TEST: Beyerdynamic Custom One Pro - Performance-Headphones zum fairen Preis?

06.11.2012 (mk/cr/sw)

Einführung

Mit dem Custom One Pro will Beyerdynamic für eine UVP von 199EUR ein neues interaktives Konzept in den gewöhnlichen Musikgenuss einfließen lassen. So lassen sich sowohl optische als auch akustische Eigenschaften des Kopfhörers nach Wunsch des Benutzers verändern wie beispielsweise die Cover der Hörer oder das Bassreflexsystem. Der Custom One ist ein geschlossener Kopfhörer, Geräusche sollen also weder nach innen noch nach außen dringen. Außerdem besitzt er einen sehr weitläufigen Frequenzbereich von 5 bis 35000Hz, der maximale Schalldruckpegel liegt bei 116dB. Wie sich der Beyerdynamic klanglich schlägt, lesen Sie im Test.

Verarbeitung 

Saubere Verarbeitung, technisches Flair

Individuell - Custom Style Wechselcover

Standard

Hochwertige Materialien

Alles solide verschraubt

Tadelloser Tragekomfort

Exakte Passungen

Vertiefung fürs Kabel

Auch bei der Verarbeitung weiß der Custom One Pro, lückenlos zu überzeugen. Die Bügel des Kopfhörers sind aus hochwertigem Aluminium. Oben ist das weiche Kopfpolster angebracht, welches durch schlichtes Öffnen des Klettverschlusses ausgetauscht werden kann. Um für Tragekomfort zu sorgen, gibt es mehrere Einstellungsmöglichkeiten zur Höhe des Bügels. Wenn man dabei den Kopfhörer nicht abnimmt, kann das allerdings etwas schwergängig sein, dafür wird so der stabile Sitz auf den Ohren und dem Kopf garantiert. An den jeweiligen Enden des Bügels sind die Ohrhörer sauber und fest angebracht, sie können dabei noch leicht gekippt werden. Abgesehen vom Kopfpolster können hier auch die Ohrpolster und auf der Rückseite der Hörer das Cover und der Ring ausgetauscht werden. Die Ohrpolster können einfach abgezogen und ausgetauscht werden, sind allerdings standardmäßig bereits aus hochwertigem und bequemem Leder, was auch bei längerer Nutzung für hohen Tragekomfort sorgt. Die Cover und die Unterlegscheiben sind mit Schrauben stabil befestigt. An der Seite des Kopfhörers, an den Gehäuseschalen befindet sich jeweils ein „Custom Sound Slider“ mit dem die Klangcharakteristik durch Einstellung der variablen Bassreflexöffnungen je nach Wunsch in vier Stufen konfigurierbar ist. Die vier Stufen sind „Light Bass“, „Linear“, „Vibrant Bass“, und „Heavy Bass“. Hierbei ist außerdem zu beachten, dass umso mehr Geräusche nach innen abgedämpft werden, je geschlossener die Einstellung des Sound Sliders ist. „Light Bass“ entspricht geschlossen, „Heavy Bass“ offen. Nach unserer Beobachtung dringt keine Musik o.Ä. nach außen, für den Benutzer sind allerdings laute Geräusche relativ deutlich zu hören. In der Nähe des Sound Sliders ist der Kabelanschluss. Das mitgelieferte 3,5mm Klinkenkabel ist ca. 1,50m lang, besitzt aber keinen Lautstärkeregler für den Kopfhörer. Allerdings kann es ebenfalls nach Wunsch des Benutzers ausgetauscht werden.

Klang

Gleich zu Beginn unseres Klangtests fällt uns auf, dass der Custom One ein etwas anders ausgelegtes Modell aus dem Hause Beyerdynamic ist. Beim Basscheck und dem aggressiven Kickbass in „Arguru“ von Deadmau5 hinterlässt der Custom One mit seiner starken Tiefenwiedergabe mit Leichtigkeit einen bleibenden Eindruck, in diesem Frequenzgang kann er auftrumpfen. Je nachdem, in welcher Einstellung des Sound Sliders man sich befindet, variiert natürlich die Stärke. Stufe 1 ist noch recht bassarm, Stufe 2 ist schon etwas kräftiger, ein angehobener Bassbereich hält hier schon Einzug. Die Techno-Fans werden aber spätestens auf der dritten Stufe „Vibrant Bass“ mit der kräftigen Wiedergabe zufrieden sein, welche für ein sehr einhüllendes Klangbild sorgt. Wer immer noch nicht genug hat, der kann dann zur höchsten Stufe greifen, welche die Tiefenwiedergabe regelrecht monströs erscheinen lässt, dafür klingt dann das Gesamtbild etwas stumpf. Das Gleiche zeigt sich auch beim Tiesto Remix von Goldfrapps „Rocket“. Die tieferen Frequenzen sind auch hier wieder mit viel Präzision vorhanden und lassen diesbezüglich keine Wünsche offen. Auch die Synthesizerklänge baut der Kopfhörer sorgfältig auf und fügt sie harmonisch ins Geschehen ein. Die Mitten sind in Form der Vocals deutlich zu hören, auch die Höhen klingen zunächst sehr dynamisch, auf tieferen Bassstufen werden diese aber wieder etwas vernachlässigt. Dennoch stiftet das Klangvolumen des Custom One zum Headshaking an und er lässt hier keine Möglichkeit aus, seine Kraft unter Beweis zu stellen.

Machen wir aber gleich weiter mit „The Howling“ von Within Temptation aus den Niederlanden. Am Anfang fällt uns die feine Präsentation der Klaviernoten und den Geigen auf, bevor dann das komplette Ensemble mit Gitarren, Schlagzeug und den Streichern einsetzt. Hier sollte man sich eher auf den ersten beiden Stufen der Sound Slider bewegen. Beruft man sich auf zu viel Basswiedergabe, wird das gesamte Klangbild dumpfer und ist für die Ohren nicht mehr so harmonisch. Bei einem solch kräftigen Bandensemble gerät man schon einmal in Versuchung, die Lautstärke etwas ansteigen zu lassen. Positiv ist dabei anzumerken, dass der Gesamtklang keineswegs darunter leidet, oder es akustisch unangenehm wird. Die Instrumental- und Vokaltrennung erfolgt noch genauso präzise wie vorher, die Pegelfestigkeit ist also herausragend. Der einzige Kritikpunkt ist die Trennung von Vorder- und Hintergrund. Ist beim Gitarrensolo das vordergründige deutlich und energiegeladen zu hören, geht bei ein paar Höhen, die sich mehr im Hintergrund befinden, wie beispielsweise den Streichern, teilweise die Genauigkeit verloren. Ähnliche Ergebnisse hören wir bei „Cadence Of Her Last Breath“ von Nightwish. Wiederum eine sehr kräftig-voluminöse Wiedergabe der Band, die ordentlich Laune macht, wenn aber zu viele Feinheiten in der Höhendifferenzierung verlangt werden, fehlt dem Custom One etwas die Lässigkeit. Nichtsdestotrotz durch die Pegelfestigkeit auch hier eine klasse Leistung.

Wie detailliert der Kopfhörer dafür bei ruhigeren Liedern sein kann, zeigt er uns beim weltweiten Hit „Somebody That I Used To Know“ von Gotye. Hier differenziert er sämtliche Instrumente aus und spielt die Mitten und Höhen präzise ab. Im Refrain kommt auch die emotionale Stimme sehr gut heraus, das gleiche gilt für den sanften Gesang seiner Duettpartnerin Kimbra. Spitze, anspruchsvollere Klangelemente, wie das Gitarrenzupfen sind für die Dynamik des Kopfhörers hier absolut kein Problem. Wird er also nicht mit Höhen überladen, die ihm zu viel präzise Ausdifferenzierung abverlangen, liefert er ein hervorragendes Klangbild.
Für die Räumlichkeit greifen wir einmal mehr auf den italienischen Sänger Andrea Bocelli zurück und lassen uns mit „Vivo per lei“ berieseln. Während es der Custom One wieder einmal schafft, Dynamiksprünge glaubwürdig darzustellen und den Gesang emotional wirken zu lassen, könnten die Höhen einmal mehr minimal genauer hörbar sein. Allerdings hat der Ohrhörer keine Probleme, die Orchesterelemente allesamt nacheinander einzublenden und ins Gesamtgeschehen einzubinden. Die Räumlichkeit ist wie schon bei Within Temptation spürbar, das Schlagzeug, das Klavier und die Streicher kommen allesamt im virtuellen Raum zur Geltung, auch die Trennung von Stimmen und Instrumenten ist hervorragend. Gerade hintergründige Elemente könnten im Raum aber etwas besser aufgelöst sein, dennoch sind wir mit dem einhüllenden Klangbild äußerst zufrieden.

Zeit für den Konkurrenzvergleich. Obwohl er schon sechs Jahre alt ist, ist der DT990, ebenfalls von Beyerdynamic, mit seiner detaillierten Wiedergabe immer noch bei uns in Benutzung. Während der DT990 zwar im Höhen- und Mittenbereich etwas präziser ist, spielt der Custom One ihn mit seinem kräftigen Bass an die Wand. Da beide in einer ähnlichen Preisklasse liegen, kommt es hier schlicht darauf an, wo der eigene Schwerpunkt liegt. Ebenfalls von Interesse ist der Philips Fidelio L1 für ca. 80EUR mehr. Erneut müssen wir sagen, dass der Custom One nicht ganz mit dem Detail seines Konkurrenten mithalten kann, ansonsten befinden sie sich beim Bass in etwa auf dem gleichen Level. Der Custom One könnte durch seinen günstigeren Kaufpreis und tolles Klangvolumen hier die Nase vorne haben. Wer es eher kabellos mag, der hat sicher schon ein Auge auf den AKG K 840KL geworfen. Auch dieser hat uns damals mit hervorragendem Detail und guter Räumlichkeit überzeugt, allerdings zieht der Custom One den Benutzer mit seiner voluminösen Wiedergabe den Benutzer in seinen Bann. Außerdem ist der Kaufpreis für den AKG bei etwa 370EUR recht happig.

Fazit

Mit dem Custom One Pro setzt Beyerdynamic auf ein neues Konzept, das den Kopfhörer interaktiv machen soll. Einen Kopfhörer, der von vorne bis hinten, optisch und klanglich, individuell anpassbar ist, findet man so schnell nicht. Hinzu kommt noch, dass die Verarbeitung hervorragend ist. Wenn jedoch der Klang des Kopfhörers grundsätzlich nicht stimmt, hilft die Interaktivität nichts. Beim Custom One Pro ist das aber, wie man es von Beyerdynamic kennt, nicht der Fall. Hier wird einem ein hervorragendes Klangbild präsentiert, zusätzlich ist er, je nach Einstellung der Sound Slider, extrem bassstark. In diesem Bereich spielt der Kopfhörer ordentlich auf, dafür könnte die Mitten- und vor allem Höhenwiedergabe detaillierter sein. Dennoch, wer nach einem vollen Klangerlebnis sucht, der wird hier auch angesichts des günstigen Kaufpreises von knapp 200 EUR fündig.

Innovativer Kopfhörer mit vorzüglichem Leistungsprofil zum günstigen Kaufpreis

Kopfhörer Obere Mittelklasse
Test 06. November 2012

+ Hervorragende Verarbeitung
+ Interaktiver und somit voll konfigurierbarer Kopfhörer
+ Starker Tiefgang
+ Tolles Klangvolumen
+ Für diese Leistung günstiger Kaufpreis

- Höhen könnten etwas detaillierter und im Raum besser aufgelöst sein

Test: Michael Kind, Carsten Rampacher
Fotos: Sven Wunderlich
Datum: 06.11.2012

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