TEST: Nokia 7 Plus - XXL-Display für die Mittelklasse

Der Name ist Programm: Im XXL-Format greifen die Finnen mit einem Mittelklasse-Modell an. Schon jetzt kann man sagen: Comeback gelungen! Das finnische Unternehmen HMD Global kann bereits nach zwei Jahren ein positives Fazit ziehen und überraschte beim letzten GSM World Congress durch eine ganze Fülle an Smartphone-Neuheiten – inklusive diesem schicken Phablet, das ebenfalls auf das puristische Android-One setzt. Wir haben uns das finale Gerät genauer angesehen.

Seitliche Ansicht

Der erste Eindruck stimmt uns positiv, denn der Korpus besteht aus Aluminium, der mit kupferfarbenen Elementen im Rahmen abgesetzt ist. Nokia erfindet damit das Designkonzept zwar nicht neu, doch solche feinen Finessen heben es gekonnt vom Smartphone-Allerlei ab. Es gibt neben Schwarz-Kupfer auch eine auffälligere Variante in Weiß-Kupfer. Einziger kleiner optischer Schönheitsfehler: Die rückseitige Kameralinse ragt recht weit hervor. Dafür ist die Rückseite aber mit einer Keramikbeschichtung überzogen und der Fingerabdrucksensor ist von einem Kupferring umrandet – das sieht man in dieser Preisklasse eher selten. Insgesamt gebührt der Verarbeitungsqualität durchaus Lob, eine IP-Zertifizierung vor liegt aber leider nicht vor.

Auffällig ist ferner die bereits angesprochene imposante Größe, denn der Touchscreen misst sechs Zoll. Der Screen (1.080 x 2.160 Pixel) arbeitet mit der günstigeren LCD-Technik und leistet in allen Kategorien einen soliden bis guten Job. Lobenswert ist dabei vor allem der Kontrastwert und die satte Farbwiedergabe. Nur die begrenzte maximale Helligkeit könnte bei Tageslicht problematisch sein. Nettes Extra: Zum Lieferumfang gehört eine praktische Silikon-Schutzhülle.

Rückseite

Auch dieser XL-Mittelklasse-Vertreter ist mit eine Dual-Kamera versehen. Die rückseitige Hauptkamera arbeitet mit einem Weitwinkel-Sensor mit 12-Megapixel und einem 13-Megapixel-Sensor, der einen zweifachen optischen Zoom bietet. Bokeh-Effekte bereiten somit keine Probleme, wobei man praktischerweise vor der Aufnahme live die Tiefenschärfe regulieren kann. Das restliche Programm sind die obligatorischen Modi: Panorama, Profi-Modus sowie Zeitlupe & -raffer. Durch das integrierte Google Lens können zudem Gegenstände analysiert werden, was auch den Einkauf erleichtert, wenn zum Beispiel ein Schuh der Marke XZ erkannt wird.

Auf den ersten Blick leistet der Knipser einen prima Job, selbst wenn die Lichtverhältnisse nicht optimal sind. Bei näherem Hinsehen merkt man aber, dass etwas geschummelt wird, da mit einem dezenten Weichzeichner gearbeitet wird. Dadurch gehen mitunter Details verloren und ein leichter Blaustich setzt ein. Insgesamt ist die Qualität aber solide.

Aufgenommen mit dem Nokia 7 Plus

Das lässt sich auch über die Selfie-Kamera sagen, die sogar bis zu 16 Megapixel einfangen kann. Auch hier sorgt ein Weichzeichner für geschönte Gesichter. Der Camcorder kann oberdrein in 4K aufzeichnen (3.840 x 2.160 Pixel). Insgesamt also ein gutes Kamerapaket für diese Preisklasse, wobei aber das Fehlen eines Bildstabilisators eine ruhige Hand erforderlich macht.

Das restliche Ausstattungsprogramm bietet zwar ebenfalls keinerlei Überraschungsmomente, doch dafür gibt es viele Breitband-Möglichkeiten, denn es gibt sowohl LTE der Kategorie 6 (bis zu 300 MBit pro Sekunde), als auch das flotte WLAN-ac. Der interne Speicherplatz von 65 GB (ca. 50 GB frei verfügbar) ist ebenfalls preislich angemessen, zumal auch eine Erweiterung via microSD möglich ist. Schön zudem, dass eine konventionelle 3,5-Millimeter-Klinkenbuchse integriert ist und somit der Anschluss eines Kopfhörers kein Problem darstellt.

Android 8.1.0

Das Nokia 7 Plus läuft unter dem Betriebssystem Android 8.1.0. Prinzipiell sollte das Update auf 9.0 Pie bereits seit einiger Zeit erschienen sein, verzögert sich allerdings und ist immer noch nicht erschienen. Apropos Android One: Nokia wirbt sehr offen damit, dass es als Benutzeroberfläche dient. Im Kern bedeutet es, dass Android One die Google-Software in Reinkultur bietet. Der große Vorteil: Man findet sich schnell zurecht, wobei aber auf der anderen Seite auch keine besonderen Finessen zu finden sind. Neben den typischen Pull-Menüs ist die linke Startseite fast schon logischerweise allein für Google-Dienste reserviert.

Rückseitig ist unterhalb der Kameralinse ein Fingerprintscanner platziert, der sich im Praxisalltag stets als verlässlicher Partner entpuppt, um das Smartphone zu entsperren. Der saubere Tastendruck der robusten Seitentasten ist ebenfalls ein Pluspunkt bei der Handhabung.

Schade nur, dass es wieder keine Status-LED zur Anzeige verpasster Anrufer gibt. Offenbar „stirbt“ die Status-LED aus, denn auch bei einigen anderen Smartphone-Neuheiten fehlt das „Blinken“.

Der Prozessor spielt erwartungsgemäß nicht in der höchsten Leistungsklasse, wobei der Snapdragon 660 aber alles andere als betagt ist. Dank der hohen Taktung von 2.200 MHz und  4 GB Arbeitsspeicher kommt der Finne im Alltag nicht so schnell ins Wanken – ein guter Auftritt des Achttakters!

Auch die Akkuleistung kann sich sehen lassen. In mehreren Testzyklen hat sich die Rufbereitschaft auf vier volle Tage eingependelt, was angesichts des XXL-Display eine gute Leistung ist. Bei einem Marathon-Einsatz kommt das Smartphone auf rund 10,5 Stunden nonstop. Ebenfalls löblich: Dank Schnelllade-Technologie und USB-Typ-C-Datenkabel kommt der 3.800-mAh-Energiespender wieder schnell zu Kräften, denn es dauert nur rund 2,5 Stunden bis der Finne wieder 100% Ladestatus meldet.

Im Audio-Bereich geht es weniger spektakulär zu, doch dafür sammelt das hochwertige In-Ear-Headset für Pluspunkte. Bei Telefonaten fällt die starke Präsenz der Stimme auf, was aber auch einen triftigen Grund hat, denn es wurden gleich drei verbauten Mikrofone mit gründlicher Geräuschunterdrückung eingebaut. Die Kehrseite: Richtig natürlich klingen die Stimmen häufig nicht.

Gespart wurde leider beim Lautsprecher. Gerade mal ein Speaker wurde am unteren Rahmen eingebaut. Der Klang ist zwar durchaus lebendig und verfügt über Ansätze im Tieftonbereich, doch bei höherer Lautstärke wird es unsauber.

Nokia 7 Plus

Wir begrüßen das Comeback der europäischen Manufaktur absolut. Mit dem Nokia 7 plus haben die Finnen zudem vieles richtig gemacht: Es ist schick, weist ein sehr großes Display auf und bietet ein gutes Preis-/Ausstattungsverhältnis. Sicherlich muss man bei einigen Details, wie auch der Kameraqualität Abstriche machen, doch bei einem Online-Preis von rund 300 Euro sollte man nicht zu kleinlich sein. Im Bereich Handhabung und Ausdauer verweist das Smartphone viele preisliche Mittbewerber sogar auf die Plätze. So schafft sich Nokia auf dem Markt sicherlich viel Zuspruch.

XXL-Smartphone mit gutem Screen zum fair kalkulierten Preis

10.11.2018

Test: Ulf Schneider
Datum: 10.11.2018

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