TEST: Q Acoustics HiFi-Soundbar Media 4 – Trend-Setter aus UK?

Q Acoustics M4 Front Seitlich1

Schicke Soundbar für 499 EUR – die Q Acoustics Media 4

Q Acoustics M4 Fernbedienung

Kleine Scheckkarten-Fernbedienung

Dass Soundbars ein großer Trend sind, der schon geraume Zeit anhält – davon möchte man nun auch beim britischen Lautsprecherhersteller Q Acoustics, in Deutschland im Vertrieb von IDC Klaassen, profitieren und bringt auch in Deutschland die schicke Soundbar Media 4 für 499 EUR auf den Markt. Es handelt sich um eine All-In-One-Lösung, das heißt, es gibt keinen separaten mitgelieferten zusätzlichen Subwoofer. 

Media 4 ist eine 2.1 Soundbar, also verfolgt eher das klassische Layout und leistet sich keine technischen Spielereien. Der eingebaute Verstärker leistet 100 Watt (2 x 25 Watt plus 1 x 50 Watt für den Bassbereich) – genug für den Einsatzzweck. 

Q Acoustics M4 Tieftoener

Integrierter Subwoofer

Die Lautsprecher für linken und rechten Kanal sind jeweils 65 x 65 mm groß und arbeiten nach dem Balanced Mode Radiator-Prinzip (BMR). Der Vorteil liegt in einer enorm breiten Verteilung des Schalls, so kann man auch mit mehreren Personen vor dem TV sitzen, bzw. wird die Tonqualität relativ unabhängig von der Sitzposition. Eingebaut ist noch ein ovaler Subwoofer, der 100 x 150 mm misst und mit einer doppelten Schwingspule für hohe Belastbarkeit und tadellose Präzision ausgestattet ist. Decoder für Dolby Digital oder DTS sind bei der „HiFi-Soundbar“ (Original-Jargon Q Acoustics) nicht mit an Bord, daher muss die digitale Tonsignalausgabe bei einem angeschlossenen Blu-ray-Player auf PCM gestellt werden. 

Die Soundbar ist leider nicht mit HDMI bestückt, bringt aber Bluetooth 4.0  mit aptX mit. Dadurch steht der drahtlosen Musikübertragung vom Tablet oder vom Smartphone nichts im Wege. Die Media 4, kurz M4, kann bis zu 8 Pairings speichern. 

Durch aptX kann die Datenübertragung auch in CD-Qualität erfolgen. Prinzipiell kann aptX noch mehr, CD-Güte ist aber die Qualität, die derzeit in der Praxis genutzt wird. Sogar NFC ist bei der Q Acoustics-Soundbar mit an Bord. 

Q Acoustics M4 Anschluesse Rueckseite

Anschlüsse inklusive Sub-Pre-Out, Netzschalter

Q Acoustics M4 Bedienelemente

Bedienelemente oben

Des Weiteren finden sich zwei analoge Stereoeingänge (1 x 3,5 mm Miniklinke, ein Paar Cinch-Buchsen) und ein optischer Digitaleingang. Wem die Basskraft des eingebauten Subwoofers nicht genügt, der hat die Möglichkeit, den Subwoofer-Pre-Out zu verwenden. 

Q Acoustics M4 Standfuesse

Standfüße

Q Acoustics M4 Rueckseite Seitlich3

Rückseite mit Wandhalterung

Q Acoustics M4 Verarbeitung2

 

Gute Verarbeitung, geringe Spaltmaße

Praktisch ist die im Lieferumfang enthaltene Wandhalterung. Durch die spezielle Formgebung mit nicht komplett gerader, sondern in Richtung Dreieck tendierender Linie der Rückseite lassen sich auch bei Wandbefestigung genügend Freiräume für eine optimale Kabelführung ausmachen. Da Media 4 insgesamt eine recht geringe Bautiefe aufweist, sieht das Ganze auch nicht merkwürdig aus (Maße: 1 Meter Länge, 90 mm Höhe, 142 mm Tiefe). Nutzt man die Soundbar auf einem TV-Tisch, kann man optional Standfüße einsetzen. 

Die gut verarbeitete Soundbar lässt sich nicht nur mit der mitgelieferten, kompakten Fernbedienung im Scheckkartenformat steuern, sondern auch über die meisten TV/Set Top-Box-Remotes. Optisch wirkt sie schick durch die Formgebung, die verwendeten Materialien sind tadellos, die Verarbeitung erscheint professionell. 

Sind auch die akustischen Qualitäten professioneller Natur? Wir suchen bei der BD „Skyfall“ direkt ab Filmbeginn eine Antwort auf diese Frage. Zunächst beginnt der Film recht leise. 007 trifft in einer Wohnung in Istanbul, unweit des berühmten Grand Bazar, auf tote und schwer verletzte Kollegen. Der Killer Patrice hat sein Unwesen getrieben, um an eine Festplatte mit hochsensiblen Daten zu kommen, die in einem Notebook verbaut war. Bonds Stimme, als der mit dem Hauptquartier kommuniziert, wird gut verständlich wiedergegeben, seine leisen Schritte auf dem Boden der Wohnung kommen erstaunlich präzise zur Geltung. Der Music Score wird mit guter Dynamik präsentiert – insgesamt schafft es die Q Acoustics Soundbar, die im Soundtrack enthaltene Spannung auf erstaunlich intensive Art zum Zuhörer zu transportieren. Was uns auch gefällt – man kann gern auch etwas lauter hören, ohne dass das Klangbild zu verzerrt wird. Nun wird es laut, 007 tritt auf die Straße und steigt in den silbernen MI6 Land Rover ein, der von einer Kollegin gesteuert wird. Das Team rast dem schwarzen Audi A5 Sportback hinterher, an dessen Steuer der Killer Patrice sitzt. Und die Media 4 sammelt weiter fleißig Punkte – als der Land Rover beide Außenspiegel verliert, kommt das Klirren des Glases gut heraus. Es fehlt etwas an Druck im Bassbereich – wer hier mehr haben möchte, dem sei angeraten, noch zusätzlich einen aktiven Subwoofer zu installieren. Den dafür erforderlichen Vorverstärkerausgang hat die Q Acoustics HiFi-Soundbar schließlich. 

Nach kurzer Zeit crasht Patrice, entsteigt dem Wrack aber unverletzt und eröffnet sofort mit seiner kompakten MP das Feuer auf Bond. Die heftigen Schusswechsel kommen mit solider Dynamik heraus, selbst der Autounfall wird prima übertragen. Bei hohem Pegel nimmt das Differenzierungsvermögen bei großen Effekten allerdings ab, ein Problem, mit dem praktisch alle uns bekannten Soundbars kämpfen. Patrice flüchtet auf einer Enduro der türkischen Polizei, 007 schnappt sich ein Touren-Geländemotorrad eines Weltenbummlers und brettert hinterher. Das Schalten und das Hochdrehen der Motorradmotoren wird relativ authentisch erfasst, ebenso die wilde Jagd über den Dächern Istanbuls. Als Patrice dann durch die geschlossene Glasscheibe springt, wird das Wegspritzen der Scherben überzeugend dargestellt. 

Auf dem Zugdach geht kurze Zeit später die wilde Jagd weiter. Auch hier Schusswechsel und die Fahrgeräusche des Zuges – Media 4 schafft erneut eine realistische Klang-Atmosphäre. Das Geräusch, als die Schüsse des Killers auf die Metallkarosserie des Caterpillar-Baggers prallen, ist sehr sauber getroffen. Überhaupt – die M4 ist wirklich eine „HiFi-Soundbar“, denn sie ist annähernd neutral ausgelegt und gibt alle akustischen Anteile frisch und natürlich wieder. Die empfundene Räumlichkeit wirkt auch glaubwürdig – die Media 4 agiert sozusagen „ungefiltert“, und der Anwender hat auch nicht die Möglichkeit, über DSP-Programme die Akustik anzupassen. Dies ist aber aufgrund der gelungenen Gesamtauslegung kaum nötig.

Und wie schlägt sich die britische Soundbar bei Musik-Material? Bei „Time To Say Gooddbye“ von Andrea Bocelli und Sarah Brigthman (BD „Vivere – Live in Tuscany“) konnten wir uns davon überzeugen, dass die sorgfältige akustische Abstimmung auch hier klare Vorteile bringt. Der breite Abstrahlwinkel stört eine präzise Stimmwiedergabe nicht  – Sarah und Andrea stehen auf einer exakt definierten virtuellen Bühne, die Stimmwiedergabe an sich ist gerade im kritischen Hochtonbereich deutlich besser als bei vielen, ja als bei den meisten Konkurrenten. Selbst der Bassbereich enttäuscht nicht. Klar, dass kein überbordender Tiefgang geboten werden kann, aber ein gewisses Volumen und eine gewisse Antrittskraft sind herauszuhören.

Andere Talente sind bei Tiestos „Back In Your Head“ gefragt. Hier geht es ordentlich zur Sache mit kräftigen Beats und einer Vielzahl elektronischer Effekte. Mit guter Lebendigkeit und einer ausgezeichneten Herausarbeitung der verschiedenen Effekte sichert sich die Media 4-Soundbar auch bei diesem Track sehr gute Resultate. Die Stimme der Sängerin kommt sauber heraus, dem Beat fehlt zwar verständlicherweise etwas der Druck, dafür ist die Präzision tadellos. 

Sehr einfach gestaltet sich die Bluetooth-Kopplung, auch ohne NFC-Einsatz, mit unserem Samsung Galaxy S5. Und auch die Musikwiedergabe, getestet mit „Stars in Miami“ von den Bodybangers, überzeugt: Klarer, erstaunlich kräftiger Bass, räumliche Effektwiedergabe und ein gutes Handling bei Dynamiksprüngen sprechen auch hier für die Soundbar von der Insel. Auch „Self Esteem“ von Offspring liegt der Media 4 – beeindruckend sind hier die maximal möglichen Pegel. Angeblich haben manche Soundbar-Systeme viel mehr Gesamtleistung als die 100 Watt, die die Media 4 mitbringt. Unsere Frage aber: Wo verstecken sich die vielen Watt? Die Media 4 hingegen bläst zur Attacke und lässt die E-Gitarre durch den Hörraum fetzen. Die Aggressivität in der Stimme des Sängers kommt ausgezeichnet heraus, Rhythmuswechsel werden impulstreu über die Bühne gebracht. Apropos Bühne, die virtuelle Bühne ist in Weite und Tiefe exakt definiert. Erneut eine tadellose Performance. Nach kraftstrotzender Musik, die sich fürs Headbangen ebenso eignet wie für den nächtlichen Ritt über die leere Autobahn, kommen wir nun kurz ins Kuschel-Genre, um zu checken, ob sich auch frisch Verliebte das britische Klang-Produkt bedenkenlos in die Wohnung stellen können. Richard Sandersons „Reality“ aus dem Kultfilm „La Boum“, auch Gegenstand teils schräger Remixes, wurde von uns in der Originalversion angehört. Und durch die neutrale, authentische Auslegung hat die Media 4 auch mit diesem Titel keinerlei Berühungsängste, sondern schafft eine klare, emotionale und räumlich präzise definierte Klangkulisse. 

Auf welche Konkurrenz trifft die Media 4?

  • Denon Soundbar DHT-S514: Für 499 EUR gibt es bei Denon sogar noch einen wireless-Aktivsubwoofer mit dazu. Akustisch brilliert das Denon-„Team“ mit kraftvollem Bass und toller Räumlichkeit. Auch die Pegelfestigkeit überzeugt, die Ausstattung ist sehr gut. Top auch die edle Fernbedienung. Die Q Acoustics Soundbar hält aber dagegen. Sicher, im Bassbereich kann sie nicht die selben Qualitäten bieten, denn es gibt keinen seperaten Subwoofer. Trotzdem wird ein ansprechendes Bass-Erlebnis mit guter Präzision geboten. Im Hochtonbereich spielt die britische Soundbar sogar noch eine Idee freier auf und klingt noch transparenter – eben eine „HiFi-Soundbar“. Das Design ist eine Spur extravaganter als bei der DHT-S514.
  • Sherwood Soundbar S-5: Für lediglich 299 EUR tritt die Sherwood Soundbar mit DTS- und Dolby Digital-Decoder an, beides fehlt der Media 4. Auch Optik und Verarbeitung der S-5 finden unsere Zustimmung. Die DSP-Programme sind ausgezeichnet, und der Klang ist angenehm. Die deutlich teurere Media 4 rechtfertigt den Kaufpreis durch deutlich bessere Grob- und Feindynamik, mehr Pegelfestigkeit und authentischer aufbereitete Rauminformationen. 
  • Canton Soundbar DM9: Immerhin mit Dolby Digital-Decoder ausgestattet, erweist sich die DM9, ebenso wie die Media 4 ohne zusätzlichen aktiven Subwoofer, als harter Konkurrent. Das integrierte Display, die hochwertige Fernbedienung, das sehr gute Finish und der gut ausbalancierte, kräftige Klang sind viele Argumente für die hessische Alternative. Etwas weniger ausladend, besonders frisch aufspielend und trotz der recht kompakten Abmessungen mindestens ebenso pegelfest wie die DM9 – Q Acoustics macht auch gegen starke Konkurrenz eine sehr gute Figur mit der Media 4.
Fazit

Q Acoustics M4 Front Seitlich2

Die Q Acoustics Media 4 ist ausgesprochen dürftig ausgestattet – kein HDMI, weder Dolby Digital- noch DTS-Decoder. Das kostet das britische Produkt die Referenz-Testauszeichnung – akustisch setzt Media 4 neue Maßstäbe in der Gattung der integrierten Soundbars ohne zusätzlichen aktiven Subwoofer. Lebendig und frisch, dabei gleichzeitig angenehm aufspielend, sind Grob- und Feindynamik für ein solches Produkt beispielhaft. Der Bass ist erstaunlich präzise und kraftvoll, die Stimmwiedergabe ist schlichtweg eine der besten, die wir bislang von einer Soundbar hörten. Die Media 4 ist nicht billig, aber jeden Cent des Kaufpreises Wert – denn die akustische Qualität ist ohne Abstriche überragend. 

Spartantisch ausgestattete Soundbar mit akustischen Bestleistungen
ueberragend
Soundbars bis 500 EUR
Test 25. Juli 2014

+ Natürlicher, authentischer Klang
+ Grob- und Feindynamik für diese Produktgattung überragend
+ Breiter Abstrahlwinkel
+ Sehr gute Pegelfestigkeit
+ Stabile Bluetooth-Übertragung mit aptX
+ Solides Finish

– Weder Dolby Digital- noch DTS-Decoder
– Kein HDMI

Test: Carsten Rampacher
Fotos: Sven Wunderlich
Datum: 25. Juli 2014

 




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