TEST: Offener Kopfhörer Ultrasone Pro 2900i – luftiger und geschmeidiger Sound für 469 EUR?

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Der Ultrasone Pro 900i als geschlossener, dynamischer Kopfhörer hat bei uns im Test erstklassig abschneiden können. Nun folgt der Ultrasone Pro 2900i, ebenfalls für 469 EUR im Angebot. Der Ultrasone Pro 2900 ist der erste offene Pro- Kopfhörer von Ultrasone mit der S-Logic® Plus Technologie. Mit den titanbeschichteten 40 mm Schallwandlern verfügt er laut Hersteller „über außergewöhnlich feine und präziseste Klangeigenschaften“. Mit besonders luftiger Klangwiedergabe soll er verwöhnen – Zeit, um kurz über Vor- und Nachteile offener sowie geschlossener Systeme zu sprechen. 

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Offener Kopfhörer mit sehr bequemen Ohrpolstern

Der offene Kopfhörer verlangt nach einer ruhigen Umgebung, da Außengeräusche zum Hörenden vordringen, umgekehrt aber auch Geräusche vom Kopfhörer nach außen dringen. Somit sind offene Systeme für den Heimeinsatz eine gute, für den mobilen Einsatz hingegen meist nicht die richtige Lösung. Ein beinahe Druck-freier, daher sehr luftiger sowie natürlicher Klang, verbunden mit hervorragendem Tragekomfort sind Vorzüge offener Systeme. Geschlossene Systeme – Nomen est Omen – umschließen die Ohröffnung beinahe komplett, um zu verhindern, dass Klang nach außen kommt und Störgeräusche von außen wahrgenommen werden. Dadurch liegt es in der Natur der Sache, dass man es aufgrund der Hitzeentwicklung rund ums Uhr, bedingt durch die Abdichtung, keinen so hohen Trage- und vor allem Langzeitkomfort wie bei einem offenen Kopfhörer erzielen kann. Wir machen die „Probe aufs Exempel“ und setzen den 40 Ohm-Kopfhörer Pro 2900i auf. Man spürt, übertrieben gesprochen, beinahe gar nicht, dass man einen Kopfhörer auf dem Kopf hat, obwohl der Pro 2900i ein Gewicht von 295 Gramm auf die Waage bringt. Hinzu kommen die sehr bequemen Ohrpolster aus angenehmem, hochwertigen Material, die präzise Einstellung des Kopfhörer-Bandes auf die Kopfgröße sowie die komfortable Polsterung des Kopfhörer-Bandes. 

Nur geringer Anpressdruck, ein luftiges, souveränes Tragegefühl, alles das zeichnet den Pro 2900i als offenen Kopfhörer aus. Wir sitzen im Hotelzimmer bei geöffnetem Fenster, Straßenbahnen und Autos fahren vorbei – definitiv hört man deutlich mehr Umgebungsgeräusche als bei einem geschlossenen System. 

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Der Pro 2900i kommt mit S-Logic Plus

Wir sind auf eine Sache sehr gespannt. Der Pro 2900i verfügt auch über das von Ultrasone entwickelte S-Logic Plus-System, wie bereits eingangs erwähnt. Dahinter verbirgt sich eine ausgeklügelte Technologie zur Surround-Erzeugung auf natürliche Art und Weise. Und da der Pro 2900i als offener Kopfhörer ohnehin mit einem luftigen, authentischen Klangbild dienen kann, ist die Kombination mit S-Logic Plus bestimmt sehr vorteilhaft. Hinzu kommt, dass der Ultrasone Pro 2900i Frequenzen von 6 Hz bis 42 kHz wiedergeben kann, damit ist er auch für HiRes-Audiodateien genau der richtige Partner. Den Kennschalldruck gibt Ultrasone mit 96 dB an.

Nun wenden wir uns dem S-Logic Plus System zu. Es ermöglicht im höchsten Maße realistischen Surround-Klang auf natürliche Art und Weise, ganz ohne DSP – dafür mit cleverer Technik. Grundsätzlich gilt: Der Mensch benötigt seine Ohrmuscheln, um überhaupt Distanzen und Richtungen wahrnehmen und zuordnen zu können. S-Logic bezieht nun die gesamte Ohrmuschel mit in den Hörvorgang ein. Konstruktiv heißt das: Der Schallwandler wird nicht zentral, sondern dezentral platziert. Dadurch verändert die Art und Weise, wie man hört: Räumlich weitläufig, aber gleichzeitig enorm natürlich, da künstliche DSP-Beeinflussungen fehlen. Das menschliche Ohr wird sozusagen für die Raumklang-Erzeugung genutzt. 

Richtungen sowie Distanzen werden daher ohne durch Rechenprozesse entstehende Verzögerungen, Verzerrungen oder störenden Hall wahrgenommen. Wegen der S-Logic-Technologie ist es bei Ultrasone-Kopfhörern möglich, mit einem um ca. 3 bis 4 dB niedrigeren Schalldruck dem musikalischen Material oder dem Hörbuch zu lauschen, und zwar bei subjektiv als gleich hoch empfundener Lautstärke. Dadurch werden die Ohren um bis zu 40 Prozent – also beinahe um die Hälfte – weniger belastet.

Der Pro 2900i bringt noch weitere Features mit, so die ULE-Technologie (Ultra Low Emission) MU Metall Abschirmung. Die in aktuellen Kopfhörern meist gebräuchlichen Schallwandler produzieren bei der Umwandlung elektrischer Signale in akustische sogenannte Niederfrequenzfelder. Auch wenn es hierfür vom Gesetzgeber bislang keine Richtlinien gibt, setzt Ultrasone eine speziell entwickelte Abschirmung (ULE-Technologie) in alle Editions-, Signature-, PRO-, und DJ-Modellen, aber auch teilweise in der HIFI-Linie ein, um diese Gefahrenquelle einzudämmen.

„ULE“ steht für „Ultra Low Emission“ und damit die damit verbundene MU-Metall Abschirmung zur größtmöglichen Verringerung niederfrequenter Felder. Die patentierte Ultrasone ULE-Technologie wurde ursprünglich für den professionellen Bereich entwickelt, denn die dortigen Anwender begrüßen diese Eigenschaft ganz besonders, da sie enorm viel Zeit mit dem Kopfhörer auf dem Kopf verbringen. Erstmals wurde die MU-Metall Abschirmung (ULE-Technologie) serienmäßig auch in andere Kopfhörermodelle von Ultrasone in der Art integriert, dass die Trennwand (Bufferboard) zwischen dem Luftvolumen am Ohr und der Kopfhörerkapsel aus MU-Metall gefertigt wird. Die Abschirmung reduziert die magnetische Strahlung um bis zu 98% im Vergleich zu anderen handelsüblichen Kopfhörern.

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Aluminium-Inlay außen

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Hier wird das Anschlusskabel festgeschraubt

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Platz sparend zusammenklappbar

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Sehr gut gepolstertes Kopfband

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Solide Transportbox

Der Pro 2900i besticht, wie von Ultrasone gewohnt, durch seine hohe Fertigungsqualität. Aluminium-Inlays an den Ohrmuscheln außen, eine dicke, hochwertige Polsterung des Kopfhörerbandes, das schon erwähnte tadellose Material für die Ohrpolster, die hochwertigen, schraubbaren und einseitig geführten Kabel – all dies, zusammen mit der hochwertigen Transportbox, spricht für den Pro 2900i. 

Der Lieferumfang:

  • 1 x Pro 2900i Kopfhörer
  • 1 x 1,5 m langes gerades USC (Ultra Soft Cable) Kabel mit 3,5 mm Klinkenstecker
  • 1 x 3 m langes Spiralkabel mit 6,3 mm NEUTRIK Stecker
  • 1 x zweites Paar Ohrpolster
  • 1 x hochwertige, stabile Transportbox
Klang

Wir starten mit Mark Knopfler „River Towns“ (192 kHz/24-Bit Flac). Souverän, klar, mit einer ungemein glaubwürdigen Räumlichkeit legt sich der Pro 2900i ins Zeug. Man hört ganz entspannt, spürt den Kopfhörer kaum. Daher kann man sich voll auf die exzellente Reproduktion von Marks Stimme konzentrieren, und darauf, wie akkurat die akustische Gitarre eingebunden ist. Die Räumlichkeit ist in Weite und Tiefe gleichermaßen überzeugend. Der von Ultrasone versprochene luftige Klang ist tatsächlich in vollem Umfang herauszuhören. Mit feiner Auflösung in allen Frequenzbereichen und einer sauberen Trennung vokaler und instrumentaler Anteile setzt sich der Pro 2900i sehr gut in Szene. 

Diana Kralls Adaption von „Desperado“ (Flac, 48 kHz/24-Bit) besticht von Beginn an durch die enorme Authentizität. Sehr gut arbeitet der Ultrasone Pro 2900i stimmtypische Merkmale heraus. Das leicht Rauchige, enorm Vielschichtige, das Dianas Stimme eigen ist, bereitet der hochwertige Kopfhörer aus Oberbayern beispielhaft für seine Preisklasse auf. Klar benötigt man eine ruhige Umgebung – aber das, was man dann an Klangqualität geboten bekommt, ist erstklassig. Übrigens: Wenn man, was für die Ohren ohnehin nicht gut ist, nicht gerade mit enorm hohem Pegel hört, ist das, was nach außen dringt, relativ gering. Zurück zum Song. Die Anschlagdynamik beim Klavier arbeitet der Pro 2900i gelungen heraus. Ein kultivierter, facettenreicher Klang, der auch den erfahrenen und anspruchsvollen Hörer begeistert wird – das ist die Kerntugend des Pro 2900i. 

„Don’t Dream, It’s Over“ (Flac 48/24), wiederum vom Wallflower-Album von Diana Krall, beeindruckt durch das filigrane Harfenspiel.Dieses wird in überragender Manier vom Pro 2900i umgesetzt. Gleichzeitig spielt der Bass frei und lebendig auf. Er besitzt exakt passend dosierten, nie übertriebenen, aber doch stets spürbaren Nachdruck und einen sehr guten Tiefgang. Dianas Stimme wirkt auch diesmal sehr realistisch, zudem schafft es die Kombination aus offener Bauweise und S-Logic Plus, einen freien, in sich schlüssigen Raum zu kreieren, was in dieser Güte kaum einem anderen Kopfhörer, unabhängig von der Preisklasse, gelingen dürfte. 

„Diamante“ (96/24) von Sandra und Toni Alessi liefert italienisches Flair „frei Haus“ – und der Pro 2900i setzt alles hervorragend um. Oftmals werden die Stimmen, gerade wenn man mal etwas lauter hört, schnell schneidend und leichtes Zischeln stört die akustische Gesamtharmonie. Nicht so beim Pro 2900i, der die weibliche und auch die männliche Gesangstimme fein herausarbeitet und so ein hohes Maß an Differenzierungsvermögen und Klangkultur bereitstellt. Das mediterran-beschwingte Wesen des Songs arbeitet der offene Kopfhörer absolut passend heraus. 

Wie hört sich der Pro 2900i bei klassischer Musik an? In Flac 96/24 lauschen wir dem 1. Allegro aus Wolfgang Amadeus Mozarts Klavierkonzert Nummer 4, Köchelverzeichnis 218. Und auch hier zahlt sich die offene Bauweise in Verbindung mit S-Logic Plus wieder voll aus. Klar und markant, gleichzeitig mit feiner, sensibler, freier Darstellung – gerade die Violinen-Soli klingen grandios. Kleine dynamische Differenzen setzt der Pro 2900i gekonnt und souverän um. Die Dynamiksprünge, wenn das gesamte Orchester einsetzt, kommen rund zur Geltung – hier könnte sich mancher Hörer etwas mehr „Punch“ wünschen. Die verschiedenen musikalischen Ebenen bringt der Pro 2900i herausragend zur Geltung, man kann die Position praktisch jedes einzelnen Musikers genau orten. 

In 44,1 kHz/16-Bit, also in CD-Qualität, lauschen wir Andrea Bocellis „Love in Portofino“. Und auch bei diesem Beispiel überragt wieder die Stimmwiedergabe alles, was wir bislang in der Preisklasse bis 500 EUR bei einem Kopfhörer hören durften. Alles geht so leicht, so locker, aber doch so fein und detailreich über die Bühne. Instrumente werden fließend eingebunden, die Stimme steht praktisch völlig frei im Raum.

Und Pegel kann der Pro 2900i! Bei „You Win Again“ von den Bee Gees geben wir richtig Gas – nur für kurze Zeit, versteht sich. Der Pro 2900i liefert auch bei deutlich gehobener Lautstärke einen über alle Maßen souveränen Sound, das Differenzierungsvermögen reißt auch bei hoher Lautstärke nicht ab. Der Bass hat Kontur und ist ausgesprochen straff. 

„Outside World“ – der Trance-Klassiker von Sunbeam aus den 90er Jahren bereitet dem Pro 2900i keinerlei Probleme. Straff und satt ertönt der Bass, frei und luftig werden die elektronischen Effekte im virtuellen Raum verteilt. Der schnelle Rhythmus wird impulstreu und nachdrücklich wiedergegeben. Das beweist: Der Pro 2900i ist der richtige Partner für alle Musikstile, von Klassik über Jazz und Pop bis hin zu Trance/Dance-Musik. „Close Your Eyes“ von Mega’Lo’Mania belegt dies genauso – von Beginn an entfaltet der Pro 2900i enorm viel Atmosphäre und schiebt im Bassbereich mit einer ausgezeichneten Mischung aus Präzision und Nachdruck an. 

Fazit

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Die klare Bilanz: Bedingt durch die Kombination aus offener Bauweise und S-Logic Plus bietet der Pro 2900i eine bislang kaum gekannte freie, souveräne Räumlichkeit beim Klangbild. Man hört so angenehm, so locker, und doch ist der Kopfhörer aus Oberbayern in der Lage, feinste Differenzen bei der Dynamik impulstreu und glaubwürdig umzusetzen. Es gibt kaum eine Musikrichtung, die sich nicht dazu eignet, die Vorzüge des Pro 2900i herauszustellen: Immer entwickelt der Pro 2900i eine lebendige, vielschichtige Darstellung. Hinzu kommt der erstklassige Tragekomfort, so dass auch mehrstündige Hör-Sessions zu einem puren Vergnügen werden. Der Preis ist mit 469 EUR mehr als angemessen für den beinahe perfekten Gegenwert.

Offene Bauweise und S-Logic Plus ergeben eine ideale Kombination für authentischen, fesselnden Klang
preisklassenreferenz
Kopfhörer bis 500 EUR
Test 07. Oktober 2016

Test: Carsten Rampacher
Fotos: Sven Wunderlich
Datum: 07. Oktober 2016




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