TEST: Klipsch Soundbar R-4B – All-In-One-Lösung mit Horntechnologie und Wireless-Kompaktsubwoofer

Klipsch R-4B Gruppenbild2

Für 499 EUR bietet Klipsch das R-4B-Package an, bestehend aus Zweiwege-Soundbar und besonders kompaktem Wireless-Aktivsubwoofer mit 16 cm Basstreiber. Die Soundbar, die über einen Decoder für Dolby Digital, aber nicht über einen DTS-Decoder  verfügt, ist mit zwei 6,35 cm Mitteltönern und zwei 1,9 cm Hochtönern mit 90 x 90 Tractrix-Hornvorsatz ausgestattet. Die Soundbar ist vom Arbeitsprinzip her geschlossen. Die Soundbar wiegt 2,6 kg, ist 1016 mm breit, 85,7 mm hoch und 88,9 mm tief. Der aktive Subwoofer ist 160 mm breit, 360 mm tief und 255 mm hoch. 

Klipsch R-4B Soundbar Front Seitlich1

Soundbar mit robustem Finish

Klipsch R-4B Subwoofer Bassreflexoeffnung

Subwoofer im Detail

Klipsch R-4B Subwoofer Front Seitlich

Der Basslautsprecher ist extrem kompakt

Klipsch R-4B Subwoofer Rueckseite Seitlich

Subwoofer von hinten

Klipsch R-4B Subwoofer Tieftoener Unterseite

Basstreiber

Klipsch R-4B Subwoofer Anschluesse Rueckseite

Nur Stromanschluss auf der Rückseite

Die Verarbeitung von Soundbar und Subwoofer ist gut, überbordende Hochwertigkeit darf nicht erwartet werden. Die Soundbar hat ein robustes Kunststoffgehäuse, die Chassis sind unter einem soliden Gitter untergebracht. Vorn zentriert finden sich einige LEDs, die über den Betriebszustand informieren, und ein paar Bedienelemente. All dies ist auf einem sauber verarbeiteten Hochglanzpanel untergebracht. Der sehr kompakte „Baby-Subwoofer“ ist ziemlich leicht und relativ einfach verarbeitet. 

Klipsch R-4B Soundbar Rueckseite Seitlich

Rückseite komplett

Klipsch R-4B Soundbar Anschluesse Rueckseite

Anschlüsse

Klipsch R-4B Soundbar Bedienelemente Front

Es gibt kein Display, nur einige LEDs und Bedienelemente

Die Soundbar verfügt leider nicht über HDMI-Beschaltung. Zur Verfügung stehen Bluetooth, Stereo-Analog, ein optischer Digitalausgang sowie USB. An Bord sind ein virtueller Surrounderzeugungs-Modus, ein „Voice Enhance Mode“ für eine klarere Stimmwiedergabe und ein Nachtmodus mit geringerem Dynamikumfang. Die Soundbar besitzt eine DSP-geregelte Crossover-Schaltung und eigene Verstärkerzüge für Hoch- und Mittel/Tieftöner. Angaben zur Leistung von Subwoofer und der Soundbar macht Klipsch nicht. 

Klipsch R-4B Fernbedienung

Fernbedienung

Im Lieferumfang enthalten ist eine Fernbedienung im Scheckkarten-Format mit Folientasten, die zwar nicht sonderlich hochwertig erscheint, aber problemlos und mit befriedigendem Arbeitswinkel funktioniert. 

Klang

Wir starten mit a-ah, The Final Concert 2010 in Oslo, „The Sun Always Shine On TV“, gewandelt von DTS-HD in PCM, aktivierter virtueller Surround-Modus. Hier zeigt die Klipsch-Soundbar gute Resultate. Der virtuelle Surroundmodus schafft eine hörbar weitläufigere Kulisse, ohne die Präzision in größerem Umfang negativ zu beeinflussen. Zwar nimmt sie etwas ab, aber nicht gravierend. Nach wie vor ist der Klang klar und im Hochtonbereich recht frei aufspielend. Der kompakte aktive Bassist bringt mehr Leistung, als man ihm zutrauen würde, und das bei dieser Blu-ray, deren Basswiedergabe nicht sonderlich ausgeprägt ist. Die Synthesizer Sounds werden mit tadelloser Raumwirkung übertragen. Der Bühnencharakter der Live-Aufführung wird sehr ordentlich herausgearbeitet, die Stimme von Morten Harket kommt entsprechend realistisch heraus. Störende tonale Einflüsse wie Zischeln bei den Vocals sind nicht herauszuhören. Wie es sich für ein Klipsch-Produkt gehört, kann auch die Pegelfestigkeit überzeugen – erstaunlich hohe maximale Pegel werden ohne hörbare Verzerrungen realisiert. 

Auch beim Eagles-Song „Desperado“ (PCM-Stereo) weiß die R-4B zu überzeugen. Der mögliche Maximalpegel reicht auch für anspruchsvollere Anwender aus. Dass die Stimmen auf dieser BD ohnehin nicht perfekt abgemischt sind und zur überspitzten Darstellung neigen, kann die Klipsch-Soundbar nicht ganz vergessen machen. Wer allerdings denkt, das Horn stehe für Aggressivität im Hochtonbereich, sieht sich getäuscht, denn dass die Stimmen hier leicht schrill erscheinen, ist der R-4B nicht anzulasten, sondern dem Quellmaterial. Sonst alles im grünen Bereich. Der kleine aktive Subwoofer realisiert einen tadellosen Bass und arbeitet ausgezeichnet mit der Soundbar zusammen. Es entsteht praktisch keine unschöne klangliche Lücke zwischen der unteren Grenzfrequenz der Soundbar und der oberen Grenzfrequenz des drahtlosen Subwoofers. Der Bass ist überdies recht präzise. Das Klavier wird ebenfalls recht gut wiedergegeben, so dass wenig Raum für ernste Kritik bleibt. Der virtuelle Surroundmodus arbeitet auch bei diesem Musikbeispiel überzeugend, und bietet einen relativ weitläufigen Raum.

Bei „Back In Your Head“ auf der 2- Disc des Tiesto-BD-Sets „Elements Of Life – Copenhagen“ blamiert sich der kleine Subwoofer nicht. Klar werden keine Bass-Stürme entfaltet, es fehlt schon etwas an Volumen. Aber der Kickbass wird recht präzise getroffen und impulstreu umgesetzt. Das Zusammenspiel Soundbar-Subwoofer klappt auch hier wieder gut. Die Vocals lösen sich ordentlich von der Soundbar. Insgesamt eine weitere Vorstellung, mit der das Klipsch-System punkten kann, im Konkurrenzumfeld kann sich die R-4B gut platzieren. Der recht selbstbewusste Preis sollte zwar auch mit bedacht werden, bei gleichzeitig schmaler Ausstattung – dafür aber entschädigen Pegelfestigkeit und Dynamik, hier gehört das Klipsch-Paket zu den besten Vertretern dieser Preisliga.

Wie sieht es bei der Wiedergabe von Filmtonspuren aus? Hier haben wir uns zunächst den Filmbeginn von „Batman – The Dark Knight“ (BD, Dolby Digital Deutsch 5.1) angehört. Die tiefen, satten Bassschläge kann der kleine Subwoofer natürlich nicht in komplettem Umfang darstellen, er schlägt sich aber wacker. Die Atmosphäre mit dem Bedrohlichkeit ausstrahlenden Soundtrack wird aber prima erfasst. Richtig gut agiert der Subwoofer, als die Gangster die Scheibe aus dem Rahmen sprengen, auch das nach allen Seiten wegfliegende zersplitternde Glas kommt gut heraus. Die Geräusche im Auto mit dem Durchladen der Waffen und der Stimmen unter den Masken arbeitet die R-4B ansprechend heraus. Der Hall bei den Schüssen in der weitläufigen Schalterhalle der Bank wirkt authentisch, ebenso die verängstigen Schreie der Bankmitarbeiter und der Kunden. Nie vergisst die US-Soundbar, bei allen sonstigen akustischen Ereignissen auch den Soundtrack gelungen zu berücksichtigen. Die Arbeiten mit dem Spezialwerkzeug an der Tresortür kommen sauber zur Geltung, die wuchtigen Schüsse aus der Pumpgun des Filialleiters haben ein kraftvolles Fundament,

Die Eröffnungsschlacht von Star Wars Episode III (DVD, Dolby Digital) folgt nun. Die Star Wars-typische Musik gleich zu Beginn wird mit lobenswerter Dynamik und einem klaren, präsenten Hochtonbereich übertragen. Und als der große Sternzerstörer kurz darauf durchs Bild donnert, fehlt zwar im Basskeller einiges, was der kleine Subwoofer schlichtweg nicht übertragen kann, aber es bleibt noch ein guter Eindruck hinsichtlich der Basswiedergabe zurück. Anstatt Verzerrungen zu produzieren, gibt der kleine Woofer in dem Bereich, den er darstellen kann, einen sauberen Bass mit erkennbaren Konturen wieder. Im weiteren Verlauf dann überzeugen Impulstreue bei der Effektwiedergabe (Raketen, die durchs All sausen) und bei der Präsentation der Stimmen von Obi-Wan und Anakin. Nur Anakins Stimme zischelt leicht und wirkt dadurch etwas spitz, vielleicht hier doch ein kleines Tribut an die Horntechnologie, die ansonsten den Vorteil eines hohen Wirkungsgrades besitzt. Die Raumschlacht, ein wahres Effektspektakel, wird überraschend vielschichtig und sehr lebendig übertragen. Die R-4B schafft es sogar ansatzweise, richtig Atmosphäre zu erzeugen – das schafft lange nicht jede Soundbar. 

Konkurrenzvergleich
  • Für Marktpreise um die 530 EUR bekommt man die Samsung Curved-Soundbar HW-J7501, die optisch sehr beeindruckend wirkt und zu Samsung Curved TVs eine sehr gelungene Figur abgibt. Die mitgelieferte Fernbedienung ist hochwertiger als bei der R-4B, zudem ist ein Display mit ordentlicher Auflösung vorhanden. Es befinden sich HDMI-Eingang und HDMI-Ausgang am Anschlussterminal. Hohe Systemleistung, HiRes-Audio-Wiedergabe – alles spricht im Vergleich mit der R-4B für die Samsung-Lösung. Die Klangtestreihen zeigen allerdings auf, dass die pegelfeste Samsung-Soundbar zwar sehr räumlich aufspielt, aber im Hochtonbereich weniger Klarheit bietet. Auch die gesamte Auflösung ist geringer als bei der R-4B, deren kleiner aktiver Subwoofer gut mithält. 
  • Harman SB 26/230: Genauso teuer wie die Samsung-Alternative – 530 EUR – ist die Harman Lösung. Die Soundbar ist ausladender als die Klipsch-Alternative, und überzeugt ebenso wie der mitgelieferte drahtlose Subwoofer durch die tadellose Verarbeitung. Eine komplette HDMI-Beschaltung ist an Bord, zudem gibt es eine App zur Steuerung, auf die man aber verzichten kann. Display und DTS-Decoder fehlen auch bei der HK-Soundbar, die nicht ganz so dynamisch antritt wie die Soundbar von Klipsch. Dafür bietet der größere Subwoofer mehr Fundament. 
  • Q Acoustics Media 4: Die 499 EUR kostende britische Soundbar bietet eine All-In-One-Lösung ohne separaten Subwoofer. Die mitgelieferte Fernbedienung ist sehr einfach, es fehlen außerdem Decoder für Dolby Digital und DTS. HDMI-Terminals sind nicht an Bord. Akustisch ist die Media 4 für ein All-In-One-System tadellos, pegelfest und mit toller Dynamik versehen. Die Klipsch-Alternative bietet zum gleichen Preis mehr Volumen undn Räumlichkeit, zudem punktet das ausgezeichnete virtuelle Surrounderzeugungs-Programm.
Fazit

Klipsch R-4B Gruppenbild1

Die Zeichen stehen zu Testbeginn nicht gut für die R-4B. Kein HDMI, kein Display, kein DTS-Decoder, Mini-Subwoofer und mit 499 EUR ein recht hoher Kaufpreis. Auch die Verarbeitung ist nicht dazu angetan, die Stimmung aufzubessern. Klar, robust und solide ist die Soundbar, aber besondere Finesse darf nicht erwartet werden. Auch der kleine Subwoofer lässt durch das geringe „Kampfgewicht“ keinen großen Materialaufwand erwarten. Aber dann kommen die Klang-Testreihen, und ein breites Grinsen tritt in die Gesichter der Tester. Dynamik, Auflösung, Klarheit und überraschenderweise auch die Basskraft können absolut überzeugen. Somit sehen wir die R-4B danach in einem anderen Licht. Wem es nur um den Klang bei Musik und Filmmaterial geht, macht mit der US-Soundbar keinen Fehler. Das virtuelle Surroundprogramm funktioniert sehr gut, der gesamte Klang erscheint räumlicher und weitläufiger, ohne dass die Präzision maßgeblich leidet. 

Im Musik- und Filmtonbetrieb klangstarke und pegelfeste Soundbar/Subwoofer-Lösung
ueberragend
Soundbar-/Subwoofer-Systeme bis 500 EUR
Test 09. Dezember 2015

+ Pegelfest
+ sehr gutes virtuelles Surround-DSP
+ Gute Zusammenarbeit Subwoofer-Soundbar
+ Klarer Klang
+ Für Musik und Filmton geeignet

– Kein DTS-Decoder
– Kein Display

Test: Carsten Rampacher
Fotos: Sven Wunderlich
Datum: 09. Dezember 2015




Alle aktuellen Tests auf AREA DVD
  ZURÜCK