SPECIAL: Akustische Anforderungen an eine moderne Stereo- oder Mehrkanal-Anlage

Die Welt im Wandel – Musikgenuss findet in vielen Fällen nur noch auf dem Smartphone oder Tablet statt, sofern man dann noch das Wort „Genuss“ sinngemäß verwenden kann. Bestenfalls ist noch ein Bluetooth-Lautsprecher mehr oder minder überzeugender Güte angeschlossen, von erstklassigem Musikhören kann man aber auch dann nicht sprechen. In anderen Fällen sind im Haus sogenannte Wireless Audio-Multiroom-Systeme installiert, die in vielen, aber nicht in allen Fällen auch kein Hören auf Referenzniveau offerieren. Wenige Produkte, z.B. von Raumfeld by Teufel oder HEOS by Denon, werden auch höheren klanglichen Ansprüchen zurecht.

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 Das Streaming hochauflösender Audio-Dateien ermöglicht eine hohe Klangqualität

Dass man mit qualitativ bestenfalls durchschnittlichen meist aktiven Lautsprechern mit simplem Aufbau und billigen Bauteilen Musik hört, steht im Widerspruch zu den Bestrebungen der Industrie, durchaus auch Standards für hochwertige Audio-Wiedergabe an die Front, das heißt auf den Markt zu bringen. Das Stichwort „High Resolution Audio“ ist in diesem Zusammenhang zu nennen. Hierbei handelt es sich um hochauflösende (meist) Stereo-Dateien, meist im FLAC, WAV- oder DSD-Format, die mit erhöhtem Dynamikumfang in der Lage sind, den sogenannten Oberwellenbereich akustisch abzubilden.

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 Music Hall baut eigens einen DSD-Wandler für beste Qualität von DSD-Dateien

Dieser Oberwellenbereich liegt außerhalb der Frequenzen, die das menschliche Ohr auf direktem Wege wahrnehmen kann. Allerdings ist er im Sinne einer detailreichen, ganzheitlichen und charismatischen Wiedergabe von Musik und auch von anderen Geräuschen sehr wichtig. So kommt beispielsweise die Güte, die ein hochwertiger Steinway-Flügel oder eine Stradivari-Geige besitzt, dann brillant heraus, wenn Quelle und Wiedergabekette in der Lage sind, den Oberwellenbereich abzubilden. Erfahrene Hörer, die gern zu Konzerten oder in die Oper gehen, wissen, wie sehr sich solche Feinheiten auf den akustischen Gesamtgenuss auswirken.

Demnach also haben HiRes-Audio-Dateien, wie man sie in Kurzform nennt, handfeste Vorteile gerade für den passionierten Musikliebhaber. Plötzlich ist die Klangfarbe der Instrumente korrekt, die Transparenz und die Brillanz steigen. Unten herum hat der erweiterte Dynamikumfang ebenfalls Vorteile. Der Bass präsentiert sich strukturierter, satter, detailreicher. Devices, die HiRes-Audio-Files, auch noch in mehr Formaten als in FLAC, DSD und WAV (z.B. in ALAC oder AIFF, oft auch mit Gapless-Wiedergabe) wiedergeben, gibt es mittlerweile sehr zahlreich.

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 Der Pioneer VSX-930 überzeugt trotz günstigem Kaufpreis auch bei der HiRes-Wiedergabe

Vor allem bei den AV-Receivern es ist ab der 300 EUR Preisklasse, bezogen auf den Marktpreis, schon üblich, hochauflösendes Audio-Material zumindest in den gebräuchlichsten Formaten wiederzugeben, also in FLAC oder WAV. Klingt gut – klingt aber dann doch nicht so gut, denn aufgrund der Sensibilität, mit der High Resolution Audio-Files behandelt werden müssen, kommen preiswerte AV-Receiver oder auch preiswerte Netzwerkplayer bzw. Stereoverstärker mit USB-Anschluss (dann können USB-Sticks mit HiRes-Dateien wiedergegeben werden) nicht so gut zurecht. Die Anforderungen erfahrener Hörer liegen deutlich darüber.

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 Mit 384 kHz/32-Bit D/A-Konvertern - der neue Onkyo TX-NR646

Das liegt darin begründet, dass die Bauteile, die in einem AV-Receiver verwendet wurden, der vielleicht ursprünglich 400 EUR gekostet hat, natürlich weder streng selektiert noch besonders hochwertig aufgebaut sind. Sicherlich, auch in diesen AV-Receivern sitzen 192 kHz/24-Bit D/A-Wandler, die digitale Signale analogisieren, aber sie sind von einfacher Qualität und nicht für „höhere Aufgaben“ geeignet. Es mangelt einfach an Präzision und Klarheit im Klangbild. Fairerweise muss man aber sagen, dass wir eine positive Entwicklung feststellen konnten. Vereinzelt haben wir schon Devices der Liga um 550 bis 650 EUR, die wirklich, ein entsprechendes angeschlossenes Lautsprechersystem vorausgesetzt, in der Lage sind, Vorzüge von HiRes-Audio herauszustellen. Den vollen Benefit, den man ohnehin nur als erfahrener Hörer mit viel Hörerfahrung bemerkt, wenn man zudem einiges an Zeit ins Hören investiert, bieten günstige Devices generell nicht.

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 Mit USB-DAC: Quadral Aurum P8

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 Mit USB-DAC: Pioneer SC-LX88

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HiRes hat aber noch weitere „Stolpersteine“. Mehr und mehr im Trend liegen auch USB-Schnittstellen am Stereoverstärker, Stereovorstufe, Netzwerkplayer oder hochwertigem AV-Receiver, an die direkt ein Notebook (Mac oder Windows-PC) angeschlossen werden kann. Hier kann man dann (je nach dem muss ein entsprechend geeigneter Treiber installiert werden) Musik-Files direkt vom Rechner/PC/Notebook wiedergeben. Der Stereoverstärker/die Stereovorstufe/der AV-Receiver/der Netzwerkplayer fungiert dann gewissermaßen als leistungsfähige externe Soundkarte. Auch mancher aktive Lautsprecher hat einen USB-D/A-Konverter, kurz auch gern USB-DAC genannt, an Bord.

Wir sprachen aber eingangs von „Stolpersteinen“ – wieso, bislang klingt doch alles relativ erfreulich? Stolperstein ist die Auflösung, die der eingebaute USB-DAC maximal nativ verarbeiten kann. Von den eingebauten D/A-Wandlern, die aktiv werden, wenn über optisch/koaxial digital oder über HDMI Signale eingehen, sollte man sich hier nicht blenden lassen. Auch wenn diese manchmal sogar nicht nur 192 kHz/24-Bit, sondern 192 kHz/32-Bit oder in Einzelfällen 384 kHz/32-Bit verarbeiten, heißt dies nicht, dass diese Werte für den eingebauten USB-Wandler auch gelten. Dieser ist ein separates Bauteil, und nicht selten ist bei der Verwendung dieses USB-DACs bei 48/24 oder 96/24 Schluss. Das heißt, darüber liegende Auflösungen werden zwar verarbeitet, zuvor aber heruntergerechnet. Das bedeutet, dass der Benefit der hohen Auflösung verloren geht.

Weitere Problematik ist der Umgang mit Direct Stream Digital (DSD) Dateien. Ursprünglich war DSD das Format, in dem die Audiodateien auf der Super Audio CD (SACD) vorlagen. Nachdem sich weder die SACD noch das Konkurrenzformat DVD-Audio (hier waren die Daten PCM-basiert und mittels Meridian Lossless Packing, kurz MLP, auf der Disc vertreten) auf breiter Front durchsetzen konnte, gab es noch viele DSD-Streams, die nun verstärkt auf HiRes-Portalen zum Download angeboten werden. Und immer mehr Netzwerkplayer, AV-Receiver und andere netzwerkfähige Komponenten „verstehen“ DSD, nehmen dieses hochqualitative Format (meist in DSD 2,8 MHz oder DSD 5,6 MHz) demnach entgegen.

Das war es aber auch schon mit der DSD-Herrlichkeit. Denn intern, also im jeweiligen Gerät, wird DSD in PCM gewandelt. Das ist übrigens genauso der Fall, wenn man in den entsprechend geeigneten Universal- oder CD/SACD-Player eine SACD legt und die Signale per HDMI zum angeschlossenen AV-Receiver leitet. Dass auf der digitalen Ebene eine Wandlung von DSD nach PCM stattfindet, liegt daran, dass die intern verbauten D/A-Wandler auf die Wandlung von PCM-Signalen ausgelegt sind. Für die direkte, native Verarbeitung von DSD benötigt man sogenannte 1-Bit-Delta-Sigma-Wandler, die sehr teuer und demnach eher selten anzutreffen sind. Gut, auch nach PCM gewandeltes DSD klingt, ein hochwertiger AV-Receiver/Stereoverstärker etc. und ein hochwertiges Lautsprechersystem vorausgesetzt, wirklich gut. Die volle Güte bleibt aber, wie wir erkennen müssen, nicht erhalten.

Übrigens, gerade HiRes-Files mit hoher Auflösung und entsprechend hoher Datenrate lassen ihre akustischen Vorteile am besten dann erkennen, wenn die Einbindung von Quell- und Wiedergabe-Device ins Netzwerk auf kabelbasiertem Weg erfolgt.

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