TEST: Amazon Fire TV mit Ultra HD & HDR

Seit dem 25.09.2017 ist das Amazon Fire TV mit Ultra HD & HDR-Unterstützung für 79,99 EUR erhältlich. Die dritte Amazon Fire TV-Generation ist keine Box mehr wie die mit umfangreichen Anschlüssen ausgestatteten Vorgänger sondern ein kompakterer Dongle im Stil des Google Chromecast mit einem kurzen HDMI-Kabel.

Das 65 x 65 x 15 mm große Kästchen mit 2 GB RAM und 8 GB internem Speicher wiegt 87,1 Gramm und kann direkt an einen HDMI-Eingang angeschlossen werden. Für Apps oder andere Dateien stehen rund 5,3 GB Speicher zur Verfügung. Die Stromversorgung erfolgt wie beim Fire TV Stick über einen MicroUSB-Anschluss. Ein USB-Netzteil befindet sich im Lieferumfang. Bei ausreichender Stromversorgung ist aber auch ein Betrieb über einen USB-Anschluss am Fernseher möglich.

Das neue Fire TV ist mit einer 1,5 GHz Amlogic S905z Quad Core-CPU und einer Mali450 MP3-GPU ausgestattet, die auch Ultra HD-Video mit 60 Hz unterstützt. Das Amazon Fire TV der 2. Generation war noch auf 30 Hz beschränkt. Ausserdem wird bei dem neuen Modell die HDR-Wiedergabe nach dem HDR10-Standard und die Tonausgabe mit Dolby Atmos unterstützt.

Die Fernbedienung verfügt über ein Mikrofon für die Alexa-Sprachsteuerung per Knopfdruck. Das Dualband-WLAN unterstützt die Standards 802.11a/b/g/n/ac im Dualband mit zwei Antennen (MIMO).

Im Vergleich zum 2015 vorgestellten Amazon Fire TV der 2. Generation wurde nicht nur das Gehäuse verkleinert sondern der LAN-Anschluss und der interne microSD-Kartenleser eingespart. Damit werden die Möglichkeiten ähnlich beschränkt wie beim Amazon Fire TV Stick mit Full HD-Videoausgabe. Ausserdem unterstützt das Fire OS 6.2.1.0-System nicht mehr das „Miracast Display Mirroring“ zur Bildschirmübertragung von Android-Geräten.

Bedauerlich ist auch der Verzicht auf einen analogen oder optischen Ausgang für den Ton, mit dem der Fire TV auch eine Alternative zum Amazon Echo Dot darstellen könnte.

Während der leichte Fire TV Stick mit kurzer HDMI-Kabelverlängerung recht simpel am Fernseher montiert werden kann, ist das beim schwereren Fire TV je nach Zugänglichkeit der HDMI-Anschlüsse am TV-Gerät oder AV-Receiver wesentlich komplizierter. So richtig locker baumelt das recht steife HDMI-Kabel nicht und da auf der dem HDMI-Kabel gegenüberligenden Seite auch noch der USB-Eingang ist, kann die Montage schon etwas sperrig sein. Es ist von aussen nicht erkennbar, ob das Kabel eine ausreichende Zugentlastung bietet und Kabel und Buchse die mechanische Belastung auf Dauer ohne Probleme überstehen. Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte eine zusätzliche HDMI-Kabelverlängerung nutzen oder die Box auf der Fernseher-Rückseite mit Klebeband fixieren.

Als Zubehör bietet Amazon für 14,99 EUR einen Ethernet LAN-Adapter an, der zwischen Netzteil und microUSB-Eingang geschaltet wird und auch mit dem 2017er Fire TV Stick mit Alexa-Sprachfernbedienung genutzt werden kann. Ausserdem können externe USB-Speicher über ein USB OTG-Splitterkabel angeschlossen werden.

Das Amazon Fire TV bietet umfangreiche Bildeinstellungen. Neben der automatischen Auflösungserkennung lässt sich das Bild auch auf 2160p, 1080p oder 720p mit 50 oder 60 Hz einstellen. Ein 24 Hz-Modus ist nicht vorhanden. Dafür lässt sich die Farbdarstellung zwischen RGB und YCbCr umschalten und die Farbtiefe auf 8, 10 oder 12 Bit einstellen. Ausserdem lässt sich die Bildschirmgröße für Fernseher mit zu großem Overscan justieren.

Die Kompression der inzwischen überwiegend digital produzierten Filme und Serien bei Amazon Prime Video ist meist sehr sauber. Bei älteren Filmen mit stärkerem Filmkorn lassen sich allerdings stellenweise kleinere Unregelmäßigkeiten in der Kompression erkennen.

Neben dem Schwerpunkt auf Filme und Serien aus dem Amazon Video und Amazon Prime Video-Angebot lassen sich auf dem Android-basierten Fire OS-System auch zahlreiche Apps z.B. von Netflix, die Mediatheken von ARD und ZDF aber auch klassische Anwendungen und Games installieren. Den App-Zugriff hat Amazon mit den letzten Generationen des Fire OS kontinuierlich verbessert, so dass die meisten Apps relativ einfach verwaltet werden können.

Um auch eigene Multimedia-Dateien aus einem DLNA-Heimnetzwerk abzuspielen, sind weiterhin Drittanbieter-Anwendungen wie z.B. das Kodi-Mediacenter erforderlich. APK-Dateien mit Android-Apps ausserhalb des Amazon Store lassen sich auch beim neuen Fire TV installieren, werden aber nicht in der App-Übersicht angezeigt sondern müssen etwas umständlich über den Bereich „Anwendungen“ im „Einstellungen“-Menü oder mit Drittanbieter-Tools gestartet werden. Einfacher geht es mit dem Kodi-Fork „MrMC“, Plex oder „VLC For Fire„, die ganz offiziell bei Amazon als Apps erhältlich sind.

Ultra HD & HDR wird bislang in erster Linie von Amazon Prime Video und Netflix genutzt. Aber auch bei YouTube findet man eine ganze Reihe von interessanten HDR-Demos. Leider erscheint bei einigen YouTube-Videos z.B. aus dem „HDR Channel“ der Hinweis „Dieses Videoformat wird nicht unterstützt“. Alle Menüs des Fire TV werden in Ultra HD und SDR dargestellt. Erst beim Abspielen eines HDR-Videos wird der Fernseher über eine Kennung in den HDR-Modus umgestellt. Auch ohne ausreichende Bandbreite für Ultra HD-Streaming wird von Amazon bereits in den niedrigeren Qualitätstufen HDR aktiviert. Während Netflix bereits HDR-Serien & Filme kennzeichnet, verwendet Amazon derzeit nur eine Kennung für Ultra HD obwohl die meisten neuen Ultra HD-Produktionen auch bereits HDR unterstützen. Abseits von Amazon Prime Video ist das Ultra HD-Angebot von Amazon noch sehr spärlich. Im Unterschied zu Apples iTunes Store findet man bei Amazon keine aktuellen Filme wie z.B. „Wonder Woman“ oder „Transformers – The Last Knight“ in 4k sondern lediglich ein paar ältere Filme von Sony. Bei Netflix sind auch bereits einzelne Filme mit Dolby Atmos-Sound im Sortiment.

Nicht immer ist in der Menü-Übersicht auf den ersten Blick erkennbar, ob ein Film oder eine Serie jetzt als Bestandteil von Amazon Prime Video, gegen Einzelbezahlung oder im Rahmen eines Channel-Abos von einem Drittanbieter angeboten wird. Andererseits wird aber bei einer Suche auch darauf hingewiesen, wenn ein Film z.B. bei Netflix verfügbar ist. Amazon verwirrt Benutzer auch unnötig, weil gerade die Serien oft mehrfach in der Übersicht auftauchen, da die Varianten für HD/Ultra HD und verschiedene Sprachfassungen oft getrennt werden.

Während die Streaming-Apps eine ruckelfreie Ultra HD & HDR-Wiedergabe ermöglichen, scheint das hardwareunterstützte HEVC-Decoding von VLC und Kodi bislang noch nicht richtig genutzt zu werden, da HEVC-kodierte Ultra HD-Dateien oder Live-TV mit 50 Hz nur stockend laufen. 1080p-Videos mit HEVC sind aber ruckelfrei abspielbar.

Fazit

Zwar haben inzwischen die meisten Markenfernseher die Amazon Video-App an Bord. Trotzdem macht das Amazon Fire TV als eigenständiges Gerät immer noch Sinn, um das Angebot z.B. über einen AV-Receiver am Videoprojektor zu nutzen oder Apps einzusetzen, die für den Fernseher selbst nicht verfügbar sind. Mit Ultra HD, HDR & Dolby Atmos-Unterstützung hat Amazon das Amazon Fire TV der 3. Generation auf den aktuellen Stand der Technik angepasst. Das Bedienkonzept hat sich ansonsten nicht groß verändert. Wer bereits die Fire TV-Box der zweiten Generation besitzt, dürfte allerdings auch Features wie den Netzwerk-Anschluss und den microSD-Kartenanschluss vermissen. Eine auf den aktuellen Stand gebrachte Box im Design der Vorgänger hätte sicherlich auch gereicht und die etwas sperrige Konstruktion mit dem fest integrierten HDMI-Kabel wirkt sowohl im Vergleich zum früheren Fire TV als auch dem Fire TV Stick wie ein Rückschritt.

sehrgut
Test: 02. November 2017

+ Ultra HD & HDR
+ Erweiterbar mit Android-Apps aus dem Amazon Store & Installation von apk-Dateien
+ Einfache Stromversorgung via USB

– Dürftiges Filmangebot in Ultra HD & HDR
– unpraktischer HDMI-Anschluss
– Kein erweiterbarer microSD-Speicher
– LAN nur mit Zubehör

Test: Karsten Serck




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