SPECIAL: Nokia auf dem Mobile World Congress – Reboot zum Erfolg?

HMD Global, „The Home of Nokia Phones“, hat auf dem MWC in Barcelona eine neue Generation von Nokia Smartphones vorgestellt, mit denen die Marke wieder an glorreiche Zeiten anknüpfen möchte. Dafür wurde sogar wieder ein alter Bekannte aus der Schublade gekramt.

Großer Stand, großer Andrang: Kaum ein anderer Messestand wurde so belagert, wie der von Nokia. Klar, denn der Neustart von Nokia sorgte bereits vor der Messe in Barcelona für Schlagzeilen. Dabei war Nokia nie wirklich komplett weg, denn die Finnen produzierten nach der Übernahme der Mobiltelefon-Sparte durch Microsoft weiterhin erfolgreich „Functional Phones“ für Dritte Welt- und Schwellenländer. Außerdem sind die Finnen im Bereich TK & Netzwerk-Knowhow ein starkes Unternehmen.

Die großen Zeiten des ehemaligen Weltmarktführers, als jeder zweite Euro im Mobiltelefongeschäft direkt oder indirekt über die Finnen liefen, gingen aber rasant zu Ende, als das iPhone die Marktgesetze völlig umkrempelte, Nokia sich aber weiterhin an das bedeutungslose Series-Betriebssystem klammerte und es nicht schaffte, zeitnah ein leistungsstarkes Smartphone zu bauen.

Da auch das Intermezzo mit Windows-Smartphones aus dem Hause Microsoft nicht zündete, wurde die Marke weitergereicht an HMD Global, ein finnisches Unternehmen, das zum Teil von ehemaligen Nokia-Mitarbeitern gegründet wurde. Zusammen mit bewährten Manufakturen in China macht das Unternehmen zum Einstand das einzige richtige: Smartphones auf Android-Basis – jedoch mit einer Ausnahme.

Nokia 3310

Nokia 3310

Gag, genialer PR-Schachzug oder einfach nur Retro? Egal, wie man die Neuauflage des Kulthandys (Baujahr 2000) auch bewerten mag, ironischerweise sorgte ausgerechnet das Mobiltelefon für das größte Aufsehen, das am wenigsten kann. Die Entwickler waren nämlich konsequent und statteten das neue 3310 mit wenigen Fähigkeiten aus. Da es nämlich nur das 2G-Netz (GSM) unterstützt und auch WLAN nicht nutzt, bleiben Nutzern alle wichtigen Datenfunktionen wie WhatsApp, etc. komplett verwehrt.

Dafür gibt es aber eine solide Tastatur mit gutem Druckpunkt, ein (blasses) 2,4 Zoll Farbdisplay, eine (dürftige) 2 MP Kamera, ein MP3- & Radio-Player sowie mit 16 GB einen überraschend großen internen Speicherplatz, der sich sogar via microSD um weitere 32 Gigabyte erweitern lässt. Außerdem wird es auch in einer Dual-SIM-Variante erhältlich sein. Für Fans aber besonders wichtig: Eine Neuauflage des Klassikers Snake ist mit an Bord.

Seitenansicht

Rückseite

Eigens für das Kulthandy wurde mit „Series 30+” eine Neuauflage des früheren Betriebssystems entwickelt, das viel Retro-Charme versprüht, aber inkompatibel zu Android ist.

Zumindest in einem Punkt zeigt das rund 50 Euro günstige Mobiltelefon in den Farbvarianten Rot, Gelb, Schwarz und Grau der aktuellen Smartphone-Gilde die Rücklichter: Akkuleistung! Laut Hersteller liegt die Rufbereitschaft bei knapp einem Monat und wer über genügend Gesprächsthemen verfügt, könnte sich theoretisch rund 22 Stunden am Stück mit jemandem unterhalten. Insofern ist das Handy für ausgesprochene Vieltelefonierer durchaus ein spannendes Gerät mit viel Retro-Charme.

Nokia 3, 5 &6

Nokia 6

Schlichter Name, schlichte Smartphones: Mit einem preisaggressiven Trio im Einsteiger/Mittelklasse-Segment erscheinen im 2. Quartal die ersten Android-Smartphones von Nokia. Statt wie früher das Betriebssystem zu meiden wird das Trio sogar mit dem aktuellen Android 7 bzw. 7.1.1 Nougat ausgestattet – und zwar in einer puristischen Form und inklusive dem nützlichen Google Assistant.1

Das Topmodell Nokia 6 bietet ein rundes Oberklasse-Komfortprogramm mit einem 5,5-Zoll-FullHD-Display, 3 GB Arbeitsspeicher, Fingerabdrucksensor sowie ein Kamera-Tandem aus 16 Megapixel Haupt- und 8 Megapixel Frontkamera. Soweit nichts Besonderes, aber bei einem UVP von gerade einmal 229 Euro dürften die Mitbewerber hellhörig werden. Vom Nokia 6 soll es zudem noch eine schwarze Limited Edition mit 64 GB statt 32 GB Speicher und 4 GB Arbeitsspeicher geben.

Nokia 5

Beim Nokia 5 wird mit ca. 179 Euro die 200-Marke durchbrochen, was sich auch bei der Ausstattung bemerkbar macht. So schrumpft das Display auf 5,2 Zoll, der Arbeitsspeicher sinkt auf 2 GB und der Speicher umfasst nur noch 16 GB, was man aber ebenfalls durch den microSD-Kartenslot kompensieren kann. Dafür ist aber der Prozessor Snapdragon 430 geblieben und auch beim Kamera-Team hat sich kaum etwas verändert. Nur die Hauptkamera wird mit maximal 13 Megapixel etwas gestutzt.

Nokia 3

Das Nokia 3 ist ein klassisches Einsteiger-Smartphone, das bereits für rund 139 Euro den Besitzer wechselt. Mit einem 5 Zoll HD-Display, dem Mediatek MTK67Quad-Core-Prozessor, 2 GB Arbeitsspeicher, 8 Megapixel Hauptkamera sowie LTE Abdeckung ist es aber ebenfalls für den Großstadtalltag gut gerüstet.

Fazit: Die Smartphone-Premiere ist in allen Bereichen recht unspektakulär, könnte aber durch den klangvollen Namen und Niedrigpreis-Politik doch Boden auf dem hart umkämpften Smartphone-Markt gut machen. Bleibt abzuwarten, wie sich die neuen Finnen im Praxistest schlagen werden.

Special: Ulf Schneider
Datum: 04.03.2017




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