TEST: Ultrasone Pro 900i – Geschlossener Kopfhörer der Spitzenklasse für 469 EUR?

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Der Ultrasone Pro 900i als geschlossener, dynamischer Over-Ear-Kopfhörer kommt auf 469 EUR. Selbstverständlich setzt auch der Pro 900i auf das S-Logic Plus System. Es ist eine weiter entwickelte Variante der von Ultrasone erdachten S-Logic-Technologie. Was steckt dahinter? Die unter akustischen Aspekten mit akribischer Genauigkeit entwickelten Kapseln sind aufgrund einer zusätzlichen Bedämpfung hinsichtlich Schallwandler und Bufferboard in der Lage,  eine besonders effektiv arbeitende Klangeinheit zu bilden. Der gebotene Klang besticht, bedingt durch diese konstruktiven Maßnahmen, mit Präzision sowie Facettenreichtum. Stimmen und Instrumente können präzise im virtuellen Raum wahrgenommen werden, das beweisen auch unsere Testreihen immer wieder aufs Neue. 

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Alu außen an den Ohrmuscheln

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S-Logic Plus

Das S-Logic Plus-System ermöglicht im höchsten Maße realistischen Surround-Klang auf natürliche Art und Weise, nämlich ohne DSP. Wie funktioniert das? Der Mensch benötigt seine Ohrmuscheln, um überhaupt Distanzen und Richtungen wahrnehmen und zuordnen zu können. S-Logic bezieht nun die gesamte Ohrmuschel mit in den Hörvorgang ein. Bei Ultrasones Headphones, die S-Logic mitbringen, wird der Schallwandler aus den oben aufgeführten Beweggründen dezentral platziert, was die gesamte Art des Hörens so verändert, dass man räumlich viel intensiver, aber gleichzeitig authentisch, hören kann. 

Richtungen sowie Distanzen werden ohne Verzögerungen, Verzerrungen oder unnatürlichen Hall wahrgenommen. Aufgrund der Arbeitsweise der S-Logic-Technologie ist es bei Ultrasone-Kopfhörern möglich, mit einem um ca. 3 bis 4 dB niedrigeren Schalldruck zu hören, und zwar natürlich bei subjektiv als gleich hoch empfundener Lautstärke. Das hat positive Folgen für die Gesundheit, denn die Ohren werden um bis zu 40 Prozent – also beinahe um die Hälfte – weniger belastet. 

Der Pro 900i bringt noch weitere Features mit.  Das nächste spezielle technische Merkmal ist die ULE-Technologie (Ultra Low Emission) MU Metall Abschirmung, ebenfalls exklusiv von Ultrasone entwickelt.

Die in aktuellen Kopfhörern meist gebräuchlichen Schallwandler produzieren bei der Umwandlung elektrischer Signale in akustische (hörbar als Musik) sogenannte Niederfrequenzfelder. Auch wenn es hierfür vom Gesetzgeber bislang keine Richtlinien gibt, setzt Ultrasone eine speziell entwickelte Abschirmung (ULE-Technologie) in alle Editions-, Signature-, PRO-, und DJ-Modellen, aber auch teilweise in der HIFI-Linie ein, um diese Gefahrenquelle einzudämmen.

„ULE“ steht für „Ultra Low Emission“ und damit die damit verbundene MU-Metall Abschirmung zur größtmöglichen Verringerung niederfrequenter Felder. Die patentierte Ultrasone ULE-Technologie wurde ursprünglich für den professionellen Bereich entwickelt: Die dortigen Anwender begrüßen diese Eigenschaft ganz besonders, da sie enorm viel Zeit mit dem Kopfhörer auf dem Kopf verbringen. Erstmals wurde die MU-Metall Abschirmung (ULE-Technologie) serienmäßig auch in andere Kopfhörermodelle von Ultrasone in der Art integriert, dass die Trennwand (Bufferboard) zwischen dem Luftvolumen am Ohr und der Kopfhörerkapsel aus MU-Metall gefertigt wird. Die Abschirmung reduziert die magnetische Strahlung um bis zu 98% im Vergleich zu handelsüblichen Kopfhörern – das ist ausgesprochen viel. 

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Zusammenklappbar

Der Ultrasone Pro 900i ist, wie schon erwähnt, ein dynamischer, geschlossener Over-Ear-Kopfhörer, der mit einer exzellenten Verarbeitung zu glänzen weiß. Außen an den Ohrmuschlen befinden sich Einlagen aus hochwertigem Aluminium, und selbst diejenigen Teile, die beim 900i aus Kunststoff bestehen, erscheinen hochwertig und langlebig. Ohrmuscheln und Kopfband sind sehr gut gepolstert, auch hier greifen die Oberbayern, die fünf Jahre Garantie auf ihren Kopfhörer geben, auf enorm gutes Material zurück. Abstriche gibt es für den nicht ganz so hochwertig erscheinenden, aber präzise arbeitenden Verstell-Mechanismus des Kopfbandes.

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3,5 mm Kabel, 1,5 Meter lang

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6,25 mm Kabel, 3 Meter lang

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Transportbox

Die Impedanz des Pro 900i gibt der Hersteller mit 40 Ohm an. Im Lieferumfang enthalten sind zwei anschraubbare Kabel: Ein 3 Meter langes Spiralkabel mit 6,3 mm NEUTRIK Klinkenstecker und ein 1,5 Meter langes USC Kabel mit 3,5 mm Klinkenstecker. Natürlich sind die Stecker vergoldet. Eine hochwertige Transportbox und ein stabiler Klappmechanismus beim 900i sind weitere Merkmale. Selbst ein zweites Paar Ohrpolster liefert Ultrasone mit. Schließlich sollen auch Profis den 900i einsetzen, und da hält manches Bauteil auch nicht so lange wie beim ausschließlich privaten Einsatz. 

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Anschraubbares Kabel, 40 mm Titan/Mylar-Schallwandler

Titanbeschichtete 40 mm Mylar-Schallwandler und ein darstellbarer, breiter Frequenzbereich von 6 Hz bis 42 kHz – der Ultrasone zeigt sich hochwertig und kompetent in jeder Hinsicht. Er bringt maximal 96 dB Kennschalldruck zustande und wiegt 295 Gramm. 

Klang

Der Ultrasone Pro 900i setzt auch auf S-Logic Plus, und daher verwundert es nicht, dass auch hier Räumlichkeit und Tiefenstaffelung überzeugen. Wir hören uns in 88 kHz Flac „Freedom Every Day“ von Torsten Goods an. Wie gut sich die Stimme im virtuellen Raum ausbreitet, ist exzellent. Den authentischen Bühnen-Charakter bekommt kaum ein anderer Kopfhörer so gut hin wie ein Ultrasone mit S-Logic Plus. Die Instrumente gruppieren sich harmonisch rund um die Stimme, sehr eindrucksvoll ist, wie natürlich, aber gleichzeitig nachdrücklich der Bassbereich agiert. Hier machen wir gleich einen Unterschied zum günstigeren Ultrasone Pro 550i aus. Dieser agiert nicht so tatkräftig und entschlossen im tieffrequenten Bereich. Überdies löst der 900i im Hochtonbereich feiner auf und spielt freier, luftiger. Der homogene Klang stört auch über Stunden nicht.

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Sehr gut gepolstert: Das Kopfband

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Ebenfalls äußerst bequem: Die Ohrmuscheln. Das verwendete Material erweist sich als sehr angenehm

Das sehr angenehme Trage-Gefühl bringt der 900i ebenso mit wie der 550i. Die Ohrpolster sind sehr bequem, das Material ist nicht zu schweißtreibend. Das Kopfband lässt sich präzise justieren und ist ebenfalls komfortabel gepolstert. Der Anpressdruck beim Tragen wird nie unangenehm hoch, trotzdem sitzt der Ultrasone auch nicht zu locker. Durch das geschlossene Bauprinzip dringen kaum Umgebungsgeräusche ans Ohr des Zuhörers, so dass man sich auch in Räumen, in denen parallel Konversationen zwischen anderen Anwesenden stattfinden, voll und ganz dem Musikgenuss widmen kann. 

Diana Kralls „Stop This World“ in FLAC 96 kHz/24-Bit gibt der Ultrasone mit sattem, tiefem Bass und einer sauber arrangierten Stimmwiedergabe zum Besten. Besonders gefallen uns zwei Sachen: Wie präzise auch kleine vokale Details bereitgestellt werden, und wie treffend der Kopfhörer aus Oberbayern die Anschlagdynamik des Pianos herausarbeitet. Dadurch entsteht der Eindruck eines detailreichen, authentischen Klangbildes. S-Logic Plus ist für die grandiose Räumlichkeit, die immer realistisch erscheint, verantwortlich. 

„Diamante“ von Sandra und Tony Alessi liegt wiederum in FLAC 96/24 vor. Das Beschwingte, Frische, kurzum die „italienische Leichtigkeit“, wird sehr gut vom Pro 900i herausgearbeitet. Gerade die räumliche Tiefe punktet auch hier wieder. Die weibliche wie auch die männliche Stimme gibt der Pro 900i gleichermaßen fundiert und gelungen wieder. Die harmonische Wiedergabe-Charakteristik sorgt auch bei gehobenem Pegel für Wohlgefallen. Die Transparenz im Hochtonbereich ist überragend, gleichzeitig aber bleibt der Klang immer souverän-angenehm und wird nie schrill oder aggressiv. 

„Changing Tide“ von Bad Religion (FLAC 88/24) beweist uns, dass der Ultrasone auch mit deftigem Punkrock keine Probleme hat. Den schnellen Rhythmus geht er locker mit und bewahrt das volle Maß an Impulstreue. Die Stimme des Sängers trennt er erstklassig von den Instrumenten. Hier wirkt der Bassbereich zwar sehr präzise, aber es fehlt etwas an maximalem Nachdruck. 

Christian Thielemanns Violinenkonzert Opus 77, Allegro giocoso, ma non troppo vivace, poco piu presto: Auch bei dieser Flac 96/24-Datei besticht der Ultrasone Pro 900i durch seine luftige, zugleich aber mit akkurater Substanz versehenen Wiedergabe. Lebendig, klar, vielschichtig ertönen die Streicher, exakt platziert, impulstreu tritt der gesamte Bassbereich auf. Dank S-Logic Plus erscheint die Räumlichkeit ein weiteres Mal sehr glaubwürdig. Praktisch jeder Musiker innerhalb des Orchesters kann sehr gut ausgemacht werden. Die Dynamiksprünge wirken authentisch und echt. 

Wir bleiben der Klassik und der Violine treu, wechseln aber zum Violinenkonzert Nummer 4, und hier dem ersten Allegro, von Wolfgang Amadeus Mozart. Das Stück in FLAC 96/24 liegt dem Ultrasone ganz besonders. Sehr gelungen die nahtlosen Übergänge zwischen Hoch- und Mittelton- sowie Mittelton- und Bassbereich. Die schon aus den anderen Beispielen her bekannte, fein dosierte, atmosphärisch dichte Räumlichkeit hören wir auch hier heraus. Die Violinensoli sind bestens durchhörbar und beeindrucken durch die vielen Nuancen besonders im Hochtonbereich.

Konkurrenzvergleich

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  • Nur rund 240 EUR kostet der Ultrasone Pro 550i, der auch mit ausgezeichneter Verarbeitung und hohem Tragekomfort zu überzeugen weiß. Er spielt für den günstigen Kaufpreis gelungen auf, ist aber bei Tiefgang, maximaler Auflösung im Hochtonbereich und bei den Strukturen im Präsenztonbereich dem Pro 900i unterlegen. Somit rechtfertigt der „größere Bruder“ auch souverän seinen Mehrpreis. 

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  • Mit 300 EUR ist der Pioneer On-Ear-Kopfhörer SE-MX9 ein gänzlich anderer Charakter. Schon der Slogan „Superior Club Sound“ macht klar, für welche Klientel sich der edel und bestens verarbeitet auftretende Pioneer eignet. Er begeistert mit hartem, sattem Bass und weitläufiger Effektwiedergabe. Wer oft Klassik oder Jazz hört, beziehungsweise einen Kopfhörer für alle Musikstile sucht, ist daher mit dem Ultrasone Pro 900i besser bedient. Freunde von Rap-, R&B- oder auch Trance/Techno-Musik hingegen tätigen mit dem Pioneer den richtigen Kauf. 

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  • Leider nicht mehr ab Werk lieferbar, durch das tolle Auflösungsvermögen und die fein klingenden Höhen aber nach wie vor „eine Wucht“: Der Sony MDR-Z1000 für ehemals 499 EUR ist ein harter Konkurrent. Nur dank des genialen S-Logic Plus behält der Ultrasone knapp die Nase vorn, die Räumlichkeit ist einfach noch überzeugender, ohne dass es auf die Kosten der Präzision gehen würde. 
Fazit

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Ja, es wird schon beinahe langweilig – aber wir sind unschuldig. Die oberbayerische Kopfhörer-Manufaktur Ultrasone schafft es eben immer wieder, erstklassige Kopfhörer auf den Markt zu bringen, die mit enormer Performance in jeder Disziplin schlichtweg bestehende Maßstäbe nach oben verschieben. Da macht der aktuelle Testkandidat, der Ultrasone Pro 900i für 499 EUR, auch keine Ausnahme. Dank S-Logic Plus begeistert er mit enorm dichter, gleichzeitig als echt empfundener Räumlichkeit, superber Detaillierung in allen Frequenzbereichen und mit einem lebendigen, meist kraftvollen Bass. Stimmen werden gelungen im virtuellen Raum abgebildet, und durch die harmonische Auslegung kommt der Pro 900i mit jedem Musikstil bestens zurecht.

Auf ein Neues: Auch in der 500 EUR-Liga setzt Ultrasone mit dem Pro 900i Maßstäbe
preisklassenreferenz
Over-Ear-Kopfhörer bis 500 EUR
Test 22. September 2016

Test: Carsten Rampacher
Fotos: Sven Wunderlich
Datum: 22. September 2016

 

 

 




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