TEST: OnePlus 7 Pro - China-Luxus mit exklusiven Features?

Jung, dynamisch, frech und hochgelobt! OnePlus verfolgt seit der Gründung im Dezember 2013 stets eine ganz eigene Politik mit interassenten Produkten, die Begehrlichkeiten schaffen sollen. Ein klassischer Underdog waren sie aber letztendlich nie, denn OnePlus ist Teil des chinesischen BBK-Electronics-Konzerns, die den Heimatmarkt dominieren. Eine weitere clevere Strategie: Es werden Technologien und Produkte von Huawei verwendet und auch deren Vertriebsnetz genutzt. Das gesamte Ergebnis wird dann aber stets mit dem gewissen Etwas veredelt – so auch beim OnePlus 7 Pro.

Ausfahrbare Frontkamera

Es gibt viele „fast“ Full Front Displays, aber das OnePlus 7 Pro ist das erste echte! Das Edge-Display streckt sich bis über den Rand und hat auch über- und unterhalb keinerlei Aussparungen. Der Fingerprintscanner ist zudem im Display integriert.
Und wo steckt die Frontkamera? Die wurde als „Pop Up Kamera“ aus Saphirglas im Gehäuse überaus elegant eingebracht. Wenn sie gebraucht wird, fährt die Linse schnell aus dem oberen Gehäuse heraus.

OnePlus erfindet ansonsten den Formfaktor zwar nicht neu, doch das Unibody-Gehäuse sieht beeindruckend hochwertig und exzellent verarbeitet aus. Dazu passen die eleganten Übergange vom Display über den Metallrahmen und die Rückseite aus Gorilla Glas 5, wahlweise in mattem Blau, Grau oder hellem Beige – ein starker Auftritt!

Seitenansicht

Das imposante Display fügt sich ebenfalls perfekt ins edle Gesamtbild ein. Mit einer Diagonale von 6,67 Zoll ist es nicht nur überdurchschnittlich groß, dank einer QHD+-Auflösung (3.120 x 1.440 Pixel) ist es auch gestochen scharf. Und das ist noch nicht alles: Da die maximale Bildwiederholrate bei 90 statt wie üblich bei 60 Hertz liegt, scrollt der Nutzer butterweich durch Menüs und Listen – der Begriff "Fluid"-Display passt somit perfekt zu diesem Touchscreen.

Es ist daher auch nur logisch, dass das Display mit einem OLED-Panel arbeitet. Die Farbsättigung ist entsprechend hoch und die Brillanz eine echt Wonne – ganz klar höchstes Niveau. Einziger kleiner Haken: Die Helligkeit muss stets am Limit sein, damit sie auch bei starkem externen Lichteinfall für eine angenehme Ablesbarkeit ausreicht. Und wie schaut es mit Schutz vor Wasser und Staub aus? Eine IP-Zertifizierung liegt zwar nicht vor, aber laut Hersteller soll es genauso gut geschützt sein.

Aufgenommen mit dem OnePlus 7 Pro

Bei der Kamera werden mächtige Geschütze aufgefahren: Der Hauptknipser arbeitet mit einem 48 Megapixel starken Sony IMX586-Sensor und f/1.6-Blende. Da aber vier Pixel zu einem kombiniert werden, sind es letztendlich doch „nur“ 12 Megapixel. Hinzukommen ein 16-Megapixel-Weitwinkelsensor (117 Grad) mit f/2.2 Blende sowie 8-ein Megapixel-Sensor mit dreifachem optischem Zoom und bis zu zehnfacher digitaler Vergrößerung.

Und das ist noch lange nicht alles: Ein Phase Detection Autofocus (PDAF) sorgt ferner für eine schnelle Fokussierung, während abends ein Laser-Autofokus zum Einsatz kommt. Ebenfalls clever: Beim "UltraShot" werden viele Bilder zu einem zusammenrechnet.

Rückseite

Und das Beste: Die Kamera ist nicht nur auf dem Papier bärenstark, sie schießt auch wirklich sehr gute Fotos. Selbst bei Dämmerlicht werden geschlossene Räume immer noch bis zum Bildrand homogen, rauschfrei und scharf ausgeleuchtet – das ist ganz klar Spitzenniveau! Weniger spektakulär, aber auf alle Fälle gut ist die ausfahrbare Front-Kamera mit 16 Megapixel, die ebenfalls eine Nachtaufnahme und einen Camcorder-Modus (Full-HD mit bis zu 240 Bildern pro Sekunde) bietet und zumindest bei Nahaufnahmen sehr scharfe Schnappschüsse ermöglicht. Videos lassen sich zudem in 4K mit bis zu 60 Bildern pro Sekunde aufzeichnen. Slow-Mo-Aufnahmen sind dabei in Full-HD mit bis zu 240 Bildern pro Sekunde möglich.

Auffällig ist zudem, dass die Kamera abgesehen von den Standards und den cleveren Algorithmen ein recht schmales Ausstattungspaket bietet – bei dieser Qualität ist das aber nicht weiter schlimm. 

Rückseite Gesamt

Bei den Datenschnittstellen sieht es ähnlich gut aus, inkl. LTE mit 2.600 MHz. Auch der interne Speicherkartenplatz ist mit 256 GByte sehr üppig, allerdings gibt es keinen microSD-Speicherkarten-Slot. Da der Nutzer auch auf kabelloses Laden und einen klassischen Kopfhöreranschluss verzichten muss, gibt es doch ein paar kleinere Ausstattungslücken.

Vor allem Gamer interessant dafür: Via Screenrecording-Funktion lässt sich auch Ton mitaufnehmen und ein neuer Vibrationsmotor ermöglicht haptisches Feedback in gleich drei Intensitätsstufen.

Screenshot 1

Screenshot 2

Als Betriebssystem kommt das aktuelle Android 9 Pie zum Einsatz. Es handelt sich dabei aber um eine modifizierte Version mit OnePlus´ Benutzeroberfläche Oxygen OS. Die bietet neben vielen Standards, wie Pull-Down Menü oder einen App Drawer, auch ein paar spezielle Finessen. So ist die linke Startseite nicht für Google, sondern für einen eigenen „Life Service“ reserviert, der nach eigenem Bedarf individuelle Informationen bündelt – inklusive einem Parkpositionsservice. Geradezu skurril ist ferner der „Zen-Modus“. Einmal aktiviert, verfällt das Smartphone 20 Minuten in einen absoluten Tiefschlaf – da hilft selbst ein Neustart nicht. Ebenfalls ungewöhnlich: Trotz der üppigen Displaygröße gibt es keinen Ein-Hand-Modus. Löblich dafür: Zwei große Updates auf Android "Q" und "R" sowie regelmäßige Sicherheitsupdates für drei Jahre werden vom Hersteller garantiert.

Auch beim Entsperren gibt es große Besonderheiten, denn die Gesichtserkennung erfolgt über die ausfahrbare Frontkamera und der Fingerabdrucksensor liegt unterhalb des Displays. Das Gerät aber per Fingerdruck zu entsperren (funktioniert superschnell und reibungslos) ist angesichts der flotten Gesichtserkennung gar nicht mal so einfach, denn die Kamera schiebt sich so schnell aus dem Gehäuse, dass eine Entsperrung nur eine knappe Sekunde dauert. Die Lebensdauer der Pop Up Kamera ist laut Hersteller zwar begrenzt (ca. 300.000 Mal ausfahrbar), doch dafür ist sie sehr clever, da sie sich automatisch zurückzieht, wenn sie in einer Tasche liegt oder sich das Gerät im freien Fall befindet.

Im Zusammenspiel mit dem ungemeinen flotten Arbeitstempo gibt es in diesem Bereich eigentlich kaum etwas zu kritisieren.

Exzellente Detailverarbeitung

Auch die Performance ist auf Pro getrimmt, denn im Inneren werkelt der aktuell stärkste Snapdragon-855-Prozessor, der wahlweise von 6, 8 oder sogar 12 GB RAM unterstützt wird. Das klingt schon mal nach ordentlich Speed, der durch den aktuellen UFS-3.0-Speicher nochmals optimiert wird. Das Nachfolgemodell vom UFS 2.1 soll beim sequenziellen Lesen etwa dreimal und beim Schreiben sogar neunmal schneller sein. Und tatsächlich: Die Performance ist auf alle Fälle auf Referenzniveau, denn aktuell zeigt kein anderes Smartphone dem 7 Pro die Rücklichter. Selbst mobile Pro-Gamer werden daher kaum Grenzen aufgezeigt. Apropos Gamer: Eine neue Flüssigkühlung hält das OnePlus 7 Pro auch bei langen Gaming-Sessions noch angenehm kühl.

Auch bei der Akkukapazität hat der Hersteller nicht den Rotstift angesetzt, denn 4.000 mAh liegen deutlich über dem Durchschnitt. Und das beweist auch der Praxistest, denn bei moderater Nutzungsintensität erreicht der Chinese eine Rufbereitschaft von sechs bis sieben Tagen – das Netzteil bekommt somit über das Wochenende mit hoher Wahrscheinlichkeit eine komplette Auszeit. Nicht ganz optimal ist dafür der Dauerstresstest, der sich nonstop bei rund neun Stunden einpendelt. Das Gesamtpaket ist aktiv halt ein recht gieriger Stromfresser. Gut dafür: Nach ca. 1,5 Stunden meldet der Akkublock wieder 100% Füllstand – das ist sehr flott bei 4.000 mAh.

Schade: Das OnePlus 7 Pro verfügt nur über einen einzelnen Speaker am unteren Rahmen. Dafür spielt der aber überaus munter auf: Präzise tiefe Beats, sehr luftig und gut gestaffelt und vor allem keine Verzerrungen bei hoher Laustärke – eine richtig gute Vorstellung! Das lässt sich auch über die Sprachqualität sagen: Die Stimme ist sauber und klar vom Umfeld getrennt und klingt sehr präsent – es geht also auch abseits vom Festnetz.

Fazit

Wirklich beeindruckend, was OnePlus da auf die Beine gestellt haben. Das OnePlus 7 Pro überzeugt durch exzellente Verarbeitungsqualität, sinnvolle Innovationen und das alles zu einem fairen Preis. Insbesondere das erste wahre Full-Front-Display mit der ausfahrbaren Front-Kamera ist schon ein klares Alleinstellungsmerkmal. Selten hat ein Smartphone solch eine Begehrlichkeit in der Redaktion geschaffen wie dieser Fernöstler – da bedauert man fast schon, dass der Praxistest zu Ende ist. Einzige wirkliche Schwachpunkte: Kabelloses Laden ist ebenso wenig möglich, wie ein erweiterbarer Speicherplatz durch eine microSD-Karte. 

Exzellenter und innovativer Auftritt mit sinnvollen Innovationen und kleinen verschmerzbaren Mankos

18.08.2019

 

+ Luxus-Display mit 90 HzBildwiederholrate
+ Sehr gute Kamera & pfiffige Pop Up Frontkamera
+ Starke Performance & überzeigende Akkulaufzeit

- Keine IP Zertifizierung
- Kein microSD
- Kein kabelloses Laden

Test: Ulf Schneider
Datum: 18.08.2019

 

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