig jedoch extrem kultiviert klingt. Gerade für anspruchsvolle klassische Musik ein ideales Werkzeug. 

In 192 kHz/24-Bit (Flac) liegt „River Towns“ vom „Tracker“ Album von Mark Knopfler vor. Wie fein der HD-DAC1 hier die akustische Gitarre und die Stimme Marks wiedergibt, verdient höchsten Respekt. Die Trennung von Stimmen und Instrumenten gelingt hervorragend, die gesamte Akustik bekommt der Zuhörer sehr plastisch serviert. Die räumliche Wirkung ist von absoluter Authentizität geprägt und wirkt nie unnatürlich. Der straffe, kräftige, aber nicht andere Klanganteile überdeckende Bass ist ebenfalls sehr zu loben. 

In Flac 48/24 lauschen wir „Desperado“ in der Adaption von Diana Krall (Album: Wallflower). Hier beeindruckt uns, wie gut der HD-DAC1 die Anschlagdynamik der Tasten beim Klavier herausarbeitet. Der rauchige Charme von Dianas charakteristischer Stimme wird vorzüglich aufbereitet. Wer alles herausholen möchte, was der HD-DAC1 geben kann, sollte mit einem entsprechend edlen Kopfhörer arbeiten. Nur dann kommen die enormen feindynamischen Talente des HD-DAC1 im vollen Umfang heraus. Das Zusammenwirken von Stimme und Instrumenten formt der Marantz-Headphone Amplifier geschickt zu einem klanglich begeisternden Ganzen, das sich mit homogener Räumlichkeit im virtuellen Raum ausbreitet. Der Beginn von „Don’t Dream It’s Over“ vom gleichen Album ist filigran durchzeichnet und atmosphärisch dicht gehalten. Kleine stimmtypische Charakteristika präsentiert uns der HD-DAC1 beinahe wie auf dem sprichwörtlichen „Silbertablett“, die in diesem Stück enthaltenen Streicher werden ungemein transparent, gleichzeitig aber harmonisch eingearbeitet. Der Rhythmus sowie der Bassbereich punkten mit Impulstreue und gekonnter Staffelung. 

Nun folgt italienisches Flair – im Ufer des Comer Sees cruisen wir in Gedanken mit dem offenen Ferrari California und lauschen „Diamante“ von Sandra und Tony Alessi (Flac 96/24). Mit wohl dosierter Strahlkraft erfolgt die Stimmwiedergabe, auch als Tony erstmals seine Stimme erhebt, bleibt der Marantz souverän und stellt den Dynamiksprung gelassen und akkurat dar. Den relaxten Rhythmus, der vom lauen Sommerwind und von langen Nächten am Seeufer zu erzählen scheint, managt der HD-DAC1 auf höchstem Level. Die gelungene tonale Auslegung spielt dem Marantz Kopfhörerverstärker auch bei diesem Stück wieder in die Karten, denn so eignet er sich für beinahe jedes Quellmaterial. 

Dies verdeutlicht uns auch die Wiedergabe von „Freedom Every Day“ von Torsten Goods. Stimmen ausgewogen und natürlich darzustellen – das ist eine der Haupt-Tugenden des HD-DAC1: Die Stimme wirkt so echt, als würde sich der Sänger im gleichen Raum wie der Zuhörer aufhalten. Jede Distanz geht verloren, Musik wird auf diese Art und Weise ungefiltert genossen. Es fehlt nie an Fundament, der Marantz trägt nicht „zu dick“ auf, lässt aber keine Zweifel daran, dass seiner Meinung nach ein großzügig bemessenes Volumen zum gelungenen Musikgenuss dazugehört. 

Nun wenden wir uns der Wiedergabe von Material in CD-Qualität zu und steigen bei 44,1 kHz-Musikstücken mit „Lessions Of Love“ von Level 42 ein. Die lässig präsentierte Dynamik, die überraschend hohe Strahlkraft des nur durchschnittlichen Quellmaterials und der straffe Bass sind die Beweise dafür, dass auch mit „Low-Res“ einiges geht. Der solide Bassbereich gleich zu Beginn des Bee Gees-Hits „You Win Again“ fällt akustisch sofort auf. Der Bass trifft genau den richtigen Punkt, er ist so hart, wie gewünscht, und trägt den Song auf diese Art und Weise entscheidend mit. Die Stimme ist wenig detailreich im Quellmaterial, leicht diffus – der talentierte HD-DAC1 macht diese Mängel beinahe vergessen und bringt zumindest in Ansätzen sogar richtig vokale Konturen hinein. 

Nun wird es flotter – und wir beginnen unsere Zeitreise in die 90er Jahre. „Close Your Eyes“ von Mega’Lo’Mania war ein großer Trance-Hit- und was die Kombination von HD-DAC1 und N90 hier an Energie herausholt, kann als beispielhaft bezeichnet werden. Der Bass hat Wucht, schwingt aber nie unangenehm nach. Lebendigkeit zeichnet die gesamte Wiedergabe aus. Dynamische Differenzen werden exakt präsentiert. Nun geben wir Gas beim legendären Westbam-Remix des Moby-Klassikers „Feeling So Real“: Der schnelle Beat wird exzellent getroffen, der Aufbau der elektronischen Effekte gelingt mit hoher Präzision im virtuellen Raum. Jeder noch so kleine Effekt, der hinzukommt, wird vom Zuhörenden sofort bemerkt. Nichts vergisst der HD-DAC1 – und wer denkt, dass man bei solcher Musik ohnehin keine Unterschiede hört – Hauptsache laut und mit viel Bass – irrt sich: So viel Klarheit und Struktur, wie es die Kombination aus HD-DAC1 und N90 in den Trance-Track bringt, sorgt für eine Extra-Portion Hörfreude. Gerade. als es bei Laufzeit 2:22 richtig „ab“ geht, schaltet der Marantz mühelos „die Gänge durch“ und offeriert ein begeisterndes Leistungspotential. Bei der Originalversion von Sunbeams „Outside World“ notieren wir ebenfalls eine enorme Gesamtdynamik und einen sehr facettenreichen Aufbau der zahlreichen Effekte. Als dann der Beat durchstartet, ist der HD-DAC1 sofort zur Stelle, klar und kraftvoll kommt der Rhythmus heraus. 

Was zeichnet den Marantz HD-DAC1 im Besonderen aus? Unsere einzelnen Punkte:

  • Enorme Impulstreue auch bei kleinen Impulsen
  • Bassbereich mit Kraft, tollem Tiefgang und feinen Konturen
  • Tonal äußerst angenehm, nicht zu analytisch, perfekt für nahezu jedes Quellmaterial
  • Durchzeichnung im Hochtonbereich gekonnt – Räumlich dicht, brillant, aber nie spitz
  • Stimmen lösen hervorragend im virtuellen Raum auf und zeigen typische Charakteristika
  • Trennung von vokalen und instrumentalen Anteilen sehr gut
  • Räumlichkeit wird als authentisch empfunden

Der Marantz HD-DAC1 ist insgesamt gleichermaßen dynamisch wie angenehm ausgelegt. Durch die doch recht immense Kraft im Bassbereich – das haben wir selbst bei Kopfhörern gemerkt, die neutral ausgelegt bzw. im Bassbereich kein sonderliches Potential entwickeln – ist der HD-DAC1 trotz seines immensen Detailreichtums erste Wahl vor allem für den „Erlebnishörer“. Auch, wenn man anders denken könnte, liest man die Produkt-Spezifikationen, haben wir hier keine Komponente mit klassischer, neutraler, analytischer HiFi-Auslegung vor uns. Vielmehr präsentiert sich der HD-DAC1 aus akustischer Sicht als äußerst modern, da er einen hohen Emotions- und Erlebnisfaktor mit klassischen Tugenden wie Detailtreue und authentischer Räumlichkeit zu verbinden weiß. 

Fazit

Marantz HD-DAC1 Front Seitlich1

Der Marantz HD-DAC1 ist ein exzellent verarbeiteter Kopfhörer-Verstärker in exklusiver Optik. Er ist für die gebotenen, enormen akustischen Leistungen sogar als preiswert einzustufen. Er arbeitet aufgrund seiner zahlreichen Fähigkeiten am liebsten mit hochwertigen Kopfhörern zusammen. Hinsichtlich seiner Auslegung wird ein kultivierter Auftritt auf höchstem Level mit emotionaler Spielweise verbunden. Detailarbeit, Impulstreue und räumliche Ausprägung sind sehr zu loben. Mit reichhaltiger Anschlussbestückung und kompletter Bedienmöglichkeit mittels Fernbedienung wartet der HD-DAC1 ebenfalls auf. Die Fernbedienung wirkt nur nicht sonderlich hochwertig, und da wir gerade bei den wenigen Kritikpunkten sind: Wir würden uns einen gerasterten Lautstärke-Drehregler wünschen. Insgesamt aber ist der HD-DAC1 ein exzellentes, modern ausgerichtetes Device, das ungemein viel Hörfreude bringt. 

Edle Technik, kultivierter und emotionaler Klang, fairer Preis – der Marantz HD-DAC1 kann begeistern
referenz
Kopfhörer-Verstärker 
Test 05. Februar 2016

Test: Carsten Rampacher
Fotos: Sven Wunderlich
Datum: 05. Februar 2016

 

 




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