TEST: On-Ear Hi-Res-Kopfhörer Pioneer SE-MHR5 – Top-Klangqualität für 150 EUR Marktpreis?

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Ab rund 150 EUR Marktpreis gibt es den schicken Over-Ear-Kopfhörer Pioneer SE-MHR5, dessen neue 40 mm „High Performance“ Treiber laut Hersteller speziell für die Wiedergabe von Hi-Res-Audio-Material konzipiert und entwickelt wurden. Optisch macht der SE-MHR5 für den Marktpreis zweifellos eine Menge her. Das Materialmix wirkt gekonnt, kupfer/roségoldgarbene Akzente korrespondieren mit silbernen, anthrazitfarbenen und schwarzen Elementen.

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Abnehmbare Kabel

Sehr gut gefällt auch das abnehmbare Kabel, das von ordentlicher Qualität ist. Der Pioneer sitzt bequem auf dem Kopf, das Material der Ohrmuscheln ist nicht zu schweißtreibend und wird als angenehm empfunden.

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Verstellmechanismus des Kopfbandes

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Guter Faltmechanismus

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Ohrmuscheln außen

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Ordentliche Detailverarbeitung und Materialqualität

Der Verstellmechanismus des Kopfbandes arbeitet präzise. Das Kopfband ist voll befriedigend gepolstert. Ist der SE-MHR5 korrekt justiert, entwickelt er genau das richtige Maß an Anpressdruck. Der Kopfhörer verrutscht nicht bei jedem Drehen des Kopfes oder bei jeder Bewegung, zugleich aber ist der Druck auch nicht zu fest.

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Transporttasche

Sehr gute Voraussetzungen zum komfortablen Tragen. Außen in die anthrazitfarben gehaltenen Ohrmuscheln ist das Pioneer-Logo in silbern eingraviert. Der integrierte Faltmechanismus funktioniert leichtgängig und hinterlässt somit einen guten Eindruck. Im Lieferumfang enthalten ist auch eine Transportasche, in die wiederum eine kleine Netztasche für den Transport der abnehmbaren Kabel eingearbeitet ist. 

Pioneer SE-MHR5 XDP-30R Gruppenbild

Wie gut funktioniert das Zusammenspiel mit dem XDP-30R?

Die Impedanz des Kopfhörers liegt bei 45 Ohm, die passive Isolierung ist für einen On-Ear-Kopfhörer überraschend gut und hält störende Umgebungsgeräusche im Wesentlichen vom Träger fern. Natürlich – kein Vergleich zu Kopfhörern mit aktivem Noise Cancelling, aber vom Prinzip her ordentlich gemacht. Maximal mit 1.000 mW ist der SE-MHR5 belastbar, der Wirkungsgrad beträgt laut Herstellerangabe 102 dB. Frequenzen von 7 Hz bis 50 kHz kann der On-Ear-Hörer darstellen, wir sind auf die Ergebnisse in den Testreihen gespannt. Pioneer liefert zwei Kabel mit – ein symmetrisches 2,5 mm 4-Pol-Kabel und ein normales Kabel mit 3,5mm Miniklinkenstecker. Aus Versehen lagen unserem Test-Exemplar zwei Kabel mit symmetrischem Anschluss bei. Wie gut, dass der Pioneer Digital Audio Player XDP-30R auch einen 2,5 mm Anschluss mitbringt. 

Klang

Akustisch entpuppt sich der SE-MHR5 als lebendig agierender, kräftig antretender On-Ear-Kopfhörer, der bei Ofenbachs Club-Hit „Be Mine“ einen tadellosen Hörspaß bereitet. Der Bass erfreut auch durch eine ordentliche Präzision, und die gebotene Räumlichkeit überzeugt uns ebenfalls. Musik im Trance-/Club-Style scheint dem Pioneer-Headphone ohnehin zu liegen: „Riders On The Storm“ von Sean Finn gibt der SE-MHR5 mit gutem Nachdruck und einer erneut ausgezeichneten Dynamik wieder. Aufbau und Rhythmus des Tracks werden sauber herausgestellt. Der Pioneer agiert mit tadelloser Pegelfestigkeit, auch bei höheren Lautstärken schlagen die Membranen nicht an. 

Das passiert bei enormen Pegel – die man den Ohren ohnehin nicht lange zumuten sollte – nur bei Keri Hilsons Black-Titel „I Like“. Der äußerst satte, vehemente Bass ist aber bei beinahe jedem Kopfhörer für eine gewisse Überforderung des Membranhubs verantwortlich. Keris Stimme gibt der Pioneer ordentlich wieder, eine reinrassige „high-fidele“ Auslegung ist aber nicht „sein Ding“. Er wendet sich eher an denjenigen Hörer, der mit Spaß hören möchte, und nicht an Anwender, die hauptsächlich klassischen Klängen und Jazz-Songs lauschen möchten. Nicht, dass der SE-MHR5 dies nicht könnte – aber er bringt immer ordentlich Bass-Schub und recht deutlich wahrnehmbare Dynamik mit ins Spiel, das könnte akustischen Feingeistern zu viel sein. Zugleich ist das Detaillierungsvermögen zwar gut, aber hier gibt es, wenn auch teurere, Alternativen, die noch mehr Feinheiten offenbaren. Gut, bislang haben wir Titel lediglich in CD-Auflösung (16-Bit, 44,1 kHz) gehört. Vielleicht lautet unser Urteil bei der Präsentation von Hi-Res-Audio-Dateien anders?

In 48 kHz/24-Bit wird Diana Kralls Adaption von „California Dreamin“ wiedergegeben. Und der Pioneer schlägt sich hier nicht schlecht. Er verleiht der Stimme Dianas durchaus Präsenz, nur im Hochtonbereich könnte die Schärfe der vokalen Konturen schärfer ausgeprägt sein. Aber man muss auch immer bedenken, dass der Pioneer mit einem Marktpreis von rund 150 EUR als absolut finanzierbar gelten darf. Der Digital Audio Player XDP-30R kann aber klanglich mehr, so dass man den SE-MHR5 als das Minimum ansehen kann, das man als Kopfhörer zum sehr talentierten mobilen Player verwendet. Wer keine Kopfhörer deutlich höherer Klassen vom direkten Hörvergleich her kennt, wird beim SE-MHR5 nichts Wesentliches vermissen, denn die Akustik kann man überdies als sehr angenehm bezeichnen. Der SE-MHR5 entwickelt zwar einen kräftigen Bass, dieser tritt aber nicht so überdominant in Erscheinung, dass alle anderen klanglichen Anteile verschwinden beziehungsweise zu stark in den Hintergrund treten.

Gut agiert der Pioneer auch bei Mark Knopflers „Basil“ in 192 kHz/24-Bit. Besonders Marks Stimme und deren räumliche Ausbreitung managt der SE-MHR5 überraschend souverän. Die akustische Gitarre zeigt durchaus auch kleinere Details, teurere Kopfhörer bringen verständlicherweise aber noch mehr Struktur ins musikalische Geschehen. Die Staffelung ist insgesamt als gut bis sehr gut anzusehen, was für einen Kopfhörer dieser Preisklasse absolut in Ordnung geht. Die homogene Gesamtauslegung, die den Pioneer auch für längere Hörsessions interessant macht, schätzen wir bei „Basil“ ein weiteres Mal. 

„Freedom Every Day“ von Torsten Goods wird mit hörenswerter Gesamtcharakteristik präsentiert. Prima trennt der SE-MHR5 die Stimme von den Instrumenten, der Bass ist straff und gefällt durch einen klar definierten Nachdruck: Er wirkt nie schwammig oder zu weich, der SE-MHR5 trifft recht sicher den korrekten Punkt. Die gebotene Räumlichkeit ist auch bei diesem Song tadellos, so dass sich der Pioneer beim in Flac 96 kHz/24-Bit vorliegenden Stück wirklich überzeugend verkauft. Der relaxte Stil von „Freedom Every Day“ wird ausgezeichnet zur Schau gestellt. 

Sogar „Nessun Dorma“, aus Puccinis Oper „Turandot“, gesungen von Jonas Kaufmann, kommt mit reichlich Emotion zur Geltung. Klar – der Klassik-Fan wünscht sich beim Flac 96 kHz/24-Bit-Stück noch etwas mehr feindynamische Raffinesse, aber die sucht man bei 150 EUR-Headphones generell vergeblich. Daher: Eine runde, harmonische Performance, die der Pioneer bietet, und die Stimme des Tenors hat durchaus Charisma. Selbst der Chor ist gelungen eingearbeitet, er wird gut von den Instrumenten getrennt, und auch bei diesem Test-Beispiel erfreut uns der SE-MHR5 mit seiner weitläufigen Räumlichkeit. 

Konkurrenzvergleich

Teufel Turn 5 

  • Teufel Turn: Der Turn klingt fade, wenn man den „Bass-Dreh“ nicht durchführt. Wer das rad für mehr Basskraft einsetzt, wird sich dann aber freuen: Nachdruck und Volumen sind überragend. Für Club- oder Trance-Musik ist der Berliner Kopfhörer bestens geeignet, auch Rock- und Pop-Musik machen richtig Freude. Das gilt auch für die hohe Verarbeitungs- und Materialqualität. Für äußerst seriöse Anwendungen eignet sich der rund 170 EUR kostende Turn dagegen weniger.

Magnat LZR 580 Oehlbach HP-Stand Front Seitlich2

  • Magnat LZR 580: Der ersten LZR-Generation zugehörig ist der LZR580, der mit 99 EUR damals als wirklich günstig zu bezeichnen war. Die Verarbeitungs- und Materialgüte ist absolut in Ordnung für den Kaufpreis, der Pioneer wirkt verständlichweise hochwertiger. Akustisch bringt der SE-MHR5 mehr Substanz, Räumlichkeit und Dynamik mit und rechtfertigt problemlos den höheren Kaufpreis.

Ultrasone Pro 550i 4

  • Ultrasone Pro 550i: 239 EUR kostet der sauber verarbeitete und exzellent auf dem Kopf sitzende Over-Ear-Hörer von Ultrasone. Er detailliert besser und spielt freier auf als der SE-MHR5, der im Bassbereich die Performance des teureren Oberbayern locker mitgehen kann. Der Ultrasone schafft es trotzdem locker, jeden Cent seines Mehrpreises zu rechtfertigen. Optisch wirkt der SE-MHR5 moderner und frischer. 
Fazit

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Der Pioneer SE-MHR5 erfreut mit frischer sowie schicker Optik, tadelloser Verarbeitung und einer für den Kaufpreis hochwertigen technischen Konzeption. Das betrifft zum Beispiel die neu entwickelten 40 mm Treiber sowie die Tatsache, dass der günstige Pioneer schon tadellos, wie auch die Testreihen belegen, für Hi-Res-Audio-Dateien geeignet ist. Er spielt nicht völlig neutral auf, sondern nimmt aus akustischer Perspektive eher die Rolle des „Spaßbringers“ ein. Etwas voluminöser, räumlich sehr dicht, dabei gleichzeitig angenehm: Für viele Anwender dürfte der sehr komfortabel auf dem Kopf sitzende SE-MHR5 ein idealer Begleiter sein. Obwohl ein On-Ear-Kopfhörer und nicht mit aktiver Geräuschunterdrückung ausgestattet, hält der Pioneer-Kopfhörer störende Umgebungsgeräusche recht effektiv vom Hörenden fern.

Schicke Optik, homogener, dynamischer Klang und günstiger Preis: Der SE-MHR5 verdient sich eine Empfehlung
ueberragend
Kabelgebundene Kopfhörer bis 200 EUR
Test 03. Juli 2017

Test: Carsten Rampacher
Fotos: Sven Wunderlich
Datum: 03. Juli 2017




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