TEST: Canton Dreiwege-Bassreflex-Standbox C 309 – die wahre „Volks-Box“ für knapp 600 EUR Paarpreis?

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Bewährte Canton-Technik zum besonders günstigen Preis: Die Canton C 309 Dreiwege-Bassreflex-Standbox liegt bei 299 EUR pro Stück, das entspricht einem Paarpreis von 598 EUR. Hochglänzende Gehäuseausführungen sind nicht mehr im Trend, daher offeriert Canton den ausgewachsenen Standlautsprecher wahlweise in weißem Vinyl-Dekor oder aber in Esche Vinyldekor schwarz, wobei die bei uns zum Test eingetroffene weiße Variante deutlich moderner wirkt. Immer dabei: Ein hochwertiges Lautsprecher-Schutzgitter und ein einfach gehaltener Sockel unter dem Lautsprecher. 

Canton-C-309-Standfuss

Unter der Box ist ein Sockel angebracht 

Die C 309 sieht aus wie ein klassischer Schallwandler. Optische Experimente sieht man nirgendwo, was keinesfalls ein Fehler sein muss. Nicht jeder sucht eine optisch extravagante, aufregende Klang-Skulptur fürs Wohnzimmer. Die Nennbelastbarkeit fällt mit 160 Watt ebenso großzügig aus wie die maximale Belastbarkeit, die bei 320 Watt liegt. Die exzellente Pegelfestigkeit später in den Testreihen bestätigt dies. 88,3 dB, ein ordentlicher, aber nicht besonders guter Wert, stehen bei 1W/1m als Wirkungsgrad im Datenblatt. Mit Stereoverstärkern der 400 bis 500 EUR Liga kann man die C 309 jedoch standesgemäß betreiben. Der Übertragungsbereich geht von tiefen 20 Hz bis hoch auf 40 kHz. Zumindest den Daten nach eignet sich die C 309 auch für Hi-Res-Audio. Wir werden später erörtern, ob dieser Verwendungszweck auch in der Hörpraxis Sinn macht. 

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25 mm Alu-Mangan-Hochtöner 

Bestückt ist die C 309 mit überraschend hochwertigen Treibern. Ein 25 mm Alu-Mangan Hochtöner, ein 180 mm Mitteltöner mit Titanium-Membran und ein Doppelbass-System, bestehend aus zwei jeweils 180 mm messenden Chassis ebenfalls mit Titanium-Membran: Hier findet sich kein Anlass zur Kritik. 

Canton-C-309-Mitteltoener

Mitteltöner

Canton-C-309-Tieftoener

Tieftöner

Gut gefällt uns das hochwertige Schutzgitter, schon weiter oben erwähnt. Das Gehäuse trägt klassische Merkmale, vorn findet sich noch eine mit recht kleinem sowie gleichbleibendem Spaltmaß angebrachte Schallwand. Ein modisches, aber auch nicht so günstiges Unibody-Gehäuse gibt es bei der C 309 nicht. Auch sind rund um die Chassis noch sichtbare Schrauben angebracht, die Chassis selber sind nicht nur, wie von uns schon genannt, technisch leistungsfähig, sondern sehen auch gut aus. Chromringe oder andere Auffälligkeiten rund um die Membranen entsprechen grundsätzlich nicht dem eher nüchternen Canton-Stil, die C 309 als Einstiegsmodell macht hier keine Ausnahme. 

Canton-C-309-Verarbeitung

Separate Schallwand

Canton-C-309-Bassreflexrohr

Bassreflex-Öffnung vorne

Canton-C-309-Rueckseite-Seitlich

Schlichte, aufgeräumt wirkende Rückseite. Die „cleane“ Optik liegt auch daran, dass die Bassreflex-Öffnung vorne untergebracht ist

Canton-C-309-Anschluesse-Rueckseite

Single-Wiring-Terminals in guter Qualität

Normalem Standard entsprechen die griffgünstigen Single-Wire-Terminals fürs Boxenkabel.  Satte 23 kg wiegt eine C 309, der Lautsprecher ist 24 cm breit, 105 cm hoch und 30 cm tief. Das kann man durchaus noch als wohnraumkompatibel bezeichnen, gleichzeitig aber sieht die C 309 schon „standesgemäß“ aus.

Klang

Wir lassen den 007-Klassiker „A View To A Kill“ in CD-Qualität laufen und drehen etwas lauter auf, um die Kraft des Songs unmittelbar zu spüren, klappt das mit der preiswerten C 309? Klare Antwort: Ja, und wie! Denn so einfach die Gehäuseverarbeitung außen auch sein mag, akustisch entpuppt sich die C 309 als echte, mit viel Nähe zur täglichen Hörpraxis abgestimmte Canton-Konstruktion. Der Klang überzeugt durch die direkte Ausprägung und ein exaktes Timing. Klar, die C 309 ist keine Punktschallquelle, wer also ein so hochpräzises Timing wie bei einem Breitbänder oder bei einem Koaxialchassis erwartet, wird vielleicht etwas enttäuscht sein. Durch das gut arbeitende Filternetzwerk aber kommen alle Klanganteile schon praktisch zur gleichen Zeit beim Zuhörer an. 

Das macht sich auch bei „The World Is Not Enough“ von Garbage bemerkbar. Klar und fundiert tritt die C 309 hier auf, mit straffem Bass, der auch durch seine kultivierte Auslegung punkten kann. Die gute Loslösung der Stimme von den Chassis ist ebenfalls ein Vorzug der C 309, das haben wir in dieser Preisklasse selten so ausgeprägt wahrgenommen. 

In CD-Qualität liegt uns „Over The Hills And Far Away“ in der Version von Nightwish vor. Hier beeindrucken uns die C 309 mit einer Pegelfestigkeit, die man in diesen günstigen Preisregionen sonst nur von Nubert-Lautsprechern kennt. Canton schwingt sich hier zu neuen Höhen auf, die C 309 bekommt zwar einen minimal spitzen Einschlag im Hochtonbereich, agiert aber immer noch souverän und erhält nahezu die komplette Dynamik des Stückes. Die Stimme wird selbst bei großer Lautstärke noch gut von den Instrumenten getrennt, nur die Lösung der Vocals von den Chassis gelingt nicht mehr so geschliffen. 

„Whatever It Takes“ (Imagine Dragons) gefällt uns sehr gut, wenn die Canton C 309 die akustische Darstellung übernimmt. Fundiert ist der Bass, der sich aber nicht über andere akustische Anteile legt. Die Stimme löst sich recht gut von den Chassis. Die Auflösung ist hervorragend, über den gesamten Frequenzbereich, selbst bei datenreduziertem Spotify-Material sticht diese Tugend schon hervor. 

Wie hört sich „Body“  von Loud Luxury an? Der House-Hit liegt den C 309 offensichtlich ebenfalls. Wie der Song direkt zu Beginn aufgebaut wird, beweist ein weiteres Mal: Auch kostengünstige Schallwandler sind in der Lage, auf einem sehr beachtlichen Level zu operieren. Über sich selbst hinaus wächst die Canton-Box dann, wenn der harte, kraftvolle Bass einsetzt. Souverän, über jeden Zweifel erhaben, und das selbst bei enormem Pegel. Wir haben einen Denon AVR-X6400H im Stereo-Betrieb bei – 9 dB laut Pegelanzeige, was den beiden C 309 nicht das Geringste ausmacht. Artefaktefrei donnert der Bass durch den 30 Quadratmeter-Hörraum und breitet sich höchst gleichmäßig aus. 

Wir wagen den Zeitsprung in die 90er Jahre und  locken die C 309 mit „Tomarrow“ von Dumonde aus der Reserve. Durchschnittlich – so kann man die Güte des Quellmaterials bezeichnen. Cantons Preis-/Leistungs-Hit holt jedoch schlichtweg fast alles heraus, was geht. Der Bass besitzt erneut viel Energie, und die räumliche Ausbreitung ist hervorragend. Auch, wenn es mächtig vorwärts geht, verliert sich die C 309 nicht in der Präsentation des schnellen Rhythmus, sondern stellt auch die weibliche Stimme noch differenziert dar. 

Einmal 90er Jahre geht noch, und der Titel des Calvin Rotane-Tracks „Push Me To The Limit“ kann man in Bezug auf die C 309 durchaus wörtlich nehmen. Wir wollen es jetzt wissen, was die Hessen an Pegelfestigkeit ins klassische Boxengehäuse gepackt haben und drehen einfach noch weiter am großen Lautstärkeregler des leistungsstarken Denon AVR-X6400H. Es stehen „- 6 dB“ im Display, und selbst hier gibt sich die Canton noch gelassen. – 5 dB gehen auch noch, erst danach weicht der Bass etwas auf. Nubert, Teufel, aufgepasst: Hier kommt der neue Pegel-Favorit, der scheinbar mühelos selbst Standboxen, die pro Stück 500 EUR kosten, „an die Wand pegelt“. 

Aber: Viele Hörer suchen etwas anderes: Ein kultivierter Klang mit tadelloser Auflösung soll es sein. Also hören wir, wie sich die preiswerte C 309 bei Hi-Res-Audio-Dateien im Flac-Format schlägt. 

„Basil“ von Mark Knopfler in 192 kHz/24-Bit zeigt eine andere Canton C 309: Sehr differenziert, mit feiner Akzentuierung der Stimme Marks, und mit einer sauberen räumlichen Tiefenstaffelung. Die Gitarre kommt akkurat heraus, der „wahre Hit“ aber ist, wie gut Cantons Einstiegsmodell die Stimme vom Lautsprecher löst und sensibel im Raum verteilt. Die Basswiedergabe brilliert auch hier wieder: Ein sattes, aber nicht überzogenes Fundament, klar und mit viel Struktur. 

„Dronning Fjellrose“ vom Hoff Ensemble (192 kHz/24-Bit) – ein melancholisches Stück, das viele Lautsprecher vor eine beinahe unlösbare Aufgabe stellt. Gerade die preiswerte C 309 geht die Wiedergabe auf dem richtigen Weg an: Der Bass hat Kraft, lässt der weiblichen Gesangsstimme aber immer genug Freiraum zur detailreichen Entfaltung. Wie gut das Auflösungsvermögen der C 309 ist, demonstriert gerade dieser Titel besonders gut: Jedes Instrument ist klar ausgeformt, und die Stimme hat Charisma. 

Das ist erneut eine exzellente Leistung – „The Good Life“ in 96 kHz/24-Bit von Till Brönner begeistert mit detailreicher Wiedergabe des Saxophons und mit einem enorm tiefen, satten, präzisen Bass. So viel Charisma für so wenig Geld? Die Canton C 309 greift die bisherigen „Helden des Direktversandes“ frontal an. Nicht nur, weil man die C 309 ebenfalls online erwirbt, sondern vor allem weil sie so gut ist. Berührungsängste mit schwierigen Stücken? Keinesfalls. Die C 309 erweist sich als wahrer Universalist und schreckt vor nichts zurück. 

Und Songs aus „Bella Italia“? Passt das zur nüchternen teutonischen Schallwandler-Konstruktipn? Wie so oft verwenden wir Alessis „Diamante“ in 96 kHz/24-Bit. Keine leichte Aufgabe, da die Stimmen von Sandra und Tony Alessi sich in einem sehr weiten Spektrum bewegen und relativ dominant abgemischt sind. Die sehr gelungene und sorgfältige Auslegung der C 309, die uns sogar noch besser als bei Vertretern der GLE-Boxenserie gefällt, ermöglicht aber auch hier eine feine, frische und nicht zu aggressiv-schneidende Stimmwiedergabe bis zu recht hoher Lautstärke. Trotzdem: Hier sollte man es bei etwas geringeren Maximalpegeln belassen, ansonsten tendieren die Stimmen dann doch in die metallische Richtung. 

Der Eagles-Hit „Desperado“ in der Adaption von Diana Krall liegt in Flac 48 kHz/24-Bit vor. Und die C 309 blamiert sich auch hier nicht. Mit viel Feingefühl und Lebendigkeit geht sie vor und sichert ein umfassendes Hörerlebnis. Besonders gut gefällt uns, wie gut sich die Stimme von den Lautsprechern löst und frei im Raum verteilt. 

Wolfgang Amadeus Mozarts Violinenkonzert in A-Dur, Köchelverzeichnis 219, 1. Allegro aperto, in Flac 96 kHz/24-Bit präsentiert uns die Canton C 309 mit einem beachtlichen Auflösungsvermögen und mit einer fein dosierten Klangkultur. Nicht, dass hier falsche Hoffnungen geweckt werden: Sehr versierte Stereoliebhaber sollten sich immer noch an höheren Preisklassen orientieren. Feinste räumliche Details oder die absolut freie Verteilung akustischer Elemente im Hochtonbereich kann ein Standlautsprecher für 299 EUR Stückpreis natürlich nicht in vollem Umfang realisieren. Aber derjenige, der eine günstige, solide konstruierte und ausgewogen klingende Standbox auch für das Hören von Klassik sucht, ist hier bestens aufgehoben. 

Konkurrenzvergleich

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  • Magnat Tempus 77, Stückpreis laut UVP 329 EUR: Unsere letztjährige Preisklassen-Referenz sieht richtig gut aus. Klanglich bleibt sie dran an der Canton C 309, die noch etwas mehr Auflösung und Fundament bietet. 

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  • Teufel Theater 500, Paarpreis 899,99 EUR: Etwas teurer, dafür auch technisch noch eine Idee aufwändiger, bietet die Theater 500 eine erstklassige Leistung. Sie ist ebenso pegelfest wie die Canton, bietet eine noch etwas breitere Bühne. Feinheiten im Hochtonbereich stellt die C 309 aber noch geschliffener dar. 

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  • Dali Spektor 6: Besonders angenehm und rund klingt die 299 EUR pro Stück kostende Dali Spektor 6. Sie sieht überdies prima aus und ist ordentlich verarbeitet. Während die C 309 noch etwas feiner auflöst, kann man die Spektor 6 aufgrund ihrer sehr gefälligen, gleichzeitig aber sehr dynamischen Auslegung an praktisch jedem Verstärker betreiben. Beide Boxen, Spektor 6 und C 309, demonstrieren, was man für knapp 300 EUR Stückpreis für gute Standlautsprecher bauen kann. 
Fazit

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Klassischer Holzboxen-Bau – immer noch „En Vogue“? Auf jeden Fall, wenn das Ergebnis so überzeugend gemacht ist wie bei der Canton C 309. Gut verarbeitet und mit klassischer Optik, spricht sie klar denjenigen an, der viel Lautsprecher zum fairen Kurs sucht. Mit diesem Rezept waren auch schon andere Anbieter erfolgreich unterwegs, und teilweise auch mit ausgezeichneten Test-Ergebnissen. Was macht Canton hier anders oder besser? Die Antwort: Auflösungsvermögen bei Hi-Res-Dateien, Pegelfestigkeit, Straffheit im Bassbereich. Diese drei Faktoren zeichnen die C 309 ganz besonders aus. So vollwertig, kultiviert und gleichzeitig dynamisch klingt kaum ein anderer Schallwandler in diesen Preisregionen. 

Die Canton C 309 bietet überdurchschnittlich viel Gegenwert fürs Geld
preisklassenreferenz
Standlautsprecher bis 1.000 EUR Paarpreis
Test 23. Januar 2018

 

Test: Carsten Rampacher
Fotos: Sven Wunderlich
Datum: 23. Januar 2018

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