TEST: Mit dem OnePlus 10 Pro 5G an die Spitze der Oberklasse?

Die letzte Apple-Konferenz machte deutlich: Insbesondere die Smartphone-Spitzenklasse gerät immer mehr in eine Sinnkrise, denn bis aufs Rasieren beherrschen moderne Mobiltelefone den kompletten technischen Spagat – und der Design-Spielraum ist überdies schmal. Es wird daher immer schwieriger, Interessenten zum Kauf zu animieren, zumal auch die Kamera-Qualität inzwischen über alle Zweifel erhaben ist und selbst in günstigeren Preisklassen ein hohes Niveau erreicht. Ein spannendes, aber auch sehr heikles Feld sind Smartphone-Brillen, doch die wenigsten haben Lust, damit permanent herumzulaufen. Was bleibt ist also der Anspruch, sich als optimalen „Zehnkämpfer“ zu präsentieren. Eine Ambition, die auch das ca. 900 Euro teure OnePlus 10 Pro 5G hat.

OnePlus 10 Pro 5G

Wie es sich für die gehobene Preisklasse gehört, bietet das 10 Pro einen Full-Front-Screen mit integrierter Selfie-Cam und Fingerprintsensor. Lediglich ein schmal umlaufender Rahmen trennen das Display vom Gehäuserand. Rückseitig erblickt der User mattblau poliertes Metall und ein sehr großes Vier-Linsen-Objektiv, welches kaum hervorragt. Verarbeitungstechnisch ist das Metallgehäuse auch dank geringer Spaltmaße sehr gelungen. Allerdings gibt es keine IP-Zertifizierung, was in dieser Preisklasse ungewöhnlich ist. Der Hersteller verspricht allerdings, dass das Smartphone auch ohne IP-Zertifizierung wasserdicht sein soll.

Dafür ist das 6,7 Zoll große OLED-Display mit 120 Hertz ein echtes Highlight. Mit einer Auflösung von 3.216 x 1.440 Pixeln stellt es fast alle Smartphones in den Schatten. Hinzu kommt eine maximale Helligkeit von 817 Candela pro Quadratmeter, sodass das Gerät absolut Tageslicht-tauglich ist. Da auch der gestochen scharfe Kontrast und die satte Farbwiedergabe überzeugen, ist dieser Bildschirm ganz klar Referenzklasse, der sich auch für den Entertainment-Genuss hochauflösender Inhalte sehr gut eignet.

Kamera auf der Rückseite

Bereits der mächtige Kamerablock macht klar, dass auf hohem Niveau geknipst wird. Die Triple-Kamera bestehend aus einer 48 Megapixel Hauptlinse sowie eine Ultraweitwinkel- und Tele-Linse. Mittels Pixel-Binning berechnet der Prozessor aus dieser Architektur 12 Megapixel. Verantwortlich für die Technik ist unter anderem Hasselblad. Via Weitwinkel-Optik wird ein Aufnahmewinkel von bis zu 150 Grad im Pro-Modus ermöglicht (Standard 120 Grad).

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Aufnahme bei Tageslicht

In dunkler Kellerumgebung

Weitwinkel-Aufnahme im Außenbereich

Qualitativ agiert die Kamera in der obersten Liga. Gerade bei Tageslicht sind selbst Schnappschüsse aus der Hüfte sehr detailliert und farbintensiv. Besonders positiv: Der Qualitätsabfall bei Dämmerlicht hält sich in Grenzen, was auch daran liegt, dass die Kamera eine sehr hohe Lichtempfindlichkeit hat. Im Bereich Ausstattung gibt es on Top alle Standards plus Extras, wie Langzeitbelichtung, Dual-View-Videos oder Tilt-Shift.

Auch die Front-Kamera mit 32,3 Megapixel leistet einen guten Job, wobei aber ein optischer Bildstabilisator fehlt. Videos lassen sich sogar in 8K-Auflösung mit 24 Bildern pro Sekunde aufzeichnen. Flottere 60 Bilder pro Sekunde in 4K oder FullHD sind aber eher empfehlenswert. In Slow-Motion nimmt das 10 Pro in HD 480 fps auf, beziehungsweise 240 fps in Full HD.

Seitenansicht

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Der interne Speicherplatz von 256 GByte ist zwar üppig, lässt sich aber mittels microSD-Karte nicht erweitern. Es ist nur ein Dual-Betrieb möglich. Im Bereich Konnektivität wird dafür das volle Programm auf neuestem Stand geboten: 5G, Wifi 6 (802.11 n, ac, ax), Bluetooth 5.2, NFC sowie rasantes LTE mit bis zu 2.500 Mbit/s.

Vom OnePlus 10 Pro gibt es auch eine günstigere Version mit 8 GByte Arbeitsspeicher und 128 GByte internen Speicher für rund 899 Euro.

Android 12 ist vorinstalliert

App Drawer

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Das mit Android 12 ausgerüstete Smartphone ist gespickt mit besonderen Bedienungshilfen. Sehr praktisch ist das rechte Pull-Down-Menü namens „Shelf“. Hier erhält der User Zugriff auf ein breites App-Angebot, wie Wetter oder Schrittzähler. Außerdem ist es möglich, eigene Widgets zu installieren. Ebenfalls praktisch: Man kann häufig verwendete Funktionen direkt nach der Entsperrung zuweisen. Weitere Finessen: Die intelligente Suche „Scout“ sowie zahlreiche Gesten- und Bewegungssteuerungen. Es lohnt sich also, Zeit in die Personalisierungen zu stecken. Entsperrungen gelingen wie gewohnt über drei Wege: PIN, Gesichtserkennung und Fingerkuppe. Alle drei „Entsperrer“ lassen sich flott einrichten und funktionieren problemlos. Insgesamt eine vorbildliche Handhabungsvorstellung.

Das 10 Pro ist für höchste Performance-Ansprüche bestens gerüstet. Der Snapdragon-888-Prozessor und Snapdragon 8 Gen.1 sorgen im Zusammenspiel mit der 3.000 MHz Taktung und 12 GB Arbeitsspeicher für mächtig Rechenleistung unter der Haube. Egal, ob 3D-Gaming und komplexes Multitasking, das One Plus 10 Pro 5G bringt kaum etwas aus der Ruhe.

Rückseite

Ein anderes Bild bei der Akku-Performance, denn trotz 5.000 mAh ist der Stromspender im Bereich Rufbereitschaft eher mäßig aufgestellt. In mehreren Testzyklen erreicht der Funker gerade einmal drei volle Tage – das ist Anno 2022 einfach zu wenig. Dafür punktet der Akkublock beim Nonstop-Test. Im anspruchsvollen 120-Hertz-Modus-Test schaffte das 10 Pro rund elf Stunden, was ein klar überdurchschnittlicher Wert ist. Das dickste Plus ist aber die flotte Ladegeschwindigkeit. Bereits nach 40 Minuten meldet das Mobiltelefon dank eines 80 Watt Schnelllade-Netzteil wieder 100%. Als Sahnehäubchen ist auch kabelloses Laden möglich.

Wie es sich für ein Spitzen-Smartphone gehört, ist das OnePlus 10 Pro mit zwei Lautsprechern unter- und oberhalb des Smartphones ausgerüstet. Die Lautsprecher spielen erfreulich voluminös und bassstark auf und klingen auch bei hoher Lautstärke noch stabil. Durch den zusätzlichen Vibrationseffekt macht der Sound richtig Laune. Das gleiche gilt auch für Telefonate. In beide Senderichtungen werden Stimmen souverän übertragen und störende Nebengeräusche eliminiert.

OnePlus 10 Pro 5G

Fazit

Ein starker Auftritt des OnePlus 10 Pro! Im Premium-Bereich zwischen 900 und 1.000 Euro kann ihm derzeit wohl kaum ein anderes Smartphone das Wasser reichen. Einziger Schwachpunkt ist die mäßige Rufbereitschaft, was das Smartphone aber durch die schnelle Ladenzeiten wieder gut kompensiert. In allen anderen Bereichen werden (nahezu) Referenzwerte geboten. Zur Erinnerung: Die aktuelle Galaxy S-Klasse kostet nochmals ein paar 100 Euro mehr. Dass es keine offiziellen IP-Zertifizierungen hat und keine microSD-Erweiterung des Speicherplatzes möglich ist, muss man wohl in Kauf nehmen.

Top-Smartphone mit kaum Schwächen in der Preisklasse um 1.000 Euro

16.07.2022

 

Test: Ulf Schneider
Datum: 16.07.2022

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