TEST: Onkyo On-Ear-Headphones ES-HF300

Onkyo ES-HF300 für rund 180 EUR

Verpackung

Das Produkt

Onkyo möchte auch auf dem Kopfhörermarkt Druck machen und bringt zu diesem Zweck sehr attraktive Headphones auf den Markt.

Dieses Bestreben ist differenziert zu betrachten. Einerseits streben praktisch alle UE-Hersteller, danach, auf dem Kopfhörermarkt mit eigenen Produkten präsent zu sein. Das wirft die Frage auf, ob, bei derartig ausgeprägter Marktsättigung, hier noch Geld zu verdienen ist.

Auf der anderen Seite erfreuen sich Headphones, gerade auch in Deutschland, einer nie zuvor dagewesenen Beliebtheit. Die Nachfrage nach Kopfhörern schnellte, das ist klar nachvollziehbar, durch den immer stärker ansteigenden mobilen Musikgenuss nach oben.  Dass es in Deutschland sogar eine spezielle Kopfhörermesse gibt (CanJam in Essen), verdeutlicht weiter, wie wichtig dieser Markt geworden ist.

Onkyo genießt überdies in der AV- und HiFi-Branche einen exzellenten Ruf, da dürfte es kaum verwundern, wenn sich auch die Kopfhörer reger Nachfrage erfreuen. Unser Test-Modell ist der 32 Ohm-Kopfhörer ES-HF300 in Schwarz, der zu einem Kaufpreis von 179 EUR angeboten wird.

 

Hier wird das Kabel eingesteckt

 

Ohrmuscheln mit Kunstlederbezug

Fürs investierte Geld macht der ohraufliegende Kopfhörer eine Menge her. Er wirkt hinsichtlich Finish und Materialqualität hochwertig. Die Treibergehäuse bestehen aus Aluminium, optisch soll die Gestaltung des Gehäuses an die Lautstärke-Drehregler der anerkannt guten Onkyo AV-/HiFi-Komponenten erinnern.

Der Bügel ist eingliedrig gehalten und komfortabel gepolstert. Die Aufhängungen für die Treibergehäuse sind ebenfalls aus Aluminium. Die Ohrpolster sind aus Kunstleder gefertigt, das recht hochwertig wirkt. Der Kopfhörer lässt sich schnell und exakt auf die Kopfgröße des Hörers einstellen und sitzt bequem. Für den nicht eben geringen Materialaufwand erweist er sich als relativ leicht, was dem Tragekomfort ebenfalls zu Gute kommt.  Für den Transport lässt sich der Kopfhörer verkleinern, im Lieferumfang enthalten ist auch ein Transportbeutel.

Die zwei verbauten 40 mm Titantreiber hat Onkyo aufwändig fein getunt, um den ES-HF300 bei jedem Quellmaterial und jedem Musikstil gut klingen zu lassen. Onkyo verspricht kraftvolle Bässe und ein detailreiches Klangerlebnis im mittleren Frequenzbereich. Die vorhandenen Nebenkammern sorgen speziell für volle Basswiedergabe. Der Frequenzgang reicht von 10 Hz bis 27 kHz. Maximaler Schalldruck bei der Signalausgabe sind 97 dB/mW.  Maximale Wattzahl beim Eingangssignal sind 1.000 mW.

Stecker zum Anschluss an den Kopfhörer

3,5 mm Miniklinken-Stecker, angewinkelt und vergoldet

Hochwertiges Gehäuse

Das mitgelieferte Kabel, das nicht fest am Kopfhörer integriert ist, besteht aus praktisch komplett sauerstofffreiem Kupfer (6N) und erscheint sehr hochwertig. Dafür sorgt die attraktive Ummantelung, wobei uns aus haptischer Perspektive hier Stoff noch besser gefallen hätte. Der Kunststoff wirkt etwas klebrig. Onkyo hat sich bei der Isolierung aus transparentem Elastomer aber etwas gedacht – nämlich, dass ein optimaler Schutz vor Berührungsgeräuschen gegeben ist. Die Anschlussstecker mit vergoldeten Buchsen (MMCX-Konnektoren) erfüllen spielend gehobene Ansprüche. Dadurch, dass das Kabel abnehmbar ist, kann es auch einfach durch ein anderes ersetzt werden. Dies sichert hohe Flexibilität. Nicht ganz so praktisch ist, dass das Kabel auf beiden Seiten des Hörers befestigt ist. Noch praxisgerechter ist eine einseitige Kabelführung.

Klang

Wir haben, um höchste Klanggüte beim zugeführten Signal zu garantieren, mit HiRes-Audiofiles in 88,2 und in 96 kHz getestet und unseren Audioquest Dragonfly USB-DAC verwendet. Später kamen auch Klangtestreihen mit Material in CD-Qualität (44,1 kHz) hinzu.

Bei Wolfgang Amadeus Mozarts Violinkonzert Nr. 4, KV 218, 1. Allegro, spielt der Onkyo-Hörer in Anbetracht seines Kaufpreises exzellent auf. Neutral, minimal warm und angenehm, mit sehr schöner Durchzeichnung der Violinen macht er sich ans Werk und ermöglicht eine sehr lebendige Darstellung, die auch kleine dynamische Unterschiede prima berücksichtigt. Durch die ausgesprochen angenehme Auslegung ist es zudem möglich, entspannt auch über längere Zeit zu hören.

Abzüge gibt es für das etwas geruchsintensive Material der Ohrmuscheln, das überdies auch leicht schweißtreibend ist. Ansonsten ist der ES-HF300 komfortabel auf dem Kopf zu tragen. Umgebungsgeräusche dringen kaum zum Hörenden vor. Die Geräuschbelästigung für Außenstehende liegt bei normalem bis leicht erhöhtem Pegel im erträglichen Rahmen.

Klassiker in unserem Testraum: Diana Kralls „Stop This World“. Mit solidem Bass und kultivierter Stimmwiedergabe trumpft der Onkyo-Hörer auf. Gerade die Präsentation der vokalen Konturen ist gut. Die Räumlichkeit überzeugt, ansatzweise wird die Anschlagdynamik der Klaviertastatur herausgearbeitet. Die Temperatur des Klaviers wird einwandfrei getroffen. Was die Detailarbeit angeht, so dürfte es natürlich klar sein, dass teurere Kopfhörer hier noch mehr Facetten ins Klangbild bringen. Für 180 EUR gibt sich der ES-HF300 als Spielpartner mit einigem Sinn fürs Filigrane.

Wir haben auch ein 192 kHz-Stück dabei – „Dronning Fjellrose“ der Akustik-Jazzer des Hoff Ensembles. Dieses wird vom Dragonfly aber auf 96 kHz herunter konvertiert. Die Akustik, die im Endeffekt beim Hörer ankommt, erscheint trotzdem sehr sensibel, gut gestuft und mit sich tadellos loslösender Stimmwiedergabe. Der leicht melancholische Charakter des Stückes wird gut erkannt und räumlich ausgezeichnet umgesetzt. Man kann auf sehr angenehme Art und Weise auch mit leicht erhöhtem Pegel hören. Die Pegelfestigkeit ist insgesamt als sehr gut zu bewerten.

Wie sieht es bei 44,1 kHz-Material aus? Hier haben wir uns die Extended Version des Dance-Hits „Senorita“ von Alexinna&Starchild angehört. Auch dann, wenn es etwas lautstärker zugeht, schlagen die Membranen im Bassbereich nicht an. Der Bass ist präzise und klar, lässt es im Detail aber etwas an Nachdruck missen. Gut integriert ist die Stimmwiedergabe, der Rhythmus wird impulstreu erfasst.

„One Day/Reckoning Song“ von Asaf Avidan&The Mojos war ein großer Hit – den nach wie vor schönen Track gibt der ES-HF300 sehr gekonnt wieder. Dynamische Unterschiede werden glaubwürdig herausgearbeitet, die Stimme ist erneut ausgezeichnet ins tonale Gesamtgefüge integriert. Der Aufbau kleinerer akustischer Effekte gelingt mit tadelloser Impulstreue und guter Räumlichkeit.

„Perfect World“ von Gossip im Seamus Haji Remix kommt lebendig und mit einer für die Preisklasse ausgezeichneten Grobdynamik heraus. Der Bass erscheint authentisch und präzise. Der Onkyo Kopfhörer dickt nicht auf, sondern stellt eine natürliche, glaubwürdige Wiedergabe ins Zentrum seiner Bemühungen.

Insgesamt erscheint uns der ES-HF300 als reifer, kultivierter Kopfhörer, der mit allen Musikrichtungen zurecht kommt. Zeit, nachzuschauen, was die Konkurrenten leisten.

Für 199 EUR kommt aus dem Hause Beyerdynamic der „Custom Pro“. Besonderheit ist hier, dass sich optische wie auch akustische Eigenschaften des Kopfhörers nach Wunsch verändern lassen.  Verschiedene Cover auf der Außenseite der Ohrmuscheln oder Beeinflussung der Basswiedergabe verdeutlichen dies. Mit 116 dB Maximalschalldruck kann der „Beyerdynamicer“ ganz schön laut werden. Mit enorm kraftvollem Bass und tollem Volumen spricht der Custom Pro besonders ein trendbewusstes, junges Pubikum an. Der Onkyo klingt gediegener und kultivierter – somit ist die Wahl in weiten Zügen Geschmackssache. Hervorragend verarbeitet sind überdies beide Hörer.

Gleich teuer wie der Beyerdynamic Custom Pro ist der Philips Fidelio M1, der im direkten Vergleich gegenüber dem Beyerdynamic und dem Onkyo den Kürzeren zieht. Zwar sieht er höchst elegant aus und ist ausgezeichnet verarbeitet, er schafft es aber nicht, aus akustischer Sicht so viel kontrollierte Emotion wie der Onkyo und so viel puren Spaß wie der Beyerdynamic zum Hörer zu transportieren.

Fazit

Der Onkyo ES-HF300 ist ein überaus angenehm klingender Kopfhörer, der mit hervorragender Verarbeitung und gediegener Materialqualität zum fairen Preis überzeugt. Bedenkenlos kann man dem optisch attraktiven ohraufliegenden Hörer alle Arten von Quellmaterial und alle Musikrichtungen anvertrauen, detailreich, kultiviert und mit authentischer Dynamik gibt er ihm anvertraute Musikstücke wieder.

Gediegen verarbeiteter Kopfhörer mit kultivierter, harmonischer Akustik
On-Ear-Kopfhörer bis 200 EUR
Test 15. Oktober 2013

+ Kultivierter, angenehmer Klang
+ Für die Preisklasse enorme Grob- und Feindynamik
+ Gute Pegelfestigkeit
+ Hochwertige Verarbeitung
+ Flexibilität durch austauschbares Kabel
+ Günstiger Kaufpreis

– Material der Ohrmuscheln leicht schweißtreibend

Test: Carsten Rampacher
Fotos: Sven Wunderlich
Datum: 15. Oktober 2013




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