SPECIAL: 4K Ultra HD- oder 8K-TV - Was ist aktuell die beste Wahl?

Der TV-Modelljahrgang 2019 öffnet der 8K-Auflösung Tür und Tor. Vor kurzer Zeit noch Fiktion und nur in Form zahlreicher Prototypen vertreten, gibt es in Deutschland seit letztem Herbst mit der Samsung Q900-Baureihe die ersten 8K-TVs mit 7.680 x 4.320 Pixeln Auflösung. Auf der CES 2019 spielte das Thema 8K-TV ebenfalls eine große Rolle. Daher drängt sich die Frage förmlich auf: Braucht man nun einen 8K-TV? Lohnt bereits jetzt ein Upgrade? 

Noch Ende Februar 2018, auf der damaligen Roadshow, war der Samsung 8K QLED nur ein Prototyp

Pauschal lässt sich die Frage nicht beantworten. Schon vor einigen Jahren, als es um den Umstieg von Full-HD auf Ultra-HD ging, waren sich auch die Experten nicht einig. Full-HD reicht, das war die Meinung vieler, doch trotzdem hat sich jetzt Ultra-HD durchgesetzt. Man  muss aber auch deutlich sagen: Wer damals, 2013, einen der ersten Ultra HD-TVs kaufte, war nicht unbedingt auf der Gewinner-Seite.

Die ersten Ultra HD-TVs (im Bild ein Sony-Modell aus 2013) hatten zwar die hohe Ultra HD-Auflösung, aber noch nicht HDMI 2.0 plus HDCP 2.2

Denn die ersten TVs hatten zwar die Ultra HD-Auflösung von 3.840 x 2.160 Pixel, aber die Anschluss-Sektion (HDMI 1.4) entsprach noch nicht finalen Spezifikationen, die es sicherstellen, dass auch Inhalte in Ultra HD übertragen und wiedergegeben werden können. Und selbst HDMI 2.0 alleine sprach noch nicht für allumfassende Kompatibilität. Hier war zusätzlich die Kompatibilität zu HDCP 2.2, dem Kopierschutz der Ultra HD-Ära, notwendig. Wer demnach früh kaufte, kaufte doppelt, und nach dem Early-Adopter-Kauf eines der ersten Ultra HD-Fernsehgeräte folgte alsbald der Kauf eines zweiten Ultra HD-TVs - erst recht, nachdem 2016 auch noch High Dynamic Range (HDR) hinzu kam.

Ab 2016 kam HDR hinzu, mit dazugehörigen Einstellmöglichkeiten

Die TVs der früheren Baujahre waren und sind nicht in der Lage, HDR-Inhalte wiederzugeben. Also stellt sich alles nicht so einfach dar, zumal selbst beim "Unter-Thema" HDR alles eher komplex ist. Die ersten TVs mit HDR unterstützten HDR10, später kamen dann Dolby Vision und HLG, zu guter Letzt HDR10+ hinzu. Und erst jetzt (!) gibt es TVs, die tatsächlich alle vier HDR-Normen unterstützen (Panasonic GZW2004 zum Beispiel, zahlreiche Philips 2019er Modelle laut Ankündigung). 

Der Samsung Q900 ist kompatibel zu HDR10, HDR10+ und HLG

Gut, HDR-kompatibel sind 8K-TVs direkt von Beginn an, wenn auch nicht zu allen HDR-Normen. Aber wie es mit aktuell oder im Laufe des Jahres erhältlichen 8K-Modellen aussieht, wenn es zu einem späteren Zeitpunkt einen Standard für die Übertragung von 8K-Inhalten gibt, das lässt sich definitiv mit Stand heute nicht sagen. Welchen Nutzen hat ein 8K-TV aktuell? Es gibt praktisch, wie damals, als Full-HD-TVs und als Ultra HD-TVs starteten, keinen in 8K verfügbaren Content. Die Display-Technologie eilt somit der Software-Industrie wieder voraus. Das heißt: Aktuell "lebt" die Daseinsberechtigung eines 8K-TVs von einem exzellenten Upscaling niedriger auflösender Inhalte. Das wissen auch die Hersteller und setzen eine klare Priorität bei enormen Ressourcen für das Hochrechnen niedriger auflösender Inhalte. Die Prozessoren in den 8K-TVs können dabei auf große dynamische Datenbanken zurückgreifen, die unzählige Muster an Quellmaterial bereit halten und oftmals per Update erweitert werden können. Hat der Prozessor nun die Aufgabe, hochzuskalieren, wird im ersten Schritt das Quellmaterial präzise analysiert, dann wird das zur Analyse optimal passende Muster aus der Datenbank geholt. Klar ist: So mehr Muster die Datenbank enthält, so exakter funktioniert das Upscaling. Leider wurde auf der CES - hier kann man berechtigt und deutlich Kritik üben - fast nur (für den Kunden in der Praxis völlig irrelevantes) 8K-Demomaterial gezeigt anstatt das Wichtigste: Wie sieht inzwischen weit verbreitetes, hochgerechnetes Ultra HD-Material auf einem 8K-Fernseher nach erfolgtem Upscaling aus? Oder: Welchen visuellen Eindruck hinterlässt Full-HD-Content?

2019er QLED 8K TV in 98 Zoll von Samsung

Samsung hatte den Mut und hat auf der IFA 2018 einen entsprechenden Aufbau gezeigt, Hier wurde sogar Full HD-Material auf 8K hochskaliert. Klar, 100 Prozent Objektivität kann man vom IFA-Versuchsaufbau eines Herstellers, der mit 8K-TVs Kasse machen möchte, nicht erwarten,. Aber wir fanden es trotzdem sehr lobenswert, dass Samsung sich diese Mühe gemacht hat. Und das, was wir sahen, war schon beeindruckend. Mittlerweile hat Samsung den hauseigenen "Quantum 8K Prozessor" sogar noch weiterentwickelt und auf der CES wurde die nächste Generation schon angekündigt. 

Was heißt das nun konkret? Wer der Versuchung der höchstmöglichen Auflösung erlegen ist, greift schon jetzt zu einem 8K-TV. Dass ein Samsung Q900 in der 65 Zoll-Variante knapp 5.000 EUR kostet, ist aus preislicher Sicht fair. Das war noch vor nicht allzu langer Zeit der Preis für ein Ultra HD-Modell der Oberklasse. Wer also bereit ist, 5.000 EUR auszugeben und ohnehin einen neuen TV  braucht, der kann hier zuzuschlagen, darf aber nicht erwarten, dass der Q900 auch dann noch ohne Einschränkungen geeignet ist, wenn die Übertragung von 8K-Inhalten standarisiert wurde. Einen hervorragenden TV kauft man mit dem Q900 ohne Zweifel, zumal er, wie auch unser Test zeigt, wirklich exzellent hochskalieren kann. Man darf aber nicht denken, nun 100 Prozent Zukunftssicherheit eingekauft zu haben. Dass 8K nichts bringt, und man daher auf keinen Fall einen 8K-TV kaufen sollte, dem können wir so nicht zustimmen. Selbst bei hochskaliertem Material hat 8K zweifelsfrei Reize, enorme Plastizität, enormen Detailreichtum. Wir persönlich halten 8K für ideal bei großen Bilddiagonalen, 65 Zoll sind fast schon grenzwertig, hier zeigt auch Ultra-HD noch fast alle Feinheiten. Ab 75 Zoll - da, so denken wir, bringt 8K einen wirklichen Nutzen hinsichtlich der gebotenen Auflösung.

88 Zoll 8K-OLED

LCD-basierter Sony ZG9 8K-TV mit vollflächiger LED-Hintergrundbeleuchtung

Seit der CES 2019 geht der Kampf LCD versus OLED nun auch auf 8K-Terrain weiter, LG präsentierte den ersten serienreifen 8K-OLED, allerdings nur in 88 Zoll derzeit geplant. Bei den 8K-LCD/Quantum Dot-TVs reicht der Reigen an Diagonalen von 65 bis 98 Zoll. Bei LCD-basierten Modellen weisen die 8K-Fernseher grundsätzlich eine Direct LED/vollflächige Hintergrundbeleuchtung auf. 

Panasonic GZW2004

Sony AG9

Und Ultra HD-TVs? Sind die jetzt schon "out"? Mitnichten. Im Gegenteil, auch Ultra HD-TVs bieten noch jede Menge Potential, das wissen viele Hersteller auch und optimieren weiter fleißig. So bringt Sony die neue "Master Series" AG9 und Panasonic die Baureihe GZW2004 auf den Markt. Viel Feintuning am Display, gerade im falle Panasonic, optimiert Helligkeit, Farbdarstellung und Gesamt- sowie Detailkontrast. Wir persönlich gehen davon aus, dass Verbesserungen bei der Bildgüte vor allem bei Ultra HD-OLED-TVs noch wirkungsvoll umgesetzt werden, da bei OLED-TVs die Ultra HD-Displays noch eine Weile tonangebend sein werden, schon allein aus Gründen des Kaufpreises und der Tatsache, dass aktuell nur LG OLED-Displays und damit die wichtige Basistechnik liefern kann. Bei LCD-basierten TVs aber vertreten wir die Auffassung, dass hier die uneingeschränkt erste Entwicklung-Priorität bei 8K-TVs liegt. Wir erwarten, dass die 2019er Topmodelle  mit LCD-Technik 2019, gerade in der zweiten Jahreshälfte, überwiegend mit 8K-Panels ausgestattet sind. Das wird nicht alle Marken betreffen, aber die größten Konzerne werden hier Gas geben. 

Special: Carsten Rampacher
Datum: 01. Februar 2019

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