XXL-TEST: Klipsch PowerGate - kompakter, DTS Play-Fi-basierter Streaming-Vollverstärker

Für Preise zwischen 380 und 400 EUR gibt es das "Klipsch PowerGate". Dahinter verbirgt sich ein kompakter Stereo-Class D-Vollverstärker mit 2 x 100 Watt RMS-Leistung an 4 Ohm und 2 x 50 Watt an 8 Ohm, der zudem ein DTS Play-Fi-basierter Streamer ist. Bluetooth inklusive Qualcomm aptX befindet sich ebenfalls im recht kleinen Gehäuse, das sehr schlicht auftritt. Ein USB-Typ-B-Anschluss sorgt dafür, dass man PC oder Notebook, ganz gleich, ob Windows- oder Mac-basiert direkt verbinden kann. Eine Brücke zwischen Tradition und Moderne schlägt der ebenfalls eingebaute Phono-Vorverstärker. Cinch-Ausgänge für externe Verstärker finden sich auch in der Anschluss-Liste. Für die nötige Präzision beim Wandeln digitaler in analoge Signale sorgt ein 192 kHz/24-Bit DAC. Die für den Betrieb nötige App kann man sich für Android- und iOS-Devices herunterladen. Zudem gibt Klipsch die Kompatibilität zu Apple und Android Watch an.

Verarbeitung

Der Deckel ist matt, die Front hochglänzend

Bedienelement im Detail

Gut in der Hand liegender Drehregler

Seitliche Ansicht

Mitgelieferte Fernbedienung

Das PowerGate kommt mit einem Kunststoffgehäuse, das in schwarz gehalten ist. Seitlich und oben ist das Finish in matter Ausführung gehalten, die Frontblende ist hochglänzend und daher etwas staubempfindlich. Das Finish setzt gewiss keine Maßstäbe für rund 400 EUR, geht aber in Ordnung. Die Bedienelemente entsprechen ebenfalls dem Durchschnitt, geben aber ein gutes haptisches Feedback. Die Anschlüsse sind sauber integriert, Cinch und Lautsprecher-Schraubterminals sind vergoldet, die LS-Terminals zusätzlich gekapselt. Das PowerGate wird im Betrieb warm, aber nicht heiß - laut Klipsch sind digitale Class D-Endstufen an Bord, die sich eigentlich nicht über Gebühr erwärmen dürften. Im Lieferumfang enthalten ist eine preisklassengemäße Fernbedienung, die gut in der Hand liegt.

Anschlüsse

Wenden wir uns nun der Anschlussbestückung zu. 

Rückseite komplett

Analog-Line-In mit Umschaltoption zwischen Phono und Line, USB Audio, optischer Digitaleingang, 2.1 Analog-Cinchausgang

Lautsprecherkabel-Anschlussterminals

An Anschlüssen ist alles relevante vorhanden, es gibt einen optischen, aber keinen koaxialen Digitaleingang. Der Cincheingang muss umgeschaltet werden, je nach dem, ob man einen CD-Player, Tuner etc. oder aber einen Plattenspieler anschließen möchte. Vorhanden ist auch ein 2.1 Ausgang für eine externe Endstufe und einen aktiven Subwoofer. 

Installation

Klipsch Stream App

Basierend auf DTS Play-Fi

Suche nach Play-Fi-Devices

Zunächst wird ein proprietäres Netzwerk aufgebaut

Nun wird das Passwort fürs Heimnetzwerk eingegeben

Zone/Name auswählen

Nun ist PowerGate prinzipiell betriebsbereit. Wie mitgeteilt wird, gibt es jedoch noch ein Update

Für die Verwendung des Klipsch Powergate laden wir uns die Klipsch Stream App aus dem Google Play Store oder iOS App Store herunter. Beim ersten Öffnen der App wird automatisch nach vorhandenen DTS Play-Fi Geräten im Netzwerk gesucht. Da das Powergate noch nicht mit unserem Netzwerk verbunden wurde und derzeit auch keine anderen Play-Fi-Devices in unserem Netzwerk sind, bleibt die Liste leer. Nach dem ersten Einschalten des Powergate versetzt sich das Gerät automatisch in den WiFi-Setup-Modus, was man an der langsam pulsierenden LED auf der Rückseite erkennen kann.

Sollte dies nicht der Fall sein, drückt man die WiFi Setup-Taste zehn Sekunden lang und wartet kurz auf das langsame Pulsieren. Jetzt hat das Powergate ein eigenes WLAN-Netzwerk aufgebaut, mit dem wir uns mit unserem Smartphone verbinden. Zurück in der Klipsch Stream App können wir nun das Passwort unseres WLAN-Netzwerkes eingeben und es wird automatisch ans Powergate übertragen. Wer über einen WPS-fähigen Router verfügt, kann die WiFi-Setup auch für 4 Sekunden lang gedrückt halten und danach die WPS-Taste des Routers drücken. Nach kurzer Zeit integriert sich das Powergate dann automatisch ins WiFi.

Die "Klipsch Utility App" ist für Updates zuständig

Anleitung fürs Update

Nun kommt die neue Firmware aufs PowerGate

Nach der erfolgreichen Verbindung zeigt die Klipsch Stream App an, dass für das Powergate ein Firmware-Update zur Verfügung steht. Um die Aktualisierung durchzuführen, muss die „Klipsch Stream Utility App“ heruntergeladen werden. Wir folgen den Anweisungen auf dem Bildschirm, u.a. müssen wir den Power-Button für fünf Sekunden lang gedrückt halten, während wir das Stromkabel anschließen, um das Powergate in den gewünschten Betriebsstatus zu versetzen. Die App findet binnen wenigen Sekunden das Powergate und spielt das Firmware-Update innerhalb etwa drei bis vier Minuten auf, danach startet sich das Gerät automatisch neu. Kehren wir nun zurück in die Klipsch Stream App wird kein Update mehr beanstandet.

Bekanntes DTS Play-Fi-Layout

Weitere Dienste

Internet Radio

Wiedergabe eines Senders

Jederzeit können weitere Play-Fi-Komponenten hinzugefügt werden

Einstellungen

Wiedergabe vom NAS-System: HiRes Audiodateien im Flac-Format

Wiedergabe eines Flac-Albums (88,2 kHz/24-Bit)

Für die Verwendung von Spotify Connect wird die Spotify-App geöffnet

Bei Spotify wählen wir unsere Hörzone "Büro" aus

Das Handling im Alltag ist, wie wir es von der DTS Play-Fi-App gewohnt sind, sehr problemlos. Schon nach kurzer Zeit findet man sich problemlos zurecht. 

Unterstützt werden die folgenden Dienste:

  • Amazon Music
  • Deezer
  • iHeartRadio
  • Internet-Radio
  • KKBOX
  • Medienserver (DLNA-Streaming)
  • Musikwiedergabe von lokalen Dateien auf dem Smartphone
  • Napster
  • Pandora
  • Qobuz
  • SiriusXM
  • SoundMachine
  • Spotify
  • TIDAL

Insgesamt bietet das Klipsch PowerGate eine gute Ausstattung und reichlich Leistung, verpackt in einem kompakten, schlichten Gehäuse. Nun sind wir gespannt: Wie klingt das kompakte Streaming-Ass?

Klang
Wir starten mit Highres-Audio, zugespielt von einem Medienserver im Netzwerk, Bad Religion – Past is Dead, Robin Hood in Reverse und True North vom Album “True North”:

Der kompakte Klipsch-Verstärker spielt flink, lebendig und sehr kraftvoll auf. Wir merken rasch: Das PowerGate verfügt über hohe Leistungsfähigkeit, betreibt scheinbar mühelos auch anspruchsvolle Lautsprecher (Canton Reference 5K). Wir erkennen einen Klipsch-typischen Einschlag bei der akustischen Abstimmung, kraftvoll im Bass und recht klar in den Höhen, aber keine übermäßig ausgeprägte „amerikanische Badewanne“, sondern weitgehend ausgewogen und harmonisch. Auch für mehrstündige Hörsessions eignet sich diese gekonnte Abstimmung sehr gut.Das PowerGate agiert recht präzise und strukturiert im Bassbereich, bei höchsten Pegeln wird ein solider Punch offeriert.

In Kombination mit unseren anspruchsvollen Lautsprechern spürt man dann bezüglich des Nachdrucks in den untersten Regionen doch die relativ günstige Preisklasse.  Trotzdem - als spielfreudig und mitreißend kann man das PowerGate ohne Zweifel bezeichnen, und sehr gut gefällt die Herausarbeitung der rauen Stimme des Bad Religion-Sängers. Ferner auffällig: Ein gutes Differenzierungsvermögen, die verzerrten Gitarrenklänge werden nur bei sehr komplexem Geschehen nicht völlig erfasst, was aber für die Liga völlig normal ist.  Prima: Die ausgeprägte Räumlichkeit. nur im Detail gibt es leise Kritik. Die Bühne könnte noch ein wenig breiter sein, auch die Staffelung fällt beim schnellen und komplexem Punkrock-Geplänkel ein wenig schwer – im Hinblick auf den Preisbereich aber völlig in Ordnung.

Noch einmal betonen wollen wir die ausgezeichnete Pegelfestigkeit des Powergate. Das Gerät lässt sich in Kombination mit den großen Canton-Standlautsprechern nichts anmerken und beschallt selbst größere Räume problemlos, nur in den höchsten Pegelbereichen (oberhalb 80-85%) wirkt das Gesamtgeschehen obenrum ein wenig spitzer und die Mitten zurückhaltender.

Bei „True North“ präsentiert das Powergate nochmals seine gesamte Basskraft und begeistert mit harten Kickbässen und einem voluminösen, akkuraten Fundament - das schafft selbst mancher Stereo-Vollverstärker der 400 bis 500 EUR-Klasse nicht im identischen Ausmaß.Es gibt keine Probleme mit der hohen Geschwindigkeit, auch untenrum agiert das PowerGate sauber und zeigt sich schnell beim Antritt.

Wir bleiben bei Highresaudio-Inhalten: Danish String Quartet – Abrahamsen steht nun als völlig anderer Musikstil auf dem Programm.

Klassik ist nicht unbedingt Paradedisziplin des PowerGate, denn es fehlt ein wenig an Struktur und Detaillierung der Mitten. Dennoch kann das PowerGate mit natürlichen Klängen der Streicher sowie solider Bühnenstruktur überzeugen. Aus dynamischer Perspektive macht es einen sehr guten Eindruck und erfasst auch feinere akustische Elemente, sofern das Geschehen nicht überdurchschnittlich komplex ist. Überraschend ist, dass das Powergate auch kleine Nebengeräusche der Aufnahme, wie z.B. das Anschlagen der Saiten in einer etwas experemintelleren Sequenz des Stückes sauber herausarbeitet.

Die Geschwindigkeit und die Impulstreue sind eine Stärke des Gerätes, das Powergate ist bei Leistungsspitzen sofort zur Stelle und lässt sich nichts anmerken. Wie schon bei den Bad Religion-Tracks, wirkt der kleine Verstärker stets souverän und präsentiert sich als pegelfest. Authentisch und emotional wirkt das langsame, melancholische Streichen über die Saiten der Violinen und Bratschen, das Powergate realisiert in Kombination mit unseren Lautsprechern eine räumlich dichte, stimmige Atmosphäre.

Spotify Connect, Cosmic Gate – Open the Gate, Exploration of Space

Passend zum Namen kann das PowerGate hier "sämtliche Schleusen" öffnen:  Wir heben den Pegel und werden ohne Murren mit einem sehr atmosphärischen und enorm räumlichen Intro empfangen. Sehr voluminös und tief spielt das Powergate zusammen mit den Canton Standlautsprechern auf. Natürlich soll es nicht beim Intro bleiben und wir knüpfen direkt „Exploration of Space“ an, hier darf sich das Powergate nochmals vollends austoben und liefert auch schonungslos ab - beachtlich für die Preisklasse und für einen kompakten kleinen Streaming-Vollverstärker. Einen solch harten und kraftvollen Kickbass, der durchaus auch in tiefere Sphären reicht, hätten wir vom Class D-Verstärker gar nicht erwartet, etwas mehr Tiefgang und Volumen lässt sich natürlich aus dem Quellmaterial herausholen, allerdings mit erheblichem finanziellem Mehraufwand.

Einzelne Synthi-Elemente werden noch gut erfasst und verschwinden nicht in der räumlich sehr dichten Kulisse. Auch die Strukturierung erscheint gelungen, die einzelnen Ebenen im Raum, in denen verschiedene akustische Effekte platziert werden, kann man sauber nachvollziehen. Das Powergate bleibt, wie wir es mittlerweile gewohnt sind, auch bei sehr hohem Pegel hier souverän, die „scharfen“ Synthie-Effekte ab der Mitte des Titels wirken nie unangenehm, begeistern aber durch ihre gewollt Sirenen-artige Ausprägung. Wie bereits mehrfach festgestellt, begeistert das Powergate mit hoher Geschwindigkeit und flinker Umsetzung auch bei etwas komplexerem Geschehen.

Spotify Connect, Ed Sheeran – I See Fire

Wir schalten einen Gang zurück und überlassen dem weltbekannten jungen Iren und seiner Gitarre die Bühne. Das Powergate darf noch einmal Stärke bei der Stimmwiedergabe beweisen und erledigt dies prompt – die Kombination mit hochwertigen Lautsprechern ist daher durchaus sinnvoll, auch wenn die Canton Reference 5 K natürlich nicht unbedingt preislich zum PowerGate passt. 

Natürlich werden nicht alle Facetten, besonders im Bereich der Mitten und oberen Mitten, erfasst, dennoch liefert das Powergate für unter 400 Euro eine sehr solide Performance ab. Auch die Gitarrenklänge gelingen mit hoher Natürlichkeit, wirken aber nicht ganz so präsent wie bei höherwertigen und teureren Konkurrenten.

In typischer Klipsch-Manier wird der Gesang von Ed Sheeran von einem voluminösen Fundament begleitet, dass beim vereinzelten Bass-Schlag gekennzeichnet ist, das Powergate ist hier ebenso wie bei unseren bisherigen Testreihen sofort mit Nachdruck zur Stelle und lässt im Bereich Antrittsgeschwindigkeit keine Kritik zu.

Das gilt auch im höheren Pegelbereich, lediglich die Differenzierung bei der Kombination von hoher Lautstärke und komplexem Musikgeschehen ist nicht mehr ganz so perfekt, dafür erklingt die Kulisse dann sehr räumlich mit toller dichter Atmosphäre.

Fazit

Das Klipsch PowerGate präsentiert sich vor allem akustisch ganz stark: Pegelfest, dynamisch und angenehm aufspielend, eignet sich der kompakte Streaming-Vollverstärker auch für hochwertige Lautsprecher. Die Steuerung mittels der DTS Play-Fi-basierten Klipsch Stream App funktioniert problemlos und zuverlässig. Optisch gibt sich das PowerGate schlicht, bedingt durch die kleinen Abmessungen kann man den Vollverstärker praktisch überall einfach unterbringen.

Kompakter Streaming-Vollverstärker mit hervorragenden akustischen Eigenschaften

Streaming-Vollverstärker bis 500 EUR
Test 03. Juni 2019

Test: Carsten Rampacher, Philipp Kind
Fotos: Sven Wunderlich, Philipp Kind
Datum: 03. Juni 2019

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