TEST: Google Chromecast – Das kann der kleine HDMI-TV-Stick für 35 EUR

Google Chromecast

Der Google Chromecast HDMI Streaming Media Player ist seit dem 19.04.2014 offiziell in Deutschland erhältlich und wird für einen recht niedrigen Preis von 35 EUR verkauft.

Der WLAN-Dongle mit HDMI-Anschluss ist von Google vor allem für das Streaming von Online-Video-Diensten konzipiert worden und bringt diese auch auf Fernseher ohne „Smart TV“-Funktionen. Der Stick läuft mit einer Minimal-Version des Chrome OS und setzt für das Streaming eine entsprechende Unterstützung durch Apps wie z.B. YouTube voraus. Denn diese müssen dem Chromecast-Stick die URL-Stream-Adressen mitteilen, von denen dieser eigenständig die Videos lädt. Die Apps übernehmen nur die Steuerung wodurch die Datenübertragung im Heimnetzwerk und gleichzeitig der Stromverbrauch des Smartphones minimiert werden. „Chromecast“ stellt Video in 1080p dar und verfügt zur Stromversorgung über einen Micro USB-Anschluss, der im Idealfall direkt mit dem USB-Port eines Fernsehers verbunden werden kann. Der eingebaute Hardware-Video-Decoder unterstützt das von vielen Internet-Angeboten genutzte H.264 und Googles VP8-Codec. Zum direkten Abspielen von TV-Aufnahmen im MPEG2-Format ist der Chromecast nicht geeignet.

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Im Lieferumfang des Sticks befindet sich ein kurzes HDMI-Verlängerungskabel und ein 5 V/850 mA-Netzteil mit USB-Ausgang und USB/USB Micro-Kabel. Das Netzteil ist nur nötig, wenn keine USB-Buchse am Fernseher vorhanden ist oder diese zu wenig Strom liefert, was man meist anhand von Verbindungsabbrüchen des WLAN erkennen kann.

Für die Erstinstallation des „Chromecast“ hat Google eigene Apps entwickelt, die nicht nur für Android (ab Version 2.3) sondern auch Apples iOS (ab Version 6.0) verfügbar sind. Ausserdem gibt es auch eigene Installationsprogramme für PC und Mac. Im Auslieferungszustand hat der „Chromecast“-Stick sein eigenes WLAN-Netzwerk, welches aufgerufen wird um dann den Schlüssel für das heimische WLAN eingeben zu können. Die Software ist auf einem 2 GB-Flash-Speicher installiert und wird automatisch aktualisiert. Ist die Installation beendet, wird die „Chromecast“-App nicht mehr benötigt, da die Steuerung von Videos bei jeder App individuell erfolgt. Man kann in der Chromecast-App aber z.B. noch die Übertragung von Nutzerstatistiken an Google unterbinden.

Google Chromecast

Nach der Erstinstallation startet der Chromecast immer automatisch, sobald er Strom bekommt. Für den Bootvorgang benötigt der Stick rund 21 Sekunden. Die WLAN-Verbindung wird schnell hergestellt und im Falle einer Unterbrechung auch schnell im Hintergrund wieder reaktiviert. Auf dem Startbildschirm geht es sehr unspektakulär zu. Man sieht nur wechselnde Hintergrundfotos, eine Statusanzeige und die aktuelle Uhrzeit. Eigene Menüs, in denen man etwas einstellen kann, hat der Chromecast nicht. Der Chromecast wird voll und ganz über die Apps gesteuert, die mit ihm Verbindung aufnehmen. Ein separater Audio-Ausgang ist am Chromecast-Stick nicht vorhanden. Man kann den Dongle aber auch via HDMI an einen AV-Receiver anschließen, um ihn zur reinen Audio-Übertragung z.B. von Google Play Music zu nutzen.

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Das Angebot von Video-Angeboten für Chromecast ist noch überschaubar und war anfangs auf wenige exklusive Google-Partner beschränkt. Zum Deutschland-Start haben „Watchever“ und „Maxdome“ ihre Chromecast-Unterstützung angekündigt. Ansonsten lassen sich auch die Online-Dienste von YouTube, Google Play Movies, Google Play Music, Red Bull TV und VEVO nutzen. Ausserdem lassen sich eigene Videos mit Hilfe von Plex aus dem Heimnetzwerk oder der Real Player Cloud auf dem „Chromecast“ abspielen. Unter http://chromecast.com/apps listet Google seine offiziellen Partner auf.

Seit der Veröffentlichung eines Software Development Kits Anfang Februar 2014 ist es auch für freie Entwickler relativ einfach möglich, eigene Anwendungen zu entwickeln. Daher gibt es inzwischen auch immer mehr Android-Apps, die die Übertragung von eigenen Videos aus dem Heimnetzwerk oder vom Smartphone ermöglichen. Beispiele dafür sind die Android-Apps BubbleUPnP und LocalCast Media zur Chromecast oder BeyondPod, die Podcasts an den Chromecast überträgt. Hersteller-spezifische Apps gibt es z.B. von Synology, deren DS Video-App die Videos von einem lokalen NAS-Mediaserver überträgt. Mit der Allcast-App soll es zukünftig auch möglich sein, 1:1 den Bildschirm des Android-Smartphones auf dem Fernseher zu zeigen. MediaThek Cast überträgt die Inhalte der ARD/ZDF/3sat/arte-Mediatheken auf den Chromecast- Auch für iOS gibt es bereits neben den offiziellen Google-Apps einige Anwendungen freier Entwickler.

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Die Chromecast-Funktion wird in den Apps durch ein weiß umrandetes Rechteck mit kleinen Funkwellen am linken unteren Rand signalisiert. Clickt man darauf, wird immer gefragt, mit welchem Chromecast das Streaming erfolgen soll. Man kann also theoretisch auch mehrere Chromecast-Sticks parallel betreiben. Wurde die Streaming-Funktion z.B. in der YouTube-App einmal aktiviert, werden bis zum Neustart automatisch alle Videos, die man aufruft, nicht mehr in der App sondern auf dem Fernseher angezeigt. Auch das Vorspulen erfolgt über die Apps. HDMI-CEC wird leider nicht zum Steuern der Wiedergabe unterstützt.

Google Chromecast

Erst in dem Moment, wo eine App mit Chromecast-Unterstützung gestartet wird, sieht man eine Veränderung auf dem Bildschirm. Aktiviert man die Verbindung zum Chromecast und startet ein Video, benötigt der Chromecast bei YouTube ca. 4 Sekunden bis zum Start. YouTube lädt bei ausreichender Bandbreite direkt die HD-Version. Das kann sich aber von App zu App unterscheiden. An einem VDSL 50-Anschluss erfolgte die Wiedergabe ruckelfrei, ohne Zwischenpuffer-Phasen und bei professionell produzierten Videos auch mit hoher Schärfe und satter Farbdarstellung.

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Nachdem ein Video über eine App gestartet wurde, läuft dieses eigenständig auf dem Chromecast und man kann die App beenden und das Smartphone sogar ausschalten, ohne dass die Wiedergabe davon beeinflusst wird. Startet man ein neues Video aus einer anderen App, wechselt der Chromecast direkt zum neuen Video ohne dass man die Wiedergabe des vorherigen Videos erst beenden muss.

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Alternativ zum Streaming von Videos aus dem Internet kann auch der Bildinhalt eines Chrome (oder Chromium)-Browser-Tabs für Windows, Mac und Linux an den Chromecast-Stick in 720p-Auflösung übertragen werden. Dazu ist die Installation der „Google Cast“-Browser-Erweiterung erforderlich. In diesem Modus erfolgt bei nicht für Chromecast optimierten Seiten die Übertragung direkt zwischen Rechner und Chromecast-Stick mit Echtzeit-Codierung – sofern der Rechner dafür ausreichend Leistung hat. Die Bandbreite lässt sich in zwei Qualitätsstufen in 720p anpassen oder auf 480p reduzieren.

Allerdings werden nicht alle Browser-Plugins unterstützt. So ist z.B. auch nicht das Streaming von amazon Instant Video mit dem Silverlight-Plugin möglich. Flash-Video funktioniert, ruckelt allerdings häufiger und benötigt auch einen recht schnellen Rechner.

Scrollt man im Browser-Tab, bemerkt man einen geringfügigen Zeitversatz. Asynchronitäten zwischen Bild- und Ton waren aber nicht festzustellen. Einfache Internet-Seiten zeigen bereits mit Standard-Kompression eine erstaunlich hohe Bildqualität ohne Artefakte und auch die reine Audio-Übertragung z.B. über die Spotify-Web-Version ist möglich. So kann man z.B. Spotify auch drahtlos an einem AV-Receiver ohne „Spotify Connect“ nutzen.

Auch für den Tab-Streaming-Modus ist nicht immer das eigene Encoding über den Rechner erforderlich: Ruft man speziell für Chromecast angepasste Seiten wie YouTube oder auch eine Seite mit eingebundenen YouTube-Videos auf, so kann man über einen Button im Video-Fenster auch direkt den Stream über Chromecast laden. In diesem Fall kann man den Browser-Tab auch schließen und das Video läuft trotzdem weiter.

Fazit

Google „Chromecast“ ist einer der simpelsten Media-Player auf dem Markt. Google hat die Kosten durch eine Reduktion aufs Wesentliche gedrückt und kann den „Chromecast“ so zu einem Kampfpreis von 35 EUR anbieten. Der Stick kann selbst eigentlich nichts anderes, als auf Kommando von anderen Geräten Videos abzuspielen. Diese Aufgabe erfüllt er aber zuverlässig, in guter Qualität und auch recht schnell.

Was man mit dem „Chromecast“ machen kann, hängt vor allem vom App-Angebot ab. Das ist momentan noch nicht sonderlich groß, dürfte aber in den nächsten Monaten stark anwachsen, weil inzwischen jeder, der dazu Lust hat, eigene Apps entwickeln kann. Das ist derzeit beim deutlich teureren „Apple TV“ noch nicht möglich. Im Vergleich zu Airplay von Apple gefällt, dass der Chromecast nur die Kommandos zum Abruf eines Videos erhält und die Videos dann eigenständig lädt.

Die größte Konkurrenz zum „Chromecast“ ist in der 35 EUR-Preisklasse derzeit der Mini-Rechner Raspberry Pi in Verbindung mit dem XBMC-Media-Center. Für XBMC gibt es bereits eine umfangreiche Anzahl von freien Apps, mit denen man zahlreiche Streaming-Angebote aus dem Internet nutzen und auch Videos aus dem lokalen Heimnetz abspielen kann. Sogar Fernsehen ist mit dem Raspberry Pi möglich.

Allerdings dürfte Google aufgrund seiner dominanten Marktposition zukünftig bei der Unterstützung kommerzieller Streaming-Dienste die Nase vorn haben und da wird der Chromecast auch für Benutzer interessant, die bereits einen Smart TV oder eine Spielekonsole haben, für die es aber nicht die entsprechenden Apps gibt.

Und selbst wenn der Chromecast derzeit nur das kann, was auch auf anderen Wegen schon möglich ist, sorgt Google durch die niedrige Eintrittsbarriere von 35 EUR dafür, dass der Chromecast-Stick zum Ausprobieren einlädt und man mit dem Kauf nicht viel verkehrt machen kann.




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