TEST: Apple iPhone 6S Plus 64 GB – Gelungene Evolution oder keine brauchbaren Neuerungen?

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Mittlerweile ist das Apple iPhone 6s Plus mit 5,5 Zoll Full HD-Display schon einige Zeit am Markt – und seit rund sechs Wochen haben wir es in der 64 GB-Version für exakt 964,95 EUR im Alltagscheck gehabt, um herauszufinden, ob hinter der bewährten und nicht veränderten Optik auch wirklich brauchbare neue Technik steckt. Alternativ kann man das iPhone 6s Plus auch in einer praktisch überflüssigen 16 GB-Variante für 854,96 EUR kaufen – einen größeren Fehler kann man kaum machen, denn selbst derjenige Anwender, der kaum Apps auf seinem iPhone 6s Plus installiert und nur ein oder zwei Musik-Playlists unterhält, wird ab und zu mal ein Foto mit der neuen 12 MP Kamera oder ein 4K-Video drehen – und in Rekordschnelle ist der Speicher voll. Da muss man schon sehr überzeugter iCloud-Nutzer sein, um alle Daten gleich in der Cloud zu platzieren. Mehr Sinn macht da die ebenfalls lieferbare 128 GB-Version, die auf satte 1074,95 kommt. Wie die 16- und die 64-GB-Modelle sind auch die iPhone 6s Plus mit dem größten Speicher in Space Grau, Silber, Gold oder, neu bei den 2015er s-Modellen, in Roségold lieferbar. Letztere Farbe spricht vor allem das weibliche Geschlecht an. Wenig ansprechend ist auch bei der aktuellen Generation, dass der Akku fest verbaut ist und dass es keine Möglichkeit zur externen Speichererweiterung gibt. Das ist aber ebenso iPhone-typisch wie der extrem geringe Wertverlust. 

Hier geht es zum Test des Vorgängermodells: Testbericht Apple iPhone 6 Plus

3D Touch

Was ist alles neu beim iPhone 6s Plus? Zunächst einmal „3D Touch“. Die Aktionen, die das iPhone ausführt, unterscheiden sich, je nach dem wie stark man auf das Display drückt. „Peek und Pop“ heißt das bei Apple. Nun wird ein dreidimensionaler Touch-Raum generiert – soviel zur Theorie. In der Praxis heißt dies, dass man bei leichtem Druck auf das Kamera- , das Foto- oder das Musik-Symbol direkt Shortcut-Menüs neben dem Symbol aufklappen, die dann entsprechend verwendet werden können: 

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Pop Up-Menü Kamera

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Pop-Up Menü Fotos

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Pop Up-Menü Musik

Apple hat, in englischer Sprache, einen ausführlichen Film auf der Website, in dem man sich über 3D Touch informieren kann. Apple beschreitet hier einen neuen Weg, andere (Huawei z.B. und wohl bald auch Samsung) haben bereits erkannt, dass hier die Zukunft liegt. „Peek and Pop“ funktioniert sowohl auf dem Home Screen als auch innerhalb von Apps.

Drückt man leicht, gibt „Peek“ einen ersten Blick auf den Inhalt, z.B. von iMessage-Dialogen. Drückt man anschließend etwas stärker, wird der komplette Inhalt durch „Pop“ geöffnet. Sensoren im Display erkennen die Stärke des Drucks, mit dem der Finger auf dem Display agiert. In der Praxis funktioniert das Ganze ziemlich gut und flüssig. Eingewöhnungszeit braucht man kaum. Schnell kann man in Inhalte hineingehen – wie z.B. in einen Link, der in einer iMessage gesendet wurde – und Inhalte wieder verlassen, um zum Haupt-Kontext zurückzukehren. 3D Touch basiert auf kapazitativen Sensoren, die ins Hintergrundlicht des nach wie vor mit 1.920 x 1.080 Pixeln auflösenden Retina HD-Displays integriert sind.

Bei jedem Druck mit dem Finger messen die Sensoren mikroskopisch kleine Veränderungen in der Entfernung zwischen Glasabeckung und Hintergrundbeleuchtung. Die ermittelten Werte werden mit den Signalen des Berührungssensors und des Beschleunigungssensors kombiniert, um möglichst flüssig und somit präzise auf den jeweiligen Druck reagieren zu können. Um dem User ein entsprechendes haptisches Feedback zu geben. Ein herkömmliches, in Smartphones integriertes Vibrationssystem ab zehn Schwingungen für die optimale Performance benötigt, realisiert dies die „Taptic Engine“ im iPhone s-Modell mit lediglich einer einzigen Schwingung – und stoppt genauso so rasch. Die Folge: Ein klares, reaktionsschnelles Feedback für den Anwender. 

Sensoren

Schon oben im Absatz über 3D Touch haben wir verschiedene Sensoren erwähnt, die das iPhone 6s Plus mitbringt. Hier die Übersicht:

  • Touch ID Fingerabdrucksensor
    Barometer
    3-Achsen Gyrosensor
    Beschleunigungssensor
    Annäherungssensor
    Umgebungslichtsensor

Der Fingerabdrucksensor funktioniert generell sehr zuverlässig, großartige Verbesserungen zum iPhone 6 Plus konnten wir nicht ausmachen. Bei etwas feuchten Händen, nach dem Duschen oder dem Hände waschen, ist die 2015er Variante von Touch ID aber minimal toleranter als die ältere Variante. Merkwürdigerweise wollte das iPhone 6s Plus manchmal nach längerer Standby-Zeit den Code, um Touch ID wieder zu aktivieren. Normalerweise muss man den Code nur nach dem Neustart eingeben. 

A9 Prozessor

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Benchmark-Test Geekbench 3: Das iPhone 6s Plus  hat 1,94 GB Arbeitsspeicher und hat einen mit 1,85 GHz getakteten Dual Core-Prozessor

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Ergebnis beim Geekbench 3-Check – iPhone 6s Plus

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Unter iOS 8.4.1 haben wir das iPhone 6 Plus getestet. Wie man sieht, ist der A9-Prozessor wirklich deutlich schneller, wenngleich Apples Angaben übertrieben erscheinen

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Score bei Ice Storm Unlimited

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Ergebnisse bei AnTutu v6.0

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Ranking bei AnTutu

Herzstück des iPhone 6s Plus ist der aktuelle A9-Prozessor – als Co-Prozessor agiert der M9 Motion. Apple übernahm eine Vorreiterrolle bei den Prozessoren mit 64-Bit-Architektur, und nun werkelt die mittlerweile dritte 64-Bit-Generation im iPhone 6s und 6s Plus. Apple spricht von 70 Prozent Geschwindigkeitszuwachs im Vergleich zum A8-Vorgängerprozessor, und bei der Grafikleistung spielt Apple sogar den Trumpf von 90 Prozent Verbesserung aus. Was andere Konkurrenten schon seit Generationen haben, hat nun auch das aktuelle iPhone: 2 GB Arbeitsspeicher.

Keine Revolution, die Topmodelle anderer Hersteller haben schon länger 3 GB Arbeitsspeicher. Das iPhone 6s Plus ist auf jeden Fall blitzschnell, und man merkt im Vergleich zum A8-Prozessor bei vielen parallel geöffneten Apps, dass der A9 dann immer noch enorm flink reagiert. Apple hat somit einen extrem fixen mobilen Prozessor am Start, der aber weder bei Anzahl der Kerne (nur 2) noch bei der Taktung der Konkurrenz in der Theorie überlegen ist. Samsung und andere Anbieter fahren hoch getaktete Octa-Core-CPUs auf – wirklich schneller sind diese, wie Benchmark-Tests zeigen, aber nicht. Wie sieht es hier beim iPhone 6s Plus aus? Wir haben, dies noch als Anmerkung, 135 Apps auf dem Smartphone – das war beim iPhone 6 Plus ein kleines Problem, allein schon die vielen Apps (meist waren natürlich einige davon parallel offen), haben dem Prozessor etwas „Nöte“ bereitet. Bei der A9-CPU gibt es hier keine Schwierigkeiten. 

7000er Alu-Legierung, Verarbeitung

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Dass das iPhone 6s Plus auf dem Bild etwas dicker aussieht, liegt an der Panzerglasscheibe, die wir auf dem Display befestigt haben. Der Lightning-Anschluss bleibt

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Zwar ist das iPhone 6s Plus wegen der härteren Legierung und anderen Details auch ohne Panzerglasscheibe minimal dicker als das iPhone 6 Plus, aber das fällt kaum auf

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Rückseite der Version in „Space Grau“

Optisch sieht das iPhone 6s Plus zwar genauso aus wie das iPhone 6 Plus, allerdings ist das Aluminium, welches für das Gehäuse verwendet wird, nun ein anderes. 7000er Aluminium bedeutet eine besonders starke Legierung. Wir erinnern an den vermutlichen Grund für diese Maßnahme: Als 2014 das iPhone 6 Plus erschien, gab es schnell eine „Bentgate“ genannte „Affäre“. Hierbei haben sich unter Belastung die Gehäuse der iPhone 6 Plus verbogen. Die damals verwendete Alu-Legierung 6000 war demnach zu weich, um dem aus materialtechnischer Sicht recht schwierigen Verhältnis von Breite, Länge und Tiefe des extrem flachen Gehäuses des iPhone 6 Plus ausreichend Stabilität zu verleihen. Laut Apple wurde auch das Glas des Retina HD Displays nochmals verstärkt.

Wir raten trotzdem, entweder eine Schutzfolie oder gleich eine hochwertige Panzerglasscheibe zu verwenden. Ebenso ist anzuraten, ein Case zu kaufen, denn auch wenn die Alu-Legierung nun noch härter ist: Die eigentlich sehr attraktiv gestaltete Rückseite bleibt kratzemfindlich. Das iPhone 6s Plus wird schwerer durch die neue Legierung, und zwar um ca. 20 Gramm (von 172 auf 192 Gramm). Ganz ehrlich – das merkt man aber in der Praxis kaum, ebenso wenig, wie dass das iPhone 6s Plus nun 7,3 mm statt 7,1 mm dick ist. Neben der härteren Legierung ist übrigens auch die 3D Touch-Technologie verantwortlich für den minimalen Zuwachs.

Viel bedauerlicher als etwas mehr „Speck auf den Hüften“ ist die für uns nicht verständliche Tatsache, dass auch das iPhone 6s Plus nicht wasserdicht oder staubgeschützt ist – besonders die Konkurrenz von Sony macht hier vor, wie es geht. An der eigentlichen Verarbeitung gibt es nichts zu kritisieren. Das iPhone 6s Plus besticht mit sehr geringen Spaltmaßen und nahtlosen Gehäuseübergängen, es liegt sehr gut und wertig in der Hand. Die seitlichen Tasten sind präzise eingepasst und weisen gute Druckpunkte auf. Das ist aber alles nicht neu, sondern typisch für Apples Smartphones. 

Apple hat laut eigenen Angaben folgende Anstrengungen unternommen, um eine größtmögliche Umweltverträglichkeit zu garantieren:

  • Quecksilberfreies Display mit LED Hintergrund-Beleuchtung
    Arsenfreies Displayglas
    Frei von bromhaltigen Flammschutzmitteln
    Frei von PVC
    Frei von Beryllium
    Recycelbares Aluminiumgehäuse
    Netzteil übertrifft die strengsten Standards hinsichtlich der Energieeffizienz
    Lautsprechergehäuse aus 30 % recyceltem Kunststoff
Verbindungsmöglichkeiten

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Das iPhone 6ss Plus verfügt über LTE Advanced. Dieser Standard unterstützt höhere Bandbreiten mit bis zu 1.000 Megabit pro Sekunde, weitere Verbesserung sind niedrigere Latenzzeiten (Ping). Um wenigstens etwas davon nutzen zu können, sollte man allerdings bei der Telekom (bis zu 300 MBit/s) oder bei Vodaphone (225 MBit/s) Kunde sein. Apple hat auch die WLAN-Performance verbessert, nun kann man laut Apple bis zu 2 x schneller im Netz unterwegs sein und Apps laden.

Ob dies die genauen Werte sind, wollen wir gar nicht diskutieren. Fest steht aber: Ist das iPhone 6s Plus, das übrigens natürlich auch WLAN-ac unterstützt, damit betraut, z.B. 10 Apps zu aktualisieren, so geht dies merklich schneller als zuvor. Im normalen LTE-Netz, als nicht LTE-A, ist das iPhone 6s Plus auch sehr flink, auch mehrere aufgerufene Seiten hintereinander werden zügig geöffnet. Selbst beim 3G-Betrieb (Österrreich, Pitztal, Telekom Austria) ist ein zügigeres Agieren festzustellen im Vergleich zum ebenfalls dort getesteten iPhone 6 Plus.  An Bord sind ferner Bluetooth 4.2 als aktueller Standard, auch NFC fehlt nicht. 

Sprachqualität und Empfangsstärke

Die vom iPhone 6s Plus gebotene Sprachqualität ist gut bis sehr gut. Man versteht den Gesprächsteilnehmer tadellos, und es kommt kaum zu Rauschartefakten. Unserer Meinung nach klingenn Stimmen noch natürlicher als beim Vorgänger. Nicht überzeugend – die Freisprecheinrichtung mit ihrem blechernen Klang. In empfangsschwachen Gebieten schlägt sich das iPhone 6s Plus ordentlich, aber nicht überdurchschnittlich gut. In schwierigen Situationen kann es daher zu einem Gesprächsabbruch kommen. 

Full HD Display

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Hervorragende Bildgüte bei 4K Trailern, auch wenn diese herunterskaliert werden auf die Full HD Displayauflösung

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Trailershow auf dem iPhone 6s Plus? Immer gern!

Da wir gerade bei den Dingen sind, in denen die Konkurrenz Apple voraus ist: Das betrifft auch das nach wie vor in Full HD auflösende Display. Sony spendiert dem Xperia X5 Premium (Preis um 750 EUR) ein echtes UHD-Display mit 3.840 x 2.160 Pixeln, das aktuelle Samsung Galaxy S6 löst mit 2.560 x 1.440 Pixeln ebenfalls höher auf als das Display des iPhone 6s Plus. In der Praxis aber entstehen dem Anwender kaum Nachteile durch die geringere Auflösung. Auch, wenn herunter skaliert werden muss, sehen 4K Trailer von Youtube gigantisch auf dem farblich intensiven, lebendigen Apple-Display aus. Detail- und Gesamtkontrast sind hervorragend, auch die Ablesbarkeit ist exzellent. Selbst be9 Sonneneinstrahlung, getestet auf dem Pitztaler Gletscher in Österreich auf 2.840 Metern Höhe, ist die Ablesbarkeit noch gut. 

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Hier waren wir auf rund 2.840 Metern Höhe, strahlender Sonnenschein, wie das Foto zeigt. Auch unter solchen Bedingungen ist das Display des iPhone 6s Plus sehr gut ablesbar

Generelle Daten zu TV und Video

Unterstützt werden AirPlay Mirroring, Fotos, Audio- und Videoausgabe an Apple TV (2. Generation oder neuer)

Video Mirroring und Videoausgabe: Unterstützung für bis zu 1080p über Lightning Digital-AV Adapter und Lightning auf VGA Adapter (Adapter separat erhältlich)

Unterstützte Videoformate: H.264 Video: bis zu 4K, 30 Bilder pro Sekunde, High Profile Level 4.2 mit AAC–LC Audio bis zu 160 kbit/s, 48 kHz, Stereo-Audio in den Formaten .m4v, .mp4 und .mov; MPEG–4 Video: bis zu 2,5 Mbit/s, 640 x 480 Pixel, 30 Bilder pro Sekunde, Simple Profile mit AAC–LC Audio bis zu 160 kbit/s pro Kanal, 48 kHz, Stereo-Audio in den Formaten .m4v, .mp4 und .mov; Motion JPEG (M–JPEG): bis zu 35 Mbit/s, 1280 x 720 Pixel, 30 Bilder pro Sekunde, Audio im Format ulaw, PCM Stereo-Audio im Format .avi

Generelle Daten zu Audio

Unterstützte Audioformate: AAC (8 bis 320 kbit/s), Protected AAC (aus dem iTunes Store), HE‑AAC, MP3 (8 bis 320 kbit/s), MP3 VBR, Audible (Formate 2, 3, 4, Audible Enhanced Audio, AAX und AAX+), Apple Lossless, AIFF und WAV

Vom Benutzer festlegbare maximale Lautstärke, zudem verfügt auch das iPhone 6s Plus wieder über zahlreiche vordefinierte EQ-Programme. 

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Für Techno oder Trance ist das EQ-Programm „Electronic“ gar nicht schlecht

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Weitere EQ-Programme

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Bei klassischer Musik oder sonstigem anspruchsvollerem Material ist es ratsam, den EQ zu deaktivieren

Klang

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Der Klang ist besser, als es viele dem iPhone nachsagen

Oftmals wird kritisiert, wie schlecht das iPhone doch klingt. Früher, in den ersten Generationen, mit den sehr einfachen mitgelieferten Kopfhörern durchaus nachvollziehbar, aber bereits seit einigen Genetatioen liefert Apple die „EarPods“ mit, die deutlich besser geformt sind und auch deutlich besser klingen. Natürlich sind Alternativen aus dem reichhaltigen Sortiment sehr guter Kopfhörerhersteller nach wie vor akustisch die bessere Wahl, aber leben kann man mit den EarPods durchaus. Sie klingen recht angenehm, entwickeln eine ordentliche Räumlichkeit, Stimmen werden verständlich wiedergegeben und der Bassbereich ist relativ kräftig. Bei Detaillierung und Brillanz bieten natürlich separat erhältliche Kopfhörer ab der 40 EUR-Liga bereits mehr. Nicht überzeugend, sondern eher blamabel ist die Leistung des eingebauten Lautsprechers. Wer sieht, oder besser hört, was z.B. HTC in manchen Modellen hier offeriert,  dem kommen die Tränen. 

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Bei diesem Track überzeugen Räumlichkeit und Basskraft durchaus, normale Ansprüche werden problemlos zufrieden gestellt mit den mitgelieferten In-Ears

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Der Bass ist hier sehr massiv, aber die EarPods managen das besser als erwartet. Gute, aber nicht exzellente Dynamik. EQ „Electronic“ ist auch hier eine gute Wahl

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Bei diesem schönen Song ist es ratsam, den EQ auf „aus“ zu stellen. Dann kann sich die Stimmwiedergabe sogar hören lassen

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Das Klavier kommt überraschend gut heraus, auch die Stimme. Prima: Die Räumlichkeit

Akku

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Neu: Stromsparfunktion verlängert die Akkulaufzeit

Oft wird über eine geringere Akkulaufzeit aufgrund des deutlich stärkeren Prozessors geredet. In unseren Testreihen konnten wir bei intensiver Dauernutzung kein Sinken der Akkulaufzeit feststellen. Schon beim iPhone 6 Plus lagen wir bei intensiver Nutzung bei 7 Stunden, das schafft auf das iPhone 6s Plus. Nutzt man das Smartphone nur wenig und deaktiviert Bluetooth und andere „Stromfresser“, dann, so unser Eindruck, ist die Akkulaufzeit sogar besser als beim iPhone 6 Plus. Wir haben es bei geringerer bis normaler Nutzung geschafft, am Abend noch (20 Uhr) mit gut 72 Prozent „dazustehen“, beim iPhone 6 Plus waren unter identischen Bedingungen oft nur nur 60 bis 65 Prozent Akku verfügbar.

Also unseren Erfahrungen nach – diese können natürlich je nach Nutzung des iPhones variieren – hält der Akku des iPhone 6s Plus mindestens ebenso lang. Eines ist uns aufgefallen: Ist der Akku komplett voll geladen, hält das iPhone 6s Plus die kompletten 100 Prozent länger. Was uns zum Thema Aufladen des Smartphones auffällt: Es gibt kein drahtloses Laden, was – damals noch Nokia, später Microsoft – die Lumia-Modelle schon ewig haben (und nun auch andere Konkurrenten), und es gibt keine Schnelladefunktion. Beides Features, die man beim preislichen Premium-Level der beiden iPhones eigentlich erwarten dürfte. Was Apple hingegen integriert hat, ist eine spezielle Stromsparfunktion. 

Kamera

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12 MP-Kamera, Videos können in 4K gedreht werden

Überarbeitet hat Apple die Kamera-Abteilung. Nun wird in 12 MP Auflösung geknipst, was für Samsung, Sony, LG & co. schon länger nichts Besonderes mehr ist – hier sind 16 oder gar 21 MP an der Tagesordnung – ist dies für Apple ebenso eine Neuerung wie die nun in 4K aufnehmende Videokamera. Auf jeden Fall hat Apple mit Nachdruck aufgerüstet. Ein moderner Sensor, ein neuer Bildsignalprozessor, Focus Pixels, ein optimiertes lokales Tone Mapping, und, das hatte schon das iPhone 6 Plus, ein optischer Bildstabilisator (nur die Plus-Variante). Neu hinzu kommt „Live Photos“.

Mittels dieser Funktion lassen sich Fotos zum Leben erwecken. Man sieht den Effekt, wenn man irgendwo auf das jeweilige Foto drückt, auch als Hintergrundbild lässt sich ein solches „bewegtes Bild“ einstellen. Insgesamt eine nette Spielerei, aber viel interessanter ist die wirklich imposante Performance der Kamera, und hier beginnen wir mit der 4K Video-Aufnahme. Beim iPhone 6s Plus ist auch die Videoaufzeichnung mit einer optischen Bildstabilisierung versehen, was man den Videos ohne Zweifel recht deutlich im positiven Sinne anmerkt. Man kann sogar in recht anständiger Qualität bei der Aufnahme und Wiedergabe hineinzoomen. Klar gibt es etwas Schärfeverluste und mehr Bildrauschen, gerade bei schwierigen Lichtbedingungen (einsetzende Dämmerung z.B.), aber die Ergebnisse sind besser als bei vielen Konkurrenten. 

Alle Features der Kamera:

  • 12 Megapixel iSight Kamera mit 1,22 µm Pixeln
  • Live Photos
  • Autofokus mit Focus Pixels
  • Optische Bildstabilisierung (nur iPhone 6s Plus)
  • True Tone Flash
  • Panoramabild (bis zu 63 Megapixel)
  • Automatisches HDR für Fotos
  • Belichtungsregler
  • Serienbildmodus
  • Selbstauslöser
  • ƒ/2.2 Blende
  • Objektiv mit 5 Elementen
  • Hybrid IR Filter
  • Rückwärtig belichteter Sensor
  • Objektivabdeckung aus Saphirkristall
  • Automatische Bildstabilisierung
  • Optimiertes lokales Tone Mapping
  • Verbesserte Rauschunterdrückung
  • Gesichtserkennung
  • Geotagging für Fotos

Die Fotos, die mit der Kamera geschossen werden können, gehören mit zum Besten, was wir bislang gesehen haben. Hier einige Ergebnisse:

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Bergpanorama im Pitztal am späteren Nachmittag. Sehr klare Formen, feine Differenzierungen bei den Farben, plastischer und natürlicher Gesamteindruck

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Bergpanorama auf 3.440 Meter Höhe. Tolle Farben, sehr gute Schärfe, wenig Rauschen, auch wenn man dies auf dieser Verkleinerung nicht optimal erkennen kann

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Nachtmittags, 14.30 Uhr, wolkenverhangener Wintertag in Oberfranken: Auch hier gute Panoramawirkung, auch die Bäume im Hintergrund sind noch gut erkennbar

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Dieses Bild zeigt, wie fein und facettenreich die iSight 12 MP Kamera darstellt. Im Vergleich zur Kamera der Vorgängergeneration steigt die Detailtreue, das Rauschen nicht – sehr gut

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Herangezoomtes Bild mit sichtbaren Schwächen

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Gelungene Macroaufnahme – schnell stellt die Kamera scharf und macht ein plastisches sowie detailgetreues Bild im Nahbereich außen

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Naja: Bei sehr wenig Lichteinfall kapituliert auch die sehr gute Kamera des iPhone 6s Plus. Dieses Bild ist unscharf und zeigt wenig Details

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Der Blitz ist im Nahbereich bis zu 2 Meter von Nutzen. Hier bringt er mehr Schärfe und Detailtreue ins Bild, die Ausleuchtung ist nicht optimal

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Das ist Top-Arbeit: Abends bei Kunstlicht in einem Gasthof wird ein scharfes, farbechtes und facettenreiches Bild von einem weihnachtlichen Gesteck präsentiert

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Auch das Bild dieser Lampe ist sehr scharf und klar, die Kontrastverhältnisse sind natürlich

Bilanzierend gehört die verbaute Kamera zum besten, was man in einem Smartphone derzeit finden kann. Sie produziert farbechte, kontrastreiche, scharfe und rauscharme Bilder. Die 4K-Videos sind grandios. Durch die optische Bildstabilisierung des iPhone 6s Plus ist ein echter Vorteil gegenüber dem kleineren iPhone 6s auszumachen. Das 4,7 Zoll-Gerät verfügt nicht über dieses Ausstattungsmerkmal. 

Weitere Features

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Neu: Nahverkehrsverbindungen in den Apple-Karten. Funktioniert in Deutschland derzeit nur in Berlin

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Neu: News-Funktion ähnlich wie es sie bereits bei Android/Google-Devices gibt

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Bereit für die automobile Multimedia-Zukunft? Apple CarPlay

Fazit

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Ja, wir geben es zu. Das iPhone 6s Plus ist teuer. Und auf den ersten Blick bietet es nicht extrem viel fürs viele Geld. Doch das ist nur die halbe Wahrheit. Wer nur auf die Megapixel-Zahl der Kamera schaut, auf die Menge der Prozessorkerne, die Auflösung des Displays oder auf die Größe des Arbeitsspeichers, landet bestimmt nicht beim iPhone 6s Plus, sondern bei der teilweise deutlich kostengünstigeren Konkurrenz insbesondere von LG und Huawei. Samsung mit dem Galaxy S6 musste sich ja berechtigterweise auch den Vorwurf arg gesalzener Preisgestaltung machen lassen, daher soll laut der Gerüchteküche das nächste Modell sogar etwas preisgünstiger werden.

Zurück zum Thema – das iPhone 6s Plus besticht mit ganz anderen Qualitäten. An die Noblesse und die Verarbeitungsgüte kommt auch kein Samsung Galaxy S6 oder Galaxy S6 Edge heran. Die Südkoreaner haben zwar aufgeholt, aber nicht überholt. Durch die neue 7000er Alu-Legierung ist das iPhone 6s Plus deutlich steifer geworden. Weitere Vorzüge des iPhone 6s Plus liegen im zwar „nur“ in Full HD auflösendem, aber sonst erstklassigem Display. Farbecht,  kontrastark und hell, werden hier Benchmarks gesetzt. Das tut auch der flinke A9-Prozessor, trotz lediglich 2 Kernen sprintet er an großen Teilen der Konkurrenz souverän vorbei. Blitzschnell agiert das iPhone 6s Plus im WLAN- und LTE-Betrieb. Zwar ist das WLAN-Modul leider kaum empfangssensibler geworden, aber bei guten Empfangsbedingungen dafür schneller. Dank LTE-A ist das iPhone 6s Plus zudem „fit for future“.

3D Touch ist ein echter Vorzug, der das Arbeiten noch praktischer und zielgerichteter macht, dass das komplexe System so gut funktioniert, ist sehr zu loben. Ein echtes Schmuckstück ist die neue iSight-Kamera, die scharfe, rauscharme und farbechte Bilder im Still Imaging-Betrieb ermöglicht. Nutzt man sie als Videokamera, sind enorm lebendige, dynamische und scharfe 4K-Videos die höchst erfreuliche Folge. Die akustischen Qualitäten sind zweischneidig. Sehr gut klingt das iPhone 6s Plus mit den mitgelieferten EarPods. Nicht gut klingt das iPhone 6s Plus, soll es Musik über die eingebauten, leicht quäkenden Lautsprecher wiedergeben. Auch die Qualitäten als Freisprecheinrichtung sind bescheiden, während das normale Telefonieren mit den 192 Gramm iPhone 6s Plus am Ohr akustisch tadellos funktioniert. Wünschenswert wäre für die Zukunft, dass Apple das iPhone wasserdicht macht – Sony kann dies schließlich schon seit mehr als vier Jahren mit den Xperia Z-Modellen.

Das Beste seiner Art: Trotz nicht wegzudiskutierender Nachteile steckt das iPhone 6s Plus alle anderen Phablets gnadenlos in die Tasche
referenz
Smartphones/Phablets Luxusklasse
Test 06. Januar 2016

Test: Carsten Rampacher
Fotos: Carsten Rampacher
Datum: 06. Januar 2015




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