TEST: Sony Xperia X – Neuer Name – Neues Konzept?

Alles auf Anfang? Nach HTC setzt nun auch Sony bei den Smartphone-Flaggschiffen auf einen neuen Namen und ein überarbeitetes Konzept. Der Praxistest zeigt, ob sich die Neuausrichtung ausgezahlt hat.

Die gute Nachricht vorweg: Laut dem Magazin „Arabian Business“ wird es auch in Zukunft weiterhin neue Sony-Smartphones zu kaufen geben, so die eindeutige Aussage von Sony-Mobile-Chef Hiroki Totoki. Diese Bekenntnis überrascht insofern, da die Japaner mit der Smartphone-Sparte 2014 horrende Verluste eingefahren haben. Allerdings möchte man wohl dennoch nicht gänzlich auf diese Produktgruppe verzichten.

Um aber zukünftig wieder schwarze Zahlen schreiben zu können, muss man ein wenig auf die Kostenbremse treten, was unter anderem bedeutet, dass die Mitarbeiterzahl bis Ende 2016 um rund 20 Prozent reduziert wird.

Rückseite

Das Design des Xperia X wurde stark überarbeitet und unterscheidet sich klar vom Z5. Sofort fällt auf, dass es handlicher geworden ist und das Display von 5,2 Zoll auf „nur noch“ 5 Zoll geschrumpft ist. Auch die Kanten sind etwas runder und softer, die Glasfront an den Rändern abgerundet. Die Rückseite besteht nicht mehr aus Glas, sondern aus mattem Aluminium. Das sieht durchaus schick aus, allerdings schließt jetzt das Kamera-Objektiv nicht mehr bündig mit dem Gehäuse ab, sondern steht leicht hervor.

Der abgesetzte Rand vermittelt zwar nicht den Eindruck, dennoch handelt es sich auch beim Xperia X um ein Unibody-Gehäuse. Die seitlichen Tasten sind sauber versiegelt und der große An/Aus-Schalter dient wieder gleichzeitig als ein Fingerprintscanner. Die Verarbeitungsqualität gibt keinen Anlass zu Kritik und ist insgesamt sehr gut. Aber: Eine IPX-Zertifizierung fehlt diesmal, von absichtlichen oder unabsichtlichen Tauchgängen des Smartphones oder dem ungeschützten Einsatz am Strand sollte man tunlichst absehen – ein kleiner Nachteil gegenüber dem Z5.

Das Display ist aus 2.5-D-Hartglas gefertigt und sehr gut gegen Druckstellen geschützt. Hier kommt wieder die LCD-Technologie und eine FullHD-Auflösung zum Einsatz. Hier hat sich gegenüber dem Modell der letzten Generation nur wenig verändert. Wozu auch? Brillanz, Schärfe und Helligkeit sind hervorragend. Auch die Blickwinkelstabilität wurde nochmals verbessert. Im Alltag wird dies keine großartigen Vorteile bringen, dennoch ist der Touchscreen selbst bei Tageslicht noch gut ablesbar. Ebenfalls ein netter Benefit: Die Displaydarstellung kann man nach seinem Gusto gestalten.

Sony Xperia X Foto

Aufgenommen mit dem Xperia X

Sony ist im Produktbereich „Kamera & Foto“ kein Unbekannter und kann daher auch mit technologischem Know-How und viel Erfahrung aufwarten. Keine Überraschung, dass auch im Xperia X hochwertige Technik steckt. Eine 23-Megapixel-Hauptkamera mit 1/2,3 Zoll Exmor-RS-Sensor, Hybrid-Autofokus, Steadyshot-Videostabilisierung und natürlich vielfältige Optionen. Auf Aufnahmen in 4K/UltraHD muss man allerdings verzichten.

Bei Tageslicht liefert die Kamera erwartungsgemäß sehr gute Ergebnisse, wenn auch im absoluten Randbereich nicht immer hundertprozentige Schärfe und Farbreinheit gegeben ist. Auch bei gemäßigten Lichtverhältnissen werden noch recht gute Resultate erzielt. Allerdings muss man anmerken, dass hier durchaus an der ein oder anderen Stelle getrickst wird. Wer zum Beispiel Selfies knipst, erkennt schnell, dass die Haut beinahe unnatürlich glatt und sauber wirkt. Sony folgt also dem allgemeinen Trend, zu „photoshoppen“. Bilanzierend ist die Kamera-Performance gut bis sehr gut. Das aktuelle iPhone und Galaxy S bieten noch etwas mehr, da ein optischer Bildstabilisator beim Sony fehlt. Ein ruhiges Händchen ist also sehr vorteilhaft. Gut, dass ein physischer Auslöser an Bord ist.

Sony Xperia X Screenshot II

Android 6.0.1

Sony Xperia X Screenshot

Home-Screen

In Sachen Software lässt Sony nix anbrennen und liefert das Xperia X mit dem topaktuellen Android 6.0.1 aus. Die flotte Software-Unterstützung liegt auch daran, dass die Japaner das Betriebssystem nicht großartig modifizieren, sodass Updates problemloser aufgespielt werden können.

Das betrifft auch den Fingerprintscanner auf der rechten Seite. Der ist ausgezeichnet erreichbar, griffig und arbeitet schnell und präzise. Gut zudem: Er lässt sich für mehrere Fingerabdrücke individuell nutzen und auch als „Anschalter“ im Standby-Betrieb. Auch ein doppeltes Klopfen auf das Display reicht dafür aus.

Allerdings wirkt das Xperia X mit Sony Apps, wie PlayStation, und allgemeineren Applikationen etwas überfrachtet. Einzelne Dienste, wie z.B. Amazon Shopping, lassen sich nicht einfach deinstallieren. Kaum verwunderlich, dass vom internen 32 GB Speicher nur rund 19 GB zur freien Verfügung stehen. Das Arbeitstempo ist durchgehend flott und nicht zu beanstanden.

Statt auf eine noch beeindruckendere CPU-Architektur zu setzen, schaltet das Xperia X einen Gang zurück: An Bord ist „nur“ der aktuelle Snapdragon 650 mit sechs statt acht Kernen und einer Taktung von 1,8 GHz (Xperia Z5: 2 GHz). Im Alltag ändert sich für den Anwender aber kaum etwas, da die vorhandenen Reserven, zu denen auch die 3 GB Arbeitsspeicher zählen, auch für aufwändige Spiele und Multitasking-Aufgaben ausreichen. Das neue Flaggschiff ist also so gesehen nur auf dem Papier schwächer, als beispielsweise das Samsung Galaxy S7. Der aktuelle Prozessor sorgt auch für eine etwas geringere Wärmeentwicklung.

Der 2.620 mAh Akku klingt zunächst einmal nicht allzu vielversprechend, bewies aber in mehreren Testzyklen durchaus Stehvermögen. Selbst bei intensiverer Nutzung hält es schon mal ein Wochenende durch, bei moderater Nutzungsintensität pendelt sich das Xperia X bei drei bis vier Tagen ein und liegt damit unter den Werten von manch anderen Spitzen-Smartphones. Spielt man häufig oder betrachtet Videos, sind die Laufzeiten natürlich noch deutlich kürzer.

Seitliche Ansicht

Der flotte USB-C-Standard wird zwar nicht unterstützt, doch dafür nutzt der Japaner Qualcomms QuickCharge-Technologie, sodass sich der Akkublock schnell wieder auflädt.

Sehr gut finden wir, dass die beiden Front-Speaker nicht nur zum Telefonieren da sind, sondern auch Stereo-Sound liefern. Insgesamt könnte der Pegel etwas höher sein und mit mehr Fundament auftrumpen, insgesammt stellt die Performance aber sämtliche Mono-Lautsprecher klar in den Schatten.

Die Qualität während des Telefonierens schwankt. Machnmal erreichen Gespräche beinahe „Festnetzniveau“, vereinzelt sind die Verbindungen aber auch gedämpft, sodass man das Gegenüber nicht perfekt versteht.

Modifikationen gibt es zuhauf. Der Nutzer kann beispielsweise via Clear Audio+ eine automatische Optimierung aktivieren oder, ähnlich wie beim HTC 10, ein individuelles Klangprofil erstellen – bei dem allerdings kaum Unterschiede feststellbar sind. Der beigelegete Kopfhörer reiht sich in die breite Rieger der Mittelklasse-Hörer ein.

Fazit

Ist das Sony Xperia X ein sehr gutes Smartphone? Ja. Wird es Sony wieder auf die Erfolgsspur führen? Zweifelhaft. Das Display wurde kleiner, die IPX-Zertifizierung fehlt und klare Alleinstellungsmerkmale bzw. Benefits gegenüber dem Vorgängermodell, die Besitzer eines Smartphone-Flaggschiffes zum Kauf motivieren sollen, sind nicht klar erkennbar. Auch scheint das Paket bei einem UVP von 599 EUR einfach zu kostenintesiv, um deutlich gegen die Konkurrenz ankämpfen zu können. Andere Premium-Geräte sind zudem in einzelnen Punkten besser, z.B. wenn es um das wichtige Thema Kamera-Performance geht. Bezüglich der Haptik macht dem Xperia X aber kaum einer etwas vor.

Sehr solides Allround-Smartphone ohne klares Alleinstellungsmerkmal
sehrgut
04.08.2016

+ Optimale Performance ohne starke Erwärmung
+ Sehr gutes Display
+ Runde Ausstattung

– Nicht mehr wasserdicht
– Keine optimale Akkuleistung
– Viele fixe Apps

Test: Ulf Schneider
Datum: 04.08.2016




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