TEST: HTC One A9 – Top-Smartphone zum Top-Preis?

Der taiwanische Hersteller schickt ein neues Top-Smartphone ins Rennen und nimmt die Flaggschiffe der Konkurrenz zu einem absolut wettbewerbsfähigen Preis ins Visier. Zumindest der Blick ins Datenblatt ist vielversprechend.

HTC setzt weiterhin mutig auf Premium-Modelle. Das ist gut für das Prestige, weist die besseren Gewinnspannen auf und die Zahl der Konkurrenzmodelle ist geringer – noch. Seit vergangenem Jahr setzen nämlich auch die chinesischen Manufakturen verstärkt auf Spitzenmodelle. Mit der One-Serie hat HTC zwar einen weltweiten Bestseller entwickelt, doch um auch zukünftig gegen die mächtige Konkurrenz aus Fernost bestehen zu können, müssen sich die Taiwaner wohl wieder neu definieren.

Rückseite des One A9

Never change a winning design: Beim optischen Konzept setzen die Macher wieder auf ein Unibody-Gehäuse aus Aluminium. Dieses weist nur eine Bautiefe von 9mm auf und wird abgerundet durch eine Frontseite, die durchgehend aus kratzfestem Gorilla Glass 4 besteht. Das ist elegant, edel und ungemein robust, denn selbst fester Druck auf das Display juckt das One A9 nicht.

Bei den wenigen physischen Tasten gab es eine sinnvolle Optimierung. So ist der farblich angepasste Home-Button gleichzeitig ein Fingerprintsensor. Der An/Aus-Schalter ist geriffelt, sodass er sich leichter ertasten lässt. Im Zusammenspiel mit den sauber versiegelten Slots für die nanoSIM- und microSD-Karte präsentiert sich das One A9 reif für den Catwalk.

Der qualitative Anspruch fällt auch beim Display nicht ab. Beim Bildschirm handelt es sich um einen 5,0-Zoll-AMOLED-Touchscreen mit Full-HD-Auflösung (Pixeldichte 445 ppi). Vor allem im Bereich Farbdynamik, Schwarzdarstellung und Brillanz spielt das Display seine Trümpfe aus. Bei Helligkeit und Weißdarstellung hinkt der Taiwaner hingegen einigen aktuellen Flaggschiffen hinterher. Interessant: Dank verschiedener Modi lässt sich auch der Farbraum auf sRBG einschränken, sodass die Farben softer wirken.

Auch bei diesem One-Modell hat das Thema Kamera eine zentrale Bedeutung. Die ist im Gegensatz zu früheren Modellen vergleichsweite „klassisch“ gehalten und löst immerhin mit bis zu 13-Megapixel auf, wobei das dezente Objektiv von Saphirglas geschützt wird. Für Hobbyfotografen gibt es wieder ein paar mehr oder weniger nützliche Extras. Neben variablem Weißabgleich und verstellbaren ISO-Werten lassen sich die Fotos auch im RAW-Format abspeichern. Spannender ist aber der optische Bildstabilisator und die Möglichkeit Videoclips im Zeitraffer aufzunehmen („Hyperlapse-Modus“). Da während der Aufnahme mit dem Gyroskop gearbeitet wird, sind beeindruckende Kamerafahrten möglich. 4K-Aufnahmen bleiben dem One A9 verwehrt. Da auch die Frontkamera immerhin 4,1 Megapixel aufweist ist der Knipser aber dennoch vielseitig einsetzbar.

HTC One A9 Foto

Foto-Aufnahme bei mäßig bis schwachen Lichtverhältnissen

Und wie steht es um die Qualität? Vor allem bei Tageslicht uneingeschränkt gut und dank der der Doppel-LED sind selbst bei absoluter Dunkelheit Schnappschüsse möglich. Bei schwachen Llichtverhältnissen ist allerdings eine ruhige Hand Trumpf, da Fotos ansonsten schnell verwackeln. Kurzum: Eine Kamera der Oberklasse, aber für den Referenzthron reicht es nicht ganz.

HTC One A9 News Republic

News Republic

Interessanterweise hat HTC den alten BlinkFeed in Rente geschickt. Stattdessen ist die App News Republic vorinstalliert. Einmal eingerichtet verwandelt sich das linke Startbild in eine Art digitale Zeitung mit personalisierten News und Beiträgen aus eigenen Social Media Accounts. Das Ganze wirkt noch etwas frischer als bei BlinkFeed.

Auch beim One A9 ist man im Bereich Speicherplatz sehr flexibel aufgestellt, denn dank neuestem Betriebssystem Marshmallow und dem microSD-Slot können alle Formen von Daten auf eine externe Karte auslagert werden. Erst ab 200 GB meldet der Taiwaner Verdauungsschwierigkeiten.

Bei den Datenschnittstellen wird ebenfalls Technik neuester Stand geboten: NFC, USB 2.0, Bluetooth 4.1, WLAN-a/b/g/n/ac sowie LTE Cat6. Insgesamt ein starker Aufritt im Bereich Komfort, zumal das Gerät zukunftssicher aufgestellt ist.

Nun ist der Fingerprintsensor auch bei HTC angekommen. Der ist klassisch auf der Frontseite platziert, arbeitet schnell und recht zuverlässig und sorgt vor allem dafür, dass sensible Daten sicher geschützt sind. Im Zusammenspiel mit Android 6.0 und dem User Interface HTC Sense 7 steht es sogar für Android Pay, also dem bargeldlosen Bezahlen bereit. Bis dieses Bezahlsystem allerdings Deutschland erreicht, dürften noch einige Monate ins Land ziehen.

Stichwort Android 6.0: Google aktuelles Betriebssystem bietet noch weitere Finessen, wie zum Beispiel eine neue Schlummerfunktion, die mit den Bewegungssensoren kooperiert. Registriert das Smartphone keinerlei Aktivität, geht es flott in den Standby-Modus – das schont den Akku. Das neue Sense 7 wirkt fotter und soll laut Hersteller schnellere Updates erlauben. Insgesamt finden sich aber Android-Veteranen dennoch schnell zurecht, denn alle Bewährten Verästelungen, Personalisierungsmöglichkeiten und Short Cuts sind wieder vorhanden.

Gut: In einer App werden im Startmenü Tableaus geliefert. Abhängig von der Situation man hat der Nutzer via den Modi Arbeit, Unterwegs und Zuhause Zugriff auf die jeweils passenden Apps. Das Arbeitstempo ist übrigens durchgehend zügig.

Seitliche Ansicht mit Kartenslots

Der Name One steht für Qualität und entsprechend potent ist die CPU aufgestellt. HTC One A9 arbeitet mit Qualcomms 64-Bit-Octa-Core Snapdragon 617-Prozessor (1.500 MHz), der durch 2 GB Arbeitsspeicher unterstützt wird. Das reicht locker aus, um die täglichen Multimedia-Aufgaben zu erledigen und 3D-Games ruckelfrei zum Laufen zu bringen.

Auch der 2.150 mAh starke, fest verbaute Akkublock kann überzeugen. In mehreren Testzyklen lag die Rufbereitschaft bei vier bis fünf Tagen – allerdings nur bei vornehmlich reinem Telefonbetrieb. Das gute Ergebnis relativiert sich, sobald man den Taiwaner stärker strapaziert. Unter dem Strich schlägt sich das One A9 im Vergleich zu früheren HTC-Modellen aber deutlich besser. Ebenfalls lobenswert: Das Smartphone unterstützt die Quick Charge-Technologie, sodass der Funker binnen rund zwei Stunden wieder voll aufgeladen ist. Der notwendige Stecker (Quick Charge 2.0) liegt dem HTC One A9 sogar bei.

Im Bereich Sound verspielt dieses One-Modell leider die besondere Stärke der Produktfamilie, da es keine – zurecht viel gelobten – Stereo-Lautsprecher auf der Frontseite gibt. Stattdessen wird ein Mono-Speaker wie bei so vielen Smartphones an das Geräteende verbannt. Das bedeutet, dass beim Spielen im Querformat der Sound nur von einer Seite zugespielt wird. Schade.

Der Klang ist immerhin selbst bei hoher Lautstärke immer noch klar gestaffelt und recht dynamisch, wobei das Bassfundament kaum vorhanden ist. Das One A9 unterstützt übrigens High-Res-Audio sowie Dolby Audio. Auch die Klangqualität bei Telefonaten bewegt sich daher im Grünen Bereich ohne aber eine Topbewertung zu erreichen. Während des Test gab es aber keinerlei Verständigungsprobleme. Weiteres Lob: Das schwarzes In-Ear-Headset ist hochwertig und dank Flachbandkabel bilden sich keine Knoten wie bei vielen anderen Modellen.

Fazit

Mit einem Online-Preis von rund 399 Euro ist dieses One-Smartphone vergleichsweise günstig. Im Bereich Ausstattung und Verarbeitungsqualität haben wir nichts zu kritisieren und dank Android 6.0 & Fingerprintsensor muss man auch bei der Handhabung auf wenig verzichten – im Gegenteil: Es bietet neue Finessen wie Zeitraffer-Aufnahmen oder Android Pay. Uns gefällt dennoch das M9 etwas besser, da die beiden Frontlautsprecher fehlen, die bisher als Alleinstellungsmerkmal gelten können.

Ausgezeichnetes Smartphone mit exzellenter Ausstattung und sehr solider Verarbeitungsqualität – leider keine Front-Stereo-Lautsprecher
sehrgut
27.01.2016

+ Android 6.0
+ Top-Verarbeitungsqualität
+ Exzellente Ausstattung

– Keine optimale Displayhelligkeit
–  Keine Front-Stereo-Lautsprecher
– Fest verbauter Akku

 

Special: Ulf Schneider
Datum: 27.01.2016




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