SPECIAL: Hands-On mit dem neuen Samsung OLED-TV S9C

Samsung lud in die oberste Etage der Frankfurter Zeilgalerie ein

Dort wurde nämlich der Samsung Flagship Store für den Curved OLED Hands-on reserviert

Offiziell stellt Samsung den neuen OLED TV S9C dem europäischen Publikum erst auf der Internationalen Funkausstellung in Berlin nächste Woche vor. Wir durften gestern vorab bereits einmal einen Blick auf das neue Gerät erhaschen und konnten sogar ein paar Eindrücke sammeln.

Im Samsung Flagship Store in der siebten Etage der Frankfurter Zeilgalerie wurden uns drei Geräte der neuen OLED-Generation zum Hands-On präsentiert. Der „Curved OLED“, KE55S9C mit vollem Namen, ist ein 55 Zoll-Gerät zur UVP von 7.999 EUR – kein Schnäppchen also. Zieht man allerdings in Betracht, dass OLED-Geräte vor nicht allzu langer Zeit in Größen um die 11 Zoll gar nicht allzu weit entfernt von dieser Preisregion waren, relativiert sich das ganze.

Frontansicht des S9C Curved OLED in 55 Zoll

Manch einer stellt sich vielleicht die Frage „Was ist überhaupt OLED?“ und noch viel wichtiger, „Wieso will ich es haben?“. Die Antwort auf die zweite Frage ist prinzipiell recht einfach, da selbst ungeschulten Augen beim ersten Hinsehen die enorme Schärfe und der extreme Kontrast ins Auge springen. Hinzu kommt ein überdurchschnittliches Reaktionsverhalten des Displays, das neben hoher Bewegungsschärfe auch verschiedene andere Optionen eröffnet.

Die Antwort auf die erste Frage ist nicht ganz so einfach. OLED – organische Leuchtdioden – sind eine andere Form der bekannten Leuchtdiode LED. Dennoch ist die Technologie im Display-Bereich eher mit Plasmas als den bekannten und weit verbreiteten LED LCD-Geräten vergleichbar. OLEDs sind nämlich, ähnlich der Plasmazellen im Plasma-TV, selbstleuchtend und benötigen keine zusätzliche Lichtquelle.

Das Display des KE55S9C ist gebogen

Zusätzlich zum dadurch extrem hohen Kontrastverhältnis sind die OLEDs sehr flexibel einsetzbar und können z.B. direkt auf biegsame Folien aufgebracht werden – das macht den gebogenen „curved“ OLED-TV überhaupt erst möglich.Die Krümmung soll übrigens laut Samsung ein erhöhtes Kino-Feeling und ein besseres 3D-Erlebnis bieten. Fakt ist, dass dadurch der identische Bildschirmabstand zum Zuschauer über den gesamten Bildschirm gegeben ist. Auch im IMAX beispielsweise wird davon Gebrauch gemacht, allerdings fällt die Relation bei einem 55 Zoll Bildschirm natürlich weitaus geringer aus. Im Praxisbetrieb ist ohne direkten Vergleich ein Vorteil nicht so einfach nachvollziehbar, allerdings störte uns die Krümmung während unserer Kurzen zeit mit dem Samsung OLED-TV keinesfalls, so dass wir dies nicht negativ werten möchten – der TV kann aber aufgrund der Krümmung nicht an der Wand befestigt werden.

Die schnelle Reaktionszeit ermöglicht hochqualitatives Multi View

Hier werden zwei verschiedene Quellen ausgewählt – TV und HDMI

Wie bereits erwähnt eröffnet die extrem schnelle Reaktionszeit der OLEDs (bis zu0,001 Sekunden) neue Möglichkeiten. Darunter die Option, zwei FullHD-Signale in hoher Qualität in Verbindung mit aktiven Shutter-Brillen auf dem selben Fernseher gleichzeitig wiederzugeben und anzusehen. Ein Nutzer kann also beispielsweise „Das Erste HD“ betrachten, während daneben ein zweiter Anwender einen Blu-ray Film in 3D genießt oder PlayStation/Xbox spielt. Dank in den Brillen integrierter Kopfhörer gibt es auch keine Probleme bei der Tonwiedergabe.

Maximal zwei Quellen (auch 2x Full HD 3D) sind möglich, bei der Wahl dieser Quellen ist man aber beinahe vollkommen frei. Unter anderem möglich: TV und TV, TV und Blu-ray, Blu-ray und Blu-ray, USB und TV/Blu-ray, TV/BD/USB und Smart Hub,etc.

Zwischen den Signalen kann direkt hin- und hergeschalten werden, auch die Lautstärke wird direkt an den Brillen festgelegt

Dank integrierter In-Ears hört jeder Zuschauer das korrekte Tonsignal

Wir konnten den Multi View-Betrieb kurz unter die Lupe nehmen. Insgesamt funktioniert das Feature exzellent, die ursprüngliche Bildqualität wird kaum bzw. gar nicht beeinträchtigt. Das Bild wirkt sauber, sehr scharf und ausgesprochen ruhig, deutlich besser wie wir es von jeglichen LCD-Geräten kennen. Allerdings: bei gleichzeitig sehr hellen und dunklen Bildinhalten der verschieden Signalquellen kann es passieren, dass Umrisse des einen Signals in das andere „durchscheinen“. Zwischen den Signalen wird direkt an der Brille mit einem AB-Knopf hin- und hergeschalten, das erfolgt sofort und ohne Verzögerung. Auch die Lautstärke stellt man direkt an der aktiven Shutter-Brille ein.

Zwei aktive Shutterbrillen liegen dem TV bei

Da wir von aktiven Shutterbrillen sprechen ist klar, dass der S9C auch im 3D-Betrieb nicht passiv sondern mit zeitlich minimal verzögertem FullHD-Signal arbeitet. Wir durften einen kurzen Abschnitt der 3D-Variante von Life of Pi begutachten sowie sogar kurz unsere eigens mitgebrachte Avatar 3D Blu-ray am OLED TV betrachten.

Vorweg: Der Benefit der ultraschnellen Reaktionszeit ist sofort ersichtlich. Die Aussage „Crosstalk ist Geschichte“ lag uns schon auf der Zunge. Zieht man einen Direktvergleich mit aktuellen LCD- und Plasma-Geräten, könnten man diesen Satz vermutlich sogar bestätigen – minimal kann man bei sehr genauem Hinsehen in einzelnen Szenen aber noch etwas Ghosting erkennen. Die 3D-Wiedergabe ist enorm ruhig und angenehm, extrem scharf und – wenn auch nicht überdurchschnittlich -plastisch. Das gilt zumindest bei der Wiedergabe bei aktivierter Frame-Interpolation, die sehr gut aber auch noch nicht komplett fehlerfrei arbeitet. Deaktiviert man „Motion Plus“ lässt die Bildruhe nach, die native 24p-Wiedergabe ist leider nicht ruckelfrei. Hier handelt es sich auch nicht um den bekannten 24p-Judder, sondern tatsächlich um ein etwas unruhiges Bild bei Kamerafahrten und lang gezogenen Schwenks.

Anfällig gegenüber einer Neigung des Kopfes sind die Brillen und der TV kaum,bei starker Neigung wird das Bild lediglich etwas dunkler, Farbverfälschungen treten nicht auf.

Der Blickwinkel ist übrigens wirklich extrem, selbst bei einer seitlichen Betrachtung mit einem Winkel von fast 180° kann man das Bild noch problemlos und mit authentischen Farben nachvollziehen.
Nach der 3D-Wiedergabe wollten wir natürlich auch sehen, was der S9C in 2D zu bieten hat und konnten das zweite Kapitel von Casino Royale in Augenschein nehmen. Die stabile 24p-Wiedergabe fällt im 2D-Betrieb deutlich besser aus. Zwar ist der TV auch hier nicht vollkommen ruckelfrei, es fällt aber deutlich weniger häufig auf und so entsteht durchaus ein ruhiger und angenehmer Bildeindruck. Aufgrund des extrem hohen Kontrastverhältnisses wirkt auch die Plastizität enorm intensiv. Im Prinzip lässt sich die Darstellung mit einer nicht allzu intensiven 2D- in 3D Wandlung vergleichen, so exzellent sind die einzelnen Ebenen differenziert. Wie nicht anders zu erwarten ist die Schwarz-/Graudifferenzierung, als James am verkohlten Holzbalken lehnt, überragend. Feinste Unterschiede können hier absolut problemlos ausgemacht werden, zudem werden auch im dunklen Bereich kleinste Details fein herausgearbeitet. Besonders hervorzuheben ist hier wieder die enorme Schärfe und das aalglatte Bild, das der OLED liefert.

Der umfangreiche Video-EQ mit Film-Modus, bekannt aus anderen Samsung Fernsehern, kommt auch hier zum Einsatz

Die Frame-Interpolation wird unter Motion Plus aktiviert/deaktiviert

Bei Casino Royale haben wir den Bildmodus auf Film gestellt und können die Farbauthentizität etwas besser beurteilen, die Dynamik- und Standard-Modi sind deutlich zu kühl. Der erste Eindruck gefällt mit einer natürlichen und warmen Farbgebung.

Auch in 2D haben wir uns kurz die Frame Interpolation angesehen. Ähnlich wie im 3D-Betrieb sorgt Motion Plus für eine sehr flüssige Wiedergabe und nicht allzu starken Video-Look. Allerding ist die Signalverarbeitung auch hier nicht frei von Fehlern, so sind stellenweise Pixelwolken bzw. Schlieren um Kanten zuerkennen. Auch schnelle Szenenwechsel sorgen vereinzelt für Probleme.

Die Upconversion unserer Star Wars Episode III DVD erledigt der Samsung OLED mit hoher Bildruhe und exzellenter Bildschärfe. Auch hier fällt gleich zu Beginn des Filmes der exzellente Kontrast am Sternenhimmel auf. Sämtliche Sterne werden ohne störende Halos ausgearbeitet. Bei der Schrift treten ab etwa der Bildschirmmitte leichte Treppenstufen und etwas Kantenzittern auf. Insgesamt wirkt das Bild aber enorm ruhig, selbst wenn viele bewegte Objekte während der Schlacht im Weltall über das Display fliegen. Auch die Plastizität beeindruckt wieder mit exzellenter Ebenenstaffelung und dreidimensionalem Eindruck der Objekte.

Kurz konnten wir auch konventionelles TV-Bild in 720p betrachten. Hier gefiel der Samsung S9C mit angenehmer Bildruhe, exzellenter Schärfe und keinerlei auffallenden Artefakten.
Bilanzierend sollten wir an dieser Stelle festhalten, dass es sich hier lediglich um Ersteindrücke handelt, die wir uns binnen kurzer Zeit gemacht haben. Für endgültige Ergebnisse muss man den Test abwarten.

Das Design des Curved OLED ist an den Timeless S9 85-Zöller angelehnt

Die Lautsprecher sind im unteren Rahmen integriert

Natürlich haben wir uns nicht nur das Bild auf dem Display sondern auch die Optik um das Display herum angesehen. Der Curved OLED kommt in einer dem Timeless-Design des 85 Zoll Prestige 4K-TVs S9 ähnelnden Optik daher und ist ebenfalls in einen Rahmen eingebettet. Dieser ist aus Metall und wirkt hochwertig verarbeitet, unsaubere Übergänge oder grobes Spaltmaß fällt nirgends auf. Für ein sauberes Finish sind die Lautsprecher im Rahmen, unterhalb des TV-Gerätes, integriert. Die OLEDs sind mit einer dünnen Glasschicht vorne verkapselt.

Die Rückseite ist beinahe komplett clean

Das ist durch die One Connect Box möglich

Die Rückseite ist aus Kunststoff und dank der One Connect Box – die man ebenfalls vom S9 UltraHD-TV kennt – absolut clean. Sämtliche Quellgeräte werden an der One Connect Box angeschlossen, von der kompakten Box läuft dann nur ein einzelnes Kabel zum S9C OLED TV. An der Oberseite ist eine Kamera für Skype sowie Sprach-/Gestensteuerung integriert. Der TV kommt mit einer konventionellen sowie einer Touch Fernbedienung aus Metall und zwei aktiven Shutterbrillen.

Insgesamt präsentiert sich der Samsung OLED TV exzellent und mit hohem Innovations-Potential, wenn auch – zumindest nach erstem Eindruck – noch kleinere Schwächen auffindbar sind. Zukünftig werden es alle Geräte schwer haben, mit dem überdurchschnittlichen Kontrast und der brutalen Bildschärfe sowie der schnellen Reaktionszeit eines OLED-TVs mithalten zu können. Aktuell wird der Preis noch viele Interessenten abschrecken, aber auch die OLED-TVs werden günstiger werden. Der S9C in 55 Zoll soll bereits ab der IFA im Handel erhältlich sein.

 

Special: Philipp Kind
Datum 29.08.2013




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