TEST: Cambridge Audio Stereo-Receiver AXR100D

Für 584 EUR ist der Cambridge Audio Stereo-Receiver AXR100D erhältlich, der unter anderem mit einem DAB/DAB+ Radiotuner und mit Bluetooth 5.0 ausgestattet ist. Natürlich findet sich alternativ auch ein FM-Radiotuner (analog). Die Ausgangsleistung des AXR100D wird mit 100 Watt pro Kanal (an 8 Ohm) angegeben, das ist recht kräftig. Alternativ führt Cambridge Audio auch den AXR100 Stereoreceiver ohne DAB im Programm, der rund 535 EUR kostet. 

Präzise eingepasste Frontblende

Ansicht von oben

Ansicht von hinten

Seitliche Ansicht

Füße finden sich nur hinten, vorn gibt es eine Leiste

Optisch gefällt der AXR100D durchaus. Die schicke Gehäusefarbe in einem etwas dunkleren Silber-Farbton, die klaren, zeitlosen Formen und das zweizeilige Display sind für diese Preisklasse absolut in Ordnung. Auf der gut eingepassten Front findet sich rechts der große Lautstärkedrehregler, der aber haptisch nicht überzeugt und zudem deutlich eiert.

Zweizeiliges Display, in der Qualität der Preisklasse angemessen

Bedienelemente

Erfreulicherweise gibt es auch 2 optische Digitaleingänge sowie einen koaxialen Digitaleingang sowie einen Sub-Out

Aus den 90er Jahren scheint die mitgelieferte Fernbedienung zu stammen - manchmal ist Retro-Design auch kein echter Vorteil. Der IR-Geber wirkt schlichtweg billig und deplatziert. Praktisch ist er auch nicht, denn die Tasten sind zu klein, und der Kontrast der schwarzen Knöpfe zur schwarzen Oberfläche der Fernbedienung ist auch nicht besonders gut durchdacht. Wenigstens gefallen die Knöpfe haptisch durch ihre angenehme Gummierung.

Die mitgelieferte Systemfernbedienung sorgt für wenig Begeisterung

Allerdings reagiert das Gerät nur recht zögerlich auf per Fernbedienung gegebene Befehle, manchmal muss man zweimal drücken. Man kann ein Menü aufrufen mittels Remote, das dann auf dem zweizeiligen Display des Receivers angezeigt wird. Hier ist man dann in der Lage, die "Auto Power Down" Funktion zu aktiveren oder aber Bass und Höhen sowie die Balance zu justieren. Aufsehenerregende Spezial-Features haben wir nicht ausfindig gemacht. 

Für die Preisklasse tadelloser Aufbau innen

Hochwertiger Ringkerntransformator für hohe Stromlieferfähigkeit

Elektrolyt-Kondensatoren mit 10.000 Mikrofarad Kapazität pro Stück

Sauberes Platinenlayout

Durchdachte aktiv-passive Kühleinheit

Punkten kann der AXR100D bezüglich des Aufbaus innen. Positiv vermerken wir, dass ein leistungsfähiger Ringkern-Transformator verbaut ist. Dadurch ist eine stets hohe Stromlieferfähigkeit auch bei beträchtlichem Grundpegel gegeben. Kurzzeitige Dynamik-Spitzen, z.B. beim plötzlichen Einsatz des kompletten Orchesters bei bereits lautem Grundpegel, fangen dann die Elektrolyt-Kondensatoren ab. Damit diese und andere Komponenten bei hartem Einsatz nicht austrocknen, findet sich eine gemischt aktiv-passive Kühlung im Inneren des AXR100D.

Klang

Wir beginnen unsere Testreihen mit "Natural" von den Imagine Dragons. Und der AXR100D gefällt uns direkt zu Beginn mit einer soliden Darstellung der Stimme, die sich zudem gut von den angeschlossenen Canton Reference 5 K löst. Die Räumlichkeit ist ebenfalls gut, sowohl, was die Weite als auch, was die Tiefe angeht. Der britische Stereoreceiver schafft es zudem, auch in hinteren musikalischen Ebenen noch eine ordentliche Detailtreue aufzubieten. Die Wechsel hinsichtlich der gesamten Dynamik managt der AXR100D tadellos, auch den ruhigeren Parts widmet er viel Aufmerksamkeit. Er spielt sehr sauber und klar, wenngleich nicht überdurchschnittlich emotional. Aber diese Mischung aus nüchterner Wiedergabe und sehr guter Präzision dürfte gerade Anhänger des klassischen HiFi-Ideals überzeugen.

Da der AXR100D viel Wert auf eine natürliche, unverfälschte Wiedergabe legt, zeigt er uns bei "Proud Mary" (Creedence Clearwater Revival) auch deutlich die Schwächen des Quellmaterials - dass hier keine meisterlichen Werte bei Brillanz und Transparenz erzielt werden, ist offensichtlich. Impulstreu wird der Rhythmus präsentiert, und der Bassbereich ist im richtigen Maße vorhanden. Die Stimme des Sängers ist von der nicht überzeugenden Qualität des Quellmaterials auch betroffen - trotzdem schafft es der AXR100D, noch eine gute Darstellung der vokalen Konturen sicherzustellen.

Völlig anderes Material, deutlich neuer: "Dance Monkey" von Tones and I, 2019 ein großer Hit, liegt uns nun vor. Und die exzellente Qualität des Quellmaterials setzt der AXR100D vorbildlich um: Der Bassbereich ist ohne Zweifel überragend, kraftvoll und zugleich exakt, und die leicht quäkige Stimme gibt der Stereoreceiver hervorragend wieder. Diese saubere Vorstellung untermauert unsere These einer realistischen, nicht "geschönten" Wiedergabe des Cambridge Audio Stereoreceivers weiter. 

"High Hopes" (Panic At The Disco) kommt mit sehr guter Dynamik und einem kräftigen Bass tadellos zur Geltung. Zum Bass lässt sich sagen, dass die Wiedergabe nie überzogen ist, allerdings lässt der AXR100D auch keinen Zweifel daran, dass ein solides, nachdrückliches Fundament bei diesem Titel einfach mit dazu gehört. Auch dann, wenn der Bass kraftvoll einsetzt, wird die Gesangsstimme nicht zu weit in den Hintergrund gerückt. Diese Balance sorgt für einen erneut realistischen, stimmigen Gesamteindruck. 

Ab in die 90er Jahre, hin zu Gigi d'Agostinos "L' Amour Toujours" - und hier zieht der AXR100D die ganz große Show ab. Extrem pegelfest, schiebt er ganz lässig die erforderliche Energie zu den edlen Canton Reference 5 K. Die Kraft im Bassbereich ist weit überdurchschnittlich, und man wagt es kaum, weiter am Lautstärkedrehregler zu hantieren: Doch man kann es, bis 85 Prozent des maximal möglichen Pegels kommt es kaum zu hörbaren Verzerrungen. Zusammen mit der richtig guten Auflösung und der exzellenten Grobdynamik eine eindrucksvolle Demonstration. 

Die absolut überzeugende Performance findet  - was wir schon gehofft haben - auch bei will.i.ams "Stream & Short" ihre Fortsetzung. Gnadenlos pumpen die Endstufen einen satten, enorm kräftigen Bass in den Hörraum. Das mag lächerlich klingen bei einem 600 EUR Stereoreceiver mit 2 x 100 Watt, aber die Praxis lehrt uns etwas anderes und der AXR100D lehrt der Konkurrenz das Fürchten, was die Pegelfreude angeht. Dabei bleiben die vokalen Anteile immer verständlich und klar. Top, ohne Einschränkung. 

Einer geht noch: "Cubano" von Picco mit dem Hammer-Bass ist nun an der Reihe. Und der Cambridge liefert: Einen unnachgiebigen, raumfüllenden Bass, der nie ins Unpräzise abdriftet. Die elektronischen Effekte schleudert er mit exakter Dosierung in den Hörraum und stellt alle Wechsel in der Dynamik glaubwürdig dar. Die Blechblas-Instrumente kommen frisch und natürlich heraus, mehrere parallel stattfindende akustische Ereignisse seziert der Receiver ausgezeichnet auseinander. 

Lüfter

Noch etwas: Selbst unter absolut ungünstigen Bedingungen schaltet sich der AXR100D nicht ab! Wir haben den Cambridge Audio CXN V2 (Test folgt) direkt darüber gestellt und beide in einem Rack untergebracht. Klar, nach einiger Stunde Hatz bei Schwüle im Hörraum und enormen Pegeln läuft der eingebaute Lüfter an, um für die nötige Kühlung zu sorgen. Hier muss man sich nicht beschweren. Aber andere Komponenten hätten unter diesen Bedingungen längst komplett kapituliert. 

Und auch beim Klassiker "Hotel California" von den Eagles bietet der AXR100D eine akkurate Leistung, die 2013er Rebaster-Version ist auch qualitativ überzeugend. Bis auf den etwas zu wenig prägnanten Bass agiert der britische Receiver ausgezeichnet, gerade auch die Stimmwiedergabe sowie die Auflösung im Hochtonbereich sprechen für sich und sind deutlich über der Qualität, die man in der Liga um die 600 EUR erwarten darf. Die Räumlichkeit ist ebenso tadellos wie die Handhabung der zahlreichen dynamischen Differenzen. 

Weiter geht mit der 2015er Rebaster-Variante des a-ha 80er Jahre Hits "Take On Me". Dieses Stück, bereitgestellt von Tidal, ist überraschend hochwertig hinsichtlich der Akustik. Der AXR100D holt außerordentlich viel aus dem Titel heraus, angefangen von einer detailreichen Stimmwiedergabe (die erst bei hohem Pegel bei den sehr nachdrücklichen Teilen der Gesangseinlagen von Morten Harket etwas zu spitz wird) über einen straffen Bass mit Substanz bis zur überragenden Auflösung über den gesamten Frequenzbereich. Hier hinterlässt der Brite wiederum einen sehr gelungenen Gesamteindruck - die direkte, ungefilterte Auflösung des AXR100D zieht sich wie ein roter Faden durch alle Testreihen.

Wir bleiben in den 80er Jahren, ziehen aber hinsichtlich der Geschwindigkeit an und lauschen "Living On A Player" von Bon Jovi. Und hier merken wir alsbald, dass das Quellmaterial wenig aufregend abgemischt ist - der AXR100D stellt dies akustisch zur Schau, indem die Wiedergabe etwas zurückhaltend vonstatten geht. Das Feuer, das man von Bon Jovi-Live-Auftritten bei diesem Song kennt, lodert nur verhalten. Aber: Durch seine nüchterne Ausgewogenheit liefert der Cambridge Audio-Stereoreceiver kaum den störenden blechernen Beigeschmack, den wir bei diesem Titel häufiger vernehmen müssen. 

Konkurrenzvergleich

Denon DRA-800: Der DRA-800 für Marktpreise um 535 EUR zeigt sich sich modern: Mit Heos-Modul für Streaming und Multiroom sowie kompletter HDMI-Sektion ist er für viele Aufgaben bestens gerüstet. Natürlich verfügt auch der solide verarbeitete Denon über einen DAB/DAB+ Tuner und über Bluetooth. Der Aufbau innen ist nicht so hochwertig wie beim AXR100D, einen Ringkerntransformator finden wir nicht. Dafür ist die Fernbedienung des DRA-800 besser. Die Ausstattungswertung geht also klar an den Denon - doch akustisch muss sich der DRA-800 dem AXR100D beugen: Souveräner, kraftvoller und detailreicher macht sich der Brite an jede akustische Aufgabe. 

Advance Acoustic X-i75 (599 EUR): der schicke Franzose ist kein Stereoreceiver, sondern ein Stereo-Vollverstärker mit sehr gutem Aufbau innen, inklusive Ringkern-Transformator und überdurchschnittlich großen Alu-Kühlkörpern. Die Fernbedienung wirkt hochwertiger als beim AXR100D, ist aber teilweise auch ein Blender und hinsichtlich der Materialqualität nicht der "letzte Schrei". Mit USB-A (beim Cambridge nur für Updates), USB-B (inklusive USB-DAC) ist der Advance Acoustic gut ausgerüstet. Bluetooth aber gibt es nur mit optionalem Dongle. Klanglich klingt der AXR100D noch eine Spur ausgewogener. 

Fazit

Der Cambridge Audio AXR100D Stereoreceiver erweist sich als authentisch darstellender und sehr pegelfester Partner, der auch große Boxen souverän antreiben kann. Er gibt ziemlich genau das wieder, was im Quellmaterial enthalten ist - und wenn wir akustisch sehr gute Quellen zuspielen, zieht der AXR100D alle Register seines Könnens und brilliert mit Nachdruck, Lebendigkeit und Räumlichkeit. Ausgestattet mit DAB+ Tuner und Bluetooth, erweist er sich als modern, eine Streamingsektion fehlt. Ebenso zu kritisieren ist die billige Fernbedienung. Dafür überzeugt der AXR100D mit tadellosem Aufbau innen inklusive hochwertigem Ringkerntransformator.

Authentisch aufspielender Stereoreceiver mit überraschenden Leistungsreserven

Stereoreceiver Mittelklasse
Test 24. August 2020

 

Test: Carsten Rampacher
Fotos: Philipp Kind
Datum: 24. August 2020


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