TEST: Grundig Bluetooth-/NFC-Lautsprecher GSB 600 – Tadelloser Klang und optische Eleganz harmonisch vereint?

Grundig GSB 600 NFC Front Seitlich1

Grundig bietet mit dem GSB 600 NFC einen optisch attraktiven Bluetooth 3.0-Aktivlautsprecher mit 2  x 12,5 Watt und Near Field Communication (NFC) an. Insgesamt vier Lautsprecher (2 Kalottenhochtöner und 2 Brietbandlautsprecher) sind verbaut. Dank zwei zusätzlichen passiven Radiatoren soll die Basswiedergabe erstaunlich füllig sein. 16 Stunden Akkulaufzeit des eingebauten 11,1 V 2.200 mAH-Lithium-Ionen-Akkus sind hervorragend, hinzu kommt eine Auflademöglichkeit (USB) fürs Smartphone (5V/1A). Eingebaut in den BT-Speaker ist auch eine Freisprecheinrichtung. Für die Möglichkeit der hochwertigen Musikwiedergabe sorgt die aptX-Kompatibilität. Zwei BT-Devices wie z.B. Smartphones oder Tablets können parallel mit dem GSB 600 verbunden werden. Der Lautsprecher bringt eine Raumklang-Funktion mit, die über das Bedienpanel oben auf dem Device aktiviert oder deaktiviert werden kann. 

Grundig GSB 600 NFC Anschluesse Rueckseite

Anschlüsse

Grundig GSB 600 NFC NFC

Mit NFC

Grundig GSB 600 NFC Standfuss

Für stabileren Stand sorgt diese Metallstange, die z.B. beim Transport, abgeschraubt werden kann

Der GSB 600 NFC bildet Frequenzen zwischen 60 Hz und 16 kHz ab und erreicht beim Bluetooth-Streaming eine maximale Reichweite von 10 Metern. Der GSB 600 wiegt 1,15 kg und ist 223 mm breit, 125 mm hoch und 60 mm tief. Eine kurze Metallstande wird hinten am Gerät angeschraubt und dient dem Zweck des soliden Standes des Lautsprechers. 

Grundig GSB 600 NFC Detail Front

Solides Metallgitter

Grundig GSB 600 NFC Bedienelemente Oberseite

Bedienelemente für Play/Pause, Raumklang ein/aus, Standby-Schalter, Lautstärkeregelung

Grundig GSB 600 NFC Rueckseite Seitlich

Der Lautsprecher ist recht gut verarbeitet, das Metallgitter über den Chassis ist gut eingepasst. Der Kunststoff für die schwarzen Hochglanzelemente rechts und links vom Gitter ist von guter, wenn auch nicht von überdurchschnittlicher Hochwertigkeit. Das wackelig sitzende Grundig-Logo vorn mittig auf dem Gitter ist zwar nur eine Kleinigkeit, wirklich sein muss das aber nicht. Wir gehen davon aus, dass dies bei unserem Test-Sample ein Einzelfall ist. Die USB-Buchse zum Aufladen von Smartphone oder Tablet ist präzise eingepasst, die gesamten Spaltmaße sind sonst gleichmäßig und sehr gering. Das Smartphone findet den GSB 600 sofort, die Kopplung ist völlig unproblematisch. Auch die Stabilität der Bluetooth-Verbindung verdient Lob, keine Artefakte oder gar Aussetzer. 

Wie ist es um die Qualität der Freisprecheinrichtung bestellt? Wir haben auch dieses Feature überprüft. Die Freisprecheinrichtung entspricht gutem Durchschnitt, über den GSB 600 wird die Stimme des Gesprächsteilnehmers am anderen Ende der Leitung als etwas dumpf und leicht im Hintergrund wahrgenommen. Man versteht den Gesprächsteilnehmer aber gut, Rauschen kommt nur in geringfügigem Ausmaß vor. Die Person am anderen Ende der Leitung hört etwas mehr Rauschen, manchmal wirkt die Stimme etwas „abgehackt“. Bilanzierend keine Top-Leistung, aber ordentlich. 

Klang

Wenden wir uns zunächst der sogenannten Raumklangfunktion zu. Wir hören den Trance-Titel „Ibiza Bleebs“ von Chicane und überprüfen, was die Aktivierung dieses Ausstattungsmerkmals bringt. Zunächst einmal stellen wir fest, dass nicht nur die abgebildete Bühne breiter wird, sondern sich auch der aktuelle Lautstärkepegel erhöht. Der Bass wird minimal hohler, aber im vertretbaren Rahmen. Insgesamt ist leichter Hall in den Höhen festzustellen, bei Trance-Musik sogar gut, bei anderen Musikstücken eher störend. Hier kommt es demnach aufs Quellmaterial an, ob man den Raumklang-Modus aktivieren oder deaktivieren sollte. Bei „Perfidia“ von Andrea Bocelli wirkt die Stimme Andreas bei deaktivierter Raumklangfunktion authentischer, echter und damit insgesamt glaubwürdiger. 

Wir hören „Perfidia“ gleich im normalen Modus weiter und hier liefert der GSB 600 eine runde Vorstellung ab. Sehr gut gefällt uns, wie klar der kompakte Bluetooth-Lautsprecher akustische Objekte im Raum platziert. Der Grundig-Speaker ist in der Lage, verschiedene akustische Ebenen voneinander zu differenzieren, und bringt Tiefe ins Klangbild. Er spielt sehr klar, gleichzeitig angenehm, mit freiem Hochtonbereich. Dass nicht einfach Breitbänder für alle Aufgaben eingebaut wurden, sondern zusätzlich zwei Kalottenhochtöner, tut dem GSB 600 merklich gut. Auch die Instrumente spielen dadurch lebendiger auf. Das störende Muffige, nicht gut Durchhörbare vieler BT-Lausprecher geht dem GSB 600 gänzlich ab.

Mit dieser hier gezeigten seriösen Auslegung macht er dem edlen Harman Kardon Esquire 2 Konkurrenz. Dem 229 EUR kostenden Esquire fehlen aptX und Raumklangfunktion, zudem ist er im Bassbereich dem hier volleren, weil auch vom Gehäusevolumen  her größeren GSB 600 unterlegen. Dafür brilliert der Esquire mit noch mehr Detaillierung in den Höhen, einer ausgezeichneten Freisprechfunktion und erstklassiger Materialgüte. Wir sehen, ziehen wir die Eigenschaften zusammen, hier Gegner auf Augenhöhe. Es liegt demnach am individuellen Fall, welcher Lautsprecher es sein soll. Wegen der noch geringeren Abmessungen ist der Esquire einfacher zu transportieren. Zeit für einen Vergleich auch mit dem älteren Grundig GSB 500. Dieser ist nach wie vor unschlagbar, wenn es ums Preis-/Leistungsverhältnis geht. Toller, runder Klang für knapp 70 EUR Marktpreis – das ist top. Und im Bassbereich leistet er nicht weniger als der GSB 600. Die etwas geringere Auflösung im Hochtonbereich nehmen wir für den sehr günstigen Kaufpreis gern in Kauf.  Eher die jugendliche Klientel fühlt sich vom JBL Charge 2+ angesprochen. Das dosenförmige Gerät liefert erstaunlich satten Bass, einen 6.000 mAH-Akku und hat 15 Watt Ausgangsleistung. Der Charge 2+ ist spritzwasserfest und setzt ebenso wie der Grundig auf Passivradiatoren für bessere Bssswiedergabe. Laut Listenpreis werden 169 EUR für den JBL Charge 2+ aufgerufen.

Nach diesem Ausflug in die Analyse des Konkurrenzumfeldes widmen wir unsere Aufmerksamkeit wieder dem GSB 600. Mit „L’Attesa“ hören wir noch einen Titel von Andrea Bocelli, und wiederum überzeugt das Feingefühl des Grundig-Lautsprechers. Er fokussiert gelungen die Stimme, ohne die Instrumentalwiedergabe zu vernachlässigen. Der Klang ist auch bei längerem Hören sehr angenehm, die gebotene Pegelfestigkeit ist tadellos, ohne dass hier Maßstäbe gesetzt werden. 

„I Belong To You“ – Duett von Eros Ramazzotti und Anastacia – liegt dem GSB 600 ebenfalls. Es sind die gut dargestellten Stimmen, die hier, wie auch in den anderen Testbeispielen, für einen gewissen Überraschungseffekt sorgen. Das sonst oft übliche etwas Zurückgestellte, Indifferente, nicht so Direkte fehlt hier fast ganz. Der Hochton- und obere Mittelton-Bereich zeigt sich aufgeräumt, mit tadelloser Staffelung und ordentlichen Konturen. Keine Frage, der GSB 600 ist ein Bluetooth-Aktivlautsprecher, der sogar gewisse „HiFi-Talente“ freisetzt und sich somit auch für den reiferen, anspruchsvolleren Hörer eignet. 

Leicht überfordert, wie praktisch alle kompakten BT-Speaker, zeigt sich der GSB 600 bei Keri Hilsons „I Like“. Der Grundig Bluetooth-Lautsprecher zieht sich aber sehr achtbar aus der Affäre und schlägt nicht wirklich durch. Natürlich fehlt es dem Bass an Tiefgang und kraftvoller Ausprägung, aber hören kann man den Song auf jeden Fall. Die Stimmwiedergabe ist erstaunlich präzise und dynamisch. 

„A View To A Kill“ von Duran Duran war 1986 das Titellied des 007-Films „Im Angesicht des Todes“, dem letzten Bond-Movie mit Roger Moore in der Rolle des britischen Doppelnull-Agenten. Und auch hier beweist der Grundig GSB 600, dass er richtig musikalisch ist, die Wiedergabe ist nicht „platt“ und monoton, sondern berücksichtigt auch kleinere dynamische Unterschiede. Die Stimme des Sängers kommt gut heraus, nur die maximal mögliche Dynamik lässt etwas „Feuer“ vermissen. Sheena Eastons For Your Eyes Only“ wird mit etwas  hohlem Bass präsentiert, ansonsten beeindruckt der GSB 600 mit tadelloser Auflösung, vor allem im Hochtonbereich, und mit einer von klaren Strukturen geprägten Stimmpräsenz. 

Fazit

Grundig GSB 600 NFC Front Seitlich4

Für knapp 200 EUR bietet der GSB 600 NFC solide Leistungen. Er ist insgesamt sehr gut verarbeitet, punktet mit seiner sehr stabilen Bluetooth-Verbindung und dem für manche Musikrichtungen nützlichen Raumklang-Modus. Ganz besonders aber zeichnet sich der kompakte Lautsprecher mit sehr guter Akkulaufzeit durch die tadellose Auflösung besonders im Hochtonbereich hervor. Ein richtiger kleiner „HiFi-Aktivlautsprecher“ ist hier entstanden, der durchaus auch gehobenen musikalischen Ansprüchen gerecht wird. Dadurch kann sich der BT-Speaker des Nürnberger Traditionsunternehmens insgesamt mit einem hervorragenden Testergebnis profilieren.

Der „HiFi-Experte“ unter den Bluetooth-Lautsprechern der Mittelklasse punktet mit tadelloser Auflösung und differenziertem Klang
ueberragend
Bluetooth-Lautsprecher Mittelklasse
Test Freitag, 27. November 2015

+ Erstaunlich gutes Auflösungsvermögen
+ Tadellose Stimmwiedergabe
+ Lange Akkulaufzeit
+ Stabile Bluetooth-Verbindung
+ Paring von 2 Devices gleichzeitig möglich
+ Gute Verarbeitung

–  Basskraft nicht ausgeprägter als beim günstigeren GSB 500

Test: Carsten Rampacher
Fotos: Sven Wunderlich
Datum: Freitag, 27. November




Alle aktuellen Tests auf AREA DVD
  ZURÜCK