TEST: Sony Xperia XZ – Neues 5,2″-Flaggschiff ohne nennenswerte Schwäche?

Wieder ein kleiner Neustart mit verändertem Namen: Die Japaner nehmen nochmals das gesamt Knowhow in die Hand, um nach der Smartphone-Krone zu greifen. Erst Z, dann X und nun XZ: So richtig schlau wird man aus dem Namenswirrwarr nicht. Auf Nachfrage beim Konzern werden Marketinggründe für den Wechsel genannt. Nunja, klar ist: Sony muss liefern. Denn trotz Rückendeckung ist die Smartphone-Sparte durch die günstige China-Dominanz gehörig unter Druck geraten. Das neue Flaggschiff kostet stolze 699 Euro UVP.

Wuchtig & wertig, so könnte man die Optik des neuen Sony-Vertreters schnell auf den Punkt bringen. Die Frontseite ist komplett mit Glas überzogen und die Rückseite besteht aus mattem Aluminium. Da das Display fast bis zum Rand geht und die Ecken stark abgerundet sind, kommt eine Prise EDGE-Feeling rüber.

Das Sony sieht auch insgesamt nicht nur robust aus, sondern gefällt auch mit exzellenter Haptik. Dank IP68-Standard ist das Xperia XZ sogar eine halbe Stunde bei einem halben Meter Tiefe garantiert wasserdicht. Einem Strandeinsatz steht somit nichts im Wege, alle Slots sind sauber versiegelt. Gut dabei: Das Einfädeln der NanoSIM- und microSD-Karte funktioniert reibungslos, was nicht immer der Fall ist. Einzig wirklicher optischer Schwachpunkt: Das Gehäuse zieht Schmiersteifen geradezu magisch an. Ein Mikrofasertuch sollte daher immer in der Nähe bleiben

Der Touchscreen misst 5,2 Zoll und löst in 1.920 x 1.080 Pixel auf. Im Einsatz überzeugen die grafischen Qualitäten schnell, denn die Schärfe ist auf höchstem Niveau, die Helligkeit lässt sich stark nach oben schrauben und auch der Kontrast lässt keine Wünsche offen. Dafür, dass es sich hier nicht um ein OLED-Display handelt, eine starke Vorstellung.

Rückseite

Sony bedient sich wieder fleißig im Fundus des Unternehmens und stellt eine beeindruckende 23-Megapixel-Kamera zur Verfügung, die ein paar Firmenpremieren bietet. Dazu gehört ein Laser-Autofokus, der bei kurzen Distanzen für eine schnellere Fokussierung sorgt, ein prädikativer Autofokus, der Bewegungen mitrechnet sowie ein RGB-Farbsensor, der dank eines optimierten Weißabgleichs für eine natürliche Farbwiedergabe sorgen soll. Und das gelingt auch tatsächlich: Schnappschüsse wirken sehr authentisch. Allerdings liefert dieser Knipser nicht das Niveau der Topgeräte wie das iPhone 7 Plus oder Samsung Galaxy 7. Vor allem in den Bereichen Farbsättigung, Schärfe und Schwachlicht-Performance sind diese Smartphones noch besser aufgestellt.

Dafür punktet der 4K-Camcorder durch Aufnahmen im Stereomodus, wobei per Digital Noise Cancelling sogar Nebengeräusche gefiltert werden. Auch eine hervorragende Videostabilisierung ist an Bord.

Aufgenommen mit dem Xperia XZ

Gut für Selfie-Fans: Die Front-Kamera leistet rekordverdächtige 13 Megapixel und bietet abgesehen vom Laser-Autofokus und RGB-Sensor die gleiche Technik wie die Hauptkamera. Schade: Ein Frontlicht hätte diesen Selfie-Spezialisten perfekt veredelt.

Das restliche Ausstattungsprogramm kann getrost als lückenlos bezeichnet werden, wobei von den internen 32 GB Speicherplatz immerhin rund 20 GB zur freien Verfügung stehen.

Coole Sache: Das Sony User Interface auf Android-6-Basis wird mit einem Cache-Cleaner veredelt. Das wirkt sich auch auf den Bedienungsfluss aus, der durchgehend zügig ist.

Vorbildlich arbeitet auch der Fingerprintscanner auf der rechten Seite, der gleichzeitig auch als An/Aus-Schalter fungiert. Um das XZ zu wecken reicht aber auch ein doppeltes Tippen auf den Touchscreen aus.

Die personalisierbare Online-Zeitschrift News Republic ist wieder vorinstalliert und agiert auf dem Smartphone recht „aggressiv“. So kann es als Bildschirmschoner eingesetzt werden und macht sich akustisch bemerkbar, wenn eine Topnachricht eintrudelt – Geschmackssache.

Ansonsten folgt Sony den typischen Android-Pfaden, wobei der linke Startbildschirm wieder komplett für Google reserviert ist. Gut für die Handhabung ist ferner die intelligente Ladetechnik Qnovo, die vom Nutzer lernt und so beispielsweise den Akku über Nacht nur zu 90% lädt und die restlichen 10% erst vor dem Aufstehen.

Seite

Logo: Als Motor kommt der brandneue Qualcomm Snapdragon 820 mit 64 Bit Prozessor-Architektur zum Einsatz. Im Zusammenspiel mit einer 2.150 MHz Prozessor-Taktung und 3 GB Arbeitsspeicher werden zwar keine neuen Dimensionen erreicht, doch wozu auch, schließlich reicht diese CPU locker aus, um dem Alltag auf hohem Niveau zu meistern. Im direkten Vergleich zu anderen Top-Smartphones präsentiert sich das Gerät sehr souverän – auch ohne 8 Kerne.

Der fest verbaute 2.900 mAh Akkublock leistet ebenfalls einen guten Job. Abhängig von der Nutzungsintensität reicht die Rufbereitschaft von drei (hohes Multimedia-Aufkommen) bis hin zu fünf (moderates Telefonierverhalten) aus. Da sich Sony in dieser Disziplin früher nicht gut präsentiert hat, nimmt man das sehr wohlwollend zur Kenntnis. Einziger Kritikpunkt: Zwar unterstützt das XZ Quick Charge via USB-C, der passende Netzstecker liegt aber nicht im Karton.

Die dezenten Stereo-Lautsprecher ober- und unterhalb des Displays sind geblieben. Sie sorgen für eine breite Bühne, gute Durchhörbarkeit sowie eine Prise tiefer Frequenzen. Sicherlich ersetzt das XZ keinen Bluetooth-Lautsprecher, doch gerade als Freisprecher kommen die Vorzüge dieser Bauart gut zum Tragen.

Auch beim Telefonieren gibt es keinerlei Misstöne: Stimmen werden in beide Senderichtungen klar und ohne Nebengeräusche übertragen. Auch hier liefert das Sony ein überdurchschnittliches Ergebnis ab.

Sony Xperia XZ

Sony musste liefern und hat dies auch getan. Das Sony Xperia XZ ist ohne Zweifel ein Spitzenklasse-Smartphone, das keine nennenswerten Schwachpunkte aufweist. Vor allem die ordentliche Kamera-Performance, die robuste Verarbeitungsqualität und die Stereo-Frontlautsprecher gefallen. Aber: Es weist auch nicht unbedingt Alleinstellungsmerkmale auf, um sich von Samsung und den China-Konkurrenten abzuheben. Das wäre aber wichtig, denn der Japaner kann auch nicht gerade durch einen günstigen Preis punkten. Hinzu kommt, dass der Käufer noch extra in ein Quick-Charge-Netzteil investieren muss, um diesen Vorteil nutzen zu können. Angesichts eines Online-Preises von 500 bis 600 Euro ist das schon, um es vorsichtig auszudrücken, sehr unschön. Es ist daher weiterhin eng auf dem dicht umkämpften Smartphone-Markt für Sony. Es bleibt daher zu hoffen, dass die Konzernspitze weiterhin dem Mobiltelefon-Sektor den Rücken deckt.

Exzellente Performance zum gesalzenen Preis
ausgezeichnet
02.03.2017

+ Starke Performance
+ Tolle Kamera
+ Stereo-Frontlautsprecher

– Kein Quick-Charge-Stecker
– Hoher Preis
– Gehäuse verschmiert schnell

 

Test: Ulf Schneider
Datum: 02.03.2017




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