Die wichtige Frage für den Mehrkanal-Liebhaber: Denon AVC-X8500H oder Arcam AVR20?

Zwei AV-Komponenten, einmal AV-Verstärker, einmal AV-Receiver, beides herausragende Hersteller und preislich um die 3.500 EUR: Der Denon AVC-X8500H und der Arcam AVR20 bieten zahlreiche Gemeinsamkeiten, aber auch deutliche Unterschiede. Welchen also nehmen? Oder sind die zwei AV-Komponenten für unterschiedliche Zielgruppen ausgelegt?

Klassisch, edel, elegant: Denon AVC-X8500H

Modern, progressiv, extravagant: Arcam AVR20

Starten wir mit der Optik. Klassisch und edel kommt der AVC-X8500H daher, modern und aufgeräumt der Arcam AVR20. Hier finden sich also schon auf Anhieb große Unterschiede. Mit seinem überdimensionalen Display erweckt der AVR20 den Eindruck, es wäre eine Touch-Bedienung möglich.

Arcam-Fernbedienung

Fernbedienung des Denon

Ist aber nicht der Fall, man bedient über Tasten am Gerät, oder aber über die Fernbedienung. Letztere ist beim AVR20 nahezu perfekt, schick, hochwertig, komplett beleuchtet. Keine Neuentwicklung, aber wozu auch? Nach wie vor gibt es unserer Meinung nach keine bessere. Wobei die des AVC-X8500H auch nicht schlecht ist und ebenfalls beleuchtet. 

Zentral angeordneter Trafo des AVC-X8500H

Sauberer Aufbau des Denon

AVR20 von innen

Ringkern-Transformator 

Das Innenleben offenbart die größten Differenzen. 13 (!) analoge Endstufen befinden sich im AVC-X8500H. Nach wie vor konkurrenzlos. Lediglich sieben kommen im AVR20 zusammen. Klassische Class AB-Endstufen, die Endstufen mit der hauseigenen Class G-Technik bleiben dem AVR30 für 5.699 EUR vorbehalten. Den großen Ringkerntransformator entdecken wir nur im AVR20. Der AVC-X8500 belässt es bei einem herkömmlichen Trafo, der aber hinsichtlich der Größe auch vertrauenserweckend ist.

Hinsichtlich der Decoder setzen beide auf Dolby Atmos, DTS:X und Auro-3D, letzeres kommt beim Arcam per Update der Firmware. 

Im Detail, so sieht es laut unseren Informationen derzeit aus, wird auch zukünftig der AVC-X8500H der Meister der Flexibilität beim Betrieb mit den verschiedenen 3D-Audioformaten sein. Wie uns ein aufmerksamer Leser - herzlichen Dank an dieser Stelle - mitteilte, wird laut Arcam Support kein so flexibles Lautsprecher-Setup möglich sein wie beim 8500H. Mit dem Arcam ist es demnach nicht möglich, Front High, Rear High, Center High, Top Middle und VOG in einem Setup zu betreiben, auch nicht mit externen Endstufen. 

Von beiden  Geräten wird DTS Virtual:X unterstützt, wobei diese gute Virtual Surround-Funktion wohl kaum ein stolzer Besitzer in der Praxis für mehr als eine Übergangszeit, bis das Multichannel Speaker-Setup komplett ist, verwenden dürfte.

 IMAX Enhanced, basierend auf DTS:X und mit speziellem Bassmanagement versehen, ist bei beiden Modellen vorhanden. Man benötigt allerdings zwingend spezielle IMAX Enhanced-Software, um die Benefits auch verwenden zu können. Der Denon decodiert maximal 13.2 Kanäle, der AVR20 verfügt über 9.1.6 Decoding und damit soll er laut Angaben des britischen Herstellers exklusive des Subwoofer-Kanals bis zu 15 Kanäle decodieren. Um das alles in der Praxis einzusetzen, sind aber externe Endstufen nötig. Diese finden sich im Arcam-Produktprogramm in unterschiedlichen Ausführungen. Hier eine kurze Übersicht:

Drei Endstufen wurden neu entwickelt: Die PA240 (18 kg), die PA410 (10 kg)  und die PA720 (18 kg). Die PA410 besitzt Class AB Endstufen und ein Vierkanal-Layout mit 70 Watt pro Kanal. An Bord aller Endstufen ist ein Ringkerntransformator. Die PA240 greift ebenso wie die PA720 auf die Arcam-eigene Class G-Technologie zurück. Die PA240 ist eine Zweikanal-Endstufe mit beeindruckenden Leístungsdaten: 2 x 380 Watt im Stereo- oder satte 790 Watt im Monobetrieb. Wie die "7" zu Beginn der Produktbezeichnung bereits erahnen lässt, ist die PA720 eine Siebenkanal-Endstufe mit 7 x 140 Watt. Beide Endstufen, die PA240 und die PA720, bieten asymmetrische Cinch- und symmetrische XLR-Terminals. Die Preise: PA720 – 2.799 EUR, PA240 – 2.199 EUR und PA410 – 1.499 EUR.

PA720

So kann also jeder das hinzukaufen, was er braucht, natürlich wird das gesamte Setup nochmals spürbar teurer. 1.499 EUR für eine kräftige Vierkanal-Endstufe sind aber auf der anderen Seite nicht zu viel, und mit dann insgesamt 11 Endstufen hat man für die meisten Anwendungen genug Kanäle zur Verfügung (7 Endstufen des AVR20 plus 4 aus der PA410).

Und die Leistungsdaten? Wenden wir uns als erstes dem Arcam zu. Bei sieben ausgesteuerten Kanälen (1kHz, 0,2 Prozent Klirrfaktor) sind es an 8 Ohm 90 und an 4 Ohm 110 Watt, die bereit stehen. Bei zwei ausgesteuerten Kanälen (1 kHz, 0,2 Prozent Klirr) sind es 190 Watt an 4 Ohm und 125 Watt an 8 Ohm. Und bei 20 Hz bis 20 kHz (< 0,02 Prozent Klirr, 2 Kanäle ausgesteuert), liegen die Leistungswerte bei 110 Watt (8 Ohm) beziehungsweise 175 Watt (4 Ohm).

Der AVC-X8500 bringt es auf 150 W/Kanal (8 Ohm, 20 Hz bis 20 kHz, 0,80 % Klirrfaktor, 2-Kanal-Betrieb) beziehungsweise auf 210 W/Kanal (6 Ohm, 1 kHz, 1% Klirrfaktor, 1 Kanal ausgesteuert). Wie man den Leistungsdaten des 8500H schon entnehmen kann, sind sie wie meist leider üblich nur in geringem Maße aussagekräftig, da viel mehr die Simultanleistung im Betrieb mit sieben, neun, elf oder allen 13 Endstufen von Interesse wäre. Daran scheitert auch die direkte Vergleichbarkeit mit dem AVR20, der bei einer simultanen Aussteuerung aller sieben Kanäle sehr beachtliche 110 Watt pro Kanal stemmt.

Teure, große Boxensysteme treibt der AVR20 kraftvoll und kontrolliert an

In der Praxis gibt es bei beiden AV-Komponenten keinen Leistungsmangel.Selbst bei großen Setups im 11.2 Format schiebt der 8500H noch mächtig voran. Bei enorm höher Dauerbelastung im großen Hörraum aber besitzt der AVR20 noch mehr Punch, Kontrolle und Nachdruck. Dürfte aber auch selbstverständlich sein, schließlich servieren die Briten aus Cambridge zum praktisch identischen Kaufpreis 6 Endstufen weniger. Da müssen diese sechs Endstufen dann schon extrem pegelfest sein, um den Mehrpreis zu rechtfertigen. Wir können aber beruhigen: Die Mission gelingt. Unerschütterlich souverän auch an teuren, edlen Boxen - der AVR20 lässt sich nichts vormachen. 

Beide Boliden haben natürlich Lautsprecher-Einmesssysteme. Der AVR20 setzt auf Dirac Live, der Denon auf das bewährte Audyssey MultEQ XT-32. Welches System hier besser arbeitet, wagen wir hier nicht zu sagen. Da müsste man unter verschiedenen realistischen Bedingungen einen direkten Vergleich durchführen. 

Heos-App (Screenshot vom Test des DRA-800)

Den AVR20 kann man ebenfalls über ein Web-Interface steuern (Bild zeigt qobuz)

Multimedial holt Arcam massiv auf. Der Denon aber setzt immer noch Maßstäbe. An Bord des AVR20 befinden sich auch Google Chromecast, WLAN, Bluetooth und Apple AirPlay 2. Zur Verfügung für den AV-Receiver steht die Arcam "Music Live" App. Hinzu kommt ein Tuner für DAB/DAB+ und FM. Da der Denon ein AV-Verstärker ist, bleibt nur der Griff zur integrierten Internet Radio Plattform. Digitale oder analoge Tuner sind nicht integriert. Dafür aber ein HEOS-Modul, AirPlay 2, Bluetooth und Dualband-WLAN. Die drei letzten Merkmale zeichnen auch den AVR20 aus, der mit besonders großen Antennen (3 an der Zahl) für bestmögliche Empfangseigenschaften auch unter schwierigen Bedingungen gewappnet ist. Der Denon ist kompatibel zu Amazon Alexa, Apple Siri und Google Assistant. 

Wie sieht es mit der Anschlussbestückung aus?

Rückseite des AVR20. 7 x HDMI-In, 3 x HDMI-Out, HDCP 2.2

Rückseite des AVC-X8500. 7 x HDMI-In (zusätzlich vorne 1 x HDMI-In), 3 x HDMI-Out, HDCP 2.2

HDMI 2.0b-Terminals des AVR20 sind mit HDCP 2.2 ausgestattet und unterstützen Dolby Vision und HDR10, ebenso ist eARC im Ausstattungsumfang. All diese Unterstützung offeriert der AVC-X8500 selbstverständlich auch. 

Klangliche Eindrücke und Fazit

AVR20

AVC-X8500H

Es wäre müssig, zu behaupten, dass wir 1:1 Klangeindrücke gegeneinander positionieren können. Daher wollen wir es mit einem Versuch lösen, Zweck und Auslegung der beiden hochwertigen Devices miteinander zu vergleichen. Der Denon AVC-X8500H richtet sich in aller Deutlichkeit an den Heimkino-Freak, der für unter 4.000 EUR eine hervorragende Lösung für ein großes Lautsprecher-Setup sucht. Es wird rein gar nichts vermisst beim Denon, die Endstufen liefern auch beim Filmabend genug Leistung, Räumlichkeit, Grob- und Feindynamik sowie die Stimmwiedergabe sind auf hohem Niveau. Fürs investierte Geld, das wird schnell klar, gibt es hier nichts zu meckern. Der AVR20 grätscht trotzdem gekonnt in die Lücke für ambitionierte Musikliebhaber und passionierte Leistungsfanatiker. Im, Stereobetrieb detailliert er feiner und modelliert eine präzisere Bühne heraus. Das ist nicht unbedingt unwichtig, denn wer mehr als 3.500 EUR ausgibt, möchte nicht nur einen erstklassigen Mehrkanal-Receiver/Verstärker, sondern auch ein Gerät, das bei der klassischen Zweikanal-Wiedergabe überzeugt. Nicht, dass das nun falsch aufgefasst wird: Der 8500H bietet auch einen runden, lebendigen Sound in Stereo. Aber dieses über alle Maßen Geschliffene, Feine und Kultivierte des AVR20 kann er nicht im selben Umfang bieten. Das setzt sich bei der Mehrkanal-Musikwiedergabe fort. Ungemein spritzig und zugleich enorm homogen, mit Sinn fürs Detail, aber großartigen Leistungsreserven unter nahezu allen Bedingungen: Das ist das Wesen des AVR20. Für Fans aktueller Blockbuster, die mit Wucht und Effektgewalt auf einem großen Lautsprechersetup exzellent zur Geltung kommen sollen, ist der AVC-X8500H die erste Wahl. Er bietet insgesamt eine überwältigende Ausstattung, mit noch mehr Anschlüssen, mit der Kompatibilität zur allen drei Sprachassistenten und mit dem bewährten Einrichtungsassistenten. Der AVR20 nimmt hier die Rolle des progressiven Herausforderers an, kontert mit dem moderneren Dirac Live Einmesssystem und einem enorm attraktiven Design mit hohem Wiedererkennungswert. Multimedial ist er im Übrigen prima bestückt, dank Google Chromecast und Apple AirPlay 2 befindet er sich voll auf der Höhe. 

Special: Carsten Rampacher
Datum: 06. Januar 2020

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