Für einen Stückpreis von 550 EUR (Paarpreis 1100 EUR) wechselt die Standbox
Klipsch Reference RF-62 MkII den Besitzer. Der Lautsprecher setzt mit einer
kurzzeitig möglichen Belastungsspitze von 500 Watt (Dauerbelastbarkeit 125 Watt
RMS) und einer Empfindlichkeit von 97 dB (2,83 V @ 1 m) Maßstäbe und ist als
Bassreflex-Konstruktion mit zwei rückwärtig untergebrachten Bassreflex-Ports
konzipiert. Typisch für Klipsch nutzt auch die RF-62 ein Hornkonstruktion für
eine effektive Hochtonwiedergabe - basierend auf einem 2,54 Titantreiber
befindet sich das von Klipsch "Tractix" genannte Horn davor.
Natürlich darf auch die andere Seite des Frequenzspektrums nicht vergessen
werden, zwei 16,5 cm Basstreiber mit Cerametallic-Membran sorgen für einen
enormen Nachdruck und einen ansprechenden Tiefgang. Jede Box wiegt 22,3 kg und
ist mit einer Höhe (mit Füßen) von 102 cm, einer Breite von 21,6 cm und einer
Tiefe (mit Grill) von 39 cm im größeren Wohnzimmer noch ohne größere
Probleme aufzustellen.
Video - Überblick
Verarbeitung und Technik
Gut eingepasstes Bi-Amping-Terminal, die
Lautsprecherkabel-Schraubanschlüsse wirken recht schlicht
Nicht direkt an der Wand aufstellen: Zwei Bassreflexrohre
"schießen" nach hinten
Hochwertige Standfüße
Passung im Detail
Gute Oberflächenqualität, aber scharfe Kanten und keine
Rundungen an den Gehäusekanten
Zwei 16,5 cm Tieftöner für satten Bass
Hochtöner mit Hornvorsatz
Ausgebauter Hochöner
Tieftöner - Anschlüsse
Ausgebauter Tieftöner im Querschnitt
Lautsprecher-Abdeckgitter im Detail
Frequenzweiche
Im Detail
Dickes Gehäuse, innen mit Querverstrebung für mehr
Steifigkeit
Die RF-62 präsentiert sich als "richtige"
Lautsprecherbox, der Design-Spielereien und Skulpturen-Style so fremd sind wie
einem US-Bürger das Dreiliterauto. Das Design wurde im Vergleich zur
Vorgängerbaureihe kaum verändert, die kupferfarbenen Lautsprechermembranen aus
Cerametallic sehen auf jeden Fall gut aus und gehen eine tadellose Synthese mit
der anthrazitfarbenen Schallwand ein. Mitgeliefert wird ein relativ leichtes,
magnetisch haltendes Lautsprecherschutzgitter mit Stoffbespannung. Besonders
edel oder hochwertig wirkt es nicht, aber es erfüllt seinen Zweck und ist
einfach zu befestigen. Gut gefällt uns der Sockel unter der Box, die
Standfüße erscheinen hochwertig und garantieren, dass die RF-62
"kippfrei" bleibt. Die Oberflächenqualität ist gut, was leider nach
wie vor nicht optimal gelöst ist, sind die etwas spitzen Gehäusekanten. Die
RF-62 verfügt über ein Bi-Amping-fähige Terminals, die bezüglich ihrer
Ausführung gängigem Standard entsprechen. Die Treiber sind hinter der
Schallwand montiert, die Schallwand selber ist über solide Schrauben mit dem
Korpus verbunden. Das Innenleben ist ordentlich verarbeitet, der Aufbau der
Frequenzweiche erscheint relativ schlicht. Querverstrebungen sorgen innen für
eine erhöhte Steifigkeit.
Die Klipsch RF-62 MkII ist nach wie vor ein äußerst dynamischer und
nachdrücklicher Vertreter der Bauart Standboxen. Sehr gut eignet sich der
Tiesto-Remix des Goldfrapp-Titels "Rocket", um dies zu untermauern. Es
dürfte in der Preisklasse kaum eine andere Konstruktion geben, die im
Bassbereich so sehr begeistert - und im Gegensatz zu manch früherem Modell
macht die Reference RF-62 MkII weit mehr als nur einen "dicken" Bass:
Sie kokettiert mit Tiefgang, Substanz, Räumlichkeit, Struktur und
Schnelligkeit. Die im Song enthaltenen Bassanteile werden sauber auseinander
differenziert und komplett dargestellt. Der Bass kommt stets genau auf den Punkt
und schwingt nicht nach, hier haben die Klipsch-Entwickler ganze Arbeit
geleistet.
Die RF-62 MkII präsentiert sich als schnell im Antritt und
als pegelhungrig
Wer schon bei "niedrigen Drehzahlen" - will heißen bei
nachbarnverträglichen Pegeln - ordentlich Punch im tieffrequenten Bereich und
eine lebhafte Hochtonwiedergabe realisieren möchte, kann durchaus die
Loudness-Schaltung, falls vorhanden, am AVR oder am Stereoverstärker
aktivieren. Die räumliche Wirkung ist ebenfalls ausgezeichnet, der Klang löst
sich hervorragend vom Lautsprecher. Bei "Close My Eyes" (Sander van
Dorn vs. Robbie Williams" sind die Stimmen zwar leicht zurückgenommen und
"faden" etwas aus dem Fokus, der mächtige Bass aber wird
gleichermaßen wuchtig wie schnell übertragen. Der Effektaufbau kommt sehr gut
zur Geltung, ebenso wie bei "Time Out" (Dream Dance Alliance). Durch
den sehr hohen Wirkungsgrad wird nicht einmal ein übermäßig leistungsstarker
Verstärker für einen dynamischen Betrieb benötigt - noch mehr Freude bereitet
die RF-62 MkII allerdings, wenn ordentlich Input in die US-Box geschoben wird -
die Real Booty Babes Version des Lady Gaga Superhits "Pokerface" kommt
dann mit beinahe unbändiger akustischer Energie zum Hörer.
Doch auch mit anderen Musikrichtungen kommt die RF-62 sehr gut klar, wenn man
einen sehr intensiven und kraftvollen Klang schätzt. So bei Bryan Ferrys Hit
"It's All Over Now, Baby Blue" - hier geht aus grobdynamischer Sicht
wiederum "die Post ab", während die feindynamischen Qualitäten im
Vergleich zu älteren Modellen zugenommen haben, was sich auch in einer besseren
Trennung von Stimmen und Instrumenten zeigt. Die Mundharmonika kommt ebenfalls
gut heraus, der Rhythmus ist allzeit klar erkennbar. Der Hochtonbereicht ist
sehr dynamisch, wer sehr laute Pegel fährt, stellt eine gewisse Überbetonung
im Vergleich zum Mitteltonbereich fest. Der eher sensible Start von "The
Howling" (Within Temptation) steht im krassen Gegensatz zu dem, was nach
den ersten 20 Sekunden passiert, die beiden RF-62 managen den plötzlichen
Dynamiksprung hervorragend. Die Aggressivität des Stücks wird nahezu
ungefiltert übertragen. Die RF-62 macht einen solchen Druck, dass viele eine
deutlich ausladendere Box als Beschallungsmittel erwarten würden. Die
Differenzierung der musikalischen Ebenen nimmt bei sehr hohem Pegel allerdings
deutlich ab. Hier können größere Modelle aus dem Hause Klipsch nochmals
hörbar mehr und behalten beinahe das volle Ausmaß an Differenzierungsvermögen
bei.
Der Tieftöner ist auf hohe Belastung und nachdrücklichen
Antritt ausgelegt
Es war eigentlich bereits klar, dass auch bei "Breathe" von The
Prodigy ein großes Spektakel geboten wird - und die RF-62 enttäuscht nicht.
Der Bass ist schnell und sehr nachdrücklich - die Effekte schießen mit
Höchstgeschwindigkeit durch den Raum - klar wird hier erneut, dass die RF-62
für empfindsame Naturen, die eher zurückhaltend veranlagt sind, nicht
unbedingt der richtige Partner ist. Wer es gern fetzig, intensiv und
raumfüllend mag, liegt hingegen genau richtig.
Bei Carl Orffs legendärer "Carmina Burana" wird auch einiges
geboten - Dynamik, die Fähigkeit, räumlich darzustellen, und ordentlich
Nachdruck in der Gesamtwiedergabe sind auch hier gefragt. Die Klipsch RF-62
spielt ihre bereits zur Genüge geschilderten Vorzüge auch hier voll aus. Die
Detaillierung des Chors zu Beginn ist gut und deutlich besser als bei den
Vorgängern, Dynamiksprünge werden unvermittelt übertragen. Sofort werden
kräftige Impulse mit tadelloser Räumlichkeit in den Hörraum getragen. Die
Übergänge zwischen den Teilen des Frequenzspektrums sind relativ fließend,
hier gibt es aber Konkurrenten, die noch harmonischer agieren. Trotz dieses
kleinen Defizits kann man mit der Darstellung des Frühlings von Antonio
Vivaldis "Vier Jahreszeiten" sehr zufrieden sein: Das erste Allegro
wirkt frisch, dynamisch und bietet zudem eine gute Durchhörbarkeit. Arbeitet
das gesamte große Orchester, kann die Klipsch wieder ihr schnelles
Ansprechverhalten und die raumfüllende Wiedergabe als Vorzüge anführen. Die
Detailarbeit zeigt sich auch hier als verbessert, was man besonders an der
Wiedergabe der Streicher merkt, die weniger synthetisch und hörbar natürlicher
zur Geltung kommen.
Im Bassbereich rangiert die RF-62 MkII weit vorn im
Klassenumfeld
Im Vergleich mit der Reference RF-63,
die deutlich kostspieliger ist, beweist die neue RF-62, wie gut sie
geworden ist. Bei der Pegelfestigkeit sind die Unterschiede gar nicht so groß,
die Räumlichkeit ist bei der größeren RF-63 aber doch besser. Was die
Detaillierung angeht, merkt man, wie deutlich der Sprung bei den MkII-Modellen
ist, die RF-62 MkII spielt hier beinahe auf dem Level der RF-63. Die Nubert nuVero
3 profiliert sich als sehr basskräftige und Platz sparende Alternative - so
viel Wucht wie die RF-62 MkII kann sie natürlich nicht bereit stellen, dafür
agiert sie tonal neutral und detailliert stimmig durch. Die Teufel T 500
ist ebenfalls neutral abgestimmt und im Bassbereich schlanker als die sehr
kräftig agierende Klipsch RF-62. Räumlich sensibel und auch gern einmal
filigran, wendet sich die preisgünstige T 500 eher an den Feingeist - trotzdem
kann sie sehr gut hohe Pegel an, wenngleich hier der Schlussstrich früher
gezogen wird als bei der Klipsch RF-62 MkII.
Fazit
Die Klipsch RF-62 MkII fühlt sich der Klipsch-typischen Tradition
verpflichtet und punktet mit hervorragendem Tiefgang, ausgezeichneter
Grobdynamik und überragender Pegelfestigkeit. Im Vergleich zur
Vorgängergeneration konnte die RF-62 in anderen wichtigen Eigenschaften
merklich zulegen. So besitzt das Klangbild insgesamt mehr Kontur und Struktur,
die Raumausleuchtung im Hochtonbereich wurde ebenfalls verbessert. Nach wie vor
allerdings präsentiert sich die Klipsch als "echte Männerbox" mit
hohem Spaßfaktor. Gerade für kraftvolle Rockmusik oder für
Techno-/Trance-Hymnen eignet sich die RF-62 exzellent, und auch als Basis für
ein leistungsstarkes Mehrkanal-Lautsprechersystem stellt der US-amerikanische
Schallwandler eine sehr empfehlenswerte Basis dar. Passend zum klanglichen
Auftreten ist auch die optische Präsenz markant, männlich und stellt keine
Sekunde die eigentliche Bestimmung in Frage.
Enorm pegelfeste, grobdynamisch exzellente Standbox, die
zudem über einen hohen Wirkungsgrad verfügt
Standlautsprecher Mittelklasse
Test 26. Juli 2011
+ Hervorragender Antritt
+ Enorm pegelfreudig
+ Sehr guter Tiefgang
+ Deutlich bessere Detaillierung als Vorgängerserie
+ Hoher Wirkungsgrad
- in manchem Detail einfache Verarbeitung
Test: Carsten Rampacher
Fotos: Sven Wunderlich
Datum: 26.07.2011