TEST: LG X Cam – Günstiges Multimedia-Ass mit solider Kamera?

Auch eine Idee: Superhelden aus dem Hause Marvel und DC sind schwer angesagt, warum also nicht Trittbrettfahrer spielen und das Smartphone in diesem Kontext vermarkten? Die Idee: Ähnlich wie die X Men verfügen auch LGs Mittelklasse-Smartphones über spezielle Fähigkeiten, da die Macher den Schwerpunkt variieren – so soll das X Cam Smartphone besonders hochwertige Fotos schießen.

Oh, ein schickes Aluminium-Gehäuse!? Leider doch nicht, es handelt sich doch nur um ein silbernes Kunststoffgehäuse. Sicherlich bewegen wir uns in der Preisklasse um 250 Euro, aber manch anderes Modell kann auch in diesem Preisbereich bereits echtes Metall bieten. Es ist offensichtlich, dass der Hersteller den Fokus auf andere Features gelegt hat. Immerhin ist das LG X cam dafür angenehm leicht, recht schlank und wertig verarbeitet – optische Finessen gibt es keine Nennenswerten.

Die Front des Smartphones umrandet das 5,2 Zoll große Display recht üppig, was sich zwangsläufig auf das Format auswirkt. Beim Touchscreen selbst wird aber offensichtlich, worauf es LG ankommt: Multimedia-Vergnügen. Das LC-Display des LG X Cam löst mit 1.920 x 1.080 Pixeln auf, ist knackig scharf und auch die Helligkeit kann überzeugen. Allerdings ist die Farbwiedergabe nicht ganz optimal. Weiß ist eher graublau und alles wirkt recht kühl. Im direkten Vergleich zu einem OLED-Smartphone hat das X Cam daher schlechte Karten.

Rückseite

Nun muss das LG X Cam Farbe bekennen, schließlich sollen die Macher besonderen Wert auf die Kamera gelegt haben. In nackten Zahlen ausgedrückt bietet das mobile Endgerät eine 13 Megapixel Hauptkamera mit Doppellinse, einen HD-Camcorder sowie 5 Megapixel für Selfies. Obendrein gibt es noch Spielereien wie ein Fischauge-Motiv. Ein Autofokus fehlt zwar, dafür lässt sich aber der Bereich per Fingertipp individuell auswählen.

Bei optimalen Lichtverhältnissen sehen die Fotos gut aus, was sich durch eine hohe Schärfe und eine warme und natürliche Farbwiedergabe auszeichnet. Bei geringem Umgebungslicht ist jedoch schnell ein nicht wenig eklatanter Qualitätsverlust festzustellen. Im Test nahmen Unschärfen selbst bei bedecktem Himmel schon zu, was bei einem „Spezialisten“ eigentlich nicht passieren sollte – da haben wir uns mehr versprochen.

Seite

Das restliche Komfortprogramm beschränkt sich auf die Standards, zu denen leider auch kein Fingerprintscanner gehört. Der interne Speicherplatz ist auf rund 10,5 GB limitiert, was aber durch einen microSD-Karten-Einsatz kompensiert werden kann. Die Datenschnittstellen sind dafür breit aufgestellt inklusive eines NFC-Chips, den kabellosen Medienstream Miracast, Wifi Direct, Android Beam sowie DLNA. Als LTE-Smartphone liegt die maximale Bandbreite bei bis zu 150 Mbit/s in den Downloads und 50 Mbit/s in den Uploads (LTE Cat. 4).

Fein: Das aktuelle Google-Android-Version 6.0 „Marshmallow“ ist vorinstalliert, was auch anno 2016 in dieser Preisklasse nicht obligat ist. Darüber wurde das Hersteller-User-Interface gestülpt, das sich dem gängigen Grafikschema anpasst. Schade aber, dass der durchaus nützliche App Drawer fehlt, was aber in letzter Zeit eine Art Trend geworden ist.

LG X cam Foto II

Außenaufnahme mit dem LG X Cam

LG X cam Foto

Typischer Instagram-Shot

Gut, dass ein doppeltes Tippen auf das Display ausreicht, um beim Smartphone den Standby-Betrieb zu beenden, denn der seitliche platzierte An/Aus-Schalter ist recht klein geraten. Ebenfalls positiv ist, dass die Lautstärke-Wippe auch dazu dient, im Kameramodus den Auslöser zu aktiveren. Apropos Kamera: Neben direkten Zugriff für schnelle Schnappschüsse kann der Nutzer auch beim gesperrten X Cam Notizen verfassen. Weniger schön ist hingegen, dass das Entsperrungs-Prozedere durch das Fehlen eines Fingerprintscanners länger dauert – an dieses Feature gewöhnt man sich sehr schnell. Arbeitstempo und Bedienungskonzept funktionieren dafür fehlerfrei.

LG X cam Screenshot

Home-Screen

Da das X Cam vor allem im Bereich Multimedia punkten möchte, wurden ein potenter MediaTek MT6753 Prozessor eingebaut. Dieser verfügt über 8 CPU-Kerne auf Basis der 64-Bit-fähigen Cortex-A53-Architektur und wird von 3 GB RAM unterstützt. Dieser Einsatz zahlt sich aus, denn im Alltag gab es während der Testphase keinerlei Probleme, auch wenn man aufwändige 3D Games zockt. Im direkten Vergleich zur breiten Qualcomm-Konkurrenz schlägt sich das X Cam aber nicht so gut, sobald es um den Bereich Multitasking geht. Für diese Preisklasse aber unter dem Strich eine gute Vorstellung.

Weniger gut ist die Akkuleistung. In mehreren Testzyklen pegelte sich die Rufbereitschaft bei mageren drei Tagen ein, selbst wenn nicht häufig zum Mobiltelefon griff. Die Akkuleistung steht somit im Widersprich zum energiefressenden Multimedia-Genuss.

Auch die Sprachqualität ist leider unterdurchschnittlich, denn der Gesprächsteilnehmer klingt in beide Senderichtungen durch einen Halleffekt häufig „verwaschen“ und dadurch undeutlich. Etwas besser ist da um den Lautsprecher bestellt, der eine ausreichende Pegelfestigkeit bereitstellt und auch gut als Freisprecher fungiert. Allerdings wurde der Mono-Lautsprecher lieblos auf die Rückseite platziert und weist bei Musikwiedergabe klare Schwächen auf. Ein Bassfundament gibt es nämlich überhaupt nicht und bei hoher Lautstärke fängt es an zu scheppern. 

Fazit

Die Idee ist zwar gut, aber die Umsetzung noch nicht ganz ausgereift. Zwar sind die Multimedia-Aspekte durch die Bank weg solide, doch wir sprechen hier von einem Smartphone für immerhin rund 250 Euro und dafür gibt es leider Schwachpunkte, die klar abschrecken. Die Rufbereitschaft lädt nicht zu langen Multimedia-Sessions und die Sprachqualität nicht zu langen Telefonaten ein. Das Designkonzept ist zudem zwar gut gelungen, doch in dieser Preisklasse gibt es mittlerweile viele Vertreter mit einem Aluminiumgehäuse. Mit anderen Worten: Die Konkurrenz in dieser beliebten Preisklasse ist so groß geworden, dass andere Allrounder dem LG X Cam klar die Show stehlen.

Günstiger Multimedia-Spezialist mit Schwächen
areadvd_gut
12.12.2016

+ Gute Performance
+ Gute Kamera
+ Fairer Preis

– Mäßige Sprachqualität
– Knappe Rufbereitschaft
– Kein Fingerprintscanner

Test: Ulf Schneider
Datum: 12.12.2016




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