TEST: Pioneer On-Ear-Kopfhörer SE-MX9 – Superior Club Sound für 300 EUR?

Pioneer SE-MX9 Gruppenbild4

„Be Your Own DJ“ – oder „Superior Club Sound“ – der Pioneer SE-MX9  ist Freund klarer Botschaften und eindringlicher Beats. Für 300 EUR ist der edel erscheinende, aber durchaus grobdynamisch gestrickte Hochleistungs-On-Ear-Hörer ab April dieses Jahres im Handel.

Lieferbar ist er in drei attraktiven Farben, wobei Weiß und Schwarz keine Besonderheit darstellen – schon eher trifft dies auf den sehr gelungenen Bronze-Farbton zu, der ebenfalls angeboten wird. 

Pioneer SE-MX9 Anschluss

Hochwertige Material- und Verarbeitungsqualität 

Pioneer SE-MX9 Buegel

Gepolsterter Bügel 

Pioneer SE-MX9 Detail Buegel

In Bronze-Metallic sehr gediegen

Pioneer SE-MX9 Groessenverstellung

 Solider Metall-Verstellmechanismus

Der geschlossene Kopfhörer ist hervorragend verarbeitet und sitzt bequem auf dem Kopf, dank des tadellos gepolsterten Bügels, der sich rasch passend einstellen lässt. Auch die Ohrmuscheln liegen gut an und gefallen durch das komfortable Material, das nicht zu schweißtreibend ist. Man fühlt sich gut mit dem SE-MX9 auf dem Kopf, der opulente Material- und Verarbeitungsaufwand lässt auch den Kaufpreis gleich im richtigen Licht erscheinen. Natürlich kann man das Kabel abnehmen, ein spezieller Drehmechanismus sorgt dafür, dass das Kabel bombenfest einrastet. Das Gewicht liegt bei 305 Gramm, das geht noch in Ordnung. 

Pioneer SE-MX9 Tasche

Tragebeutel – Ähnlichkeiten mit einem Kulturbeutel sind nicht zu übersehen

Pioneer SE-MX9 Kabel2

2 Meter langes Spiralkabel

Pioneer SE-MX9 Kabel1

Für iPod/iPhone/iPad ausgelegtes Kabel

Pioneer SE-MX9 Kabel1 Fernbedienung

 Kabelfernbedienung mit drei Tasten

Das alles wirkt außergewöhnlich hochwertig. Das mitgelieferte Zubehör des 32 Ohm-Kopfhörers ist reichhaltig und umfasst Transportbeutel, 6,3 mm Adapter, Flugzeug-Adapter sowie zwei Kabel. Das ist top. Der Hörer ist „made for iPod/iPhone/iPad“ , daher ist das eine beiliegende Kabel auch für die Nutzung als Multifunktions-Headset ausgelegt. Integriert ist eine kleine Kabelfernbedienung. Das andere mitgelieferte Kabel ist ein 2 Meter langes, qualitativ überzeugendes Spiralkabel. 

Für Bassdruck und Pegelfestigkeit wurden die 50 mm Treibereinheiten extra neu entwickelt. Maximal ist der SE-MX9mit 1.200 mW belastbar, der Wirkungsgrad liegt bei 106 dB. der Frequenzgang reicht von 6 Hz bis 40 kHz. 

Kommt der SE-MX9 akustisch schnell in Fahrt?

Getreu der Maxime von Pioneer, den SE-MX9 für Freude von Club- und Dance-Musik besonders interessant zu machen, haben wir auch verschiedene Stücke aus diesen und benachbarten Genres gehört. Den Anfang macht ein Stück aus dem Bereich Vocal Trance: „I’m Alive“ von Twoloud bietet harte Bässe und zahlreiche Effekte und wir haben so die Möglichkeit, die Bass-Qualitäten des schmucken, sehr gut sitzenden Hörers richtig auszukosten. Und wie versprochen, legt der SE-M9 auch vehement los, ebenso wie bei „Never Let You Down“ von Basslovers United. Pegelfest und auch bei hoher Lautstärke frei von Verzerrungen, bahnt sich der hochwertige Hörer seinen Weg durch die Clubber- und Dancefloor-Szene. Elektronischen Effekte gibt er mit sehr guter Impulstreue wieder, dadurch werden auch schnelle Effektwechsel problemlos gemeistert. Es geht voran beim Pioneer – nichts für sensible Naturen. Diese sollten sich lieber bei den gehobenen Modellen von beyerdynamic oder AKG umschauen. Beim SE-MX9 „gibt es nur ein Gas: Vollgas“ – das macht dem Headphone Freude, da kann das gesamte grobdynamische Können dem Träger des Kopfhörers im wahrsten Wortsinn „um die Ohren“ geschleudert werden. 

Es folgt ein Black-Trip – dieser führt uns zum nicht mehr ganz frischen, aber immer noch sehr schönen Stpck „I Like“ von Keri Hilson. Der Bass ist nicht nur kraftvoll, sondern auch präzise. Die Abgrenzung zu den vokalen Anteilen gelingt gut. Extreme Detaillierung bezüglich Nuancen und hochpräzisen Abstufungen gehört nicht unbedingt zum Repertoire des SE-MX9 – dafür wird auch bei diesem Stück wiederum eine exzellente Grondynamik offeriert. Räumlich entfesselt der Kopfhörer eine dichte Atmosphäre, der sich der an solcher Musik interessierte Anwender kaum entziehen kann. „Luv U Better“ von LL Cool J entwickelt auch arttypischen Charme bei der Wiedergabe über den SE-MX9. Richtig intensiv, einnehmend – so wird der Track präsentiert. Laut hören ist nachgewiesenermaßen ungesund, und daran muss man sich ständig erinnern, wenn man den SE-MX9 auf den Ohren hat. Er animiert stets zum Hören in beträchtlicher Lautstärke, und so muss schnellstmöglich die Vernunft walten und den Pegelregler in bekömmliche Regionen zurückdrehen. „Diamonds“ von Rihanna – auch gut für den SE-MX9 geeignet. Er mag es zwar gern noch schneller, aber der wuchtige Bass liegt ihm. Wobei – extremer Meister des Tiefgangs ist der SE-MX9 nicht. Er liebt eher Bässe, die nicht in subsonischen Bereichen liegen, sondern etwas darüber,  und ganz besonders schätzt er Kickbässe. Bei „Diamonds“ gibt er Rihannas Stimme recht gefällig und klar wieder, die Raumwirkung ist tadellos. 

Und es wird wieder schneller – „Sex, Love, Rock’n Roll“ von Arash steht auf der Wiedergabeliste. Und es wird klar, dass der dynamische Pioneer besonders bei Tracks mit ordentlich Beats per Minute sich am liebsten entfaltet. Diese ungestüme Vorwärtsdrang, diese intensive Darstellung, die dem Träger des Kopfhörers keine Verschnaufpause gönnt, kommt bei flottem Material am besten heraus. Daher dürfte klar sein, dass „Ping Pong“ von Armin van Buuren dem SE-MX9 wie auf den Leib geschneidert ist. Das für den niederländischen Star-DJ recht harte Stück beinhaltet fiese, weil enorm kraftvolle Bässe – selbst hier ist es aber  beinahe nicht möglich, den SE-MX9 in den Bereich bösartiger Verzerrungen zu treiben. Souverän und standhaft gibt er die massiven Bassattacken wieder – eine ausgesprochen gute Leistung. Gleichzeitig schleudert er die elektronischen Klangeffekte mit Vehemenz in den virtuellen Raum. 

„Die Sau rauslassen“ kann man auch mit dem Klassiker „Self Esteem“ von The Offspring. Und mit dem SE-MX9. Allerdings zeigt dieser deutlich, wenn das Quellmaterial nicht auf Top-Niveau ist. So gut der Titel auch ist – da die Quelle nur eine durchschnittliche Klangqualität aufweist, schlafen einem fast die Füße ein. Da hilft auch hören mit höherer Lautstärke nichts, es nimmt nur das Differenzierungsvermögen ab und es kommt nur lautes, plattes Geschrei am Ohr des Hörers an. Also merke – den SE-MX9 muss man verwöhnen mit gutem Basismaterial, dann entfaltet er sich nahezu ungebremst.

„Wind It Up“ gehört immer noch zu den besten Tracks der britischen Breakbeat- und Crossover-Maniacs von The Prodigy. Beim ursprünglich von Platte kommenden Track hört man zwar klar die Platten-typischen Knackgeräusche, aber es geht wuchtig, hart und dynamisch voran. Genau das sind die Qualitäten des SE-MX9 – so macht das Hören des Titels richtig Spaß. Schnelle Breakbeat-Einlagen, meist von Keith Flint präsentiert, kann man sich hier richtig lebhaft vorstellen – so authentisch ist der SE-MX9 am Werk. 

Wir wechseln zu mexikanischem Rock – „Mil Pedazos“ von Juanes liegt dem SE-MX9 durchaus, wobei die Stimme nicht im letzten Detail optimal präsentiert wird. Es geht eher um Dynamik, Nachdruck und Freude am Hören – Klangdetail-Sezierer suchen sich besser einen anderen Kopfhörer. Das merkt man noch deutlicher bei „L’Attesa“ von Andrea Bocelli – der wunderschön emotionale Song ist von einer basswuchtigen Clubb Attack so weit entfernt wie Hansi Hinterseer von The Prodigy. der SE-MX9 gibt den Song zwar gut wieder, aber eben auch nicht mehr. Es fehlt etwas an Auflösung und Brillanz, als Andrea seine Stimme erhebt, und die Trennung von den Instrumenten könnte auch noch besser sein. Bilanzierend ist solche Art von Musik nicht die Domäne des Pioneer-Kopfhörers. 

Was bietet die Konkurrenz? Von beyerdynamic kommt für knapp 200 EUR ein interessanter Beitrag. Der Custom One Pro verbindet Individualisierungsmöglichkeiten mit nachdrücklichem Bass. Der teurere Pioneer wirkt edler, ist pegelfester und noch dynamischer. Von daher rechtfertigt er den Mehrpreis durchaus. 

In eine gänzlich andere Kerbe schlägt der AKG Q 701 Edel-Kopfhörer für Zuhause in Referenz-Verarbeitung und mit sehr facetten- und detailreichem Klang. Massives Volumen und nachdrückliche Kickbass-Kompetenz sucht man hier vergeblich. Für Klassik oder Jazz ist der für faire 230 – 240 EUR Markpreis erhältliche Hörer exzellent geeignet. 

Viel Kopfhörer fürs Geld und authentisches DJ-Feeling gibt es beim Monster NCredible N-Pulse für rund 180 EUR. Robuste Verarbeitung und eine voluminöse Optik, die junge Anwender aktuell sehr schätzen – eine empfehlenswerte Alternative zum Pioneer.

Fazit

Pioneer SE-MX9 Detail1

„Superior Club Sound“ – bei Pioneer kein leeres Versprechen. Man merkt dem SE-MX9 die große Erfahrung mit DJ-Equipment an – enorme Dynamik, exzellente Kickbass-Wiedergabe und sehr intensives Gesamt-Hörerlebnis sind ebenso zu loben wie die robuste Verarbeitung, der hohe Tragekomfort und die trotzdem sehr elegante Optik. Ein Kopfhörer für jedermann ist der SE-MX9 allerdings nicht. Er ist recht dominant und durchaus fordernd, damit spricht er klar die Clubber und Hobby-DJs als Zielgruppe an, ebenso Trance-/Breakbeat- sowie Black-Liebhaber. Wer Klassik oder Jazz hört, schaut sich lieber bei der Konkurrenz um.

Treibender, enorm dynamischer Sound mit massiven Kickbässen – in dieser Welt ist der SE-MX9 der akustische Imperator
ueberragend
Kopfhörer Obere Mittelklasse
Test 23. September 2014

+ Erstklassige Optik und Haptik
+ Souveräne Kickbasswiedergabe
+ Enorm pegelfest und verzerrungsarm
+ Intensives, direktes Hörerlebnis
+ Bequem auch längere Zeit zu tragen

– Für Klassik oder Jazz weniger geeignet

Test: Carsten Rampacher
Fotos: Sven Wunderlich
Datum: 23. September 2014

 

 




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