TEST: Saxx Standlautsprecher coolSound CX 90 – Preisklassen-Referenz für den Newcomer

Saxx coolSOUND CX 90 Gruppenbild1

Für 599 EUR pro Stück erhält man mit der Saxx coolSound CX 90 eine ausgewachsene 3-Wege-Standbox, wahlweise in weißer oder schwarzer Variante, jeweils hochglänzend lackiert, lieferbar. Mit einer Dauerbelastbarkeit von 140 und einer kurzzeitigen Musikbelastbarkeit von 200 Watt werden klassenübliche Werte geboten.

Saxx coolSOUND CX 90 Hochtoener

Bändchenhochtöner

Saxx coolSOUND CX 90 Mitteltoener

Mitteltöner mit 16,5 cm Durchmesser

Saxx coolSOUND CX 90 Tieftoener

Ebenfalls 16,5 cm misst jeder der beiden Tieftöner

„Aus der Reihe“ tanzt die CX 90 mit dem 3,3 x 2,6 cm messenden AMT-Bändchenhochtöner. Ein 16,5 cm Mitteltöner und eine 2 x 16,5 cm Doppelbass-Bestückung runden das Angebot an Chassis ab.

Saxx coolSOUND CX 90 Detail Front

Nettes Detail – Lautsprecher-Schutzgitter mit Saxx-Logo wie bei einer Jeans integriert

Saxx coolSOUND CX 90 Bassreflexrohr

Bassreflex-Öffnung auf der Rückseite

Saxx coolSOUND CX 90 Anschluesse Rueckseite

Schicker Sockel, der überdies Stabilität gibt, Bi-Wiring-Terminals

Saxx coolSOUND CX 90 Rueckseite Seitlich1

Etwas „verschraubte“ Rückansicht

Sehr gut gefällt uns das Unibody-Design der schnörkellos-attraktiv gestalteten Konstruktion. Es gibt keine am Gehäuse angebrachte Schallwand mehr, sondern das gesamte Gehäuse ist aus einem Guss. Die Gehäusekanten sind sorgfältig gerundet, und zwar vorn und hinten. Weiterer ästhetischer Pluspunkt: Rund um die Chassis auf der Schallwand finden sich keine störenden Schrauben. Die ordentlich mit Stoff bezogenen Lautsprecher-Schutzgitter haften magnetisch, so „verunstalten“ auch keine Bohrungen fürs Lautsprecher-Schutzgitter die aufgeräumte Frontansicht. Der Bassreflex-Schallwandler weist einen mit 86 dB angegebenen, durchschnittlichen Wirkungsgrad auf. Rückseitig sind vergoldete Bi-Wiring-Lautsprecherkabel-Anschlussterminals untergebracht. Die vielen sichtbaren Schrauben auf der Rückseite stören optisch anspruchsvolle Anwender, soll der Lautsprecher frei im Raum aufgestellt werden. 50,8 Liter beträgt das Gehäusevolumen der 1.100 mm hohen, 210 mm breiten und ohne Abdeckung 330 mm tiefen Box. Das MDF-Gehäuse ist gut lackiert, für die Preisklasse kann man hier keine Kritik anbringen. 

Pro & Contra:

+ Aufwändige Technik mit Bändchenhochtöner
+ Unibody-Gehäuse und eleganter Sockel
+ Chassis ohne sichtbare Schrauben eingelassen
+ Tadellose Oberflächenqualität
+ Lautsprecher-Schutzgitter haften magnetisch und sind gut verarbeitet

– Viele Schrauben auf der Rückseite stören bei freier Aufstellung im Raum

Klang CD

Das Sash-Remix des Dr. Alban-Klassikers „It’s My Life“ kommt exzellent zur Geltung. Der Kickbassbereich wird vorzüglich wiedergegeben, die Raumwirkung ist exzellent. 599 EUR kostet eine CX 90 – Wahnsinn, was die Niedersachsen dafür bieten! Klare Vocals, souveräner Gesamtauftritt, lebendig, akkurat strukturiert – es bleiben nicht nur auf die günstige Preisklasse bezogen kaum Wünsche offen. 

Wir schwelgen weiter in Eurodance-Sphären – was kein Wunder ist in Anbetracht der souveränen Kickbasswiedergabe der CX 90.  Die beiden jeweils 16,5 cm messenden Tieftöner mit Membranen aus beschichtetem Papier lenken auch bei hohem Pegel noch präzise aus. Die coolSound CX 90 spielt ohne Mühe mit unserer erstklassigen Nubert nuControl/nuPower D Vor-/Endstufenkombination zusammen und bildet mit dieser ein extrem klangstarkes Team. Angenehm ist die Tonalität, frisch, aber gleichzeitig nicht zu spitz. Die frappierend dichte Räumlichkeit ist ein weiterer Vorzug der CX 90, die uns mit ihren erwachsenen, kompletten Tugenden erfreut. Die Gelassenheit und die Klarheit, mit der der von 35 Hz bis 31 kHz spielende Lautsprecher auch hohe Pegel meistert, verblüfft. Die Dauerbelastbarkeit von 140 und die Impulsbelastbarkeit von 200 Watt – wie in den Datenblättern verzeichnet – glauben wir gut und gerne. 

Mit dem One Hit Wonder „Das Omen – Teil 1“ von Mysterious Art fahren wir fort. Die CD ist leicht blechern und recht detailarm abgemischt. Die Saxx-Lautsprecher lassen sich aber kaum davon beeindrucken. Der Tiefgang im Intro ist beachtlich. Der Choralgesang kommt mit tadelloser Brillanz heraus. Imposant auch die „Omen“ Stimme. Dann legt der Synthesizer ab, und der Bass kommt hinzu. Was die niedersächsische Konstruktion für ein „Dance-Flair“ produziert, ist nur mit einem Wort zu umschreiben: Überragend für knapp 600 EUR. Der Ryhthmus und die Vocals kommen ausgezeichnet zur Geltung. Der Bass ist satt und hart. Die weibliche Gesangsstimme ist gut fokussiert, ohne dass der Bass während der vokalen Präsentation in den Hintergrund treten würde. Die Räumlichkeit verblüfft selbst bei diesem wenig überzeugenden Quellmaterial. 

Nun „beamen“ wir uns in die 80er Jahre zurück. Wir müssen uns Mühe geben, die „Self Control“ zu behalten, als der Laura Brannigan-Song loslegt. Die ungefilterte sowie druckvolle Präsentation der CX 90 animiert zu spontanen Tanzeinlagen. Wieder überzeugen Basskraft, Trennung von Stimmen und Instrumenten sowie die aufgeräumt-frische Tonalität. Das, was am meisten an der mit 1.100 mm (Höhe) x 210 mm (Breite) x 330 mm (Tiefe, Maße ohne Abdeckung, diese misst zusätzlich 12 mm in der Tiefe) recht großen Box auffällt, ist die enorme Souveränität. Das ist atypisch für diese recht günstige Preisliga. 

Das leicht Schneidende im oberen Mittelton- und Hochbereich, das „Sounds Like A Melody“ von Alphaville in der von uns verwendeten Aufnahme (so8os, SOEIGHTIES, presented by Blank & Jones) mitbringt, kann und sollte kein Lautsprecher komplett kaschieren. Wäre dies nämlich der Fall, würde der Klang mit ziemlichem Nachdruck verbogen. Demnach hört sich das Stück auch bei der Wiedergabe durch die besonnenen CX 90 etwas spitz an. Der Bassbereich ist ein weiteres Mal sehr gut. Straff, klar, mit genau dem richtigen Maß an Nachdruck. Auch die Synthesizer-Einlagen kommen mit deutlich nachvollziehbarer Struktur heraus. 

Beenden wir unsere 80er Jahre-„Jam Session“ mit „Living In The Box“ von „Living In The Box“. Und wir können nur sagen: Das, was in der Saxx-Box lebt, ist richtig gut. Auch hier geht es wieder mit genau der richtigen Mischung aus Nachdruck, Präzision und Gelassenheit voran. Der Rhythmus kommt mit Schwung heraus, die Trennung von instrumentalen und vokalen Anteilen gelingt ein weiteres Mal exzellent. Die Räumlichkeit ist überdurchschnittlich ausgeprägt. Die CX 90 mit ihrem AMT-Bändchenhochtöner (3,3 x 2,6 cm) liefert auch bei hohen Frequenzen eine weitläufige Räumlichkeit. Der 16,5 cm Mitteltöner mit beschichteter Papiermembran managt den Präsenztonbereich auf hohem Niveau und sichert eine sehr glaubwürdige Einarbeitung von Stimmen. 

Klang SACD

Brilliert die CX 90 auch bei der Darstellung von SACDs mit DSD-Tonspur und erweitertem Hochtonbereich sowie größerem Dynamikumfang? Wir haben die „Probe aufs Exempel“ gemacht und hören aus Wolfgang Amadeus Mozarts Klarinettenkonzert A-dur,KV 622, das erste Allegro. Mit viel Strahlkraft macht sich der talentierte Bändchenhochtöner ans Werk. Obwohl schwierig anzubinden, ist der Übergang vom Hoch- in den Mitteltonbereich außergewöhnlich gut gelungen. Das ist beileibe nicht bei jedem Bändchen so. Die Klarinetten-Soli wie auch die orchestralen Gesamteinsätze werden klar und facettenreich in den Hörraum getragen. So, wie die preisgünstige Box aufspielt, eignet sie sich auch für den Liebhaber klassischer Musik – gerne auch hochauflösend, denn Brillanz und räumliche Ausdehnung sowie die Feindynamik bei hohen Frequenzen sind ausgesprochen gut. 

Wir setzen unsere Hörtestreihen mit Ludwig van Beethovens legendärer neunter Symphone „Ode an die Freude“ fort und lauschen dem „Allegro ma non troppo, un poco maestoso“. Bereits der Auftakt kommt mit guter Detailtreue heraus. Die einzelnen Instrumente werden von den CX 90 mit der nötigen Sensibilität bedacht. Dann folgen nach kurzer Zeit einige ziemlich heftige Dynamiksprünge – in solchen Sequenzen kann die SACD ihre Überlegenheit prima ausspielen. Und die CX 90 schlägt sich wacker. Klar dürfte sein, dass hier extrem teure und mit entsprechenden Komponenten bestückte Lautsprecher noch sehr viel mehr aus dem Quellmaterial holen. Aber in Anbetracht der Tatsache, dass eine CX 90 gerade einmal 599 EUR kostet, kann man die Resultate als hervorragend einstufen. In Ansätzen ist die preiswerte Box tatsächlich in der Lage, die akustischen Vorzüge der SACD in authentischer Form dem Auditorium klanglich zugänglich zu machen. Auch kleinere dynamische Differenzen werden tadellos erkannt. Erst in den hinteren musikalischen Ebenen nimmt die Detaillierung etwas ab, auch die Konturen werden nicht mehr mit der gleichen hohen Trennschärfe präsentiert wie in den vordersten Ebenen. 

Mit straffem Bass und lobenswerter Dynamik kommt Bonnie Tylers „Holding Out For A Hero“ auf der „Footloose“ SACD (Soundtrack zum Film) heraus. Bonnies charakteristische Stimme sowie die dynamischen Differenzen innerhalb des Songs arbeiten die CX 90 ohne Probleme in hoher Qualität heraus. Der Hochtonbereich präsentiert sich überraschend aufgeräumt und natürlich. Die hohen Pegel, die man ohne nennenswerte Verzerrungen fahren kann, sind auch bei diesem Beispiel ein weiterer Vorzug der CX 90. 

Von der gleichen SACD stammt auch „Waiting For A Girl Like You“ von Foreigner. Die CX 90 kommt mit diesem Stück ebenfalls glänzend zurecht. Wie kultiviert und homogen das gesamte Erscheinungsbild des Songs ist, hat uns überzeugt. Die Saxx-Box hat ausgezeichnete „Langzeit-Hörqualitäten“, man kann ihr mehrere Stunden, auch bei größeren Lautstärken, zuhören, ohne dass das Klangbild jemals als störend empfunden wird. Das liegt an der richtigen Mischung aus klaren Strukturen, authentischer Räumlichkeit und homogenem gesamten Klangbild.

Mit dem sehr gut auflösenden Hochton-Bändchen und der für die Preisklasse herausragenden Gesamtdynamik hat die CX 90 demnach auch bei SACDs gute Karten.

Pro & Contra – Klang:

+ Enorme Räumlichkeit
+ Fließende Übergänge zwischen den einzelnen Frequenzbereichen
+ Straffer, präziser Bass
+ Ausgezeichneter Tiefgang
+ Überzeugende Präsentation des Präsenztonbereiches
+ Tolle Grob- und Feindynamik
+ Durch in sich schlüssige klangliche Auslegung für alle Musikstile sehr gut geeignet

– Bei komplexer klassischer Musik Detailverluste in den hinteren musikalischen Ebenen 
– Verlangt durch durchschnittlichen Wirkungsgrad (86 dB) nach leistungsstarker Zuspielung

Konkurrenzvergleich
  • Saxx coolSound CX 70: Die kleinere Standbox der coolSound hat überraschend deutlich das Nachsehen gegenüber der moderat teureren CX 90. Die größere Box klingt satter, emotionaler, hat den besseren Tiefgang sowie die bessere Räumlichkeit. 
  • Wharfedale D240: Etwas günstiger als die CX 90, ist die D240 gerade für Bass- und Dynamik-Liebhaber eine vortreffliche Wahl. Bei Differenzierungsvermögen und exakt dosierter Räumlichkeit ist die teurere Saxx-Box die bessere Alternative. 
  • Magnat Shadow 209: Wer Klassik oder Trance7Techno hört – eine eigentlich widersprüchliche Kombination -, macht mit der schicken, aber im Detail nicht perfekt verarbeiteten Shadow einen guten Fang. Die bei manchen Musikstilen nicht optimale Stimmwiedergabe ist ein Nachteil der pegelfesten Box. 
Fazit

Saxx coolSOUND CX 90 Front Seitlich1

Gratulation nach Niedersachsen! Mit der coolSound CX 90 kassiert Saxx die erste Preisklassen-Referenz ein, und das völlig verdient. Es dürfte für vergleichbares Geld derzeit kaum möglich sein, einen anderen so komplett, dynamisch sowie kultiviert klingenden Lautsprecher zu finden. Kraftvoller Bass, sorgfältig eingearbeitete Stimmen und der frei aufspielende, räumlich weitläufige Hochtonbereich sind Vorzüge, die man bei mancher doppelt so teuren Box nicht findet. Die elegante Optik und die gelungene Verarbeitung sprechen ebenfalls für die coolSound CX 90.

Die Saxx coolSound CX 90 weckt spontan Begeisterung und bietet durch die Bank ein hohes Niveau
preisklassenreferenz
Standlautsprecher bis 1.000 EUR/Stück
Test 16. Februar 2016

Test: Carsten Rampacher
Fotos: Sven Wunderlich
Datum: 16. Februar 2016




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