TEST: Apple TV 4K mit Ultra HD & HDR

Apple TV 4K

Apple bietet mit dem „Apple TV 4K“ die Apple TV-Box der fünften Generation an. Der kompakte Mediaplayer mit A10X-Prozessor und optionaler Siri-Sprachsteuerung bietet Ultra HD-Auflösung und unterstützt die HDR-Standards HDR10 und Dolby Vision.

Die Apple TV 4K-Box wird mit 32 GB Speicher für 199 EUR und mit 64 GB Speicher für 219 EUR angeboten. Die auf 1080p-Bildausgabe beschränkte Apple TV-Box der 4. Generation wird auch weiterhin in der 32 GB-Version für 159 EUR verkauft.

Apple hat mit den meisten großen Hollywood-Studios Vereinbarungen für Ultra HD-Filme abgeschlossen, die ohne Aufpreis zur HD-Version im iTunes Store angeboten werden sollen. Ebenso sollen auch bereits gekaufte HD-Filme teilweise ein Ultra HD-Upgrade ohne Zusatzkosten erhalten – sofern die Studios mitmachen. In Deutschland sind bislang 4k-Filme von Warner, Fox und Paramount im iTunes Store erhältlich. In den USA sind auch noch Sony und Universal dabei. Über diesen iTunes-Link findet man eine Übersicht aller Ultra HD & HDR-Filme im deutschen iTunes Store.

Das Gehäuse-Design der neuen 4k-Box hat sich im Vergleich zum Vorgänger nicht verändert. Neben Gigabit-Ethernet stehen 802.11ac WLAN mit MIMO und Unterstützung für simultanen Dualband-Betrieb (2,4 GHz und 5 GHz) sowie Bluetooth 5.0 zur Verfügung. Der HDMI-Anschluss entspricht dem Standard HDMI 2.0a.

Apple TV 4K 02

Die Ultra HD-Filme werden auf die „Apple TV 4K“-Box ausschließlich gestreamt. Eine Download-Option für 4k-Videos ist nicht vorgesehen. Auf iOS-Geräte und via iTunes können lediglich die 1080p-Versionen heruntergeladen werden. Apple empfiehlt für 4k-Streaming eine Internet-Bandbreite von 25 Mbps und weist darauf hin, dass automatisch auf eine niedrigere Qualitätsstufe zurückgeschaltet wird, wenn die Bandbreite nicht ausreicht. 

HDR10 und Dolby Vision werden von den Studios unterschiedlich eingesetzt. So findet man z.B. die meisten Warner-Filme auch mit Dolby Vision-HDR während z.B. Fox ausschließlich HDR10 einsetzt. Obwohl das iTunes-Sortiment in Ultra HD derzeit noch nicht ganz so umfangreich wie das Ultra HD Blu-ray-Angebot ist, findet man teilweise sogar Filme in Ultra HD, die ansonsten nur auf Blu-ray Disc aber nicht als Ultra HD Blu-ray erhältlich sind.

Die Tonausgabe ist derzeit auf Dolby Digital Plus 7.1 Surround-Sound beschränkt. Eine Unterstützung für Dolby Atmos gibt es noch nicht, soll aber angeblich bereits in Vorbereitung sein.

Neben iTunes bietet auch Netflix Filme & Serien in 4k & HDR für das „Apple TV 4K“ an. Die Amazon Prime Video-App soll im Jahresverlauf folgen. Eine YouTube-App ist zwar vorhanden. Diese bietet aber kein 4k-Streaming, da die Apple-Box den für Ultra HD genutzten VP9-Codec von Google nicht unterstützt.

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Apple bietet Filme und Serien in zwei getrennten Shop-Bereichen sowohl zum Verkauf als auch zum Verleih an. Das Angebot umfasst auch viele Filme, die bislang noch nicht auf Blu-ray Disc veröffentlicht wurden. Im Vergleich zu Amazon Video, wo teilweise nur die deutsch synchronisierten Fassungen erhältlich sind, gehört bei Apple fast immer auch der englische Originalton dazu. Auf der Apple TV 4K-Box lassen sich auch mehrere iTunes-Accounts verwalten und wer z.B. bereits über einen iTunes US-Account verfügt, kann diesen auch in Deutschland zum Kauf von Filmen und Serien nutzen.

Der App Store auf dem Apple TV bietet im Vergleich zum App-Angebot für iOS-Geräte eine deutlich kleinere Auswahl. Vor allem TV-Sender, Pay TV-Sender wie Sky oder Streaming-Anbieter haben eigene Apps für das tvOS entwickelt und auch die Mediatheken von ARD und ZDF stehen zum Abruf bereit. Echtes Live-TV ist z.B. mit Zattoo oder mit der SAT>IP-App für externe SAT>IP-Server nutzbar.

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In der „Apple TV App“ bündelt Apple die Angebote verschiedener Anbieter und verschafft so einen Überblick über das aktuelle Programm mit Verknüpfungen zu den einzelnen Apps. Diese App gibt es zum Start zunächst nur in den USA, soll aber bis Ende 2017 auch in Deutschland angeboten werden.

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Die Apple TV 4k-Box erkennt beim Anschluss an den Fernseher automatisch, welche Auflösung und HDR-Formate dieser unterstützt. Dabei präferiert Apple eine Auflösung von 60 Hz. Manuell lassen sich auch 50, 30, 25 oder 24 Hz einstellen, wobei die Menü-Animationen bei den niedrigeren Frameraten etwas ruckelig wirken. Im Unterschied zu allen anderen bislang erhältlichen Geräten mit HDR-Unterstützung wird HDR nicht erst dann aktiviert, sobald auch tatsächlich HDR-Inhalte abgespielt werden sondern bereits bei der Auswahl von HDR oder Dolby Vision als Format sendet die Box permanent eine entsprechende Kennung an den Fernseher, was dazu führt, dass auch SDR-Inhalte fälschlicherweise mit HDR-Parametern dargestellt werden. Während die Menüs der Box dafür angepasst sind, wirken SDR-Inhalte in diesem Pseudo-HDR-Modus meist zu grell und unansehlich. Die einzige Möglichkeit für eine normale Darstellung von SDR-Inhalten ist die Deaktivierung des HDR-Modus in den Formateinstellungen. Dann werden aber auch echte HDR-Inhalte nur noch in SDR dargestellt. Diese durch die Box und nicht die Inhalte vorgegebene Signalausgabe führt übrigens auch dazu, dass HDR10-Inhalte fälschlicherweise mit Dolby Vision-Parametern auf einem als Dolby Vision erkannten Fernseher wiedergegeben werden. Apple ist ja dafür bekannt, komplizierte Dinge zu vereinfachen. In diesem Fall wird aber genau das Gegenteil erreicht. Denn um sicherzustellen, dass die Inhalte auch wirklich korrekt wiedergegeben werden, muss der Benutzer für jeden einzelnen Film prüfen, in welchem Format diese vorliegen und die Bildausgabe entsprechend anpassen.

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Wesentlich besser hat Apple die interne Frameratenkonvertierung im Griff. So lassen sich die meisten 50 Hz-Inhalte auch ohne störendes Ruckeln mit 60 Hz abspielen.

Apple scheint aber inzwischen erkannt zu haben, dass die bisherige Lösung für HDR und Framerate nicht optimal ist und will daher zukünftig eine automatische Anpassung für Video-Inhalte ermöglichen. Die beiden neuen Features „Match Dynamic Range“ und „Match Frame Rate“ kommen mit tvOS 11.2 und lassen sich getrennt voneinander ein- und ausschalten. Damit lassen sich sowohl SDR/HDR als auch die Bildwiederholungsrate in dem Originalformat der einzelnen Videos ausgeben und z.B. auch 24 Hz-Filme abspielen.

Die mit einem Touchpad ausgestattete Fernbedienung steuert auch die Lautstärke direkt am Fernseher und schaltet diesen optional via HDMI-CEC beim Start der Box ein und auch wieder aus. Alternativ zur mitgelieferten Fernbedienung funktioniert Apple TV 4K auch mit der älteren „Apple Remote“ oder kann auch die Infrarot-Codes von Fernbedienungen anderer Hersteller individuell lernen.

Die Apple TV 4K-Box verfügt über keinen eigenen Media-Player sondern zeigt nur iTunes-Filme und Serien zur Auswahl an. Via AirPlay können z.B. Videos von einem iOS-Gerät abgespielt werden und die Apple TV-Box ist auch zur drahtlosen Tonausgabe an AirPlay-Geräte oder Bluetooth-Lautsprecher geeignet. Aufgrund der fehlenden analogen Tonausgänge lässt sich die Box nicht als AirPlay-Receiver für einfache Stereo-Anlagen nutzen sondern gibt den Ton nur via HDMI aus.

DLNA wird von der Box nicht unterstützt. Erst mit Hilfe von Apps aus dem App Store wie VLC, PlayerXtreme oder der angepassten Kodi-Version MrMc können auch populäre Dateiformate wie MKV aus dem lokalen Netzwerk auf der Apple-Box abgespielt werden. Während die Apple TV-Box das Hardware-Decoding von HEVC/H.265-Videos in 4k-Auflösung für iTunes-Inhalte problemlos meistert, ist für Drittanbieter-Apps ein eigenes Update erforderlich. MrMC unterstützt das hardwarebasierte HEVC-Decoding und sogar HDR ab der Version 3.2.0 für tvOS. 1080p-Video mit HEVC, wie es z.B. bei DVB-T2 HD zum Einsatz kommt, läuft auf dem Apple TV 4K aber auch mit Software-Decoding meist ruckelfrei.

Apple TV 4K 06

Die Bildqualität der von Apple gestreamten Filme ist sehr gut, kommt aber nicht immer ganz an die Qualität von Blu-ray Discs und Ultra HD Blu-rays heran. Während bei den Blu-ray Disc-Formaten meist so hohe Videobitraten zum Einsatz kommen, dass man Störungen durch die Kompression nur äußerst selten im Bild sieht, kann es beim Streaming von etwas körnigerem Ausgangsmaterial stellenweise zu leichter Unruhe im Bild kommen. Die Qualität hängt aber auch immer konkret vom Mastering und Encoding der Filme durch die Anbieter ab. Apple gelingt es zumindest, die Videos ohne größere Bildaussetzer oder Zwischenpuffer-Phasen zu übertragen, sofern die Internet-Bandbreite ausreichend hoch ist.

Mit digitalen Kameras ohne störendes Rauschen gedrehte Filme sind bei iTunes nahezu auf dem gleichen Niveau wie Blu-ray Discs und Ultra HD Blu-rays. Bislang gibt es nur sehr wenige Filme bei iTunes, die auf echten 4k Digital Intermediates basieren und somit auch wirklich native Ultra HD-Auflösung statt 2k-Upscaling zeigen. Besonders anschaulich ist der Vergleich bei „Der Marsianer“, da es sich um einen in 6k-Auflösung gedrehten Film handelt, der zwar ursprünglich auf einem 2k Digital Intermediate basierte, für den aber nachträglich viele der Szenen in den Marslandschaften mit „5k Assets“ überarbeitet wurden. Dadurch zeigt der Film in diesen Szenen ein besonders pixelscharfes Bild, welches sauber komprimiert wurde und im Direktvergleich mit der Ultra HD Blu-ray die nahezu identische Bildqualität bietet.

 

Fazit

Mit dem „Apple TV 4K“ beginnt bei Apple mit etwas Verspätung das 4k-Zeitalter. Apple will dafür damit trumpfen, dass 4k-Filme auf der Box ohne Aufpreis zur normalen 1080p-Version abgespielt werden können und viele Filme bieten nicht nur HDR10 sondern auch Dolby Vision-Unterstützung. Ohne schnellen Internetzugang geht aber nichts. Denn Apple überträgt die Ultra HD-Filme nur als Stream und bietet keine Download-Option als Zwischenpuffer an. Die Bildqualität kann bei den meisten neueren Produktionen überzeugen. Die eigenartige HDR-Bildausgabe macht das wechselnde Betrachten von SDR und HDR-Inhalten aber unnötig kompliziert. Hier sollte tvOS 11.2 aber für Abhilfe sorgen.

Apple nutzt die „Apple TV 4K“-Box vor allem zum Verkauf der eigenen Filme und Serien via iTunes aber dank dem App Store bekommt man inzwischen noch eine ganze Reihe weiterer Streaming-Apps und kann auch Filme aus dem eigenen Netzwerk abspielen.

Während Amazon sein „Fire TV“ gezielt günstig anbietet, ist das Apple TV 4k deutlicher teurer. Einen Mehrwert bietet die Box vor allem für iPhone & iPad-Nutzer via AirPlay. Der A10X-Prozessor bietet auch genügend Leistung für Spiele mit etwas komplexeren Grafiken. Neben der Apple TV-Fernbedienung können aber nur Game-Controller verwendet werden, die von Apple zur Verwendung mit tvOS und iOS zertifiziert wurden.


Test: 07. November 2017

+ 4k-Filme mit HDR ohne Aufpreis
+ Viele TV-Apps verfügbar
+ AirPlay & Bluetooth-Unterstützung

– Auflösung & HDR kompliziert einstellbar (mit tvOS 11.1)
– Wenig Anschlüsse: Kein USB, Toslink oder Stereo-Cinch
– Hoher Preis




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