TEST: Humax Soundbar STE-1000BSW – flacher Metallriegel mit starkem Klang?

Humax Blade STA1200 BSW Gruppenbild4

Humax steigt ins hartumkämpfte Soundbar-Business ein und präsentiert die STE-1000BSW für 199 EUR. Wer das Set, bestehend aus Soundbar und aktivem Subwoofer, das erste Mal in Augenschein nimmt, stellt gleich mehrere „Besonderheiten“ fest. Als erstes fühlt sich die Soundbar selbst richtig gut an – und es ist keine haptische Täuschung: Sie besteht wirklich aus kühlem, edlem Metall. Nicht nur, dass dies optisch sowie wie schon erwähnt haptisch besser wirkt, auch die akustischen Eigenschaften von Metall sind besser als die von Kunststoff. Aber nun drängt sich eine Frage auf: Soundbars werden ja zu dem Zweck gekauft, den oft unbefriedigenden Klang vom Lautsprechersystem im TV vergessen zu machen – kurzum, sie sollen nachvollziehbare akustische Reize bieten. Doch schafft das die extrem flache und niedrige STE-1000BSW (Breite 1.000 mm, Höhe 44 mm, Tiefe, 20 mm) tatsächlich? Wir werden uns überraschen lassen und spielen später in den Testreihen Musik mittels Bluetooth zu und checken, wie gut das breite Klangspektrum von Musik- und Film-Blu-rays wiedergegeben wird.

Humax Blade STA1200 BSW Soundbar Front Seitlich1

Soundbar von vorn. Ein Display fehlt

Humax Blade STA1200 BSW Soundbar Rueckseite Seitlich2

Soundbar von hinten

Humax Blade STA1200 BSW Subwoofer Bassreflexrohr

Bassreflexöffnung am Subwoofer

Humax Blade STA1200 BSW Subwoofer Front Seitlich1

Kompakter aktiver Subwoofer

Humax Blade STA1200 BSW Subwoofer Rueckseite Seitlich1

Downfire-Basschassis

Humax Blade STA1200 BSW Subwoofer Rueckseite Seitlich2

Wenig attraktive Rückseite, hier merkt man den Kampfpreis

Humax Blade STA1200 BSW Subwoofer Tieftoener

 Basschassis im Detail

Nächster Knackpunkt: Wireless-Subwoofer sind mittlerweile eine Selbstverständlichkeit, selbst bei preisgünstigen Soundbars wird ein kabelloser Basslautsprecher mitgeliefert. Humax geht den Trend nicht mit, der mitgelieferte Subwoofer ist kabelgebunden, Ob das auf dem Markt ankommt? Hierzu zwei Anmerkungen. Zum einen hat Humax keine Möglichkeit, zu zaubern – das heißt: Da die Soundbar beim ohnehin niedrigen Grundpreis von 199 EUR schon aus Metall besteht und bis auf den billíg wirkenden Kunststoff-Standfuß solide verarbeitet ist, muss auch irgendwo gespart werden. Zweite Anmerkung: Gerade bei günstigen Soundbar/Subwoofer-Systemen mit aktivem Wireless-Subwoofer kommt es oft vor, dass der aktive Subwoofer dem restlichen akustischen Geschehen „hinterherhinkt“. Dies konnten wir schon einige Male heraushören. Schauen wir später in den Klangtestreihen, ob der kabelgebundene Basslautsprecher überzeugen kann. Der Humax-Bassist ist 195 mm breit, 266 mm hoch und 265 mm tief – gebräuchliche Abmessungen demnach. 

Die von Humax versprochenen Leistungsangaben lesen sich gut. 60 Watt für die Soundbar und 100 Watt für den Subwoofer lassen auf brauchbare Pegel und gute akustische Souveränität hoffen. Doch Papier ist geduldig, und daher heißt es auch hier: Abwarten.  Zwei DSPs, Surround und Bass Boost, sind auch vorhanden. Nicht vorhanden sind Decoder für Dolby Digital und DTS. Daher muss die Tonsignalausgabe über den digitalen Ausgang des BD-Players auf „PCM“ gestellt werden. 

Humax Blade STA1200 BSW Soundbar Anschluesse Rueckseite1

Kabelverbindung zum Subwoofer

Humax Blade STA1200 BSW Soundbar Anschluesse Rueckseite2Optischer Digitalausgang und 3,5 mm Miniklinken-Aux-Ausgang. Zusätzlich ist Bluetooth 3.0+EDR an Bord

Gesteuert wird die Soundbar mittels der im Lieferumfang enthaltenen, kompakten und recht attraktiven Fernbedienung. Erfreulicherweise gibt es keine billigen Folientasten, sondern richtige Tasten, die gut reagieren und auch noch haptisch angenehm gummiert sind. Die Bluetooth-Kopplung ist unproblematisch. NFC ist zwar nicht im Feature-Katalog der STE1000BSW enthalten, aber die Soundbar wird, wenn das Smartphone im BT-Modus „Sichtbar“ ist, sofort erkannt. Die Bluetooth-Übertragung ist störungsfrei und sehr stabil. 

Setzt sich die Humax-Soundbar akustisch treffend in Szene? Wir machen es dem Newcomer nicht leicht und starten mit Paul Kalkbrenners „Altem Karmuffel“ von der „2010“ Blu-ray. Hier ist es ratsam, die Bass-Schaltung für Intensivierung des Bassbereich nicht zu verwenden – ohne die Schaltung produziert der aktive Subwoofer einen recht kräftigen Bass, wird die Zusatzschaltung angeschaltet, gibt es nur noch störende Verzerrungen. Auch die Schaltung für virtuelle Surrounderzeugung sollte tunlichst ausgelassen werden – das Klangbild wirkt dann „zu dick aufgetragen“ und auch hier mischen sich Übersteuerungseffekte schon bei relativ niedrigen Pegeln hinzu. Betreibt man das Humax-System „pur“, kann man für 200 EUR wirklich zufrieden sein. Es geht voran, der Klang entwickelt tatsächlich eine gewisse Dynamik, und man nimmt sogar einige Facetten der elektronischen Effekte wahr. Besser als das Soundsystem ist die Humax-Soundbar damit auf jeden Fall. Größere Ansprüche sollte man zumindest bei diesem Quellmaterial aber nicht an die akustische Wiedergabe stellen. 

Doch es geht besser – das lässt hoffen: „The Power Of Love“ in der Adaption von Celine Dion (BD „A New Day“) klingt gar nicht einmal schlecht. Die Stimme wird klar fokussiert, und sie klingt überdies klar und lebendig. Die Trennung der Stimme von den Instrumenten gelingt gut. Hier bringt es einen spürbaren Zugewinn an Räumlichkeit, wenn man die virtuelle Surroundschaltung aktiviert, bei normalen bis leicht gehobenen Pegeln gibt es zudem praktisch keine störenden Verzerrungen. Hier also erzielt die Humax-Soundbar eine wirklich gute Performance, gerade in Anbetracht des niedrigen Kaufpreises. 

Nun schauen wir, ob die Humax-Soundbar „das Zeug zum Klassiker“ hat. Wir hörenn die orchestrale Eröffnung sowie die ersten Arie aus Wolfgang Amadeus Mozarts weltberühmter Oper “Figaros Hochzeit” (BD, DTS-HD High Definition 5.1, Susanna gesungen von Anna Netrebko, Figaro gesungen von Ildebrande D’Arcangelo, gespielt von den Wiener Philharmonikern unter Nikolaus Harnoncourt). Und auch hier setzt sich der positive Eindruck fort, den wir bereits beim Celine Dion-Titel hatten: Mit aktiviertem Surroundprogramm gute Soundwirkung, recht lebendiger Klang und somit ein Sound, der dem deutlich überlegen ist, was normale TV-Lautsprecher leisten. Für den alltäglichen Gebrauch kann man die Humax STE1000BSW demnach sehr gut einsetzen. Sie braucht wenig Platz, ist schick und klingt selbst bei Klassik gut. 

Musik vom Mobiltelefon, die über Bluetooth angeliefert wird, überzeugt ebenfalls durch guten Klang. So bei „Misfits“ von Darius&Finlay“, der Bass ist kräftig, die Raumwirkung gut. „Skyfall“ von Adele besitzt durchaus Fundament, die recht frische Gesamt-Klangcharakteristik, die durchaus nicht selbstverständlich ist für eine Soundbar, gefällt ebenfalls. Natürlich darf man einen enormen Detailreichtum erwarten, aber das dürfte bei einer 200 EUR-Soundbar mit Subwoofer auch nicht als gesetzt gelten. Viel wichtiger ist, dass im Alltag gute akustische Leistungen bei der immer wichtiger werdenden BT-Übertragung erzielt werden. „Never Let You Down“ von den Basslovers United besitzt sogar einen gewissen Nachdruck, den Dance-Musik-Liebhaber so schätzen, kombiniert mit guter Raumwirkung,

Wie sieht es bei der Filmtonwiedergabe aus? Wir haben uns die BD des Blockbusters „Avengers“ ab dem 16. Kapitel „Der Krieg“ angehört. Der kompakte aktive Subwoofer packt recht gut zu, wenngleich massive Effekte wie die Geräusche der aus dem schwarzen Loch auftauchenden gepanzerten Riesenechse, natürlich nicht in vollem Umfang dargestellt werden. Ansonsten gilt – bei aktiviertem Surroundprogramm gute Räumlichkeit bezüglich Weite und Tiefe, ordentliche Lebendigkeit – für knapp 200 EIR überzeugend. Der Music Score wird ordentlich eingearbeitet, und Stimmen sind sogar relativ gut ins akustische Gesamtgefüge integriert. Manchmal erscheinen Effekte etwas „zu weit weg“, als z.B sich die Avengers versammeln und im Hintergrund verzweifelte Schreie zu hören sind. Effekte werden recht zahlreich berücksichtigt, es fehlt aber das letzte bisschen Dynamik, beispielsweise wenn Hawkeye einen Pfeil abschießt. Das Niederringen einiger Aliens in kurzer Zeit gelingt Captain America auch akustisch gut – die Ortbarkeit der Effekte kann für eine Soundbar nicht kritisiert werden. Die Pegelfestigkeit ist für eine so günstige Soundbar erfreunlich hoch, da kann man ruhig ein wenig aufdrehen, ohne dass sich sofort starke Verzerrungen ins Klangbild mischen. Vorsicht gilt nur auch im Filmtonbetrieb hinsichtlich der schaltbaren Bassverstärkung – diese sollte man lieber deaktiviert lassen. 

Konkurrenzvergleich

Yamaha liefert für 239 EUR (UVP) die Front Surround-Soundbar YAS-103 in weiß oder schwarz aus. Mit Bluetooth, zwei integrierten Subwoofern, Air Surround Extreme für bis zu 7.1 Wiedergabe und ausgewogenem Klang, macht sie eine sehr gute Figur. Dadurch, dass ein separater aktiver Subwoofer fehlt, kann im Bassbereich natürlich nicht das Fundament aufgeboten werden, welches das Humax-System bietet. Dafür kann man die YAS-103 auch mit der HT Controller App, die auf Bluetooth-Basis funktioniert, steuern.

Wer optisch eher so etwas wie einen aktiven TV-Lautsprecher sucht, das Ganze in schicker Verpackung und mit einer Bautiefe, dass man einen TV darauf stellen kann, bekommt von Maxell mit dem 2.1 System mit integriertem Subwoofer MXSP-SB3000 eine Alternative. Für 300 EUR gibt es auch HDMI-Beschalung und Bluetooth 4.0 sowie SRS TruSurround mit guter Wirkung. Für deutlich weniger Geld wirkt die Humax-Soundbar hochwertiger dank echtem Metall, schafft mehr Pegel und offeriert eine absolut stabile BT-Übertragung. 

Fazit

Humax Blade STA1200 BSW Gruppenbild2

Die Humax-Soundbar  STE-1000BSW feiert eine durchaus gelungene Premiere. Die edle Optik, die sehr stabile Bluetooth-Signalübertragung, die gute Virtual Surround-Funktion, die im Vergleich mit vielen Konkurrenten hochwertige Fernbedienung sowie der kräftig antretende Subwoofer sind ebenso wie der recht klare Gesamtklang handfeste Vorteile. Manch einer dürfte den kabelgebundenen Subwoofer als Nachteil sehen – doch dafür bleibt der externe Bassist stets im Takt und serviert den Bass aus zeitlicher Perspektive korrekt und stimmig. Wir erkennen eher andere Nachteile. Es gibt keinen Dolby Digital- und keinen DTS-Decoder. Auch wenn die STE-1000BSW preisgünstig ist, zumindest Dolby Digital sollte decodiert werden. Dass es keine HDMI-Beschaltung gibt, war für den Preis von knapp 200 EUR zu erwarten. Es fehlt ebenfalls ein Display, wie bei vielen Konkurrenten auch. Die DSP-Schaltung, die den Bass anhebt, kann man darüber hinaus getrost vergessen. Zum fairen Preis jedoch offeriert Humax ein ordentliches, sauber verarbeitetes Produkt mit klar nachvollziehbarem akustischen Nutzen. 

Sehr elegante Soundbar mit klarem Klang – für wenig Geld
ausgezeichnet
Soundbar-/Subwoofer-Systeme Einsteigerklasse
Test 15. Oktober 2014

+ Elegant und bis auf Kunststoff-Standfuß hochwertig
+ Klarer Klang
+ Gutes Virtual Surround-Programm
+ Preiswert
+ Stabile Bluetooth-Signalübertragung

– Kein Dolby Digital-Decoder
– Unbrauchbare DSP-Bassanhebung

Test: Carsten Rampacher
Fotos: Sven Wunderlich
Datum: 15. Oktober 2014




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