TEST: Yamaha NS-SW1000 – Leistungsmonster mit Feingefühl?

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Yamaha hat mit dem NS-SW1000 einen neuen Subwoofer vorgestellt, der in die Fußstapfen des YST-SW1500 treten soll. Nach mittlerweile über zehn Jahren kann man sich auch keinesfalls mehr über eine zu kurze Lebensspanne des Produktes beschweren. „Lautsprecher halten ewig“ und „Physik kann man nicht überlisten“ tönt es häufig aus dem Lager der alteingesessenen HiFi-Hörer. Bis zu einem gewissen Grad sind diese Aussagen sicher richtig, dennoch hat sich in der letzten Dekade enorm viel im Bereich Chassis-und Gehäuse-Entwicklung getan, so dass eine Überarbeitung definitiv Sinn ergibt. Zumal in einem Subwoofer darüber hinaus ja auch enorm viel Elektronik steckt. Außerdem finden wir, dass Yamaha sich sowieso nicht rechtfertigen muss, wenn ein neuer High-End Subwoofer auf der Matte steht.

Dennoch wollten wir den Vorgänger erwähnen, da sich der japanische Traditionshersteller beim NS-SW1000 ähnlich hohe Ziele gesteckt hat: Allem voran soll satte Leistung geliefert werden, 1.000 Watt werden bereit gestellt. Beinahe noch wichtiger scheint aber die Maxime, nicht nur bei der Wiedergabe von Filmton, sondern auch bei qualitativ hochwertiger Musikreproduktion eine kompromisslos exzellente Performance zu bieten. Dazu gehört neben der hohen Leistungsfähigkeit eine hohe Präzision und extremer Tiefgang. Mit einem 30cm Chassis, dem resonanzarmen Gehäuse mit Drei-Wege-Gehrungsverbindungen und der hohen Leistung scheint der Yamaha Subwoofer die essentiellen Voraussetzungen dafür mitzubringen.

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Seitliche Ansicht mit Bassreflexöffnung

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Twisted Flare Port

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Ansicht seitlich und Rückseite

Einen großen Beitrag dazu soll die A-YST II Technologie (Yamaha Active Servo Technology II) leisten. Durch eine dynamische Optimierung der elektronischen Impedanz des Lautsprechers durch spezielle Schaltkreise kann eine höchst präzise Ansteuerung und Linearität erfolgen. Maximale Kontrolle, höhere Stabilität und eine dadurch enorme Präzisionssteigerung sind die Folge.

Der Subwoofer wirkt sehr sauber verarbeitet. Materialübergänge sind nahtlos und die Folierung ist auch an den Kanten tadellos aufgebracht. Hier ist zu erwähnen, dass der NS-SW1000 auch in Piano Schwarz und Piano Weiß erhältlich ist. Wir können die Lackierung natürlich an unserem Testmodell nicht beurteilen, allerdings hat der Hersteller in diesem Bereich in den letzten Jahren stets mit hervorragender Qualität und sauberer, vielschichtiger Lackierung überzeugt. Auch beim Aktiv-Subwoofer kommt laut Yamaha die identische Beschichtung wie auf den großen Flügeln zum Einsatz. Interessant ist, dass für die Pianolack-Variante kein Aufpreis fällig wird, denn die Folierung ist zwar solide, bleibt aber eben eine Folierung und wird dem Preis von 1.599 EUR nicht unbedingt gerecht. Hier wäre ein schicker Schleiflack die schönere Option gewesen.

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Frontpanel in geschliffenem Aluminium

Das Gehäuse selbst kommt bereits auf knapp 20 kg und besteht aus MDF-Platten mit 36mm (Schallwand) und 25mm Stärke. Die Ecken sind mit einem speziellen Gehrungsverfahren miteinander verbunden und bieten ebenfalls erweiterte Stabilität. Oberhalb des Front-Firing-Woofers ist eine geschliffene Aluminiumplatte im Hairline-Finish integriert, auf der auch ein Lautstärkeregler als einziges Bedienelement sowie der Power-Button sitzt. Der Regler ist ebenfalls aus Metall, wirkt solide und bietet einen sauberen Lauf. An der Front links und rechts seitlich sind Zierleisten aus Kunststoff angebracht. Auf der rechten Gehäuseseite ist die Bassreflexöffnung integriert, die nicht ganz plan aufliegt. Der „Twisted Flare Port“ weist eine spezifische, geschwungene Form auf und soll so Strömungsgeräusche weitgehend eliminieren. Großzügig dimensionierte Standfüße sorgen für ausreichende Bodenentkopplung.

Hinter dem Stoffgitter sitzt ein 30cm Chassis mit Ferrit-Doppelmagnet in einem stabilen Aluminium-Gusskorb. Der Woofer ist ist aus einer Papiermembran mit eingearbeiteten Kevlar-Fasern gefertigt, der Lautsprecher wurde speziell für den NS-SW1000 entwickelt.

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Lautstärkeregler und Power-Button

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Rückseite

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Anschlüsse

Die Anschlüsse an der Rückseite sind sehr gut eingepasst und integriert. Dazu gehört der konventionelle LFE-Eingang sowie zwei Cinch Input-Buchsen. Außerdem bietet der NS-SW1000 Lautsprecherschraubanschlüsse für eine Weiterleitung der Input1-Signale an passive Lautsprecher. Natürlich gibt es einen Phase-Schalter sowie einen High Cut-Regler, um die obere Grenzfrequenz festzulegen. Mit dem B.A.S.S. – Schalter kann man zwischen den Modi „Movie“ und „Music“ wechseln, um das beste Ergebnis je nach Verwendungsart zu realisieren. Außerdem verfügt der Subwoofer über eine Auto Standby-Funktion in zwei Stufen. Registriert das Gerät über einen Zeitraum von 8 Minuten kein Signal, schaltet es sich automatisch ab. Ein System-Connector steht ebenfalls zur Verfügung. Über das mitgelieferte Klinkenkabel kann man den Sub mit Yamaha-Komponenten verbinden und ein gleichzeitiges Ein-/Ausschalten ermöglichen.

Im Inneren präsentiert sich der Subwoofer aufgeräumt und will mit selektierten Komponenten überzeugen. Das umfasst eine digitale Endstufe mit 1.000 Watt Leistung, der sowohl mit einem neuen Yamaha IC als auch einem Hochspannungs-MOS-FET-Transistor ausgestattet ist. Für die Stromzufuhr ist ein 10.2 kg schwerer Trafo zuständig, der mit zwei großen 160 V 4.700 µF Elektrolyt-Kondensatoren Spannungsspitzen abfängt.

Klang

Drückt der Yamaha Basseffekte mit äußerstem Nachdruck in den Hörraum? Das wollten wir ab Filmbeginn bei „Stirb Langsam 4.0“ (dts-HD Master Audio, englisch) nachprüfen. Außer dem Beginn (bis zur Explosion des Hauses des Hackers) haben wir uns noch das 5. Kapitel angehört, in dem die Wohnung von Matthew Farrell von Gabriels Killern unter massiven Beschuss genommen wird. 

Wie profiliert sich der Yamaha? Bei den ersten Bassschlägen lässt er schon seine Talente aufblitzen, und zwar vehement. Er schafft einen sehr guten Tiefgang und kombiniert diesen mit ausgezeichnetem Volumen. Hohe Pegel können ihm praktisch nichts anhaben, er lässt seine Muskeln auch in heimkinotauglicher Lautstärke spielen. Gerade bei diesem Action-Spektakel, das immer Bewegung im Bassbereich bietet, setzt sich der NS-SW1000 sauber in Szene. Was er an Bass-Dynamik offerieren kann, zeigt er bei der sehr gut strukturierten und überdies nachdrücklichen Explosion des Hauses. 

Im 5. Kapitel dann ertönten die Salven aus den Automatikwaffen der Killer enorm druckvoll. Alle Arten von Basseffekten werden sehr gut herausarbeitet, auch der Bass innerhalb des Music Scores. Subtile, tiefe Bassanteile nimmt der NS-SW1000 direkt auf. Große „Kracher“ wie die Explosion des Feuerlöschers im Treppenhaus beweisen: Die Endstufe des NS-SW1000 hält spontan enorme Kraftreserven bereit. Parallel stattfindende Ereignisse im tieffrequenten Übertragungsbereich stellen den Yamaha-Woofer vor keinerlei Hürden. Gelassen arbeitet er alle Bass-Effekte akkurat heraus. 

Richtig „Action“ im Bassbereich ist auch bei „Batman – The Dark Knight“ (Tonspur englisch, Dolby True HD) angesagt. Der erste, sehr  kraftvolle und tiefe Bassschlag wird bereits sauber vom Yamaha übertragen, das Heraussprengen der Fensterscheibe hat Wucht und wird dynamisch präsentiert. Bei dieser Dolby True HD Tonspur schafft es der Yamaha sehr gut, durch seine massive, aber gleichzeitig präzise Arbeitsweise das Verbreiten von echtem Heimkino-Flair sicherzustellen. Hohe Pegel auch in Verbindung mit sehr anspruchsvollen Komponenten wie der Onkyo Vor-/Endstufenkombination PR-RZ5100/PA-MC5500 sind problemlos möglich. Die Schüsse des aufgebrachten Filialleiters, die er aus seiner Pumpgun abschießt, donnern mit Vehemenz durch den Hörraum. Immer ist auch die Bassgewalt des Music Scores im Bassbereich wahrzunehmen. Mit einem großen Effekt geht die Sequenz zu Ende: Der Schulbus zum Einladen der Beute kracht ins Bankgebäude, auch hier wieder eine Demostration der tieffrequenten Macht des NS-SW1000. 

Schlägt der NS-SW1000 auch bei Musik richtig zu? Das checken wir anhand der Tiesto-Doppel-BD „Elements Of Life – Copenhagen“. Wir verwenden die zweite Blu-ray und starten mit dem Track Nummer 3 „Back In Your Head“. Die dts-HD Master Audio-Tonspur fordert den starken Yamaha-Bassisten enorm heraus – er schiebt massiv an und generiert eine enorme Räumlichkeit. Der Support im Kickbassbereich gelingt exzellent, mit passendem Timing tritt der Yamaha Subwoofer in Erscheinung und sorgt so für eine entsprechende Atmosphäre beim Live-Konzert. Beim 11. Track „He’s A Pirate“ legt sich der NS-SW1000 einmal mehr richtig „ins Zeug“. Er offeriert ein großzügiges Fundament, das alle Strukturen im Bassbereich sehr gut berücksichtigt. Er ist demnach auch für schnelle, teilweise kurze Bassimpulse ausgezeichnet geeignet. 

Und wenn es etwas ruhiger zugeht, so wie bei „Tequila Sunrise“ von den Eeagles (dts-HD Master Audio) ? Auch hier enttäuscht uns der Yamaha nicht. Der NS-SW1000 ist richtiggehend musikalisch abgestimmt, das kannte man von bisherigen Yamaha Aktivsubwoofern nicht in diesem Maße. Der NS-SW1000 kann auch anspruchsvolle Musikliebhaber durch seine überlege, souveräne Art glücklich machen. Er integriert sich tadellos in die Front-Klangkulisse und erfreut durch das solide und exakt aufgebaute Fundament. Diesen Weg setzt der NS-SW1000 bei „Desperado“ gelungen fort. Er gliedert sich harmonisch ein, und stellt jederzeit, wenn er gefragt ist, impulstreu seine Kraft zur Verfügung. Es dauert bei diesem Song einige Zeit, bis die Dienste des Yamaha gefragt sind – dann aber ist er umgehend zur Stelle. Ein aktiver Subwoofer hat es schwer bei diesem Stück – entweder man merkt ihn kaum, oder aber er stört durch tiefrequentes Wabern, das der Musikfreund keinesfalls möchte. Aber der NS-SW1000 macht hier alles richtig und beweist eindrucksvoll, dass er auch für Musikfreunde eine sehr gute Wahl ist. 

Konkurrenzvergleich
  • Klipsch R-115SW: Ehemals 1.000 EUR kostend, gibt es den bärenstarken Klipsch für rund 570 EUR Street-Price. Wenig Geld für viel Bass, und für den Betrag eigentlich fast konkurrenzlos. Aber – anspruchsvolle Musikliebhaber, die entsprechend liquide sind, machen beim Hightech-Yamaha, der zudem äußerst anspruchsvoll verarbeitet ist, einen noch besseren Griff. Der enorme Mehrpreis ist gut angelegt, denn differenziert und mit noch ausgeprägterem Tiefgang ist dem NS-SW1000 kaum eine Aufgabe zu schwierig. 
  • Elac SUB2070: Der Yamaha kostet 1.499 EUR, der Elac SUB2070 kommt auf 1.490 EUR – also preislich gesehen herrscht schon mal Gleichstand. Im detail unterscheiden sich die beiden Kraftpakete aber. Sie eignen sich beide tadellos für Musik und Filmton, das eint die Bassisten – während aber der Elac feinere Strukturen noch besser herausarbeitet und so auch bei klassischer Musik z.B. noch differenzierter agiert, bringt der NS-SW1000 den nochmals etwas ausgeprägteren Tiefgang mit  Trumpfkafte des Elac ist noch seine clevere App-Einmessung, der Yamaha gleicht hier mit seiner noch höheren Pegelfestigkeit aus. 
Fazit

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Yamaha NS-SW1000

Yamaha schlägt mit dem NS-SW1000 voll zu: Ein aufwändig konstruierter, sauber verarbeiteter und extrem leistungsfähiger aktiver Subwoofer ist hier entstanden. Der Preis von knapp 1.500 EUR ist auch kein Sonderangebot, die Performance ist aber exzellent. Enormer Tiefgang, hohe Präzision und extreme Wucht bei großen Effekten – das alles zeichnet den NS-SW1000 aus. Ebenso ist er auch bei bei subtilen, kleinen Bass-Effekten zur Stelle. Aufgrund dieser flexiblen Auslegung eignet er sich gleichermaßen für Filmton und für Musik.

Technisch aufwändiger, moderner aktiver Subwoofer mit erstklassigen Leistungsreserven
preisklassenreferenz
Aktive Subwoofer bis 2.000 EUR
Test 21. März 2017

Test: Philipp Kind, Carsten Rampacher
Fotos: Sven Wunderlich
Datum: 21. März 2017




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