TEST: Quadral Argentum 490 – großartige Performance für unter 1.000 EUR Paarpreis?

Quadral Argentum 490 Gruppenbild1

Guter Klang muss nicht teuer sein – Quadral verspricht bei der Argentum 490 für einen Stückpreis von rund 450 EUR bereits geschliffene akustische Qualitäten. Der 3-Wege-Bassreflexlautsprecher ist der „große Bruder“ der bereits von uns getesteten Argentum 450. Die eher konservative Optik eint daher beide Geschwister. Dass Quadral auf Gefälligkeit im Detail optisch Wert legt, beweisen aber die stilvollen weißen – und nicht schwarzen – Stoff-Schutzgitter, so passt alles bei der Version mit hochglänzend-weißer Schallwand und mattweißem Korpus zusammen. 

Quadral Argentum 490 Hochtoener

25 mm Hochtöner mit Seidenkalotte

Quadral Argentum 490 Mitteltoener

135 mm Mitteltöner

Quadral Argentum 490 Tieftoener

 180 mm Tieftöner, gleich 2 x vorhanden

Mit einer Nennbelastbarkeit von 140 und einer Musikbelastbarkeit von 200 Watt ist der Lautsprecher auch für größere Aufgaben gerüstet. Der gute Wirkungsgrad liegt bei 90 dB (1W/1m). Dank des Übertragungsbereiches von 28 Hz bis 35 kHz eignet sich der Schallwandler auch für die Wiedergabe hochauflösender Audiodateien, sei es vom Netzwerk, von SACD oder DVD-Audio bzw. Blu-ray Audio.

Der 25 mm Hochtöner mit leichter Seidenkalotte soll sich dabei durch eine Mischung aus natürlicher Brillanz und samtiger, nie aggressiver Charakteristik auszeichnen. Für eine solide Darstellung des Präsenztonbereiches ist ein 135 mm messender MItteltöner verbaut. Den Bassbereich versorgen gleich zwei 180 mm Tieftöner. 1.060 mm ist der Lautsprecher hoch, 185 mm breit und 345 mm tief. 

Quadral Argentum 490 Tieftoener ausgebaut2

Ausgebauter Tieftöner

Quadral Argentum 490 Tieftoener ausgebaut1

Stabile Konstruktion

Quadral Argentum 490 Mitteltoener ausgebaut2

Mit 135 mm ist der Mitteltöner deutlich kleiner als die beiden 180 mm Tieftöner

Quadral Argentum 490 Mitteltoener ausgebaut1

Aus seitlicher Perspektive

Quadral Argentum 490 Hochtoener ausgebaut2

Kompakter Hochtöner

Quadral Argentum 490 Hochtoener ausgebaut1

 Zwei Streben schützen vor potentieller Beschädigung

Quadral gibt an, eine für diese Preisklasse aufwändige und sehr präzise arbeitende Frequenzweiche verbaut zu haben. Für einen kultivierten und gleichzeitig mitreißenden Sound mit verantwortlich ist auch die spezielle Beschichtung der Konusmembranen. Besonders kraftvolle Magnete sichern stets eine ausgezeichnete Performance. 

Quadral Argentum 490 Anschluesse Rueckseite

Einfache Single Wiring-Terminals, das kann Quadral schöner

Quadral Argentum 490 Bassreflexrohr

Bassreflex-Öffnung auf der Rückseite

Quadral Argentum 490 Rueckseite Seitlich1

Rückseite komplett

Quadral Argentum 490 Verarbeitung

 Hochglänzende Schallwand, matter Korpus, gleichmäßiger Übergang mit recht geringem Spaltmaß

Etwas Kritik gibt es im Detail. Sicherlich ist der Preis der Argentum 490 recht günstig, aber man könnte erwarten, dafür Bi-Amping-Terminals in einer ansprechend hochwertigen Ausführung zu bekommen. Vorhanden sind lediglich Standard-Single-Wiring-Terminals. Auch die gesamte Lautsprecherrückseite wirkt sehr einfach, kleine schöne Dinge wie Alu-Ringe um die Bassreflexöffnung, die manche Konkurrenten auch schon in niedrigen Preisklassen zum Aufhübschen einsetzen, fehlen gänzlich. Dass das Lautsprecherschutzgitter nicht magnetisch hält, ist gar kein Problem, das kann man in dieser Preisliga auch nicht erwarten. Gut gefallen uns die robusten Metallstifte am Gitter, denen wir klar den Vorzug vor bruchgefährdetem Kunststoff geben.

Die Chassis sind akkurat auf der einwandfrei in weißem Hochglanz ausgeführten Schallwand eingepasst. Gut gefällt uns der schicke „Argentum“ Schriftzug unterhalb des zweiten Basstreibers. Der Hochtöner wird, auch wenn das Stoffschutzgitter nicht montiert ist, trotzdem durch zwei Gitterstäbe vor Beschädigung geschützt.

Die Verarbeitung des Stoffschutzgitters ist preisklassengemäß, auf der Rückseite finden sich in geringfügigem Maße Klebstoffreste. Optisch würde dem Lautsprecher ein Traversenfuß oder eine Sockelkonstruktion gut stehen, damit würde die Wirkung der Box gleich eine ganz andere sein. Vielleicht nimmt sich Quadral diesen gut gemeinten Rat ja zu Herzen und führt bei der nächsten Generation eine derartige Neuerung ein. 

Klang

Und wie klingt die Argentum 490? Zunächst haben wir unsere „kampferprobte“ James Bond Themes SACD eingelegt – auf dieser befinden sich verschiedene Titelmelodien von 007-Movies, in rein instrumentaler Form. „You Only Live Twice“ gefällt gleich von Anfang an durch die harmonische, kultivierte Wiedergabe. Der Hochtonbereich überzeugt auf ganzer Linie, denn es herrscht enorme Klarheit, aber gleichzeitig übertreibt die Argentum 490 nicht, sondern liefert auch noch eine tonal sehr angenehme, gleichmäßige Leistung ab. Die Charakteristik ändert sich auch dann nicht, wenn die Pegel höher ausfallen. Ausgezeichnet bestellt ist es auch um die erzielte Räumlichkeit. Hier könnte man, wenn man denPreis der Argentum 490 nicht kennt, durchaus auf einen deutlich teureren Lautsprecher tippen. Fein dosiert und sauber aufgebaut verteilt sich der Klang im Hörraum, akustische Anteile lösen sich darüber hinaus sehr gut von den Lautsprecherchassis. Wir erkennen an – manches Detaoil an der Argentum 490 mag etwas einfach wirken, hinzu kommt die sehr klassische Optik – aber aus akustischer Perspektive macht dem Lautsprecher kaum ein Konkurrent ähnlicher Preisregionen ernsthaft etwas vor.

Die Dynamiksprünge bei „Diamonds Are Forever“ werden mit Bravour gemeistert, getrieben von einem älteren Advance Acoustic Vollverstärker (MAX-450) enthaltet die Argentum 490 überraschendes Potential. Sowohl Grob- als auch Feindynamik weisen, bezieht man den Preis als Fixpunkt mit ein, keinerlei Schwächen auf. Große dynamische Unterschiede werden impulstreu und mit Nachdruck wiedergegeben, kleinere dynamische Differenzen arbeitet der Standlautsprecher ebenfalls zuverlässig heraus. Die Argentum 490 schafft viel Atmosphäre, indem sie eigentlich alle Faktoren berücksichtigt, die für eine rundherum gelungene Wiedergabe wichtig sind. Klarheit, Nachdruck, Räumlichkeit, Detailfreue und Dynamik werden – das beweist auch „Live And Let Die“ mit recht komplexem Anforderungsprofil (viele Tempo-/Rhythmuswechsel etc.) sehr treffend. Die preiswerte Box spielt vollwertig und souverän auf, Eigenschaften, die man, gerade in Kombination mit der vorzüglichen Pegelfestigkeit, nicht unbedingt in diesen Preisregionen als gesetzt betrachten kann. 

Wolfgang Amadeus Mozarts Klarinettenkonzert (Deutsche Grammophon-SACD) ib A-dur, KV 622, verdeutlicht ebenfalls die Qualitäten des Lautsprechers aus Hannover. Gerade Klassisches klingt oft etwas vordergründig, um nicht zu sagen ärmlich, wenn preisgünstige Schallwandler mit der akustischen Präsentation beauftragt werden. Es ist erfrischend, festzustellen, dass die Argentum 490 hier aus den gültigen Regularien ausbricht und mit einer gefälligen, lebendigen Wiedergabe der Klarinette positiv auffällt. Die gesamte Wiedergabe erscheint nicht, wie sonst oft, etwas fade und lieblos, sondern besticht durch eine Tiefenwirkung, die wir so nicht erwartet hätten. Auch die orchestalen Einsätze kommen gut zur Geltung, die Streicher sind ordentlich eingearbeitet und erscheinen nie schrill oder aggressiv. Sicherlich, das werden erfahrene Musikliebhaber wissen, gibt es nach oben noch enormes Potential. Bei Detaillierung, Räumlichkeit im Hochtonbereich und der exakten Herausarbeitung typischer Merkmale aller beteiligten Instrumente schlagen sich teure Schallwandler erwartungsgemäß besser. Doch betrachtet man das akustische Ergebnis in Relation zum Kaufpreis, setzt sich die Argentum 490 blendend in Szene. 

Wir setzen mit Andrea Bocellis „Dell’Amore Non Si Sa“ die Klang-Checks fort, diesmal in CD-Qualität. Mit straffem Bass, sehr gutem Tiefgang und ausgezeichnetem Volumen nehmen die beiden 180 mm Tieftöner für sich ein. Mit sehr gut betonter vokaler Kontur und sehr gelungener räumlicher Wirkung macht der 135 mm Mitteltöner von sich reden. Ebenso überzeugt uns der gute Wirkungsgrad. Somit kann die Argentum 490 auch mit Stereoverstärkern der unteren Mittelklasse um 350 bis 400 EUR problemlos zusammenarbeiten. Beim emotionalen Song von Andrea Bocelli trumpft die Argentum 490 mit einer sorgfältigen Behandlung aller akustischen Parts auf. Das Klavier wird so gut wiedergegeben, wie wir es in Regionen um 500 EUR Stückpreis für eine Box nur selten hören: Leicht schrill wird Andreas Stimme erst bei sehr hohem Pegel. Dann kann man auch leichte Verzerrungen heraushören. In diese Pegelregionen wird man im Höralltag aber nur sehr selten vorstoßen. 

Wie sieht es mit musikalischen Klassikern der 80er Jahre aus? Wir hörten uns die Maxi-Version von Den Harrows „Don’t Break My Heart“ an und waren ein weiteres Mal beeindruckt. Der kräftige, aber nicht unpassend überbetonte Bass fällt ebenso auf wie die gute Raumwirkung der zahlreichen Synthesizer-Effekte. Die Argentum 490 berücksichtigt durchaus auch Details, die bezogen auf die akustischen Ebenen etwas weiter hinten angesiedelt sind. Somit bekommt man insgesamt eine dynamische Vorstellung geboten, der es auch nicht am passenden Nachdruck fehlt. Die Argentum 490 beweist sich als Könner bezüglich der Wiedergabe vieler Musik-Stilrichtungen – aus klanglicher Sicht hat Quadral bei diesem Lautsprecher alles richtig gemacht. 

Vergleichen wir mit der Argentum 450, so kann die größere Box alles noch etwas besser. Raumwirkung, Basskraft, Tiefgang und Facettenreichtum der Wiedergabe sind so gut, dass wir feststellen: Auch, wenn die Leistungen der Argentum 450 schon aller Ehren Wert sind, wir würden gleich den Aufpreis in Kauf nehmen und zur Argentum 490 greifen.

Wer alles ganz anders machen möchte und den Wunsch hegt, leistungsfähige kompakte Aktivmonitore mit einer Vorstufe zu kombinieren, dem legen wir die sauber verarbeiteten Canton AM 5 ans Herz. Rund 700 EUR werden für das Paar aufgerufen, und wenn man nur wenig Platz hat, um Gerätschaften aufzustellen, trifft man hier eine richtig gute Wahl. Modernen „Schnickschnack“ wie Bluetooth oder eingebauten USB-DAC findet man bei den klein bauenden Hessen nicht, dafür aber substanzreichen Sound, gute Pegelfestigkeit und ausgezeichnete Dynamik. 

Und noch eine gelungene Lösung für Platzsparer – die exzellent verarbeitete, sehr attraktive Monitor Audio Silver 1 liegt bei 780 EUR Paarpreis und hat uns dank des harmonischen, gleichzeitig auf angenehme Weise lebendigen Klangs sehr gut gefallen. Sogar ein Bi-Wiring-Terminal bringen die kleinen Schallwandler schon mit. 

Zum nahezu gleichen Preis kann man auch die Nubert nuBox 513 erstehen, die im Testbetrieb nicht nur durch ihre schicke, schlanke Form überzeugen konnte. Sie ist ebenso erfreulich pegelfest wie die Argentum 490, der Sound ist Nubert-typisch neutral. Die Argentum 490 gibt sich hingegen etwas harmonischer in Form minimaler Wärme im Klangbild, die der nuBox 513 fehlt. 

Fazit

Quadral Argentum 490 Front Seitlich2

Quadral ist mit der optisch konservativ auftretenden Argentum 490 ein akustischer Volltreffer gelungen, der in diesen Preisregionen in dieser Konsequenz sonst kaum zu finden sein dürfte. Lebendig, grob- und feindynamisch hervorragend, mit hoher Pegelfestigkeit, und dazu einem sehr angenehmen, nie störenden Klangbild – genauso stellt man sich eine Stereobox vor, die beinahe jedem gefallen dürfte. Wenn sich Quadral nun noch bemüht, einer zum superben Sound passenden Optik auch im Detail einen etwas höheren Stellenwert einzuräumen, kann die Argentum 490 als Vorbild für einen preiswerte und rundherum bestens gelungene Dreiwege-Standlautsprecher herhalten. 

Enorme akustische Stärke in allen akustischen Disziplinen, kombiniert mit einem sehr günstigen Kaufpreis – die Argentum 490 räumt ab
preisklassenreferenz
Standlautsprecher bis 1.000 EUR Paarpreis
Test 25. März 2015

+ Für Preisklasse extrem kultivierte und gleichzeitig mitreißende Akustik
+ Kraftvoller Bass dank 2 x 180 mm Chassis
+ Hervorragende Räumlichkeit
+ Tadelloser Wirkungsgrad
+ Hochtöner überzeugt mit gelungener Mischung aus Samtigkeit und Transparenz
+ Preiswert

– Mehr Liebe zum optischen Detail erwünscht

Test: Carsten Rampacher
Fotos: Sven Wunderlich
Datum: 25. März 2015




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