XXL-TEST: JBL Tour One - Over-Ear Kopfhörer mit adaptiven Noise-Cancelling und bis zu 50 Stunden Wiedergabezeit

Mit der Tour-Serie nimmt JBL Pendler und Reisende ins Visier und bietet damit eine leistungsstarke Kopfhörer-Baureihe, bestehend aus einem In-Ear TWS-Hörer sowie einem Bluetooth Over-Ear Kopfhörer, an. Wir haben zum Test den Over-Ear Kopfhörer Tour One erhalten.

Unser Testkandidat ist ausschließlich einem schwarzen Finish für 299 EUR im Handel erhältlich. Die Tour-Modelle besitzen beide adaptives Noise-Cancelling. Bei adaptiven Noise-Cancelling werden Mikrofone und Lautsprecher verwendet, um sich automatisch an die Umgebung anzupassen. 

Die 40 mm messenden Treiber sollen zudem für einen dynamischen Sound sorgen. Ebenso erfreulich für Liebhaber des hochwertigen Klangs: Die JBL Tour One Kopfhörer weisen eine Hi-Res Zertifizierung auf und unterstützen Frequenzen bis zu 40 kHz.

Um den Reisenden das Hörerlebnis so positiv wie möglich zu gestalten, besitzt der Tour One eine laut JBL-Angaben ausgeklügelte Freisprecheinrichtung. Der JBL Kopfhörer ist mit vier Mikrofonen an den Ohrmuscheln ausgestattet, um eine hervorragende Anrufqualität zu bieten. Zwei adaptive Beamforming-Mikros sorgen dafür, dass die Sprachwiedergabe klar und genau ist, und die akustische Echo-Cancellation-Technologie unterdrückt Echos und eliminiert Geräusche.

Transportcase im geschlossen Zustand

Um den Tour One auch ordentlich verstauen zu können, wenn er aktuell nicht benötigt wird, liefert JBL eine ordentliches Case mit. Das Case ist mit Stoff bezogen und sieht mit dem petrolfarbenen Stoffbezug sehr edel aus. Zudem wurde eine Trageschlaufe integriert. 

Öffnet man das Case, wird der Blick frei auf den teilweise eingeklappten Tour One. Im unteren Bereich finden der Flugzeugadapter, ein Audiokabel sowie das USB-C Ladekabel Platz.

Case im geöffneten Zustand 

Größenverstellung am Kopfhörer

Wie wir bereits erwähnten, kann der Tour zusammengeklappt werden. Die Größenverstellung des Kopfhörer ist neben den Kopfpolster untergebracht. Apropos Kopfpolster, dieses besteht aus schwarzem Leder und super weich und bequem gepolstert.

Kopfpolster im Detail

Verchromter Tour One Schriftzug an den Seitenwangen

Ohraufsatz gepolstert und mit Leder bezogen

Der JBL Tour One alternativ mit einem Kabel betrieben werden, besitzt aber auch einen leistungsstarken Akku, der auch bei der Kombination aus BT und ANC noch ansehliche Laufzeiten ermöglicht. Die Audioprofis von JBL geben eine Wiedergabezeit von bis zu 50 Stunden an, gültig bei ausgeschalteten Noise-Cancelling und aktiviertem BT. Bei zusätzlich aktivierten Noise-Cancelling sind aber noch immer Wiedergabezeiten von bis zu 25 Stunden möglich, unserer Meinung ein sehr guter Wert. Das Laden des Akkus dauert komplett zwei Stunden, daran gibt es nichts auzusetzen. Ebenso wenig daran, dass auch Google Fast Pair an Bord ist. Komischerweise, um nochmals kurz auf die Akku-Thematik zurückzukommen, ist aber nirgendwo die Rede von einer im Trend liegenden Schnellladefunktion.


Verchromter Schriftzug auch an den Ohraufsätzen

Eingeklappter Tour One

Bedienelemente und Anschlüsse am rechten Ohraufsatz

Um den Tour One möglichst intuitiv zu bedienen, sind so wenig wie möglich an Bedienelementen von Nöten. Am rechten Ohraufsatz befinden sich die beiden Regler für die Lautstärke sowie ein Schieberegler für die Bluetooth-Kopplung. Weiterhin sind auf der Außenseite der Ohrmuschel Berührungssensoren untergebracht. Berührt man diese einmal, wird die Wiedergabe gestartet bzw. pausiert. Bei zweimaligen betätigen wird der darauffolgende Titel abgespielt und bei dreimaligen Berühren der vorherige Titel. Erfolgt während der Musikwiedergabe ein Anruf, kann dieser durch zweimaliges kurzes Drücken angenommen sowie beendet werden. Möchte man den Anruf gar nicht annehmen, kann durch langes Betätigen der Anruf abgewiesen werden. Ist der Nutzer im Besitz eines iPhones, kann Siri bei der Musikwiedergabe durch ein längeres Betätigen des rechten Ohraufsatz aufgerufen werden.

Linker Ohraufsatz des Tour One

Auch der linke Ohraufsatz darf ein paar Aufgaben übernehmen. Links im Bild zu sehen ist die Ladebuchse des Tour One. Mittels des Tasters, rechts im Bild zu sehen, kann zwischen dem adaptiven Noise-Cancelling und der Umgebungsgeräuschkontrolle geswitcht werden. Der Nutzer kann mittels der App bei der Geräuschunterdrückung zwischen dem echtem adaptiven Noise-Cancelling oder "Alltäglicher Modus" auswählen. Bei Auswahl vom adaptiven NC erfolgt eine automatische Kompensation der Geräuschunterdrückung-Leistung in Echtzeit. Wählt man den "Alltäglichen Modus" wird Lärm des alltäglichen Lebens ausgeblendet. Findet die Umgebungsgeräusch-Kontrolle Verwendung, kann zwischen Ambient Aware oder TalkThru ausgewählt werden. Die TalkThru Funktion ist dafür gedacht, Gespräche zu führen, ohne dafür den Kopfhörer extra abnehmen zu müssen.

Im Lieferumfang enthalten : Flugzeugadapter, ein Audiokabel sowie das USB-C Ladekabel

Die beiden adaptiven Beamforming-Mikros sorgen für eine klare Verständlichkeit bei Telefonaten

Auf den Außenseiten befinden sich die Berührungssensoren

Einrichtung und App

Für die Ersteinrichtung und Nutzung des Tour One hält JBL die "my JBL Headphones App" bereit. Wir haben wieder einige Screenshots von der Ersteinrichtung und der App erstellt, die wir in diesem Abschnitt genauer erläutern möchten :

Nach starten der App werden wir aufgefordert, Bluetooth auf unserem Smartdevice zu starten 

Da wir momentan mit keinem JBL-Kopfhörer verbunden sind, fügen wir ein neues Gerät hinzu

In dieser Übersicht müssen wir auswählen, welchen Kopfhörer wir verbinden möchten

Wenn der Kopfhörer nicht automatisch gefunden wird, muss der Kopplungsmodus des Kopfhörers aktiviert werden

So wird der Kopplungsmodus beim Tour One aktiviert

Unser Tour One wird sofort gefunden und die Einrichtung kann in diesem Punkt abgeschlossen werden

Möchte der Anwender einen Sprachassistenten verwenden, kann dieser in diesem Abschnitt festgelegt werden

Hier werden Noise-Cancelling & Co. erläutert

Für unseren Testkandidaten zeigt die App ein Softwareupdate an

Das Firmware-Upgrade wird durchgeführt

Einstellungen für das Noise-Cancelling

Einstellmöglichkeiten für die Umgebungsgeräusch-Kontrolle

Hier können optimierte Bluetooth-Einstellungen vorgenommen werden

In der App können unterschiedliche Equalizerkurven ausgewählt bzw. erstellt werden

Fünf unterschiedliche Presets hält JBL für den Nutzer bereit

Die weiteren Einstellmöglichkeiten des JBL Tour One

Die Touchbedienelemente auf den Ohrhörern können individuell angepasst werden

Auch die stationären Taster des Tour One können in der Funktionsweise abgeändert werden

Die Erstrichtung gestaltet sich durch die my JBL Headphones App wieder sehr einfach und intuitiv. Die App selbst macht optisch einen frischen Eindruck und lief bei unserem Test auch störungsfrei.

Klang

Wir starten unser Klangwertung mit Zoe Wees Titel "Girls Like Us". Wir haben nach mehreren Hörversuchen uns für den Klang-EQ "Jazz" entschieden, da dieser eine saubere Stimmwiedergabe gepaart mit einem sauberen Bass abliefert. Sofort fesselt uns der Tour One mit einer grandiosen Stimmwiedergabe. Gerade bei Zoes komplexer Stimme mit kleinen und feinen Nuancen, liefert der JBL Kopfhörer eine hervorragende Leistung ab. Auch als der Titel dann an Fahrt aufnimmt, bleibt der Tour One souverän und liefert dazu noch einen sauberen und klar strukturierten Bass. Gleichzeitig flacht der Mitteltonbereich nicht ab.

Weiter geht es mit "Hypnotized" von Purple Disco Machine & Sophie and the Giants. Auch hier entscheiden wir uns wieder für den Klang-EQ "Jazz". Der Klangmodi "Bass" erscheint uns eher zu dumpf und gedrückt und bei "Club" flacht der Pegel ab. Auch bei diesem Titel brilliert der Tour One mit einer hervorragenden Wiedergabe der Vokals, gepaart mit einer präsenten Mitteltonbereich und ausreichend Reserven für den Bassbereich. Etwas kritisch stehen wir aber den Maximalpegel entgegen, hier könnte etwas mehr "Saft" nicht schaden.

Ganz neu ist der Titel "The Writing On The Wall" von Iron Maiden. Der Titel beginnt mit einem Gitarrensolo, welches der JBL Tour One überraschend sauber und authentisch in unsere Hörkanäle transportiert. Auch als der Titel dann schneller wird und verschiedenen Instrumente in den Titel eingreifen, können wir erstaunlicherweise die unterschiedlichen Instrumente klar wahrnehmen. Auch Bruce Dickinson Stimme wirkt auf uns sehr harmonisch und ausgeglichen. Die aktive Geräuschunterdrückung arbeitet effektiv, wirkt sich aber nicht störend negativ auf die Gesamtakustik aus. Früher war es noch so, dass der Klang hörbar muffig und undetailliert wurde, doch diese Zeiten sind erfreulicherweise vorbei. 

Jetzt möchten wir den JBL Tour One aber richtig auf den Zahl fühlen, und wir starten die Wiedergabe von "Shallow". Dieses Stück wurde von Bradley Cooper und Lady Gaga für den Film "A Star is Born" eingespielt. Zu Beginn erklingt Bradleys Gitarre, die auf uns authentisch und natürlich - für einen 300 EUR Kopfhörer mit ANC und BT wirklich eine gute Performance. Gerade, wenn man bedenkt, dass JBL früher eher für kräftige Basse und eine eher durchschnittliche Detaillierung und Natürlichkeit stand. Mittlerweile hat man sich dort deutlich nach oben gestreckt und erfolgreich optimiert. Auch Bradleys Stimme nehmen wir als sehr gelungen wahr. Und die Stimmfarbe von Lady Gaga wird prima getroffen, auch wenn hier feinste Nuancen ihrer Stimme fehlen.

Als letztes möchten wir uns den Titel "Mama Said" von Metallica darbieten lassen, indem der Frontmann James Hetfield teilweise seine Kindheit verarbeitet. Hier punktet der Tour One mit einer neutralen und zugleich räumlichen Darstellung der Stimme. Auch als nach ca. 50 Sekunden weitere Gitarren und die Drums von Lars Ulrich mit einsetzen, bleibt der JBL Kopfhörer absolut souverän und seiner Linie treu. Der JBL Tour One punktet bei der Gesamtwiedergabe mit Homogenität, Klarheit.

Übrigens: Die eingebaute Freisprecheinrichtung ist von allererster Güte. Sehr gute Verständlichkeit, kaum Rauschen, zudem ertönen Stimmen auch noch natürlich: Hier setzt JBL aktuell in dieser Liga Maßstäbe. 

Konkurrenzvergleich

Beyerdynamic Lagoon ANC: der Lagoon ist klanglich nach wie vor brutal gut - hier lässt sich der Heilbronner Kopfhörer von niemandem etwas vormachen. Allerdings wirkt ihn die zu einfache ANC trotz Upgrade im vergangenen Jahr mittlerweile etwas zurück. Optik, haptik und Verarbeitung sind nach wie vor exzellent, und die Freisprecheinrichtung ist kaum schlechter als beim JBL Tour One. Mit Preisen ab 169 EUR (für B-Ware) ist der Lagoon ANC sehr günstig geworden.

Dali iO6: Der Dali mit feiner Optik und geschliffenem Klang verdeutlicht klar, warum er ab 359 EUR kostet. Er klingt haargenau wie die Dali-Lautsprecherserien Opticon oder Rubicon, die in Fachkreisen einen hervorragenden Ruf genießen. Die aktive Geräuschunterdrückung ist nach heutigen Maßstäben etwas einfach gehalten. 

Sony WH-1000XM4: Rund 300 Marktpreis schlagen für den optisch schlicht auftretenden, aber bis an den Rand mit Hightech gefüllten Sony Over-Ear-BT-Kopfhörer mit Highend-ANC zu Buche. Der Sony, der 360 Reality Audio unterstützt, ist der absolute technologische Overkill: Wer Technik liebt, wird den Sony lieben, wer auf schnelle Inbetriebnahme und einfachste Bedienung Wert legt, wird hier nicht abgeholt. Bezüglich Räumlichkeit und Plastizität zieht der Sony gerade dann, wenn man 360 Reality Audio-Tracks z.B. von Tidal anhört, alle Register, detailliert aber im Hochtonbereich nicht enorm gut. 

Fazit 

Der JBL Tour One begeistert im Test mit einem sehr angenehmen, homogenen und, trotz aktivierter aktiver Geräuschunterdrückung, klaren und natürlichen Klang. Hier hat sich bei JBL wirklich viel getan - früher gab es zwar einen fetten Bass, aber nicht allzu viel Detailreichtum. Nun freuen sich auch anspruchsvolle Anwender über die absolut gelungene Auslegung, und der JBL Tour One eignet sich  für nahezu jeden Musikstil. Zu loben ist auch die ohne Abstriche erstklassige Freisprecheinrichtung. Praktisch kein Rauschen, exzellente Übertragungsstabilität, dazu ein natürlicher Klang der Stimmen beider Gesprächsteilnehmer: Diese Leistung zeigt kaum ein Konkurrent. Optisch präsentiert sich der Kopfhörer eher unauffällig, was wohl daran liegt, dass JBL hier eher Business People und sonstige Vielreisende im Visier hat. Jugendlich-flippiges Design sucht man beim eher biederen Tour One vergeblich. Etwas mehr Noblesse hielten wir bei fast 300 EUR Kaufpreis schon für angebracht. Da wir gerade etwas am "meckern" sind: Die voreingestellten EQ-Kurven sind von ihrer Charakteristik hier nicht optimal abgestimmt. Zudem könnte der Maximalpegel größer sein. Insgesamt aber ist der JBL Tour One als sehr gut gelungenes Exemplar seiner Gattung - Over-Ear mit flexibler ANC - anzusehen.

Klangstarker Over-Ear-Kopfhörer mit hervorragender ANC und erstklassiger Freisprecheinrichtung

Over-Ear-Bluetooth-Kopfhörer mit ANC bis 300 EUR
Test 30. Juli 2021

 

Test und Fotos: Sven Wunderlich
Redaktion: Carsten Rampacher
Datum: 30. Juli 2021

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