TEST: Sony Xperia XZ2 Premium - Mit Anlauf zur Klassenspitze?

Die Japaner greifen wieder mit einem Spitzen-Smartphone nach der Krone – bei einem UVP von 899 Euro muss das Xperia XZ2 Premium allerdings auch liefern. Bis vor ein paar Jahren wäre ein derart hoher Preis noch undenkbar gewesen, doch seit dem Apple iPhone X ist dies normale Geschäftspolitik in der Premium-Klasse, denn Referenz-Modelle durchbrechen mittlerweile mühelos die 1.000 Euro-Grenze und verkaufen sich dennoch ausgezeichnet. Bislang gelang es Sony jedoch noch nicht, die Großen am Markt in diesem Bereich zu übertrumpfen.

Rückseite

Das Sony Xperia XZ2 Premium fällt definitiv auf, was aber nicht nur positiv zu bewerten ist – doch dazu später mehr. Das 3D-Glasgehäuse mit Metallrahmen wirkt zunächst einmal wuchtig, durch die Wölbung auch nicht sonderlich schlank (Bautiefe 1,2 cm) und dank der graublauen Metallic-Farbe optisch auffällig. Das Gehäuse mutet durch die komplette Verglasung allerdings sehr hochwertig und robust an. Der große Haken dabei: Der Japaner ist mit rund 235 Gramm fast schon ein Schwergewicht und durch die gewölbte und rutschige Seite ist die Haptik nicht optimal. Das liegt auch daran, dass die Macher mit der Frontseite nicht sehr sparsam umgegangen sind, denn insbesondere ober- und unterhalb des Displays gibt es große Aussparungen – Sony ist somit weiterhin noch weit von einem angesagten Fullfront-Display entfernt. Dafür liegt aber ein lupenreiner Staub- und Wasserschutz nach der IP68 Zertifizierung vor und das Display ist durch Gorilla Glas 5 exzellent vor Kratzern geschützt – damit tun sich einige andere Spitzen-Smartphone nach wie vor schwer.

Der Touchscreen selbst ist mit 5,8 Zoll im konservativen 16:9-Format daher auch nicht überdurchschnittlich groß. Zwar wird „nur“ die günstigere LC-IPS-Technologie verbaut, doch dafür weist der Screen eine beeindruckende Auflösung von 2.160 x 3.840 Pixel auf, was einer Pixeldichte von 760 ppi entspricht – mehr Schärfe bietet aktuell kein anderes Smartphone. Die Kehrseite der Medaille: Die maximale Helligkeit könnte höher sein, was bei der LCD-Technologie und vor allem bei dieser Preisklasse fast schon verwunderlich ist. Außerdem ist der Farbkontrast lange nicht so beeindruckend wie bei OLED-Modellen. Unter dem Strich somit ein gutes, aber nicht optimales Ergebnis.

Seitenansicht

Na endlich! Erstmals stattet Sony ein Smartphone mit einer Dual-Kamera aus. Das Tandem besteht aus einem 19-Megapixel-RGB-Sensor und einem sehr lichtempfindlichen S/W-Sensor mit 12 Megapixel. Somit stehen dem Nutzer auch Bokeh-Effekte zur Verfügung. Die Besonderheit: Die Kamera ist mit einem eigenen Speicher ausgestattet, sodass sich Monochrom-Bilder separat archivieren lassen. Diese vielseitig aufgestellte Kameratechnik erlaubt sowohl sehr schöne Portraits mit einstellbarer Hintergrundschärfe, als auch eine hohe Schnappschuss-Qualität bei Schwachlicht. Der Auftritt bei Tageslicht ist zudem gut: Sehr detailliert, natürliche Farbabbildung und eine hohe Schärfe bis zum Bildschirmrand.

Dual-Kamera und Fingerprintscanner

Neben den obligaten Optionen wie Zeitlupe & -raffer oder Panorama-Modus, lädt der manuelle Modus zu Spielereien ein. Mit ein wenig Übung kitzelt man in dunklen Räumen noch eine beeindruckende Helligkeit aus den Fotos. Auch die Frontkamera mit 13 Megapixel überzeugt, denn selbst bei schwachem Licht lassen sich Fotos in einer ausgesprochen guten Qualität einfangen.  Der ausgezeichnete 4K-Camcorder runden die hochwertige Vorstellung optimal ab.

Sehr stark ist der Japaner auch bei den Datenschnittstellen aufgestellt, denn es gibt überall das schnellste Tempo: LTE CAT18 mit bis zu 1.200 MBit pro Sekunde, Bluetooth 5.0, NFC sowie das aktuelle WLAN-ac-Protokoll – mehr geht aktuell nicht.

64 GB (48 GB frei nutzbar) interner Speicherplatz ist zudem angemessen für so ein großes Leistungspaket, aber nicht gerade luxuriös. Wer per microSD erweitern möchte, hat keinen Zugriff mehr auf die Dual-SIM-Funktionalität, das hätte man besser lösen können. Gut dafür: Es gibt zwar keinen 3,5mm-Klinkestecker für den Kopfhörer, doch dafür liegt ein USB-C-Adapter bei.

Android 8.0 ist installiert

Das brandneue Android 9 Pie wäre in dieser Preisklasse als Betriebsklasse sicherlich angemessen gewesen, doch dafür ist es einfach noch zu früh zu, wobei aber ein Update bereits für November angekündigt wurde. Nutzer dürfen sich daher auf schöne Funktionen wie eine verbesserte KI freuen. Davon abgesehen wurde Android 8.0 gut in das User Interface von Sony eingebettet. Die hauseigene Nutzeroberfläche ist wie immer recht bunt gehalten und bietet einige Extras. Schade nur, dass sich viele Zusatz-Apps nicht deinstallieren lassen.

Das Sony Xperia XZ2 Premium lässt sich auf gleich drei Wege entsperren: Sprache („Hey Google“), per Fingerprintscanner oder mit einer Gesichtserkennung – der Nutzer hat also die Wahl. Leider haben aber alle drei Wege Ihre Tücken. So ist das rückseitige Fingerprintscanner-Feld suboptimal platziert, da es sehr weit unten liegt, sodass man häufig die Kameralinse erwischt. Die Gesichtserkennung funktioniert gut, allerdings nur bei Tageslicht zuverlässig. Nach der erfolgreichen Erkennung muss der Nutzer zudem mit einem Fingerstrich nach oben die Startseite endgültig freischalten – warum so kompliziert? Wenig überzeugend ist die Spracherkennung, denn sie erfordert eine absolute Stille und eine zusätzliche PIN-Eingabe.

Neben allen Standards, Short Cuts, einem App Drawer sowie einer Google-Startseite gibt es eine zusätzliche clevere Suchfunktion, wenn man mit dem Finger nach unten wischt, denn es lassen sich der Suche auch Wörter einbinden, die miteinbezogen werden sollen. Was auf alle Fälle überzeugt, ist das zügige Arbeitstempo, die klugen Situationsprofile und die vielen Optionen, die dem Nutzer angeboten werden, inklusive Gestensteuerung. Übrigens: Zweimaliges Drücken des An/Aus-Schalters aktiviert sofort die Kamera

Aufgenommen mit dem Sony Xperia XZ2 Premium

Bereits bei der Inbetriebnahme zeigt der Japaner seine hohe Performance. Alle Aktionen werden binnen Bruchteilen von Sekunden umgesetzt und Wartezeiten sind fast ein Fremdwort, auch bei Multitasking. Kein Wunder, denn unter der Haube sorgt der Achtkern-Klassiker Qualcomm Snapdragon 845 mit einer hohen 2,8 GHz Taktfrequenz sowie satten 6 GByte Arbeitsspeicher für viel Leistung, dass stets genügend Reserven vorhanden sind – eine beeindruckende Vorstellung!

Auch die Akkuleistung begeistert, denn während früheren Xperia-Modellen schnell die Puste ausging, reichte die Rufbereitschaft in mehreren Testzyklen stets für fünf volle Tage – da können einige andere Premium-Funker nicht mithalten. Sobald man allerdings in den Dauerbetrieb geht, sind es „nur“ noch rund 9,5 Stunden Dauereinsatz. Das ist in dieser Preisklasse eher unterdurchschnittlich. Da aber USC-C unterstützt wird und ein Schnellladegerät zum Lieferumfang gehört, ist der Akkublock binnen 2,5 Stunden wieder bei 100%.

Bei den auditiven Qualitäten fällt zunächst positiv auf, dass das Xperia XZ2 Premium über zwei dezente Speaker auf der Frontseite verfügt, sodass eine vernünftige Stereobasis geboten wird. Der Klang ist zudem recht ordentlich, zumal es auch bei hoher Lautstärke zu keinen krächzenden Einbrüchen kommt. Das Bassfundament ist allerdings eher dünner Natur und alle vorinstallierten Klingeltöne sind eher langweilig. Dafür sorgt aber eine musiksensible Vibration für ein physisches Feedback beim Musik hören oder Games spielen, Konsolen-Besitzer kennen dieses Feature ja bereits seit Jahren. Obendrein erlaubt der Equalizer ein sehr vielfältiges Sound-Tuning.

Das Telefonieren macht ebenfalls Spaß, da die sprachliche Wiedergabe auf einem überdurchschnittlichen Niveau ist. Stimmen werden in der Regel klar abgebildet und das Klangbild ist recht natürlich.

Fazit

Sony Xperia XZ2 Premium

Um in der Premiumklasse zu bestehen kommt es oftmals auf Details an – insbesondere bei einer stolzen UVP vom 900 Euro. In einigen Bereichen liefert das Sony-Gerät durchaus Referenzniveau, so zum Beispiel bei der Pixeldichte, der Rechenperformance und der Akkuleistung. Es ist daher umso ärgerlicher, dass den Machern unnötige Designfehler unterlaufen sind, denn der Fingerprintscanner ist umständlich erreichbar, der große Displayrahmen nicht mehr zeitgemäß und die Rückseite ist sehr glatt und bietet nur wenig Halt. Insgesamt ein solides Gerät mit leider auch klaren Schwächen.

Premium-Smartphone mit hoher Leistungsfähigkeit und vermeidbaren Schwächen

20.11.2018

Test: Ulf Schneider
Datum: 20.11.2018

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