TEST: Canton Kompakt-Monitorlautsprecher AM 5 – klassisches Konzept, hochwertiger Klang?

Canton AM5 Gruppenbild2

Canton erweitert sein Sortiment an Lautsprechern durch die 2-Wege-Bassreflex- Aktiv-Monitore AM 5, die wahlweise in weißer oder schwarzer Ausführung für 349 EUR/Stück – das heißt: 698 EUR für das Paar. Nicht gerade wenig, wenn man bedenkt, dass man recht zierliche Monitore dafür bekommt, die auf den ersten Blick recht schlicht erscheinen. 3,1 kg wiegt jeder der Monitore, und jeder der Lautsprecher ist 24 cm hoch, 12 cm breit und 16 cm tief.

Canton AM5 Front Seitlich4

Klassischer Zweiwege-Aufbau

Canton AM5 Tiefmitteltoener

Alu-Hochtöner

Canton AM5 Hochtoener

 Tief-/Mitteltöner, auch mit Alu-Membran

Sieht man sich das Gebotene genauer an, fällt auf, wie hochwertig das HDF (kein Druckfehler – es heißt tatsächlich HDF und nicht MDF) Gehäuse in weißem Schleiflack lackiert ist.

Canton AM5 Innenleben

Elektronik

Canton AM5 Innenleben Gesamt

 Ordentlich verarbeitet

Das Metall-Abdeckgittter sitzt exakt, und die Rückseite hinterlässt ebenfalls den Eindruck ausgezeichneter Verarbeitung. Auch das Innenleben präsentiert sich auf tadellosem Niveau, das zur äußeren Hülle passt. 

Canton AM5 Rueckseite Seitlich1

Rückansicht

Canton AM5 Bassreflexoeffnung

Bassreflexöffnung

Canton AM5 Bedienelemente Rueckseite

Einstellmöglichkeiten

Canton AM5 Anschluesse Rueckseite

 Symmetrischer und unsymmetrischer Eingang

Vorteile verbuchen die AM 5 auch bei den Einstellmöglichkeiten: Kippschalter für Hochpass (50/70/100 Hz), die Eingangsempfindlichkeit (10 dBu, 0 dBu, – 6 dBu) und für den Amp Mode (On/Auto), ebenfalls vorhanden sind Regler für Höhenwiedergabe (- 2 dB, 0 dB, + 2dB), Mitten (0 dB, – 2 dB, – 4 dB) und Bass (- 2 dB, 0 dB, + 2 dB). Die Ausstattumg umfasst eine aktive Frequenzweiche, ein leistungsfähiges DSP mit volldigitaler 24-Bit Signalverarbeitung und ein integrierter Limiter mit Soft Clipping-Funktion, damit es weder zu massiven Verzerrungen, noch zu bleibenden Schäden am Material kommt. 80 Watt leistet der eingebaute Verstärker (Dauerleistung), als Peak-Leistung gibt Canton sogar 100 Watt an. Der maximale Schalldruck beträgt 97 dB – auch das ist durchaus als üppig zu bezeich

Bestückt sind die „kleinen Aktiven“ mit einem 115 mm Tief-/Mitteltonchassis und mit5 einem 25 mm Hochtöner. Beide Lautsprecher-Chassis bestehen aus Aluminium – wie wir es von Canton kennen. Leicht und steif, lenken die Canton-Membrane auch bei  hoher Belastung präzise aus. 

Das klingt schon mal nicht schlecht, bedauerlich ist aber, dass Canton keine Fernbedienung mitliefert, um diese Einstellungen gleich bequem mittels Remote vornehmen zu können. Nubert zum Beispiel liefert bei den nuPro-Boxen eine Fernbedienung mit, und auch gleich ein Display, was Justage-Prozesse weiter vereinfacht. Und bedauerlichweise ist es mit der Kritik noch nicht vorbei – schön ist zwar – gerade im Hinblick auf den Einsatz als kleiner Studio-Monitor z.B. bei Musikproduktionen – dass es einen symmetrischen XLR-Eingang gibt, unverständlich ist hingegen, dass eine Nutzungsmöglichkeit als USB-DAC fehlt. Canton verbaut extra eine leistungsfähige interne DSP-Elektronik, macht aber einen sinnvollen Nutzungsweg dicht – das ist nicht nachvollziehbar. Es findet sich kein Lautstärkeregler an den Canton-Boxen, demnach muss die Lautstärkeregelung z.B. durch die verwendete Vorstufe erfolgen. 

Klang

Wie sieht es denn mit den akustischen Eigenschaften der AM 5 Aktivmonitore aus? Vom Übertragungsbereich her eignen sich die „Kompakt-Aktivisten“ auch für HiRes-Audiodateien, das möchten wir doch direkt ausprobieren. Bei „All Or Nothing At All“ von Diana Krall legen sich die AM 5 auch gleich richtig „ins Zeug“ und bieten nicht nur ein erstaunliches Volumen, sondern auch eine für diese Produktklasse hervorragende Stimmwiedergabe. Dianas Stimme löst sich sehr gut von den Lautsprecher-Chassis und verteilt sich sauber ausbalanciert im Hörraum. Die Pegel, die erzielt werden können, sind ohne Frage beachtlich. Bedingt durch die Soft Clipping-Schaltung, läuft auch dann alles recht glatt ab, wenn man die beiden Monitore mal mit Lautstärke „überfüttert“. Das Piano  arbeiten, die kleinen Canton-Lautsprecher prima heraus, wenngleich man natürlich nicht erwarten kann, dass akustische Feindynamik in Vollkommenheit geboten wird – hier ist man definitiv in der falschen Preisklasse unterwegs.

„I Miss You So“ präsentiert sich bei der Wiedergabe über die AM 5 ebenfalls in beeindruckender Form – wieder ist es die sehr gute Gesamtdynamik, die der Präsentation viel Würze gibt. Die vokalen Elemente zeigen sich präzise eingearbeitet, und der Bassbereich offeriert wiederum eine überraschende Fülle – ohne dass die Präzision darunter leidet. 

Wie sieht es bei „Diamante“ von Sandra & Tony Alessi aus? Lebendig und sogar relativ filigran, macht das Stück richtig Freude. Die weibliche wie auch die männliche Gesangsstimme werden ausgezeichnet herausgearbeitet. Neutral, aber nicht spitz oder gar aggressiv abgestimmt, erfüllen die beiden AM 5 genau den Zweck, der für einen aktiven Monitor vorgesehen ist. Die Streicher sind sehr feinfühlig eingearbeitet – kultiviert und dynamisch zugleich, nehmen die kleinen Canton-Aktivlautsprecher eine interessante Ausnahmestellung auf dem Markt ein. 

Das erste Allegro aus Wolfgang Amadeus Mozarts Violinenkonzert Nummer 4 in D-Dur, Köchelverzeichnis 218, beweisen uns: Die AM 5 sind auch bei der Wiedergabe klassischer Musik in ihrem Metier. Lebendig, mit Verve, ausdrucksstark – akustisch lassen sich die beiden kompakten Hessen nichts vormachen und bringen ein so komplettes Klangbild zustande, dass man die recht kleinen Abmessungen glatt vergessen könnte. Der Alu-Hochtöner serviert bei den Violinen vielleicht nicht das letzte Detail, aber doch ein gerüttet Maß an wohl dosierter Brillanz. Uns überrascht auch beim mittlerweile vierten HiRes/FLAC 96 kHz-Stück diese Mischung aus Kultiviertheit und solider Kraft – das traut man den kleinen AM 5 eigentlich gar nicht zu. 

Wechsel von HiRes zur normalen CD-Qualität, und auch Wechsel der musikalischen Richtung: „Netzwerk“ (Falls Like Rain) von Klangkarussell ist nun angesagt, und auch hier machen sich die AM 5 richtig gut. Leichtes Dröhnen im oberen Mitteltonbereich ist an wenigen Stellen erst bei sehr nachdrücklichem Pegel angesagt, ansonsten wird ein ausgewogener, lebendiger Sound geboten, dem es an nichts Elementarem fehlt. Gute Stimmwiedergabe, eine Effektdarstellung, die sich auch sehr gut vom Lautsprecher löst, und eine prima Detaillierung in allen Frequenzbereichen sprechen hier für die hessische Alternative. 

Auch „Prayer In C“ (Robin Schulz Remix) von Lilly Wood And The Prick“ stellen heraus, warum die beiden AM 5 akustisch außergewöhnlich gut gelungen sind: Der Bass klar und überraschend satt, die Synthesizer-Effekte werden glaubwürdig aufbereitet, die vokalen Anteile sind akkurat integriert. Auch bei diesem Stück merkt man, wie ganzheitlich die kleinen Monitore agieren, das ist höchst bemerkenswert. Selbst ein zusätzlicher aktiver Subwoofer für den Bassbereich wird nicht zwingend vermisst, die AM 5 haben einen guten Tiefgang und realisieren auch durchaus einen gewissen Nachdruck.

Wie sieht es mit 80er Jahre Musik aus? Mit „You Win Again“ haben wir hier einen unserer Favoriten von den Bee Gees ausgegraben und lauschen gespannt. Satt, kräftig und mit einer gekonnten Gesamtabstimmung kann man mit den Leistungen der kleinen Boxen vom Lande erneut nicht nur zufrieden sein – nein, „Canton macht glücklich“ – mit dieser Performance muss man  keinen Vergleich scheuen. Selbst dieses keinesfalls  brillante Quellmaterial macht den AM 5 nicht das Geringste aus – sie geben das Stück so lässig und sicher wieder, als gäbe es nichts Einfacheres. Die „Liebesstunden“ von Level 42, ebenfalls ein Klassiker aus den 80er Jahren, können von den AM 5 ebenfalls gegeben werden. Wie schon bei den anderen Stücken davor, punkten die beiden Aktiv-Monitore mit bekannten Tugenden – dem lebendigen Gesamtvortrag, dem straffen Bass, der sehr guten Impulstreue und der ordentlichen Detaillierung. 

Fazit

Canton AM5 Front Seitlich1

Canton hat leider bei der Ausstattung des AM 5 nicht ganz aufgepasst und den im Trend liegenden USB-DAC schlichtweg vergessen. Auch eine Lautstärkeregelung direkt über die Monitore fehlt. Fernab dieser Nachteile begeistern die kompakten Aktivmonitore aus akustischer Perspektive in allen Disziplinen. Ein vollwertiger, kultivierter, gleichzeitig dynamischer sowie lebendiger Klang wird offeriert, den man in diesem hohen Maß bei preisgünstigeren Aktivlautsprechern nur selten finden dürfte. Die hochwertige Verarbeitung und die zeitlos-schlichte Formgebung sprechen auch für die hessischen Lautsprecher. 

Hessischer „Aktivposten“ mit dynamischer, kultivierter Akustik und hervorragender Verarbeitung
ueberragend
Aktivlautsprecher Mittelklasse
Test 19. Dezember 2014

+ Kultivierter, lebendiger Klang
+ Erstaunlich kräftig im Bassbereich
+ Pegelfest
+ XLR-Beschaltung für professionellen Einsatz
+ Sehr gute Verarbeitung

– Kein USB-DAC
– Keine Lautstärkeregelung

Test: Carsten Rampacher
Fotos: Sven Wunderlich
Datum: 19. Dezember 2014




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