TEST: Valeria Audio Stonetower – Akustische Top-Qualität in Stein gemeißelt?

Valeria Audio Gruppenbild2

„Stonetower“, der Turm aus Stein – benannt nach seiner hoch gewachsenen und schlanken Form. Schief ist er erfreulicherweise nicht, er kommt auch nicht aus Pisa sondern aus heimischen Landen, aus Nordrhein-Westfalen. Valeria Audio präsentiert uns erneut einen Schallwandler, der aus dem extrem vibrations- und resonanzarmem Material gefertigt ist. Wir haben uns für die Variante aus Quartz-Composit-Stein entschieden. Dieses Modell setzt geneigte Käufer um 2.400 EUR zurück. Je nach Art des Steins ist die Box auch günstiger und in verschiedenen Farben zu haben. Wir haben uns das 2-Wege-System mit Bändchen-Hochtöner genauer angesehen.

Valeria Audio Front Seitlich1

Der Stonetower

Valeria Audio Verarbeitung1

Sauber geschliffene Kanten

Valeria Audio Verarbeitung2

Tadellose Oberflächenqualität

Valeria Audio Hochtoener2

Bändchen-Hochtöner im Stonetower

Valeria Audio Tiefmitteltoener

Sauber integrierter Tiefmitteltöner

Valeria Audio Rueckseite Seitlich1

Rückseite mit Lautsprecher-Terminals und Bassreflexöffnungen

Valeria Audio Bassreflexoeffnungen

Bassreflexöffnungen

Valeria Audio Anschluesse Rueckseite

Solide Lautsprecher-Terminals

„Made in Germany“ – dieser Leitsatz wird im Nordrhein-Westfälischen Bergheim noch groß geschrieben. Die Spezialisten von Valeria Audio entwickeln und fertigen noch von Hand, in Deutschland. Kein Wunder, dass die neuen Stonetower-Lautsprecher auf uns einen tadellosen Eindruck machen. Die Oberflächenqualität des Towers ist rundherum auf höchstem Niveau und auch die Chassis des Hoch- und Tiefmitteltöners sitzen perfekt im Gehäuse. Die Kanten sind großzügig bemessen und exakt geschliffen und verleihen dem Stonetower zusätzlich einen eleganten Auftritt. Einzig die Bassreflexöffnungen auf der Rückseite sind lediglich in den Stein gesägte Löcher – die Rückseite wirkt sonst insgesamt eher schlicht und luxuriös anmutend, im unteren Bereich sind die soliden Lautsprecher-Terminals, die auch für größere Querschnitte und Bananenstecker geeignet sind, sauber montiert.

Wer unseren Testbericht zur RIA VG 2.1 von Valeria Audio damals nicht gelesen hat, fragt sich vielleicht: Wieso Lautsprechergehäuse aus Stein? Die Antwort ist simpler, als man vielleicht vermuten mag. Vibrationen und Resonanzen verfälschen das Klangbild – Stein weist eine extrem geringe Neigung zu diesen beiden ungewünschten Faktoren auf. MDF, Aluminium und natürlich auch Kunststoff müssen sich in dieser Disziplin dem Material Stein geschlagen geben. Ein höchst präzises Klangbild, unbeeindruckt von Pegel und Komplexität, ist die Folge – wir hoffen, genau dies gleich in den Klang-Testreihen nachvollziehen zu können.

Valeria Audio Gruppenbild2

Jetzt geht es ans Eingemachte – Wie schlägt sich der Stonetower im Klang-Check?

Wir beginnen unsere Prüfung der akustischen Performance mit seriöser, klassischer Musik. Als Quelle dient uns hier die exzellente 2L – The Nordic Sound Aufnahme auf SACD, zunächst das Klavierkonzert in D-Dur von Mozart, gespielt von Marianne Thorsen und den Trondheim Solistene. Noch vor der präzisen Abbildung des akustischen Geschehens fällt dem versierten Zuhörer die prägnante Klarheit der Klangkulisse auf. Trotz des Bändchens agiert der Stonetower im Hochtonbereich keinesfalls zurückhaltend sondern bringt die hohen Frequenzen kompromisslos an den Mann. Dies geht mit exzellentem Detailreichtum einher. Häufig ist eine solche Beschaffenheit mit einem etwas forschem und beinahe scharfem Klang gepaart, der besonders bei längeren Hör-Sessions zu anstrengendem Hören führt. Das ist erfreulicherweise beim Stonetower gar nicht der Fall. Die Violine behält sogar ihren seidigen Klang und bleibt, wie die übrigen Elemente in den höheren Bereichen, angenehm. Selbst bei hohem Pegel haben wir hier nichts zu beanstanden – hier wird Transparenz und Klarheit gekonnt mit den Vorzügen des Bändchen-Hochtöners kombiniert. Eine gleichsam sehr auffällige Eigenschaft der Valeria Audio Schallwandler ist die breite Bühne und stark ausgeprägte Räumlichkeit. Zusammen mit der exzellenten Loslösung des Klanggeschehens von den Steintürmen fühlt man sich bei Mozarts Klavierkonzert in die erste Reihe versetzt. Die Staffelung der Instrumente ist tadellos, eine klare Ortung problemlos möglich. Ihre feine Detaillierung beweisen die Lautsprecher noch einmal gegen Ende des Liedes, mit überragenden Dynamik-Eigenschaften werden hier feinste Charakteristika ausgearbeitet. Man erkennt genau, auf welche Art und Weise die Violine hier angespielt wird. Schaltet sich dann bei neun Minuten wieder das Orchester dazu, ist die Differenzierung der einzelnen Instrumente ebenfalls hervorragend und begeistert durch präzise Abgrenzung.

Die Stonetower gefallen uns hier so gut, dass wir unser Quellgerät gar nicht verstummen lassen möchten. Weiter geht es mit einer Sonate für zwei Pianos, ebenfalls in D-Dur und vorgetragen von „Dena Piano Duo“. Hier zeigen die Stonetower-Schallwandler auf, dass sie selbst das nicht gerade einfache Tasteninstrument exzellent zum Ausdruck bringen. Nicht nur wird das warme Timbre sehr gut herausgearbeitet, auch das Volumen und die dichte Atmosphäre der Flügelinstrumente kommt mit der entsprechenden Kraft beim Zuhörer an. „Untenrum“, und das werden wir vermutlich bei anderen Genres noch genauer feststellen, präsentieren sich die Schallwandler zunächst aber eher dezent. Zwar kraftvoll und bei entsprechendem Pegel auch mit solider Luftbewegungen – spielen aber lieber zu wenig, als zu viel auf. Wer es gerne etwas dick aufgetragen mag, wird hier nicht fündig, dafür aber Liebhaber eines sehr trockenen und präzisen Basses. Mit dem vergleichsweise geringen Membrandurchmesser agiert der Tiefmitteltöner extrem schnell und exakt, bewegt aber besonders bei nicht allzu hohem Pegel nicht soviel Luft. Dass die Stonetower trotzdem tief herunterspielen können, beweisen sie bei dem etwas experimentell anmutenden Exzerpt „Colorazione“ von Nordheim. Wir wollen uns aber lieber wieder melodischeren Musik-Genres widmen.

Wir wechseln auf die Zuspielung via Blu-ray: Live aus Melbourne präsentieren uns die, wieder zueinander gefundenen, Eagles ihre Farewell Tour und direkt den ersten Track der Scheibe – „The Long Run“. Voluminös und erneut mit exzellenter Räumlichkeit werden uns die Klänge demonstriert. Besonders das Schlagwerk begeistert – zwar hat Don Henley, besonders in den ersten Minuten, noch nicht allzu viel zu tun, dennoch kommt trotz der komplexen Kulisse das Schlagwerk sauber zur Geltung und begeistert durch Präzision und perfekte Integration. Besonders hervor sticht auch die Stimmcharakteristik, die von den Stonetowers perfekt und zentral in die Bühne integriert ist. Bei Tequila Sunrise arbeiten die Schallwandler aus Bergheim feinste Details, sei es beim Gitarrenspiel oder dem Schlagzeug, heraus. Das Lied ist eher von der gemütlicheren Sorte und wirkt nicht extrem komplex. Mit einer hochwertigen Anlage und den Valeria Audio Lautsprechern lassen sich die dennoch vielzähligen Elemente exakt herausdröseln – so werden bestimmte Elemente eines populären und vielleicht bereits geschätzten Liedes, neu erkannt. Die Transparenz der Stonetower ist wirklich beeindruckend, trotzdem wird eine glaubhafte und substantielle Bühne geschaffen. Wir schließen – wer hätte es anders erwartet – mit dem populärsten aller Eagles-Stücke: „Hotel California“. Ja, auch nach unzähligem Hören macht es, natürlich abhängig vom verwendeten Schallwandler, immer wieder Spaß, den Klängen zu folgen. Das Intro übernimmt auf der Blu-ray eine Trompete, die von den Stonetowers sehr gut beschrieben wird und absolut problemlos als Blechbläser identifiziert wird. Auch die Stahlsaiten nach dem aufbrausenden Applaus werden präzise und detailliert an den Zuhörer getragen. Das einsetzende Schlagzeug kennen wir hier etwas kräftiger und voluminöser, wenn die Darbietung immer noch ausgezeichnet harmoniert. Überragend wieder die räumliche Präsentation und die charakteristische Stimmwiedergabe. Auch die weite Bühne und die exakte Staffelung und Platzierung der Instrumente sind unumstößliche Stärken der Stonetower, unabhängig der Komplexität der akustischen Kulisse.

Mit der Aufnahme des Live-Konzerts in Kopenhagen der „Elements of Life“ World-Tour hören wir uns die Performance bei flotter elektronischer Musik genauer an. Wir starten mit der zweiten Disc und dem Track „Traffic“, gefolgt von „Back in your Head“ mit Vokaleinlagen von Tegan & Sara. Zugegeben, bei geringem Pegel fehlt uns etwas der Punch. Bei etwas höherem (noch nicht ausartend) kommt der Kickbass aber gut bei uns ein, wenn auch die Magengrube weitgehend verschont bleibt. Wie bereits erwähnt spielt der Stonetower sehr präzise, exakt und mit sehr hoher Geschwindigkeit auf und trägt nie zu dick auf. Freunde der elektronischen Musik mögen es hier vielleicht etwas runder und dicker, damit die Tanzfreude auf höchstem Level zufriedengestellt wird. Die einzelnen Synthesizer-Elemente profitieren dafür hervorragend von der Transparenz und Durchhörbarkeit der akustischen Kulisse. Perfekt im Raum platziert und sehr gut ausdetailliert werden alle Feinheiten ausgearbeitet. Bei „Back in your Head“ kommt das im tiefen Untergrund liegende Pulsieren gut heraus. Hier kennen wir von noch größer gewachseneren Lautsprechern und Tieftönern mit großem Durchmesser zwar eine etwas massivere Darbietung, dennoch müssen sich die Steintürme keinesfalls verstecken sondern präsentieren ein kräftiges Fundament. Die nicht unbedingt zentral stehenden sondern breit ausgelegten Vocals klingen durch die überragende Räumlichkeit außergewöhnlich gut. Das Klanggeschehen ist etwas komplexer als beim vorherigen Lied. Dank der überragenden Transparenz und Durchhörbarkeit hat das für das subjektive Feeling nur Vorteile. Denn keines der Elemente geht verloren sondern wird präzise im Raum platziert und so wird für eine sehr dichte Atmosphäre und Präsentation gesorgt. Überfordern kann man die Stonetower nur schwer. Sie gefallen uns zwar im klassischen und „rockigen“ Bereich am besten, liefern aber auch im elektronischen Genre ein ausgezeichnetes Ergebnis.

Fazit

Valeria Audio Gruppenbild3

In exzellenter Verarbeitungsqualität präsentieren sich die stattlichen, in Deutschland von Hand gefertigten, „Stonetower“ aus der Lautsprecherschmiede Valeria Audio aus dem nordrhein-westfälischen Bergheim. Der Name ist Programm: die Schallwandler sind zweifellos keine Kompaktlautsprecher, wirken aber dank ihrer schlanken Bauform nicht so massiv und lassen sich somit auch sensibleren Gemütern schmackhaft machen. Wir haben uns für einen Quartz-Composit-Stein entschieden, das Modell kann aber nach Absprache mit dem Hersteller problemos individualisiert werden. Akustisch haben die Stein-Experten wieder einen Treffer gelandet! Besonders bei klassischer und Rock-Musik haben die Stonetower im Testbetrieb mit Präzision, überragender Bühnenstaffelung und Instrumentaldifferenzierung geglänzt. In anderen Genres spielen die Schallwandler ihre Vorzüge ebenfalls kompromisslos aus, auch wenn Freunde der elektronischen Musik es vielleicht gerne in den unteren Frequenzbereichen etwas voller hätten. Wer auf einen trockenen und höchst präzisen Bass steht, der wird in den „Stonetowers“ in Kombination mit der überdurchschnittlichen Transparenz einen Traumpartner finden. Etwas vorsichtig muss man mit der Quellen-Auswahl und der Aufstellung der Schallwandler sein. Die Stonetower bevorzugen definitiv einen nicht übermäßig hellhörigen Raum und entfalten bei hochwertigem Ausgangsmaterial ihr volles Potential.

Wer sich von den neuen Valeria Audio „Stonetower“ Lautsprechern selbst ein Bild machen möchte, dem bietet sich am 11. Oktober beste Gelegenheit. Zwischen 14 und 18 Uhr öffnet der Showroom in der Robert-Bosch-Str. 3 in Bedburg seine Pforten und Valeria Audio empfängt interessierte Zuhörer – um eine kurze Voranmeldung wird gebeten.

Akustische Höchstleistungen „Made in Germany“ – Valeria Audio Stonetower
ueberragend
Test: 22.09.2014

+ Exzellente Oberflächenqualität
+ Ausgezeichnete Verarbeitung
+ Schlanke Bauform
+ In verschiedenen Ausführungen erhältlich (Quartz-Composit, Naturstein, etc.)
+ Extrem präzise und schnell
+ Stark ausgeprägte Räumlichkeit

– Etwas Vorsicht bei Aufstellung und Quellmaterial geboten

 

Test: Philipp Kind
Fotos: Sven Wunderlich
Datum: 22.09.2014




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