TEST: Beyerdynamic Amiron Home - Offener 250 Ohm-Kopfhörer mit Tesla-Wandlern für 539 EUR

Für aktuell 539 EUR kann man direkt bei Beyerdynamic den offenen 250 Ohm Kopfhörer Amiron Home erwerben - wie bereits der Name des edlen "Made In Germany"-Produktes vermittelt, ist es für den hochklassigen HiFi-Genuss in den eigenen vier Wänden gedacht. Der Amiron Home wird in einer sehr gut verarbeiteten, aber außen etwas staubempfindlichen stoffbezogenen Box ausgeliefert.

Box

Amiron Home in der Box

Kabel

Beidseitiger Anschluss

Von unten betrachtet

Man kann ihn mittels des 3,5 mm Miniklinken-Anschlusses der aber mittels des mitgelieferten 6,25 mm Adapters verbinden. Natürlich sind die Anschlussbuchsen vergoldet. Das Kabel wird nicht an einer, sondern an beiden Seiten mit dem Amiron Home verbunden. Das 3 Meter-Kabel ist für manche Anwendungen entschieden zu kurz und wirkt mit seiner schlichten Ummantelung durchschnittlich hochwertig.

Kopfband von  oben

Sehr komfortable, hochwertige Polsterung

Made in Germany

Logo

Hochwertige Gabel-Konstruktion aus Aluminium

Das ist aber auch das Einzige, was man am Finish kritisieren kann. Der Amiron Home ist ansonsten ausgezeichnet verarbeitet, dank des komfortablen Kopfbandes und der ebenfalls sehr komfortablen Ohrpolstern. Ohrpolster und Kopfband sind mit noblem Alcantara Mikrofaser und Mikrovelours ausstaffiert. Der Amiron Home ist ein offener Kopfhörer, daher sollte man schon etwas Ruhe und keine allzu lebhafte Geräuschkulisse um sich haben. Dafür aber überzeugen offene Kopfhörer durch Luftigkeit, intensiv empfundene Räumlichkeit und eine sehr angenehme, homogene, nie drückende Spielweise. Wir werden später in den Hörtestreihen überprüfen, ob der Amiron Home eben diese Merkmale bieten kann.

Ohrmuschel

Schon jetzt wächst die Vorfreude, denn der Amiron Home ist Hi-Res-Audio-zertifiziert und kann Frequenzen zwischen 5 Hz und 40 kHz wiedergeben. Er weist eine Nennbelastbarkeit von 200mW auf und erzielt 125dB maximalen Schalldruckpegel (200mW/500Hz). Der Klirrfaktor wird mit weniger als 0,05% angegeben. Für enorme akustische Leistungen sind die von Beyerdynamic selbst entwickelten Tesla-Wandler mit hohem Wirkungsgrad verantwortlich.

Mit 340 Gramm nicht zu schwer

Mit 340 Gramm ist er nicht zu schwer, er ist auch über mehrere Stunden bequem zu tragen und gefällt durch den stimmigen Anpressdruck: Man denkt nicht, den Kopfhörer bei der kleinsten Bewegung zu verlieren, gleichzeitig aber übt der Amiron Home auch nicht zu viel Druck auf den Kopf des Trägers aus.

Klang

Wir beginnen mit "Alone Again" in der Version von Diana Krall. Dieser Song vom Album "Wallflower" liegt in 48 kHz/24-Bit Flac vor. Der Amiron Home gefällt von Anfang an mit einer lebendigen, freien und fundierten Wiedergabe. Fein sind die Instrumente durchstrukturiert und trennen sich hervorragend von den vokalen Anteilen. Der Rhythmus wird impulstreu präsentiert. Der Amiron Home spielt gleichermaßen entspannt und detailliert. Bei Dynamiksprüngen beweist er sein Können, er stellt diese sehr direkt und spontan dar, was mit zum intensiven, authentischen Höreindruck beiträgt.

Auch bei "Desperado" , ebenfalls in der Adaption von Diana Krall, setzt sich der Beyerdynamic  souverän in Szene. Und hier können wir uns über wahren "Familienklang" freuen: Diese Gelassenheit, diese Kontrolle, die wir bereits beim Bluetooth-Modell Amiron Wireless festgestellt haben, ist auch für den Amiron Home kennzeichend. Er spielt aufgrund seiner offenen Bauweise noch etwas frischer, weitläufiger, ohne es an Präzision missen zu lassen.Die Stimme Dianas befindet sich auf einer exakt definierten virtuellen Bühne, die den Zuhörer aus räumlicher Sicht komplett einschließt. Die Anschlagdynamik des Klaviers bringt der Amiron Home sauber zum Ausdruck. Auch, wenn es in Anbetracht des doch recht heftigen Kaufpreises von knapp 540 EUR komisch klingen mag: Der Amiron Home bietet außerordentlich viel Klang fürs Geld.

"Alone For You" in Flac 96 kHz/24-Bit vom Jan Lundgren Trio zeigt uns, was der Amiron Home bei einem rein instrumentalen Stück leistet: Filigran ertönt das Klavier, das Schlagzeug arbeitet der Kopfhörer äußerst penibel und mit feiner Auflösung ein. Die gesamte räumliche Ausarbeitung ist auf einem herausragenden Niveau. So frei, und doch so detailliert, bietet der Amiron Home eine Spitzenleistung für den HiFi-Freund, der zuhause entspannt seinen Lieblingsstücken lauschen möchte.

Wenden wir uns wieder der grandiosen vokalen Darstellung des Amiron Home zu, und wo könnte man das das Leistungspotential besser überprüfen als bei der legendären Arie: "Nessun Dorma" (Flac 96/24) aus Puccinis "Turandot", gesungen von Star-Tenor Jonas Kaufmann, beweist ein weiteres Mal die Fähigkeit des Amiron Home, Stimmen sehr charismatisch und mit exakten Konturen zu präsentieren. Trotz der Fokussierung auf die vokalen Elemente - auch der Chor wird überragend eingebunden -, vernachlässigt der Amiron Home die Instrumente nicht und stellt ganz besonders die Streicher mit einer hohen Auflösung und viel Strahlkraft dar. Trotz aller Brillanz, auch bei den Blechbläsern, driftet der Beyerdynamic-Kopfhörer nie ins Aggressive ab.

Klassik liegt dem Amiron Home ganz besonders, bei Wolfgang Amadeus Mozarts Violinenkonzert in A-Dur, Köchelverzeichnis 219, 1. Allegro (Flac 96/24), ist das akustische Ergebnis voller Verve, die flotten Parts kommen sehr dynamisch und mitreißend heraus. Aber auch die besonders gefühlvollen, langsameren Stellen bieten viel Faszinationspotentiel für den anspruchsvollen Klassik-Freund: Sehr sensibel kommt die Violine heraus, auch kleinste Details zum Beispiel beim Abklingen entgehen dem Amiron Home nicht. Die plötzlichen Dynamik-Sprünge bereiten ihm keinerlei Probleme, er bleibt immer "am Ball" und gibt große wie auch kleinere dynamische Differenzen direkt und spontan an den Hörer weiter.

Mark Knopflers "Basil"  in 192 kHz/24-Bit - wunderschön wird die akustische Gitarre herausgearbeitet. Marks Stimme hat genau die Authentizität, die man sich wünscht: Feine räumliche Ausbreitung, lebendige Konturen, tadellose Trennung von den Instrumenten. Es gibt sehr viele exzellente Kopfhörer - warum den Beyerdynamic Amiron Home nehmen? Ganz einfach: Es ist die Mischung aus Gelassenheit, Detailreichtum und Spielfreude. Kaum ein anderer Kopfhörer, der uns bekannt ist, arbeitet so "leicht verdaulich", aber gleichzeitig so präzise. Hochklassiges Musikhören wird zu einer Selbstverständlichkeit, zu einer Aufgabe, die so problemlos gemeistert wird, dass nie Zweifel an den Fähigkeiten aufkommen.

Kann der Amiron Home auch anders? Kann er es richtig "krachen" lassen" Wir hören hinein in "A View To A Kill" von Duran Duran. Und höre da: Auch bei solchem Material ist der Beyerdynamic-Kopfhörer voll in seinem Element. Er teilt kräftige Bass-Schläge aus, vergisst dabei aber nie eine akkurate Wiedergabe der Stimme. Das Unmittelbare, Direkte, was wir schon bislang geschätzt haben, sorgt auch für hier viel Hörfreude. Der Amiron Home macht zudem beinahe vergessen, dass die Qualität des Quellmaterials eigentlich eher durchschnittlich ist. Durch das offene und angenehme Spiel holt er praktisch das Maximum des Möglichen heraus.

Und bassstarke Trance-Musik? Von A.I.D.A hören wir "Remember Me" und wollen mal nachprüfen, wie es denn um die Stabilität bei harten Kickbässen in Verbindung mit gehobener Lautstärke verbunden ist. Die melodiösen Parts setzt der Amiron Home ganz ausgezeichnet um, wiederum begeistert uns die exzellente räumliche Wirkung. Jeder neu hinzukommende Effekt wird sofort berücksichtigt. Nun wird es ernst - wie managt der Amiron Home den heftigen Kickbass nach der melodiösen Einlage? Hier gerät selbst der Beyerdynamic-Kopfhörer bei hohem Pegel an sein Limit, leichte Verzerrungen sind beim Basseinsatz zu hören. Setzt man die Lautstärke wieder etwas herunter, auf ein gesundes Maß auch zum längeren Hören, begeistert der Kopfhörer mit präzisem Management des Kickbasses, und einer soliden Differenzierung.

Was der Amiron Home tatsächlich im Bassbereich kann, das präsentiert er uns bei "Onesummer" von Kadinin Sesi: Der Bass hat Volumen, Struktur und klingt als Folge davon enorm satt und präzise. Doch auch die Effekte, die Melodie und die Vocals mischt der Heilbronner Kopfhörer ordentlich auf: Er gibt hier Gas ohne Limit, salopp ausgesprochen, und schiebt unerbittlich an. Eine herausragende Leistung, die Appetit auf Mehr macht. Wir checken daher gleich noch einen ähnlichen Song.

"Wie Stay Different", der Mayday 2018 Anthem von "Friends Of Mayday", belegt genau das, was wir schon zuvor festgestellt haben: Der Amiron Home ist ein echter Universalist, der bei Klassik maßlos begeistert und auch bei Elektronic Music & Trance voll in seinem Element ist. Er spielt sehr direkt, sehr kraftvoll, aber immer kontrolliert. Diese großartige Kontrolle, dieses über alle Maßen souveräne Spiel, kennzeichnet den Amiron Home bei jedem Ausgangsmaterial.

Fazit

Der Amiron Home kostet knapp 540 EUR und ist daher nicht als Schnäppchen im klassischen Sinne zu verstehen. Er wendet sich klar an den Hörer mit Premium-Anspruch, den Amiron Home braucht keiner, der schlichtweg in guter Qualität alle Arten von Musik hören möchte. Wer einen Kopfhörer mit solchen Tugenden sucht, muss höchstens die Halfte investieren. Wer aber dem Amiron Home einmal verfallen ist, gibt den edlen Kopfhörer mit Hi-Res-Zertifikat und Tesla-Wandlern nie mehr her. So intensiv, so kontrolliert, so souverän handhabt er jede Quelle, dass es eine  pure Freude ist. Er agiert stets homogen, direkt und dynamisch, und bleibt dieser Auslegung bei jedem Musikstil treu. Straff und kraftvoll, aber nie überbetont, präsentiert sich der Bassbereich, differenziert, offen und mit sensiblen Strukturen die Mitten, brillant und räumlich authentisch die Höhen. Ein wahres Ass "made in Germany", eine Anschaffung nicht für zwei oder drei Jahre, sondern fürs Leben. Der Beyerdynamic Amiron Home steht für hochwertiges Engineering und hervorragende Fertigungsqualität gleichermaßen und setzt so auch ein Ausrufezeichen in unserer heutigen Wegwerf-Gesellschaft: Wer den Amiron Home einmal hat, wird immer mit ihm glücklich sein.

Grandios aufspielender offener Kopfhörer in hervorragender Fertigungsqualität

HiFi-Kopfhörer Oberklasse
Test 21. Juni 2018

Test: Carsten Rampacher
Datum: 21. Juni 2018

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